Mittwoch, Februar 10, 2021

100221 SCHNEE

 Heute nacht wurde es auch hier richtig kalt, so dass der Hübsche mir irgendwann in der Nacht mitteilte, er würde jetzt das Fenster schliessen, weil es nur nch 13 Grad im Zimmer habe. Dann irgendwann (ich glaube, als er die Katzen fütterte) weckte er mich auf, um zu schauen, ob ich nicht erfroren wäre am wieder offenen Fenster (meine Wahrnehmung, er meinte, er habe mich nur gestreichelt und mir ein Bussi gegeben. Kann ich jetzt so nix zu sagen, ich wollte ja schlafen)

Heute morgen um sechs dann Riesenschreck: der Hübsche lässt sich (und mich, obwohl ich meinen eigenen Wecker mit halt irgendeinem Weckersound eingestellt habe) von, ich glaube, Bixby wecken, der, respektive die, glaube ich, Geschichten erzählt, wie das Wetter diesen Tag wird. Seit heute wissen wir, dass sie bei Schnee einen total gestörte Version von "Jingle Bells" auf voller Lautstärke spielt, bevor sie freudestrahlend erzählt: "Heute schneit es, die Temperaturen erreichen minus 3 bis minus 10 Grad".

Es lagen etwa 10cm Schnee, es schneite den ganzen Tag leise weiter, die Katzen fanden das Wetter so mittel. Sich im Pulverschnee jagen ist halt schon super, kalte, nasse Pfoten zu haben, ist richtig scheusslich. So haben sie sich nie weit vom Haus entfernt und sind andauernd rein und raus geflitzt. Sie (oder ich?) kennen jetzt das Wort unddie Gepflogenheit "Reinkommesnack".

Sonst ist nicht viel passiert, ich arbeite mich ins neue Produkt und das dazugehörige Team ein, wir essen alle gemeinsam zu Mittag, Q. möchte für den Nachmittag seinen Schreibtisch zurück, L. lernt Französisch (der Zahnarzt hat angerufen, wie es ihm denn geht, das fand ich sehr nett. Ihm geht es übrigens super, ich bin sehr froh, dass das so undramatisch beendet ist), Q. Geschichte und Chemie (die WA-Nachrichten und Fragen der Klassenkameraden trudeln ein und wir Chemikereltern sind auf einmal gefragt (und ein bisschen überfragt bei Fragen, die ber den Erwartungshorizonts des Tests am Freitag rausgehen, weil wir zur Erklärung offensichtlich Theorien und Modelle heranziehen, die sie in der Schule noch nicht hatten. Das haben wir messerscharf daraus geschlossen, dass Q. ziemlich genau bei "mesomere Grenzstrukturen" sich in ein einziges grosses Fragezeichen verwandelte. Wir einigten uns auf "Bei dem Versuch, das hier abzubilden, stösst das Modell, das ihr in der Schule gerade besprecht, an seine Grenzen, es ist komplizierter als das." und wenn jemand weiterfragt, kann man sagen "Stichwort d-Orbitale / mesomere Grenzstrukturen"

L. hat Klavierstunde und wir bekommen für die Ferien schon das erste vierhändige Diabelli-Scherzo auf (ich muss meine Bassschlüssel-Lesefähigkeiten wieder ein bisschen entrosten). Ich freu mich tatsächlich sehr darauf!

Vor dem Abendessen crosstrainere ich eine Runde, L. geht mit seinem besten Freund schlitteln, Q. macht mit den Hübschen Workout (ich habe das wegen Handgelenkschmerzen für zwei Wochen oder so ausgesetzt. Es tut immer noch weh, aber ich habe jetzt keine Lust mehr auf Schonen und Pausemachen, ich habe alles umgestellt beim Tippen und der Rest muss jetzt halt heilen, das wird schon.) und nach dem Abendessen schauen wir noch zwei FOlgen "Life in Pieces" gemeinsam und dann ist der Tag auch schon fast wieder um.

Naja, passiert ja kaum was, ist halt so.

Gegessen:

Letztes Kuchenstück

Pfannkuchen (da war mir heute so danach, ich habe mir Lauchgemüse und gebratene Champignons reingetan, die Jungs 50 shades of Süsskram)

Bruschette mit Tomaten und Basilikum und welche mit feingehobeltem Fenchel mit Zitronensaft,

Pasta mit Kichererbsen und Spinat und Salat


Gelesen: "Wolfssommer"

Gesehen: "Bordertown", "Dietland"

Stressleveldurchschnitt gestern 36

Selbstbeweihräucherung: spontan ein ausgewachsenes Abendessen mit Vorspeise gemacht, weil halt. Und Eislaternen für über Nacht angesetzt

Dienstag, Februar 09, 2021

090221 Rough start

 Heute morgen hatten L. und ich ja einen ungewohnten Start in den Tag, nämlich Zahnarzttermin um 8. Das hat mich aus ganz vielen verschiedenen Gründen gestresst, zu allererst, weil ich ahnte, dass L. mit einem Zahn weniger aus dem Ganzen rausgehen würde und dieser Zahn sich nicht freiwillig verabschieden würde. Ich hatte Sorgen, dass L. Angst haben würde, Schmerzen haben würde, vllt mehr Zähne betroffen wären (oder er sich am Ende weigern würde und naja, einen fast 12jährigen hältste halt auch nicht mehr im Schwitzkasten wie einen 6 jährigen beim Impfen). Ausserdem war ich angespannt, weil halt Corona und Arztpraxis, also halt per se Leute und das auch noch zumindest L. ohne Maske. Dann kam dazu: Schnee über Nacht, Berufsverkehr über die Autobahn, und die eh immer angespannte Parkplatzsituation im Quartier der Praxis.

Nun ja. Es lief alles ok, die Strassen waren für verbindliches Homeoffice seit Wochen recht voll (L. meinte: "Ja, die fahren halt alle ihre Zweitgeborenen zum Zahnarzt." "Oder sind selber Zahnärzte, die einen 8Uhr-Termin reinbekommen haben, weil dringend ein Kind mit Gruselzahn kommt."), ich war kein allzugrosses Verkehrshindernis wegen nicht mehr gewohnt zu fahren und auch keinen Schnee mehr gewohnt und auch keine Menschen mehr gewohnt oder Stadt, wir fanden einen Parkplatz in der Nähe und nach Desinfektionsspülung und Temperaturmessen bei L. ging es los und war sehr schnell klar: der Zahn sollte raus. Es ist ein Milchbackenzahn, der bleibende Zahn ist schon fast raus, allerdings klemmen die beiden Nachbarmilchzähne ihn noch sehr ein. Die Wurzel war im September schon weggefressen, ausserdem ein Stück abgebrochen. Trotz ordentlichem Putzens hat sich das alles ordentlich entzündet, und zwar RICHTIG. Ich erspare ihnen Bilder, aber alle bis auf den Zahnarzt waren überrascht, dass ihm nichts wehtat, aber mit der Erklärung, dass der Milchzahn schon im September wegen fehlender Nerven/Wurzeln unempfindlich war, machte das auch für mich Sinn.

L. hatte kurz die Idee, dass man vielleicht einfach nix machen könnte, und der Zahnarzt konnte ihm auch nicht 100% versprechen, dass mit nix sofort höllische Schmerzen auftreten würden, mir allerdings, dass in keinem Fall die neuen Zähne angegriffen würden, aber durch zweiseitige Überzeugungsarbeit liess er sich dann doch zum Rausziehen bewegen. Zwei Spritzen später, ausführlicher Erklärung (L. meinte, er habe mehr Angst vor dem Ziehen als vor dem Spritzen) und jeder Menge technischer Details war alles viel schneller erledigt, als L. befürchtet hatte.

Puh. Sehr unangenehm, aber kein Drama. L. zelebrierte das taube Gefühl, bekam, weil wir eh auf dem Heimweg an einem Bäcker vorbeikamen, eine Fastenwähe für die Znünipause, wir fanden das Auto wieder, der Unfallstau auf dem Heimweg hatte sich aufgelöst, puh, puh, puh.

Ab dann war der Tag leichter, viel leichter. (Arbeit, Arbeit, draussen Schnee, nasse Katzen, kein Schnee mehr, Mittagessen, Arbeit, Arbeit, Arbeit, Sport, Essen, Serie gucken, mit Wärmflasche und Buch ins Bett, fertig.

(Es klingt doof, deswegen stolz auf L. zu sein, ich bin trotzdem stolz, dass er sich durchringen konnte, ehrlich sagen konnte, wovor er Angst hatte und froh, dass es vorbei ist.)

Gegessen:

Restkuchen

Restcurry

Gnocchi mit Gorgonzolasosse und gebackenen Kalettes


Gesehen:

"Bordertown" (noch nicht sicher, ob ich bei aller Liebe zu nordic noir bereit für einen Serie mit einem verplanten männlichen Hauptdarsteller bin, wo ich doch von "Valhalla Murders" und "Deadwind" grossartige Frauenrollen gewohnt bin)

"Life in Pieces" 

"Dietland" (ich bin gespannt, ob das super wird oder superweird. Meine Güte, Kalaueralarm am späten Abend, ich bin von mir selber begeistert)


Gelesen: "Wolfssommer" (joah)

Stressleveldurchschnitt gestern: 32

Selbstbeweihräucherung: das Kind nicht vorab in Panik versetzt.

Montag, Februar 08, 2021

080221 dünn

 ist das Nervenkostüm.

An den meisten Tagen reichte es dicke, an sehr wenigen Tagen gar nicht und an manchen, da zieht es ein bisschen durch.

So einer war heute.

Da reichte es, dass dem Hübschen morgens der letzte Kaffee, der vor "Entkalken nötig" aus der Maschine kam, in die Hose ging (also: nicht physisch). Ich hatte nicht mehr ganz parat, ob man bei der noch fast neuen Maschine das auch erst mal noch ignorieren kann (es ist menügeführt und ja, man kann es wegklicken und noch zumindest EINEN Rettungskaffee rauslassen), aber immerhin wusste ich noch, wo al das Zubehör verstaut ist und wie man unsere Messbecher zusammen stellen muss, damit die relativ erratisch aus allen Löchern schiessende Entkalkungsflüssigkeit korrekt aufgefangen wird.

Der arme Hübsche hingegen musste sich auf den Weg zwei Dörfer weiter machen, das Auto zum Service abgeben. Eigentlich war geplant, das Auto hinzubringen, mit dem Rad zurück, mit dem Rad hin und dem Auto zurückzufahren. Aber leider hat das Wetter dieses Memo nicht bekommen und so schneite es heute den ganzen Tag (nicht mal schön mit Liegenbleiben, nur mit kalt nund nass) und so biss er in den sauren Apfel und fuhr mit Bus und Zug zurück, was per se ja keine grosse Sache ist, nur lang, aber aktuell halt.... gnah.

Ich hingegen machte für L. einen Zahnarzttermin aus (alle waren verwundert, dass er bei dieser Thematik KEINE Schmerzen hat, was ja an sich gut ist, aber hm.) und so werden wir uns also morgen mit dem Auto in die Stadt aufmachen, um Punkt 8 den ersten Termin zu bekommen. Es ist soweit: ich bin nervös, wenn ich erst höre "Oh, da schaut es aber richtig voll aus" und nach Schilderung der Probleme direkt einen schnellen Termin bekomme. Ich hoffe sehr, ich male mir das alles viel schlimmer aus, als es tatsächlich ist.

Bei der Arbeit, ja, hm... irgendwie tu ich mir grad ein bisschen schwer. Es brennt nirgends, was ja eigentlich gut ist, aber anstatt zu sagen: "OK, vielleicht baue ich mal die dröflzig Millionen Überstunden ab, die ich aufgebaut habe, als es an allen Enden lichterloh brannte", nagt es in mir und ich habe Angst, einen Schwelbrand zu übersehen und irgendwann explodiert das Lagerhaus. Oder ich denke, ich könnte wenigstens das Brandschutzkonzept überarbeiten, aber das ist halt auch ein bisschen fad. Naja. Einen kleinen (ausnahmsweise, tatsächlich dank Corona oder mehr dank der Coronamassnahmen global ist es wirklich relativ klein, letztes Jahr und in allen Jahre zuvor wäre das ein Flächenbrand ausser Kontrolle gewesen) Brandherd gibt es, der wird morgen gelöscht.

Als Übersprungshandlung habe ich eine Kiste Bio-Avocados gecrowdfarmt. Keine Ahnung, ob ich da jetzt für 40 Ocken Biomüll durch die Welt schippern lasse oder eine kulinarische Entdeckung mache oder nur eine gute Tat und wir essen 3 Wochen lang Avocados, bis sie uns zu den Ohren rauskommen oder eine Kombination von all dem. Ich habe dann gesehen, dass das noch gamifiziert ist und, wenn man Schafe und Ziegen und Bäume adoptiert, seinen eigenen Garten sieht, und hätte dann schon fast ein Manchegoschaf und einen Zitronenbaum adoptiert, ohne auch nur ansatzweise zu überlegen, ob ich allein 3 kg Käse, von dem man "den Schimmel abkratzen kann und bisschen was wegschneiden, dann kann man ihn problemlos weiteressen, schaffe, wurde dann aber bei den Fotos der authentisch dreckigen und überhaupt nicht niedlichen Schafe von knallhartem Lookism ergriffen und so schaue ich erstmal, was die Avocados können. (L. hat gefragt, ob man von dem Schaf Wolle oder FLeisch bekommt, Minecraft lässt grüssen!)

Ich versuche die Gedanken an die Skiferien auszublenden. Und zwar nicht, weil ich ihnen hinterhertrauere, das tue ich auf einer sehr theoretischen Ebene, weil ich perfekte (oder halt normale) Skiferien oder überhaupt eine solche Auszeit woanders für uns vermisse und wir sie dringend brauchen können, aber die gibt es halt im Moment nirgends. Ich habe unsere Skiferien Anfang Janaur storniert, weil ich dachte: "Wir stecken uns da ziemlich sicher mit nix an, aber die Krankenhäuser sind mehr als ausgelastet, ich habe keine Lust, über den Haufen gefahren zu werden und mit einem Kreuzbandriss oder einem gebrochenen Bein auf dem Krankenhausflur zu liegen, weil die Ärze mit Covidpatienten mehr als beschäftigt sind. Oder dazu beizutragen, dass die eh schon überlasteten Ärzte sich noch mit meinem gerissenen Band beschäftigen müssen." (Ausserdem habe ich keine Lust, Take-out auf Schneehügeln zu essen, weil keine Hütten offen haben)

Mittlerweile hingegen feiern die britische und die südafrikanische Virusmutation in den Westschweizer Skigebieten Party, die Infektionszahlen steigen durch die Decke, die Deutschschweizer Skigebiete lockern wieder, Q.s Klassenkameraden fahren schon jedes Wochenende Skifahren und in anderthalb Wochen sind hier zwei Wochen Skiferien und ich habe wirklich Sorge davor, dass die Zahlen hier danach auch wieder durch die Decke gehen.

Naja, hilft nix, jetzt sind alle zu Hause, der Hübsche hat mehr Leute gesehen als die letzten 6 Monate zusammen, das Auto ist wieder da, die Kaffeemaschine ist wieder wie neu, L. ist für die ersten Stunden morgen von der Schule abgemeldet, alle haben gesportelt, sind geduscht und gleich gibt es Pizza und dann ein, zwei FOlgen "life in Pieces" zusammen. Es ist sehr einfacher Humor, aber halt schon lustig.

Gegessen:

Restkuchen

Restcurry

MOntagspizza


Gesehen: "Life in Pieces" und "Dietland" (ich bekomme davon voll Lust auf Backne!)

Gelesen: "Wolfssommer"

Stressleveldurchschnitt gestern: 23

Selbstbeweihräucherung: laaaaaaang aufbewahrte Kerzen für die Gemütlichkeit angezündet

Sonntag, Februar 07, 2021

070221 Nach dem Staub

 Heute morgen dachte ich, es würde schütten, aber es hatte nur in der Nacht (leicht) geregnet und eben eine dicke Schicht gelben Staub auf unser Dachfenster gelegt (und vermutlich auch auf die Solarpanel, aber es schien eh nicht genug oder überhaupt Sonne, um einen Abfall der Stromerzeugung feststellen zu können).

Das laaaaaaaange Zoomtelefonat mit meinen Schulfreunden gestern (ich klinkte mich nach 3 Stunden aus) hallte noch nach, ich träumte es die ganze Nacht weiter. Es war schön, es war spannend zu sehen, wie all die 18-Anfang 20jährigen, als die ich uns noch zusammen in Erinnerung habe von Abitur bis irgendwann den Hochzeiten, auf einmal in erstaunlich alten Körpern stecken. Aber: 20jährigen sind da immer noch drin :-). JedeR hat ein anderes Päckchen zu tragen, ich möchte mit keinem und keiner tauschen, ich glaube, es geht ihnen auch so und das ist ja auch irgendwie gut. Ich fand es toll, wie das alte Band aber immer noch hält und alle von uns auch nach Jahren der Funkstille, nur unterbrochen durch vereinzelte Kontaktaufnahmen, die immer irgendwie versandeten, offen teilten, wie es uns geht, wo gut, wo nicht gut, was schwer ist, was ok ist und wo wir strampeln. Sehr spannend auch die Erfahrung, mal nicht die mit Abstand extrovertierteste Person einer Runde zu sein (immerhin solider 2. Platz, wie damals in der Schule schon.)

Heute dann: Faulitag. Nachdem es gestern draussen nur ungemütlich aussah, war es das heute auch. Bis auf eine Katzenrunde, in der wir nur eine ob der Geamtsituation empörte Sansa einsammelten, während Jonny (Geruchsprobe hat ihn verraten, dort raucht nämlich jemand) sich bei den Nachbarn eingeladen hatte, waren wir eigentlich nur drin.

Französischüben mit L, Matheüben mit L., Chemieerklärenlassen von Q., Französischerklärenlassen von Q., L. beim Klavierüben unterstützen.

Ein Geburtstagstelefonat mit daheim geführt <3

Wir haben die Unterlagen für L.s neue Schule ausgefüllt, mit seinem besten Freund abgeklärt, dass sie das identische bei den "Bemerkungen" reinschreiben, und jetzt drücken wir die Daumen, dass die beiden, die seit 11.5 Jahren unzertrennlich sind, nun auch gemeinsam in der iPad-Klasse landen. Oder nicht, aber wenigstens gemeinsam. Freund > iPad.

Ich war ja gespannt, ob L. dabeibleiben würde und sich für das freiwillige Wahlfach Latein anmelden würde. So sehr ich auch ein Fan von humanistischer Bildung bin, ich werde niemanden gegen seinen Willen dazu drängen, aber auch nicht abraten, immerhin habe ich mit grossem Latinum und Graecum nicht nur meinen allerersten Job bekommen, ich habe noch alle meine Lexika aufgehoben und wäre doch schön, wenn das alles noch mal zu was Nutze wäre. L. hat seit drei Jahren davon geredet, dass er dann aber sicher mal Latein nehmen würde, auch wenn Q. das nicht gemacht hat. Als es dann um das finale Kreuz ging, meinte er auf einmal "Ach, doch nicht.". Und Q. machte in dem Moment etwas grossartiges: anstatt zu sagen: "Ha, endlich eingesehen, kleiner Bruder, bei uns hassen alle Latein und das machen eh nur die Oberstreber", sagte er: "Hm, ich würds mir überlegen. Bei uns machen die Lateinschüler total coole Sachen, sie lernen extra viel über Römer, aktuell machen sie eine Ausstellung über griechische Götter in der Bibliothek, sie gehen in Museen und dürfen da Sachen anschauen, die die normalen LEute nicht sehen,  und am Gymnasium später fahren sie nach Italien und Griechenland. Und es ist anders alsin Englisch und Französisch, sie reden NICHT die ganze Zeit Latein." Und L.s Augen leuchteten auf: "Römersachen finde ich so super, Ausstellungen auch, voll cool, ich mach das."

Als ich Q. später darauf ansprach, meinte er: "Ich weiss doch, wie L. ist: wenn er genau in der Sekunde grad keinen Bock drauf hat, dann macht er dicht und hinterher tuts ihm leid. Und wenn er es wirklich doof findet, dann kann er ja nach einem Jahr aufhören.". Wann ist das Kind denn so .... erwachsen geworden?

Leider haben wir kurz vor dem Abendessen bemerkt, dass wir mit L. dringend einen Zahnarzttermin brauchen, nix was man jemals und halt erst recht nicht jetzt möchte, aber es hilft nix. Ich hoffe, es klappt Dienstag, morgen ist das Auto nämlich beim Service und so schlimm, dass wir 45min einfach mit dem ÖV durch die Welt gondeln müssten, scheint es nicht zu sein. (Schlechtes Gewissen galore, aber naja, L. ist fast 12, die Zeiten, wo ich ihm regelmässig den Mund inspiziert habe, sind lange vorbei und was auch immer es ist, es tut ihm nicht weh.)

Gegessen:

Aufbackgipfeli und Hefezopf

Erbsen und Karotten (manchmal muss es eine Dose sein. Ich habe fair 2/3 zu 1/3 mit dem Hübschen geteilt)

Kuchen von gestern

"Galettes" einmal mit Kartoffeln, Speck und Gruyere, einmal mit Lauch, Feta und Pinienkernen. Echte BretonInnen oder GalettebäckerInnen werden wahrscheinlich abfällig die Schultern zucken, es hat aber allen sehr, sehr gut geschmeckt und die beste Idee war, zwei ganze Kuchenteige zu machen anstatt einen halb halb zu belegen, nachdem die Captn Cook App das irreführenderweise als 6 Portionen ausgelobt hat. Wir hatten grünen Salat dazu und noch ein kleines Viertel Vegivariante für ein Mitternachtshüngerchen übrig.


Gesehen:

"Deadwind" zu Ende (sehr schön!)

"Life in Pieces" mit allen angefangen. Wer Modern Family mochte, wird das auch mögen.

Mit dem Hübschen "Dietland", wir werden sehen, ob das was für uns ist.


Gelesen: "https://amzn.to/2YVf2w0Wolfssommer" (nicht 100% hooked, aber naja)

Stressleveldurchschnitt gestern: 43

Selbstbeweihräucherung: L. beim Klavierüben geholfen, ohne dass eineR von uns wütig wurde.

Samstag, Februar 06, 2021

060221 Alles ist besser mit Kuchen

Wegen Corona (deswegen Homeoffice, deswegen ein Jahr lang an der Laptoptastatur geschrieben und Touchpad genutzt, deswegen Sehnenscheidenentzündung, deswegen Gelpads bestellt, das hätte aber Versandkosten gekostet, deshalb ...) habe ich ja meine erste Nordicware-Backform.

Die will natürlich eingeweiht werden, ich habe ausnahmsweise mal genau nachgelesen und getan, was in der Anleitung steht (in warmem Spüliwasser waschen) und grad mal das Rezept gebacken, das in der Umverpackung stand.

Die ist sehr unhandlich, der Kuchen aber recht lecker, also schreibe ich das mal hier auf, damit ich sie wegwerfen kann (Die Mengen und Temperaturangaben umgerechnet bis auf die cups, da habe ich sehr hübsche Matroschka-Messbecher, und finde es einfach UNGLAUBLICH nervig, ich möchte, dass bitte überall alles nur noch in g/kg angegeben wird, da muss ich nur einmal die Waage von Haken nehmen und nicht alles versauen, weil ich mit den Bechern hantiere.).

Besonders gespannt war ich auf den Guss mit brauner Butter, ich konnte mir das gar nicht vorstellen, aber, soviel sei schon mal verraten: das kann was.


Also: "Poppy Seed Poundcake with Brown Butter Glaze"

Ankündigung: "The flavor of this Bundt cake is subtle, yet the poppy seed filling provides a little zing and the glaze is dream-worthy"

Mohnfüllung:

1/4 Cup Kristallzucker

1/3 Cup Vollmilch (ich habe halbfett genommen, davon ist die Welt auch nicht untergegangen)

1 EL Butter (Anweisung wollte die in kleine Würfel geschnitten haben, das habe ich ignoriert und es als Klumpen verwendet

0.5 cups Mohn (nicht Mohnback, sondern einfach nur Mohn)

0.25 cup Graham Cracker Brösel (aus Restbestönden des Kanadurlaubs hatten wir tatsächlich Graham-Cracker, ich würde sagen, Semmelbrösel tun es auch. Oder für bisschen Crunch Pankomehl oder Zwiebackbrösel)

Kuchen:

2.5 cups Mehl (ich habe Weizen 405 genommen)

1.5 TL Backpulver

0.5 TL Salz

0.25 TL Natron

230g Frischkäse

230g weiche Butter

1 cup Kristallzucker

0.5 cup "firmly packed dark brown sugar" (Ich habe braunen Rohrzucker und einen Klecks Grafschafter Goldsirup genommen)

4 grosse Eier (hatte nur M, ging auch)

2 TL Vanilleextrakt

2 Esslöffel abgeriebene Orangenschale

Guss:

1EL Mohn

60g Butter

1.5 cups gesiebten Puderzucker

1 TL frisch abgeriebene Orangenschale

2 EL Milch

1 TL Orangensaft


Form buttern und bemehlen (ich hatte total Angst, dass der Kuchen steckenbleibt und habe deshalb ein bisschen übertrieben, so dass die spiraligen Ränder nun aus Buttermehl sind, aber lieber so als andersrum)

Ofen auf 175°C Ober/Unterhitze vorheizen

Für die Mohnfüllung Milch und Zucker zusammen einmal kurz aufkochen, dann Butter drin schmelzen lassen und unterrühren

Mohn "mahlen" (in der Anleitung wird eine Gewürzmühle empfohlen, ich bin stolze Besitzerin einer Mohnmühle, die strenggenommen nicht mahlt, sondern quetscht, wie sich das für Mohn gehört)

Mohnpampe zur Milchmischung geben und auf RT abkühlen lassen, dann Crackerbrösel dazugeben.

Für den Teig Frischkäse, Butter und alle Zuckersorten ordentlich aufschlagen, wenn was am Rand klebt, immer wieder runterschaben

Eier einzeln dazugeben und unterschlagen (ich erspare Ihnen in Folge die ausführlichen Anleitungen, wann man runterschaben soll, einfach immer)

Orangenschale und Vanilleextrakt drunterschlagen

Mehl, Natron, Salz und Backpulver mischen und in zwei Portionen unter die Buttereiermischung rühren (ich wechsle dazu vom Schneebesenaufsatz zum K-Haken und rühre nur kurz, bis alles einigermassen homogen ist)

Bisschen weniger als die Hälfte des Teiges in die Form füllen, bisschen glattstreichen, dann die Mohnfüllung drauf verteilen. Ich habe drauf geachtet, dass die Füllung nicht die Aussenseite der Form berührt, weil ich eine einheitliche Kuchenoberfläche haben wollte und unter allen Umständen eine "Sollbruchstelle" des Kuchens verhindern wollte. Restlichen Teig drüber verteilen, glattstreichen, 1h in den Ofen.

Die Anleitung sagte: nach dem Backn 5 min in der Form auf einem Gitter auskühlen lassen, dann die Ränder vorsichtige lösen, umkehren und in der Form auf dem Gitter ganz abkühlen lassen. Ich Wunderfitz wollte nur mal kurz ein bisschen probieren, ob der Kuchen rausgeht und habe so ein bisschen geruckelt, da kam er schon rausgeflutscht und ich habe ihn halt ohne Form abkühlen lassen.

Guss:

 Mohn in einem Topf kurs anrösten, beiseitestellen

Butter schmelzen und bräunen lassen

Puderzucker sieben, mit Orangenschale, -saft, Milch und der Butter (ohne die schwarzen Feststoffe, ich habe sie durch ein kleines Sieb gegossen, wenn ein bisschen was durchgeht, ist es nicht schlimm) verrühren, bis es sich verbindet. Mohn unterrühren und direkt über den Kuchen geben.




Nächstes Mal traue ich mich mit weniger Butter/Mehl :-)


Der Kuchen ist recht kompakt, die Kombi Orange/Mohn ist mir zumindest neu (ich kannte von meinen Heathrow-Aufenthalten nur Lemmon/Poppyseed), geht aber gut. Die braune Butter im Zuckerguss ist unglaublich lecker! 
(Der Hübsche und ich finden den Kuchen gut, L. "so naja", aber der hat mittelgute Laune, weil er Französisch lernen muss und keine Lust hat, Q. hat nix gesagt, der hat online Pfadiübung, aber der Kuchenteller ist leer)


Sonst ist hier heute nicht viel, eigentlich wollte ich eine mittellange Wanderung mit allen machen, aber dank Saharastaub ist es draussen so gelbgrau, dass das gar nicht einladend ist (es ist nicht kalt, nicht nass, nur nicht schön), ausserdem ist ja Pfadi und Französisch, also habe ich halt gebacken.

Heute abend, nach 1 Jahr Pandemie ist es soweit: unsere alte Schulclique hat sich per Zoom verabredet. Ich habe seit dem letzten Klassentreffen, auf dem ich war (vor 7 Jahren) nichts mehr von all ihnen gehört, ich bin gespannt!











Freitag, Februar 05, 2021

050221 WMDEDGT 02/21 Corona-Edition, die 11.

You know the drill, right? Es ist der 5., d.h. es heisst wieder "WMDEDGT?" (kurz und knackig für "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?"). Noch einmal, dann haben wir EIN JAHR CORONA-Edition. Yay-ish.


Das heisst, heute trifft sich der Freundeskreis Tagebuchbloggen sozusagen hier und verlinkt sich in der Liste unten.

Das ganze hat im April 2013 seinen Anfang genommen (d.h wir machen das seit über sieben Jahren?! Ich dachte, es gibt Blogs erst seit 2015 :-)!) in einer Tagebuchblogwoche und hat sich irgendwie verselbständigt.

Die Regeln zum Mitmachen sind einfach:
  • über den heutigen Tag tagebuchbloggen (ohne Werbung)
  • verlinken, mehr dazu findet sich am Ende dieses Posts.
Hier: just another Corona-Freitag.
Aufgeweckt worden um 5:53h von einem erstaunlich kooperativen Kater, der sich bis zum Weckerklingeln 7 Minutem später durch ordentliches Kraulen davon abhalten liess, mich aus dem Bett und zum Futterparatmachen zu schleifen.
Homeoffice bis erstmal halb neun, es ruckelte und zuckelte in unseren Systemen, was zu abstrusen Mail-und Chatverwirrungen führte, weil die Zeitlinie nicht mehr passte. Dazu klappte der Zugriff auf diverse Systeme nicht, was das Arbeiten erstaunlich zäh machte. Auch erstaunlich: der Zugriff auf das Lernsystem klappte problemlos, also habe ich meinen Trainingsrecord auf Vordermann gebracht. (Tipp: wenn eine Auswahlmöglichkeit "all of the above" ist, ist das immer richtig.)
Dann schnelle Einkaufsrunde mit dem Hübschen und allen Rentnern und sonstigen Earlybirds, es war voll genug (ich würde gern viel früher als um 8:30h einkaufen gehen können, da ist ja der Tag schon halb rum!). Die neuen FFP2-Masken sitzen super, zusammen mit nur einer Minischüssel Special K zum Frühstück Stunden vorher, Hitze, Jacke an, führte das zu einem sich verabschiedenden Kreislauf in der Gemüseabteilung. Ich kenne ja mittlerweile die Warnzeichen: Extremitäten kribbeln erst, werden dann taub, das Sichtfeld wird vom Rand her eingeengt, es flimmert, mir wird unglaublich heiss  und dann irgendwann sehr schlecht und zittrig und panisch. Normalerweise hätte ich eine Cola direkt vor Ort getrunken, aber unter aktuellen Bedingungen ja eher nicht und ausserdem wollte ich keinen Aufstand machen. Also habe ich nur dem Hübschen gesagt, dass wir jetzt echt, echt Gas geben müssen, weil mir gar nicht gut ist und wir haben im Affenzahn Obst/Gemüse, Brot und Tiefkühlzeug erledigt und ich habe das Passabenesystem gefeiert, das einen Selfcheckout eines Familiengrosseinkaufs binnen 2 Minuten (und das auch nur, weil TWINT wieder mal gehakt hat) erlaubte. Draussen dann schnell Maske ab, saisongerecht einen Käsefastenwähe reingestopft und schon gings wieder.
Daheim liefen dann auch wieder alle Systeme, machte das Arbeiten schon ein bisschen einfacher.
Mittagessen: wir hatten gestern alle Reste aufgegessen, ich hatte keine Lust auf was Aufwendiges, obwohl der Kühlschrank knallvoll ist. Spontan gelüstete mich nach Spaghetti Aglio Olio. Es gab so Mischtaschen mit Pak Choi, Chili, Chinakohl, LImetten und Papaya, die ich nicht genommen habe, Papaya schmeckt scheusslich, im Angebot und wir haben sehr viele frische Chilis. Spaghetti waren allerdings aus, und all die anderen Nudeln, die wir haben, passen da nicht dazu, dafür habe ich aber wegen beschlagener Brille letzte Woche "Semola per Pasta" statt "Farina per Pizza" gekauft, die direkt nebeneinanderstehen und die gleiche Aufmachung haben, also habe ich mal wieder den Pastamaker rausgekramt (ich weiss, die meisten Blogger, die einen haben, feiern ihn, ich persönlich finde ihn schon nett, gerade wenn man Spezialnudeln wie Linguine mit Pfeffer, Fenchelsamen und Limettenschale oder sowas macht und auch für Lasagneplatten, die man dann direkt für die Form passend zuschneiden kann, aber besser als stinknormale Spaghetti schmecken die frischen da draus halt nicht und auch wenn alles in die Spülmaschine kann, ist es halt schon ein viel grösserer Act als eine Schachtel aufzumachen.  Und es ist ein Riesentrum, das irgendwo Platz braucht. Naja. Aber: es hat schon was meditatives, den Nudelwürstln beim Rauskommen zuzuschauen.) Während das alles fertigwurde, habe ich noch Cocktailtomaten halbiert, viel Basilikum gehackt, Parmesan gehobelt und hinterher hatte das Essen bis auf die Schärfe und den olfaktorischen Teil nichts mehr mit dem schnellen Studentenessen gemein, das ich eigentlich angestrebt hatte.
Nach dem Mittagessen noch ein schnelles Alignmentmeeting, das ich als sehr mühsam befürchtet hatte, weil es eine kilometerlange Emailkonversation auflösen sollte, aber es ging erstaunlich flott.
Dann: Freitagnachmittagsüberstundenabbau! Also: Wäschezusammenlegen, Crosstrainerrunde, Katzenspaziergang, Schwätzchen mit der Nachbarin über den Gartenweg (Jonny hatte dort einen kleinen Apero eingenommen), Jonny erschreckte einen Mann, der auf Jonnys (= die Bank auf dem Heimweg, auf die sich der Hübsche  IMMER setzt und Jonny, der dazuhüpft, krault) Bank sass zu Tode, weil wir einfach vorbeigehen wollten und das geht ja wohl nicht, man MUSS auf dem Heimweg auf die Bank hüpfen, auch wenn da jemand sitzt. Der Mann hatte Kopfhörer auf und erschrak zu Tode, als ein schwarzer, laut schnurrender Kater von hinten über die Lehne neben ihn sprang und Streicheleinheiten forderte.
L. beim Klavierüben geholfen, Zvieri für den Hübschen, L. und seinen Freund vorbereitet, damit das Wochenenden für alle bis auf Q. eingeleitet. Den holt der Hübsche jetzt von der Schule ab, ich werde gleich den Pizzateig kneten, den Ofen vorbereiten, den endlich wieder selbst erlaubten Freitagabendaperolspritz mixen und dann gibt es Pizza und danach schauen der Hübsche und ich "Malcolm und Mary" (Marta?) auf Netflix.
Wochenende. Dringend nötig.
Sonst geht es mir so mittel, die Brandblase ist in dem unangenehmen Stadium, wo sie juckt, wehtut und suppt. Eigentlich Zeit, um mal ein bisschen zu operieren. Das Handgelenk tut auch immer noch ganz schön weh, ich habe es (so typisch) mit der Schiene übertrieben und jetzt habe ich an der Innenseite eine wundgescheuerte Stelle. Die Gelpads fürs Handgelenk sind super, Kühlen hilft auch (ich warte ja nur drauf, dass ich es auch da übertreibe und Gefrierbrand oder so bekomme), mit Ibuprofen/Diclofenac habe ich jetzt mal aufgehört, weil ich es damit ganz sicher nicht übertreiben will und so toll half das auch nicht. Naja. Wird irgendwann auch.
Ich war die letzten Tage und Wochen erstaunlich abgestumpft gegenüber den Schweizer Coronazahlen, ich hatte das Gefühl, dass sie langsam abnehmen, trotz der verschiedenen Mutationen, was ja per se schon mal gut ist. Dann habe ich aber gestern gesehen, dass der Schweizer Durchschnitt mal wieder ein ganz falsches Bild vermittelt und der Röstigraben wie so oft die Romandie und die Deutschschweiz teilt. Es sieht genau umgekehrt wie vor Weihnachten aus: in der Deutschschweiz eigentlich ganz ok, in der Romandie ... nicht so. Dort wütet die britische und südafrikanische Mutation und auch wenn die Mobilität über die Sprachgrenze wohl eher nicht so gross ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es hier ankommt. Die Signale sind gemischt: die deutschschweizer Skigebiete lockern munter, während Pilotprojekte für Massentests in Schulen und Pflegeeinrichtungen hier auch endlich anlaufen.

Nun ja. Dann geht das also doch noch ein bisschen länger weiter so.
Erstmal Pizza.



JETZT ZUM KLEINGEDRUCKTEN: 
Post-DSGVO-Reminder: wenn Sie sich auf die Liste eintragen, geben Sie Daten von sich frei. Was Mr. Linky damit macht, steht hier. Wenn Sie das nicht wollen, sollten Sie sich nicht eintragen. 

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Donnerstag, Februar 04, 2021

040221 Holland in Not

 Gestern abend kam ich, ich weiss gar nicht mehr genau warum.... beim Abendessen und danach, es ist nämlich eine längere Geschichte, ins Schwadronieren geraten (ah, es ging um Unterschied zwischen Analyse und Synthese, um Risikobetrachtung, um den gekippten Rhein 1986 und von da war es nicht mehr weit zu War Stories, bei denen wir dabei waren) und weil hier ja aktuell NIX oder wenigstens nix Spannendes passiert, erzähle ich heute mal, wie mir unterstellt wurde, fahrlässig die Trinkwasserversorgung von ganz Holland aufs Spiel zu setzen. Es ist auch ein bisschen ein Lehrstück über Zahlen, Daten, Interpretation, Lösungssuche und, ganz wichtig, darüber, wie wichtig es ist, zu verstehen, wann man selber der Experte ist und dementsprechend zu agieren.

Also. Ich teile hier keine Details, weil das alles sehr lang her ist und ich mich nicht mehr genau an alles erinnere, tut auch nix zur Sache, es ist verjährt, die Firma, bei der ich damals arbeitete, gibt es nicht mehr (was übrigens alle Firmen, bei denen ich bisher war, gemeinsam haben. Hm.)

Ich hatte damals recht frisch die Verantwortung für eine Produktion übernommen, die 7 Tage die Woche lief, nicht im Konti, sondern im Batchbetrieb, will heissen, dass alle 24h ein Batch gestartet wurde und dementsprechend auch alle 24h ein Batch fertig wurde. In diesem Verfahren wurde ein Lösungsmittel eingesetzt, das damals nur als "gar nicht biologisch abbaubar und Verdacht auf reprotoxisch and teratogen" galt, heute steht das Produkt auf der Liste der "Substances of Very High Concern" und darf seit  2015 nicht mehr in der EU (oder in Produktion für die EU) verwendet werden.

Noch dazu ist dieses Lösungsmittel mit Wasser unbegrenzt mischbar, d.h. man kann es nicht als organische Phase abtrennen, es ist halt einfach im Wasser.

Deshalb konnten wir das Abwasser der Produktion damals nicht direkt in die Kläranlage einleiten, sondern hatten speziell dafür eine Fenton-Oxidationsanlage (Was die Fenton-Oxidation ist, können Sie selber googlen, wenn es Sie interessiert.) für das Abwasser im Keller stehen, das war ein Riesenrohrreaktor, das war schon etwas besonderes. 

Weil ja Chemieunternehmen immer unterstellt wird, mit Freude Flüsse und Gewässer und Boden und Luft zu verseuchen hier ein kleiner Exkurs: Abwasser und Abgas und überhaupt Abfallentsorgung gehört zu jeder Verfahrensentwicklung dazu. Für das Abwasser bedeutet das: bevor man prodzieren darf, müssen Abbaubarkeitsstudien durchgeführt werden mit Klärschlamm aus der entsprechenden Kläranlage und erst wenn die bestanden sind (und natürlich keine wassergefährdenden Stoffe enthalten sind), darf man starten. Ich habe in meiner Zeit in der Verfahrensentwicklung mehr über Wassertiere gelernt als in 11 Jahren Schulbiologie (Goldorphe, Wasserfloh, Buntbarsch, Daphnien ....). Dann muss man den Kläranlagenbetreibern jeweils rechtzeitig anmelden, dass was und was genau wann kommt und dann kann man loslegen.

Durch diesen Rohrreaktor wurde also alles Abwasser geschickt, dadurch wurde dieses Lösungsmittel bis auf eine sehr, sehr kleine Restmenge zu unproblematischen Abbauprodukten zersetzt und war bereit für die Kläranlage und dann für den Rhein vor der Haustür.

Wie erwähnt lief die Produktion auf Hochtouren, alle 24h Stunden fielen also mehrere Kubikmeter dieses Abwassers an. Bei der Übernahme der Produktion wurde mir eingebläut, dass es ein absolutes No-Go wäre, das Abwasser unbehandelt abzulassen, d.h. für den Fall, dass der Rohrreaktor ausfallen würde, stand ein Ersatzreaktor im Lager bereit und zur Überbrückung der Umrüstzeit standen Swisscontainer zum Lagern des Abwassers bereit. Viele Swisscontainer (ein Container fasst 1m3, das sind 1000L).

Die Produktion lief also vor sich hin, ich machte meinen Job, überprüfte täglich den Rohrreaktor oder zumindest die Protokolle, in denen die Überprüfung des Rohrreaktors dokumentiert wurde, nix fiel aus, alles lief super.

Eines Tages stand unser "SGU-Beauftragter" in meinem Büro (SGU = Sicherheit, Gesundheit und Umwelt. Heute heisst das SHE-Officer, das bedeutet dasselbe, aber man kann mehr Witze damit machen. Apres-SHE, SHE-Hulk, SHE-Kurs. Ich schweife ab.), weil "Wir müssen reden."

Er hatte einen Anruf von der Rheinüberwachungsstation im Dreiländereck ein paar Kilometer rheinabwärts bekommen, dass die Konzentration ebendieses Stoffes über einer gewissen Schwelle gewesen wäre.

Dort wird an mehreren Stellen im Fluss kontinuierlich die Wasserqualität überwacht, sowohl auf bekannte Verunreinigungen (man muss wissen, wenn der Rhein die Schweiz dort verlässt, haben schon alle Chemie- und Pharmaunternehmen der Schweiz ihre Abwasser eingeleitet und das sind einige.), als auch auf (noch) unbekannte Stoffe. Für bekannte Stoffe wird die Alarmkonzentration aufgrund des Toxizitätsprofils festgelegt, für unbekannte Stoffe gilt ein generischer Wert. Sobald ein unbekannter Stoff immer wieder auffällt als oberhalb dieses Grenzwertes, wird bestimmt, was das ist und wo das herkommt. Das war schon vor meiner Zeit für "mein" Lösungsmittel passiert (daher wusste der übergebende Kollege, was passiert, wenn der Fentonreaktor mal nicht ganz so tut, wie er sollte), es wurde also analysiert, dann bei den einleitenden Unternehmen nachgefragt, wer das verwendet und glücklicherweise waren wir auf der ganzen Rheinstrecke von Quelle bis Schweizer Grenze die einzigen. Glücklicherweise, weil: wir mussten uns nicht mit den "Kollegialfirmen", wie man sie nennt, wenn man sich grad gut verträgt, einigen und absprechen, nicht ganz so glücklicherweise, weil wenn immer mehr auftauchte, stand erst die Rheinüberwachungsstelle und dann die Umweltämter zweier Kantone und dann das Umweltbundesamt bei uns vor der Tür. Respektive vor der Tür uneres SGU-Chemikers. Und der dann vor meiner Tür oder auch direkt schon im Büro.

Also. Wir hatten also den Wert überschritten, bei dem erstmal die Überwachungsstation aufmerkte. Der SGU-Chemiker versprach der Überwachungsstation, dem nachzugehen und im Auge zu behalten. Ich überprüfte den Fentonreaktor, die Produktion, die Wassermenge, die der Rhein in den Tagen führte (das hydrogeologische Bundesamt stellt das tagesaktuell zur Verfügung, aus retrospektiv), es sah alles gut aus, ich versprach de, SGU-Chemiker, das im Auge zu behalten.

Es ging ein bisschen, es gab immer mal wieder einzelne Anrufe, es war nie oberhalb des tatsächlichen Grenzwerts, nur oberhalb der "wir werden nervös"-Schwelle und irgendwann wurde auch der SGU-Chemiker nervös. Er stand bei mir im Büro und meinte: "So, wir können nicht nix machen, das fliesst den Rhein runter, es wird überhaupt nicht abgebaut, was drin ist, ist drin, dann kommt noch die BASF und weiss der Geier, wenn die nur noch ein Minischlückchen einleiten, dann ist das oberhalb des Grenzwerts, weisst du eigentlich, dass ganz Holland ihr Trinkwasser aus dem Rhein bezieht und was passiert, wenn die das abklemmen müssen und DU BIST DRAN SCHULD?!" Okay, ich hatte jetzt nicht soooo eine grosse oder überhaupt eine emotionale Bindung an Holland und ich würde Rheinwasser schon in Basel oder auch vor unserer Einleitestelle nicht unbedingt trinken wollen, geschweige denn hinter der BASF, aber vermutlich ist das alles Gewohnheitssache und ich möchte jetzt ja auch nicht dran schuld sein, wenn ganz Holland Flaschenwasser trinken muss anstatt der Dreckbrühe aus dem Rhein, bloss weil ich ein bisschen zu viel vielleicht teratogenes, vielleicht reprotoxisches reingeleitet habe.

Also hatte ich nicht mehr nur ein Auge drauf, sondern "machte was".

Was ich machte, war: dem Produktstrom folgen. Ich wusste ja, wieviel von dem Stoff wir in die Reaktoren oben reinschütteten, also liess ich Muster ziehen und analysieren:

  • Aus der Mutterlauge (= festes Produkt war abfiltriert) und 
  • der Waschlauge, sowie
  • aus dem Abwasserpufferbehälter vor dem Fentonreaktor

Ich liess Durchflussmesser installieren, um die Gesamtströme zu messen und aus den gemessenen Konzentrationen absolute Mengen zu berechnen. Die verglich ich mit den Einsatzmengen, wiederholte das für eine Anzahl Batches und wusste am Ende: was wir oben reinschütten, kommt im Abwasser auch wieder an. Wir haben kein Leck, keine undichte Leitung oder irgenwas, wo etwas raussickert und so im Rhein landet.

Ich liess die Konzentration vor und nach dem Fentonreaktor bestimmen, die Betriebstemperatur aufzeichnen und konnte auch da nach einer gewissen Zeit sagen: der tut was er soll, er läuft verlässlich und reduziert die Konzentration des Lösungsmittel auf den Grenzwert, den wir anpeilten.

Ich rechnete diese Restmengen mit der Wassermenge um, die der Rhein führte (das schwankt jahreszeitlich durchaus ordentlich) und auch mit den potentiell niedrigsten Wassermengen kam ich nicht einmal in die Nähe der Meldeschwelle, die regelmässig gerissen wurde. Dort lernte ich übrigens den Satz, den ich seither erstaunlich oft angebracht habe: "Eins ist ganz klar: wir werden unseren Produktionsplan nicht dem Wetter anpassen. Wir haben das 21. Jahrhundert, wir müssen wetterunaabhängige Prozesse haben." Das passt erstaunlich oft und wird erstaunlich oft nur halb im Spass vorgeschlagen, ist aber nie eine gute Idee. 

Ich kontaktierte die "Kollegialfirmen" rheinaufwärts und -abwärts, ob sie vielleicht neu doch auch dieses Lösungsmittel verwenden würden, aber nein, nix.

Zu diesem Zeitpunkt wurde der SGU-Chemiker langsam sehr nervös. Er verpflichtete mich zu "out of the box thinking" und dazu, das gesamte Konzept in Frage zu stellen. Einer unserer obersten Bosse auf dem Standort war frisch von einem Sitevisit eines anderen Standorts im Wallis zurückgekommen und hatte sich gemerkt, dass die dort eine Hochtemperaturverbrennungsanlage mit freien Kapazitäten hätten. Und das wäre doch eine sehr saubere Lösung, das Abwasser nicht in den Rhein zu leiten, sondern zu verbrennen. Im Wallis. Jede Woche mehrere Eisenbahnkesselwagen voll. Um zu zeigen, dass das keine wirklich super Idee wäre, rechnete ich also nicht nur noch mehr Mustermengen in Konzentrationen im Rhein um, sondern liess mir auch noch Offerten für Kesselwagenbuchungen ins Wallis von SBB Cargo schicken, um den SGU-Chemiker und den Oberboss mit kreativen Lösungsansätzen zu beruhigen.

Parallel folgte ich weiter der Spur des Produkts. Nach dem Fentonreaktor wurde das ganze in unser Arealabwassersystem eingespeist, ich liess also an der Einspeisestelle und den verschiedenen Einmündungen anderer Ströme Muster ziehen (Ich habe so viele Leute und Tunnel kennengelernt!), rechnete Massenströme aus und die Bilanz stimmte immer noch.

Der SGU-Chemiker war immer noch sehr nervös und rechnete mir anhand der Überwachungsdaten aus, dass ich ungefähr doppelt bis dreimal so viel einleiten würde, wie ich anhand meiner Muster behaupten würde und ich hätte ganz klar den Prozess nicht unter Kontrolle und wann wir denn den ersten Zug ins Wallis schicken würden.

Ich war langsam tatsächlich ratlos. Mir war klar, dass meine Daten von der Quelle die verlässlicheren sein MÜSSEN, weil ... naja danach verdünne ich das alles mit einem STROM, ziehe dann ein Gläschen zur Probe und rechne dann zurück, das kann nicht genauer sein als das, was ich direkt an meinem Reaktor messe.

Ich freundete mich mit den Leuten inder Rheinüberwachungsstelle an, bekam jeden Tag die Messwerte geschickt, dokumentierte jeden Tag das, was wir ins Abwasser schickten, rechnete mit der Wassermenge im Rhein um und an einem Grossteil der Tage stimmte es recht gut, an anderen waren die Werte einfach immer zu hoch, an wieder anderen zu niedrig.

Ich lief also (nicht nur in Gedanken) die Rohrleitung weiter entlang und landete... in der Kläranlage. Ich hatte keine grosse Hoffnung, dort auf des Rätsels Lösung zu stossen, weil ich ja wusste: das Zeug ist biologisch NULL abbaubar, es wird nicht weniger, aber es kann dort auch nicht mehr werden. Trotzdem: die Idee mit dem Zug jede Woche ins Wallis war so irre, ich besuchte also die Leute in der Kläranlage und schilderte mein Problem und während ich also mit all meinen Diagrammen und Schaubildern über WOCHEN rumhantierte, meinte einer der Kollegen dort: "Ja, das ist ja alles schön und gut, aber es stimmt nicht. Wir gehen hier am Freitag um fünf nach Hause und kommen am Montag um sechs in der Früh wieder. Dazwischen ist der Ablauf zu."

Bumm.

Und so klärte sich 400000 Messpunkte später alles ganz einfach auf: die Kläranlage machte Wochenende, die Produktionsabwässer übers Wochenende wurden gesammelt und am Montag gesammelt abgelassen. Je nach Strömungsgeschwindigkeit des Rheins kam zwei, drei, vier Tage später an der Rheinüberwachungsstelle der Montagsschwapp von uns an, der nicht nur die Menge EINES Ansatzes enthielt, sondern die von dreien. Und das war manchmal einfach zu viel.

Ab da war die Lösung dann einfach, ich konnte das Zugprojekt beerdigen und musste nur dafür sorgen, dass während laufender Produktion sichergestellt wurde, dass am Samstag und Sonntag ein Kläranlagenkollege einmal das Einleitrohr öffnete.

Ende der Geschichte. Holland kann entspannt weitertrinken.