Dienstag, Februar 15, 2011

Job-Trivia

Super. Jetzt habe ich beim Versuch, Bullet points einzufügen, den gesamten megalangen Eintrag gelöscht und eine Millisekunde danach wurde er "automatisch gespeichert". Suuuuuuuper.
Also von vorne:

  • Ich fahre ja jetzt mit den Öffentlichen zur Arbeit. Ist eine tolle Sache, einmal wegen Karmapunkten, dem Klimawandel, dem Werksgelände direkt am Bahnhof, der guten Verbindung, dem eh schon bezahlten U-Abo etc. Zum anderen springt dabei pro Tag ca eine halbe Stunde Lesezeit für mich raus. Die geniesse ich. Sehr. Und bin auch nicht bereit, sie auf dem Hinweg für Nachbarschaftstrivia ("Wie gefällts dem xy denn jetzt beim Karate? Wie habt ihr das gemacht, als der Kindergarten ausgefallen ist?") und auf dem Rückweg für extended Flurfunk mit Kollegen ("Ja, ich fand auch, dass der Kaffee heute komisch geschmeckt hat. Unglaublich, wieviel Farbkopien verheizt werden") aufzugeben. Und da starre ich also auf dem Bahnsteig stur in mein Buch, auch wenn neben mir jemand nervös mit dem Fuss wippt und unbedingt was loswerden will. (Klar meldet sich meine anerzogene Höflichkeit und das schlechte Gewissen, aber ich weiss genau, dass ich daheim sofort von zwei extrem redseligen Minimenschen in Beschlag genommen werde und da muss ich mein Hirn vorher einfach mal resetten.) Ich werde also in Zukunft vielleicht wieder mit dem Bus fahren, auch wenn das Buspublikum manchmal ein wenig streng riecht. Oder ich muss mir einen anderen Einsteigepunkt am Bahnsteig suchen. Bahnfahrer sind da ja per se unflexibel. Wenn man mal den optimalen Punkt gefunden hat, dann bleibt man da. (Als ich zu Gymnasialzeiten jahrelang eine Station mit dem Zug vom bayerischen Dorf in die Kreisstadt fahren musste, war dieser optimale Punkt, wo man dann direkt in die Unterführung verschwinden konnte, bei uns auf dem Dorf durch eine tote Katze auf den Gleisen markiert. Keine Ahnung, welche konservierenden Stoffe die Züge damals absonderten, aber diese Katze begleitete mich durch meine gesamte Gymnasialzeit. Ja, immer dieselbe, wie mumifiziert....)

  • Zu diesem asozialen Pendlerverhalten passt mittlerweile auch mein Mittagspausenbenehmen: es gibt hier ja nun keine Werkskantine und die Nachbarkantine ist erstens ganz schön weit weg und zweitens ganz schön teuer, so unsubventioniert. Und so zweige ich immer etwas von der Wochendendschlemmerei ab und stopfe es hier dann in die Mikrowelle. Manchmal, ganz gesund, gibt es auch einen am Vorabend zusammengeworfenen Salat, der dann im Büro mit ein bisschen Buch dazu verschlungen wird. (btw: ich habe mein Tuppergastgeschenk ja sehr schätzen gelernt: die perfekte Grösse für eine Mittagsportion Pasta oder Suppe. Jetzt habe ich es aber geschafft, den Deckel anzuschmelzen. Einfach so in der Mikrowelle. Die hat definitiv keine Grillfunktion, ein bisschen Sosse am Deckel hat gereicht, dass Temperaturen nahe der Kerntemperatur der Sonne erreicht wurden und meine letzte Portion Pasta mit Hackbällchen auch ein wenig geschmolzenes Plastik drauf hatte. Hochwertiges Plastik, keine Frage, aber halt doch Plastik. Und der Deckel sieht auch komisch aus, so ein bisschen löchrig. Wie bekomme ich denn da jetzt Ersatz? am besten ohne Party?)

  • Um beim Titel zu bleiben: ich habe nach gut 8 Jahren Berufstätigkeit nun endlich Jeans und Longsleeve als Arbeitskleidung ausgemustert. Bisher war das absolut okay: im Produktions- und Laborbereich muss man ja froh sein, wenn man nicht so rumlaufen muss und Röckchen und Highheels sind ja schon mal gar nicht erlaubt. Ich gebe zu, ein bisschen Feigheit war auch dabei, weil meine (praktisch ausschliesslich männlichen) Kollegen mich ja in Röcken gar nicht gewohnt waren und ich keine Lust auf blöde Sprüche hatte. Jetzt aber, mit auch KollegINNNEN und als Marketingtussi sind Highheels, gerne auch Stiefel und Röckchen mit farbenfrohen Strumpfhosen (nein, mein Hübscher, petrolfarbene Strumpfhosen zu grauem Rock sind nicht papageienhaft) zur Arbeitsuniform mutiert. Ich mag das. Ich mag allerdings auch sehr gerne, am Abend die Highheels in die Ecke zu feuern in den Schrank zu räumen und in Hoodie und Schluffijeans zu schlüpfen.

  • Und um am Schluss noch ein bisschen Seriöses unterzubringen: ich muss lernen, dass, wenn ich eine ausführliche Recherche gemacht habe, die wohl auch gut ist. Und nur weil jemand, der deutlich älter erfahrener als ich scheint ist, in einer Sitzung mit haltlosen Vermutungen um sich wirft mal spontane Schätzungen anstellt, heisst das nicht, dass ich keine Ahnung habe.