Samstag, August 24, 2013

A song. And a story #2: "Nimm mich mit", 2raumwohnung





Dieses Lied und überhaupt 2raumwohnung habe ich das erste Mal bewusst noch zu Münchner Zeiten bei Freunden in einer WG gehört. (Naja, und dann gemerkt, dass das die sind, die mit "Zwei von Millionen von Sternen" und der Hypovereinsbank-Werbung (irgendeine Bank auf jeden Fall) zu der Zeit rauf und runter gedudelt wurden)
Ich habe mir dann die CD gekauft (ja, Kinder, so hat man das damals gemacht) und das Lied war auch auf dem Soundtrack zu unserer Hochzeitsparty mit drauf (okay, da waren auch viele andere komische Sachen wie zB dieses Bollywood-Dingens, das damals auch ganz in war). Nach wie vor ist 2raumwohnung (sagt man "ist" oder "sind"?) für mich der Inbegriff von deutschem netten Pop, den man hören kann, wie auch "Paula" zB. Anders als zB Xavier Naidoo mit seinem kaum auszuhaltenden Betroffenheitsgetue und Tom Bensko, den ich erst noch ganz witzig, jetzt aber nur noch mühsam finde, und auch das hochdramatisch tuende, aber dann letztendendlich doch banale Rumdramatisieren von Unheilig, ASP und Konsorten. Warum dann nicht gleich lieb und nett und doch, und da bin ich mir nie ganz sicher, entweder einfach nur strange oder aber so cool wie absurdes Theater. Wenn ich nach einem langen Tag, der von Kompetenzgerangle, Notfallfeuerwehrübungen und einfach nur hochkonzentrierter Arbeit nur so überlief, nicht mehr gerade aus denken kann, spiele ich auf dem Heimweg "Nimm mich mit" oder auch "36Grad" in voller Lautstärke, singe mit, und wenn ich dann daheim bin, dann bin ich wieder guter Laune.
Sicher hängt das auch damit zusammen, dass ich immer wieder an diesen Abend in der WG-Küche in der Kapuzinerstrasse denken muss, der für mich einfach alles symbolisiert, wofür dieses Freundespaar steht: sie zählen einerseits zu unseren allerältesten Freunden (der Hübsche kennt den männlichen Part seit der 5. Klasse), andererseits sind sie so anders als wir: sie haben als Paar in einer WG mit zwei (?) anderen gewohnt, auch dann noch, als sie ihr erstes Kind hatten, sie haben die klassische Reihenfolge "zusammenkommen, zusammenziehen, heiraten, ordentlicher Job, Kinder" wild über den Haufen geworfen, sie sind deutlich rational veranlagt als wir, sie haben ihre Kinder nicht getauft, sondern mit einer Art Namensweihe in die Gesellschaft aufgenommen, die Plazenten wurden im WG-Kühlschrank eingefroren, bis ein geeigneter Platz zum Vergraben gefunden wurde, sie leben trotz und mit ihren Kindern ein ganz anderes Lebensmodell als wir, sie sind grossartige Akrobaten (fall jemand mal im Münchner Raum eine Show für eine Hochzeit bräuchte.....), aber trotzdem: so stur und verbohrt ich vielleicht hier im Blog manchmal auf meiner Weltanschauung als der einzig ríchtigen beharre, mit diesen beiden ist es so, als würden wir wieder um die Jahrtausendwende in München entweder  bei ihnen oder bei uns auf nicht zusammenpassenden Stühlen sitzen, uns die Nächte mit "Siedler" mti allen Erweiterungen (und ich bin immer orange) oder "Carcassonne"oder diesem komischen Kamelspiel um die Ohren schlagen, dazu hektoliterweise Tee trinken, später dann noch Slibowitz aus dubiosen Quellen und dazu 2raumwohnung hören.
Jetzt wird zwar Latte Macchiato oder guter Rotwein getrunken, die Nächte schlagen wir uns mit Kinderwehwehchen um die Ohren, gespielt wird meist mit Kindern auf dem Schoss oder unterbrochen von Playmobilritterburgreparieren, aber wir sind immer noch richtige Freunde, egal wie unterschiedlich wir wirken und sind oder vielleicht gerade deshalb.