Freitag, April 25, 2014

Versprochen ist versprochen

Also: gestern war ich ja aus mehreren gründen etwas nervös und müde, sind aber alle gut ausgegangen, deswegen bin ich heute müde und habe Kopfschmerzen (ist bei mir immer so: wenn ich nervös bin, habe ich Flitzekacke, wenn alles vorbei ist: mörderische Kopfschmerzen. Egal, ist so.)
Aber, ich habe ja gestern lustige Latrinengeschichten versprochen. Zu Schulzeiten war es bei uns (wie vermutlich überall) ganz üblich, dass man kollektiv aufs Klo ging. Der Spruch: "Ich muss aufs Klo, kommst Du mit?" war ganz normal, das Mädchenklo war ein sozialer Treffpunkt. In der Uni war das schon anders, weil, da gab es kaum Mädchen. Wir waren in unserem Jahrgang drei oder vier, dazu gab es noch die Lebensmittelchemikerinnen, aber die schwebten in Gruppen mit langem, seidigem blonden Haar durch die Gänge und verwirrten unsere Kommilitonen und vermutlich gingen die nie aufs Klo. Man könnte also sagen: in der Uni wurde ich zum Klo-Einsiedler. In meinem ersten Job dann war ich die einzige Frau auf dem Stockwerk, die Toilette war auch eine Einzeltoilette mit so einem kleinen Vorräumchen und wenn sich dann mal doch eine Besucherin oder eine Frau aus einem anderen Stockwerk auf "mein" Klo verirrte, wartete ich lieber in meinem Büro als in dem Vorraum, bis ich das Klo für mich allein hatte. Fies natürlich, wenn man (also ich) schon auf dem Klo sitzt und dann kommt jemand und wartet in dem Vorraum und schon ist alles sehr stressig.
Das skurrilste Erlebnis (neben dem, dass mir eins meiner alten Handies auch mal in dieses Klo gefallen ist, aber das ist leider schon fast nix besonderes mehr, das ist mir schon mit fast jedem Handy und fast jedem Klo passiert), auf diesem Klo hatte ich übrigens an dem Tag, als ich nach der Arbeit zum ersten Mal Brautkleidanprobieren gehen wollte. Damit das alles alles super aussieht und man nicht in bunten Socken im Brautkleid ausschaut wie ein Clown, hatte ich zur Feier des Tages eine Seidenstrumpfhose angezogen, das war (und ist) normal kein Bestandteil meiner Arbeitskleidung. Irgendwann dann musste ich auf die Toilette und ich war offensichtlich die erste, die nach dem Durchgang der Putz-Equipe die Toilette aufsuchte. Es war nämlich noch deutlich zu erkennen, dass lilafarbener Reiniger reingespritzt worden war. Leider, leider war der Reiniger nicht nur in die Toilette gespritzt worden, sondern auch auf den WC-Sitz. Das merkte ich allerdings erst, als ich schon sass bzw. erst als ich schon nicht mehr sass, sondern Strumpfhose und Hose wieder hochgezogen hatte, Hände gewaschen hatte und auf dem Weg in mein Büro war. Am oberen rechten Oberschenkel hinten (also: ganz einfach, da wo man auf dem Klositz sitzt) fing es auf einmal an zu jucken. Und zu brennen. Und höllisch zu brennen und ich raste zurück auf "mein" Klo und da war es auch schon passiert: Ich hatte von dem blöden WC-Reiniger auf meiner Haut schon Blasen unterm Hintern, das Zeug hatte sogar ein Loch in die Seidenstrumpfhose gefressen. Ich wusch also ab, was ging, war allerdings eigentlich schon zu spät und jeder, der mal Sicherheitsdatenblätter gelesen hat, weiss, dass dort nach "Betroffene Stellen grosszügig mit Wasser spülen" immer steht: "Kontaminierte Kleidung entfernen." Well, well, well. Ein Halbtag im Büro nur in Unterhosen, dafür aber einem handtellergrossen feuerroten, blasigem Ausschlag unterm Hinter? Grossartig. Manch einer mag jetzt einwerfen, man hätte ja auch zum Werksarzt gehen können und sich erstens versorgen, zweitens eine Arzthose oder irgendwas ausleihen können, aber ganz ehrlich? Ich würde es auch heute, mit dem Wissen, dass sich dieser Ausschlag unter dem Hintern fies entzündet hat und ich am Abend mit einer geplatzten Strumpfhose Brautkleid anprobieren ging, nicht über mich bringen, irgendjemandem, den ich jeden Tag bei der Arbeit wieder begegnen könnte, in die Augen zu sehen und zu sagen "Ich habe mir auf dem Klo den Hintern verätzt."
Heute, mit über 10 Jahren Abstand, mit neuem Job, neuen Kollegen, neuen Toiletten, neuen Putzkräften und anderem, nicht ganz so ätzendem WC-Reiniger, kann ich drüber sprechen ;-).

Das war nur eine meiner Klogeschichten. Ich könnte noch drüber erzählen, dass ich, wenn ich in ein halbwegs öffentliches WC komme und eine Tür nicht verriegelt ist, aber zu, immer in die Kabine mit der offenstehenden Tür gehe, weil ich immer damit rechne, dass hinter der unverriegelten, geschlossenen Tür jemand kollabiert ist. (Warum auch immer ich glaube, dass man zum Kollabieren die Tür nicht absperrt). Ich könnte auch drüber schreiben, dass mein Bürobuddy Little L. heute auf dem Klo dafür gesorgt hat, dass die Frau in der Nachbarkabine fast in die Schüssel gefallen wäre vor Lachen, weil er sich so ernsthaft mit der Loriot-Anleitung zum Klobürstenverwenden auseinandersetzte, die bei uns hängt..... aber: der verätzte Hintern muss übrigens reichen. (Und ja, an diesem Abend habe ich dann tatsächlich mein Traumkleid gefunden. Trotz Pavianhintern)