Samstag, Januar 31, 2015

Und bämm.

Eigentlich fahre ich mein Leben lang mit "prepare for the worst" ziemlich gut. Ich habe (fast) immer einen Plan, ich werde eigentlich nie negativ überrascht.
Es hat aber Grenzen und damit bin ich gar nicht gut.
Gestern abend nämlich hatte ich auf einmal den ganzen rechten Arm voll mit roten Ausschlag. Im Ohr die Stimme des Werksarzts ("Wenn Sie rote Punkte bekommen, müssen Sie das Bactrim sofort absetzen und zum Arzt!"), vor mir der Beipackzettel ("Wenn Sie diese Nebenwirkungen bei sich beobachten, setzen Sie das Medikament sofort ab und suchen Sie einen Arzt auf!") und der Wiki-Eintrag und die hausinterne Zeitung, wo das Bactrim zwar hochgelobt wird, auch in Hinblick auf Einsatz gegen MRSA oder Entwicklung von keinen Resistenzen, ich habe nicht genau weitergelesen, weil ich kriege ja roten Ausschlag davon, aber eben auch auf das happige Nebenwirkungsspektrum verwiesen wird.
Wieder habe ich kurz überlegt, mir zu sagen: "Ach, so ein paar Punkte, vielleicht ist es ja nix, ich nehm das einfach weiter?!", dann aber habe ich mir mit dem Hübschen einen neutralen Beobachter geholgt, mit der Krankenkassenhotline telefoniert und bin dann mit der Anweisung "Bloss nicht weiternehmen, morgen sofort zum Notdienst, wenn Sie anschwellen oder keine Luft kriegen, dann direkt." ins Bett.
Yay.
Naja, heute (und kaum zu glauben, dass das gestern abend echt ein Stressfaktor für mich war) habe ich dann erstmal meinen Friseurtermin abgesagt, dann rausgefunden, wo die hausärztliche Notfallpraxis ist und dann ... naja, dann ging das halt los, man kennt das, man erzählt 17 Mal die gleiche Geschichte und endlich ist ein Arzt da.
Und dann... ich dachte ja, ich hätte an unsensiblen Nierenärzten schon alles mitgekriegt, aber das war schon fast ein neuer Level.
Erst hat er angezweifelt, dass die Punkte vom Bactrim kämen (weiss ich ja auch nicht, aber wenn der andere Arzt es schon extra sagt? Und wahrscheinlicher, als dass ich nach 20 Jahren Chemie auf einmal eine Unverträglichkeit gegen "chemische Sachen" im allgemeinen entwickelt habe, die bei uns ausserdem erstens nicht von mir und zweitens vollkommen geschlossen gehandhabt werden, ist es auch.).
Dann hat er angezweifelt, dass ich überhaupt einen Infekt hatte ("Soviel Blut? ist ja eher untypisch."). Dummerweise/praktischerweise war in der Urinprobe dann auch nix mehr nachzuweisen, also meinte er dann so: "Jaja, so Werksärzte, die kennen sich halt auch nicht so aus mit Nieren und so. Eher mit Arbeitsmedizin" (Mal ernsthaft: so einen Stick in einen Pipibecher halten und das Ergebnis mit einer Skala vergleichen, das könnte auch ich.)
Dann aber kam die geballte Kompetenz (man erinnere sich: bis jetzt hatte er meinen Arm angeschaut und einen Urinbecher) und Empathie zum Zug: "Naja, Sie sind ja eigentlich noch nicht in dem Alter, obwohl, welcher Jahrgang sind Sie? Weil bei sowas, da muss man dann halt schon auch mal an Blasenkrebs denken. Oder Nierenkrebs. Oder Gebärmutterhalskrebs. Das wäre eher typisch für so viel Blut, nicht eine Entzündung."
Ich habe dann erstens versucht, nicht direkt loszuheulen (ich meine, ich war müde, weil ich vor lauter Angst, im Schlaf anzuschwellen und zu ersticken schon nur so mittel geschlafen hatte, und dann ist er ja auch der zweite, der ohne jede gescheite Untersuchung erstmal Krebs in den Raum schleudert, vielleicht HABEN DIE JA RECHT?), habe auf die Entzündungswerte jenseits von gut und böse am Donnerstag verwiesen und auf den sauteuren ausführlichen Ultraschall vom Herbst, wo man ja wohl gesehen hätte, wenn da irgendwas falsch wäre, aber er hat nur gelacht "Hehe, mhmm, ich hatte da mal eine Patientin.... das glaubt man gar nicht... Gebärmutterhalskrebs.... naja. Aber jetzt kriegen Sie mal keine Panik, Antibiotikum brauchen Sie keins mehr, Sie gehen nochmal zur Kontrolle zum Werksarzt? Naja, dann zeigen Sie ihm mal, was aus der "Infektion" geworden ist.... hehehe, und dann lassen Sie das mal von einem richtigen Arzt abklären."

Ich meine, ich bin echt nicht auf den Mund gefallen, aber schlagfertige oder strenge Antworten gehen nur, wenn sie nicht heulend hervorgewürgt werden, also habe ich nix mehr gesagt, habe genickt und bin gegangen. Geheult habe ich dann im Auto und daheim dann nochmal, als ich gegoogelt habe, weil ich erst dachte "So ein Depp, wie soll das denn gehen, Gebärmutterhalskrebs und Blut im Urin, das ist doch anatomisch gar nicht möglich." Anscheinend aber doch und jetzt sitze ich hier (mit btw 6 Liter Cranberrysaft gegen Niere und so) und wäre eigentlich gern froh, dass immerhin der Infekt weg zu sein scheint, und dann wäre ich gern sauer auf diesen Arzt, der mir da Horrorszenarien ins Hirn pflanzt, obwohl ich ja eigentlich sehr genau weiss, dass ich regelmässig zur gyn. Kontrolle gehe, dass ich sowohl vor fünf Jahren ausführlichst urologisch geckeckt wurde (fragen Sie nicht, ich war zum Teil unter Opiaten, aber das waren nicht die allerschönsten Untersuchungen der Welt), als auch im Herbst 14 und keiner hat irgendwas gefunden, was da nicht hingehört, und dass ich, mit meiner urologischen Erfahrung als Patientin, eigentlich glaube, dass ich immer noch / immer wieder Nierensteine habe und die da durch irgendwelche Stauungen das Blut und die Entzündung verursacht haben. Was ja an sich schon doof genug ist, aber das ist verdammt noch mal kein Krebs.
Naja, stattdessen denke ich unterschwellig die ganze Zeit "Was ist, wenn doch und ich das nur nicht hören will und aaaaaaaaaaahhhhhh!!!!!!???"

Danke auch, wirklich.
(Und nein, Sie müssen sich keine Sorgen machen, ich google heute nichts mehr ausser neuen Strickprojekten, am Montag bin ich beim Werksarzt und einen Termin mit meiner Frauenärztin mache ich nächste Woche. Alles gut. Irgendwie).

Die restlichen 6 Bactrim-Tabletten habe ich übrigens mal aufgehoben, die sind noch gut bis 2019, weil erstens ist das tatsächlich das erste Mal, dass ich eine Tablette mit unserem Firmenstempel drauf in der Hand hatte, und zweitens kennt man das ja: irgendwann wird man bei einem Banküberfall oder einem Drive-by-Shooting einer verfeindeten Rockerbande oder etwas ähnlichem angeschossen oder muss jemandem helfen, der angeschossen wurde und dann ist es gut, wenn man eine gebogene Pinzette zum Kugelrauspokeln hat (das würde ich mit der Overlockeinfädelpinzette machen), und dann sollte man da immer Antibiotika nehmen, für den Fall, dass sich auf der Flucht was entzündet. Und da würde ich dann nochmal rote Punkte in Kauf nehmen.

Freitag, Januar 30, 2015

Kalt erwischt

Für den Fall, dass Sie sich mich als total selbstbewussten Smartass vorstellen, der immer über den Dingen steht, total cool ist und sich nix vormachen lässt, lassen Sie mich Ihnen eine Frage stellen:

Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen jemand jobtechnisch Wichtiger folgende Frage stellt: "So, first of all I would like to know one thing: how much time did you put into this? Honestly?"
Vor sich hat er ein Stück Arbeit von Ihnen liegen, mit Sachen in verschiedenen Farben angestrichen.

In meinem Kopf ging es auf einmal ganz hektisch los: "Wenn früher in der Schule so eine Frage gestellt wurde, implizierte sie meist: "Ernsthaft? Das sieht aus wie hingerotzt, so unwichtig ist dir deine Note in Kunsthandarbeitmusik also?" Übertragen auf die aktuelle Situation: Habe ich am Ende trotz ungefähr 40000 mal Korrekturlesen doch in einem der Versatzstücke aus früheren Arbeiten einen alten Namen oder Betreff oder falsche Zahlen drin? Habe ich wirklich alle Rechtschreibringel entfernt? Mich beim Thema vertippt? Den Namen falschgeschrieben? Was sag ich denn jetzt? Wenn ich sage 10 Minuten, denkt er, mir ist das egal, wenn ich sage 3 Stunden, und er findet es scheisse, dann glaubt er, ich kann gar nix, wenn ich die Wahrheit sage, nämlich: die Struktur ist über meine bisherigen Arbeiten gewachsen und optimiert wurden, angepasst wurde es im Detail an die aktuelleSituation, und er findet es scheisse, dann denkt er, ich kann gar nicht schreiben, waaaaaaaaaah, es sind schon ungefähr 15 Sekunden Schweigen, ich muss was sagen!"
Ich sage also "Oh, maybe around one to two hours? Plus one night's sleep."

Und dann sagt er: "Ah, I was just wondering, I have never seen such a so perfectly set up paper, connecting all the relevant dots and putting it into perspective. Great!"

Und dann wusste ich auch erst mal nicht, was sagen, weil ich ja total im Verteidigungsmodus "Aber hallo, das ist doch nur eine Zusammenfassung, wenn irgendwas unklar ist, dann kann ich das sofort erklären" war.

Ich nehme mal an, das war ein ganz guter Start, weil wenn ich panisch denke, dann sieht das meist nur nach einem lustigen Gesicht aus. So von aussen.

Donnerstag, Januar 29, 2015

Griff ins Klo *

Lassen Sie mich ein bisschen ausholen und zwar kurz auf diesen Eintrag verweisen, und diesen Folgeeintrag ein paar Tage später.
Alle wieder da? Also. Wenn man sich jetzt kurz bitte daran erinnert, dass die beiden Posts von 2010 sind, findet man mich bei der folgenden Geschichte vielleicht nicht ganz so doof, wie das jetzt klingt.

Also: Letztens beim Einkaufen im dm gab es neue Gillette-Rasierklingen, mit einem Glibberstreifen für Hautgefühl und blablablubb und ich dachte mir: hach, nehme ich die mal, sind immerhin nicht die "Spa Breeze", nach denen ich mir danach die Haut abziehen konnte. Ich nahm sie, vergass sie und beim letzten Klingenwechsel kam dann eine solche an den Rasierer. Und ja, es klingt jetzt schon lang, wenn ich sage, dass ich ungefähr eine Woche brauchte, um zu realisieren, dass die immer schuppiger und röter werdende Haut an den rasierten Stellen nicht von "Ach, es ist Winter und trockene Heizungsluft, man kennt das" kommt, sondern von den blöden Rasierklingen. Also: neue gekauft ohen Glibber, im Firmenshop die gesamte Bepanthenlinie rauf und runter **gekauft, aber so richtig half das nicht. Nach dem Duschen brannte die Haut und juckte und es sah auch immer ätzender aus. Naja, gestern dann beschloss ich (wegen: beim Hautarzt braucht es Wochen, bis man einen Termin bekommt und bis dahin hab ich keine Beine mehr), heute morgen zum Werksärztlichen Dienst zu gehen, eine Cortisoncreme holen.
Tja. Soweit, so gut. Als ich heute morgen dann aber noch im Halbschlaf auf die Toilette ging, hatte ich ein Deja vu: Schüsselinhalt so dunkelrot wie mein Shirt.

Ach, ich versuchte kurz, vor mir zu rechtfertigen, das zu ignorieren ("Letztes Mal war ja letztendlich auch nix"), aber irgendwann siegte dann doch die Vernunft, ich erinnerte mich an meinen Vorsatz: nie wieder mit Niere zur Hausärztin, lieber sofort in die Notaufnahme. Allerdings wollte ich ja auch die Beincreme und wenn ich das dann in der Notaufnahme noch unterschiebe, dann halten die mich ja für doof. Abgesehen davon, dass ein Urologe sich ja nicht mit Beinkrätze auskennt. Also beschloss ich, vor der Notaufnahme zum Werksärztlichen Dienst zu gehen, da braucht man keinen Termin, die machen früh auf, Medikamente haben sie alle da (sind ja an der Quelle ;-)), wer weiss, vielleicht haben sie auch Ultraschall etc, dann muss ich vielleicht gar nicht ins Spital. Trotzdem habe ich mal Kindle und Kekse für lange Wartezeiten eingepackt.
Dazu kam,dass ich heute einen nicht verschieb- und nicht delegierbaren Termin am Nachmittag hatte, der auch noch nicht fertig vorbereitet war, dazu ein paar dringende Papierkramsachen, ebenfalls nicht delegierbar (und zwei superwichtige überhaupt gar nicht delegierbare Termine morgen), also rotierte ich wie eine Wilde zwischen Drucker, Büro und Poststelle hin und her, aber viertel vor acht war alles erledigt bis auf die Präsentation. Die habe ich dann voll streberhaft im Wartezimmer der Sanität weitergemacht.
Langer Rede, kurzer Sinn: meine Urinprobe fanden sie so spannend, dass zwei Ärzte nacheinander kamen. Der Chef erklärte mir dann, dass das kein Nierenstein sei oder zumindest nicht nur, und ob ich mir sicher sei, dass mir echt nichts weh täte, weil das wäre ja eine Harnwegsinfektion aus der Hölle. "Sie wissen, wir haben da nur so halbquantitative Tests, aber Sie sprengen alles. Weisse und rote Blutkörperchen, Nitrit, Eiweiss. Tut Ihnen nix weh? Haben Sie kein Fieber? Das müssen Sie schon lang haben, das ist echt unglaublich." (immer verbunden mit immer fester werdendem Boxen in die Nieren, die dann schon irgendwann ein bisschen weh taten.).
Naja, eben: ich hatte die letzten zwei, drei Wochen schon immer mal wieder ein bisschen Nierenschmerzen, aber die gingen wieder weg, ich habe irgendwas zyklus- oder sportbedingtes vermutet, nicht eine "Infektion aus der Hölle".
Ich bekam also eine Schachtel Antibiotika (vermutlich verschreibt keiner mehr bei einem echt alten, aber sehr wirkungsvollen Antibiotikum noch das Original und nicht Generika, ausser der Herstellfirma selber ;-) und die Anweisung, bei Fieber sofort und sonst "Also, schon allein aus meinem wissenschaftlichen Interesse" am Montag zu einer Kontrolle wiederzukommen. Ausserdem solle ich darauf achte, ob ich rote Flecken, die auch jucken könnten, bekäme, weil das wäre dann eine Allergie und dann müsste ich das Antibiotikum sofort absetzen.
Ich meine, gibt es eine bessere Überleitung zu den Krätzebeinen? Ich habe also gemeint "Wo wir da grade von roten Flecken reden.... ich hätte da was." Und so bekam ich auch noch eine Cortisoncreme und war nach nur einer halben Stunde zurück im Büro. Sehr toll.

Nicht so toll war dann die Zeit, bis das Medikament einschlug, weil auf einmal dann die Schmerzen doch kamen. Richtig fies. Aber jetzt gehts und wenn alles wieder gut ist, gehe ich mal in Ruhe zu einer urologischen Abklärung und bin gespannt, ob sich da mal klärt, warum da andauernd was ist mit der rechten Niere. Und warum ich da nix merke bis kurz vor Notfall deluxe.


* Achtung, TMI: das ist heute nicht mal übertragen gemeint, weil: was tut man nicht alles um endlich mal einen Nierenstein in der Hand zu halten. War aber keiner. Und ja: ich wasche IMMER die Hände.

** Funfact: als ich meinen allerersten Job begann, dachte meine Mutter ewig lang, ich würde Voltaren machen. Fakt ist: die Firma machte das da schon lange nicht mehr. Heute denkt meine Mutter, ich würde Bepanthen produzieren, Fakt ist: wir machen das schon lange nicht mehr. Aber was solls.

Dienstag, Januar 27, 2015

Kryptik

Manchmal, da bekommt man Unterstützung von da, wo man sie gar nicht erwartet. Geestern war so ein Tag. Genaueres vielleicht später, sicher aber nicht vor Montag nächste Woche. Daumendrücken darf man aber.
Was mich zum Nachdenken gebracht hat, war die Aussage: "Wissen Sie, ich glaube, das Problem heutzutage ist gar nicht unbedingt, dass es so viel Kinder ausserhalb der Norm gibt. Die "Norm" ist nämlich eigentlich sehr breit. Das wollen aber viele nicht einsehen und nehmen als Norm nur einen ganz schmalen Bereich um den Mittelwert. So werden ganz viele Kinder zu "ausserhalb der Norm" abgestempelt, die ganz normale Kinder sind. Nur halt nicht Durchschnitt." (Und mal ehrlich? Wer will denn Durchschnitt sein?)

Durchgespielt

Montag abend, 17:45h, das Festnetztelefon bimmelt, eine unbekannte Nummer.

"Frau Brüllen, hallo?"

"Ja, hallo, einen schönen guten Abend, hier ist keineAhnunghabedenNamenschonwiedervergessen, könnte ich mal bitte den Herrn G...., Gsch...., Xsss...., also, Ihren Mann sprechen?"

"Nein, der ist nicht zu Hause. Worum geht es denn, kann ich was ausrichten?"

"Wann erreiche ich ihn denn am besten?"

"Das ist ja jetzt keine Antwort auf meine Frage. Worum geht es denn?"

"Können Sie mir nicht einen Tipp geben, wann ich ihn am besten erreiche?"

"Können Sie mir nicht sagen, worum es geht? Dann könnte ich ja schauen, ob ich Ihnen einen Tipp geben kann."

"Dann probiere ich es halt einfach wann anders nochmal."

"Das können Sie gerne machen, allerdings werden Sie Pech haben. Mein Mann hebt nämlich das Festnetztelefon aus Prinzip nicht ab, ausser es ist seine oder meine Mutter dran. Bei meiner übrigens nur, wenn ich nicht da bin, seine hat einen Extraklingelton, damit er das sofort weiss. Ansonsten ist er nämlich der Meinung, dass praktisch nur unseriöse Telefonmarketingfuzzis hier anrufen und davon will er sich nicht seinen Feierabend versauen lassen. Ich hingegen gehe eigentlich fast immer ans Telefon, weil erstens auf der Rundtelefonliste für Kindergarten und Schule auch die Nummer steht und manchmal auch die Lehrerin oder Kindergärtnerin anruft, im blödsten Fall wegen "Kind hat Loch im Kopf" oder so. Manchmal ruft auch eine meiner Schwestern an, wobei: in der jüngsten Vergangenheit unterhalten wir uns meist über Whatsapp. Und zu guter Letzt gibt es da ja noch die leicht verwirrte alte Frau, die sich manchmal mit einer Ziffer vertut und dann denkt, sie würde mir ihrer Tochter telefonieren. Da gehe ich auch ran und rufe danach dann ihre Tochter an, um ihr zu sagen, was ihre Mutter möchte. Wobei, die hat schon lang nicht mehr angerufen, ich hoffe, es geht ihr gut. Meistens sind es aber doch nur Marketingfuzzis, die mir eine neue Krankenkasse oder Fischölkapseln oder französisches Porzellan andrehen wollen. Ich könnte Ihnen jetzt was von meiner schwarzen Liste oder der gelebten Gleichberechtigung in allen Belangen in unserer Familie erzählen, aber ich habe das Gefühl, ich schweife ab. Wie auch immer: meinen Mann werden Sie auf dem Festnetz sicher nicht erreichen. Ausser, Sie rufen vom Anschluss seiner Mutter an. Wollen Sie mir nicht doch sagen, um was es geht?"

"Schönen Abend noch."

Tuuuuuuut

Ich hätte an seiner Stelle schon viel eher aufgelegt.

Montag, Januar 26, 2015

Skistart

Sie wissen ja: Schnee und Frau Brüllen, das ist wie, ach, denken Sie sich was aus.
Auf jeden Fall war es grossartig, als wir es gestern erstmal in dieser Saison auf die Skipiste geschafft haben. Nach 34 Jahren Skierfahrung war ich das erste Mal nicht mit Socken, die mir grad in die Hände gefallen sind, unterwegs, sondern mit Supa-Dupa-18-Zonen-Skisocken. Ganz anderes Fahrgefühl ;-) (Nicht wirklich, aber es waren Kniestrümpfe und so hatte ich keinen Bündchenabdruck nach dem Fahren (dafür "Dare2be" über die ganze Wade abgedrückt, aber irendwas ist ja immer).
Wir waren zum Aufwärmen in Muggenbrunn, da wo die Jungs vor zwei Jahren die ersten Versuche auf Brettern unternommen haben. Nach dem üblichen "Es ist kalt, die Skischuhe sind eng, meine Füsse tun weh, ich kann mit den blöden Schuhen nicht laufen, ich rutsche immer rückwärts" und dramatischem "im Spagat- in den Schnee Fallen" hatte auch Little L. nach der ersten Abfahrt seine Freude am Fahren wieder entdeckt, ebenso seine Pistensau-Vergangenheit und so musste ich nach eben einer Abfahrt lang Kind aus dem Schnee pflücken danach dann wieder schauen, dass ich dem kleinen grünen Blitz hinterherkam. Sein Ziel war "Entweder gar nicht hinfallen oder wenn schon, dann wenigstens mit Riesenschneewolke hinter mir". Klappte ganz gut.

Little Q. ist mittlerweile total selbständig unterwegs, Liften, allein runterfahren, mit Stöcken: alles easy.

Hach, ich hoffe, wir schaffen es noch das eine oder andere Mal bis zu unseren richtigen Skiferien im Februar.

Sonntag, Januar 25, 2015

Toast

Ach ja: anscheinend gab es gestern ein wenig Verwirrung wegen des Toastbrots. Ich bin schon nicht ganz so weit vorausplanend, dass ich den Toast fürs Frühstück schon abends toaste, damit keine Zeit verloren geht ;-). Seit ich das erste Mal das Toastbrot aus dem Buch "Auf die Hand" selber gemacht habe, bestehen die Jungs darauf, das noch lieber als Sonntagszopf zu haben und dann: der Aufwand ist praktisch der gleiche, der Hübsche isst es, anders als Zopf, auch: dann halt.

Und so gehts:
450g Mehl (405) mit
50g Maisgriess mischen.
150mL lauwarmes Wasser mit
50mL Milch,
40g Zucker und
1/2 Würfel Hefe mischen.

Auf die Mehlmischung giessen, ein bisschen Mehl einrühren und 30 Minunte zugedeckt aufgehen lassen.

2 Eier
80g weiche Butter und
5g Salz

zugeben und zu einem Teig verkneten. Wieder 30 Minuten gehen lassen, danach auf die Arbeitsfläche kippen und NICHT kneten, sondern mit dem Messer in 6 gleichgrosse Teile teilen.
Kastenform ausbuttern und bemehlen, aus dem Teig 6 Kugeln formen (nicht rollen, sondern in die Hand nehmen und mit den Fingern nach innen einkrempeln, bis es eine schnöne Kugel ergibt.
Diese Kugeln mit der Krempelseite nach unten hintereinander in die Kastenform setzen und, genau, nochmal 30 Minuten gehen lassen.
Dann die Oberseite mit einer Mischung aus 1 Eigelb und 1EL Sahne einpinseln und bei 180°C 45 Minuten backen lassen.
Ganz abkühlen lassen, aus der Form nehmen und wie ein Toastbrot in Scheiben schneiden. Im Folie hält es sich im Kühlschrank wohl eine Woche, aber so alt ist es bei uns noch nie geworden....

Samstag, Januar 24, 2015

"Chill dein Leben"

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, dass bei mir der Zustand der "inneren Unruhe" der normale ist und man sich erst Sorgen machen müsste, wenn ich mal total gechillt neben einem vollen Wäschekorb und unausgefüllten Versicherungsunterlagen Dschungelcamp schauen würde.
Zur Untermalung dieser Tatsache hätte ich dann geschildert, was ich heute so an einem an sich total gechillten Samstag ohne spezielle Pläne so gemacht habe und dass ich mir bewusst wäre, dass ich mich, wenn ich nicht ich wäre, total anstrengend finden würde, aber als ich nur drüber nachdachte, wie ich das so schreiben würde, was ich alles gemacht habe, da fand ich mich selber so unglaublich anstrengend, dass ich darauf gar keine Lust mehr hatte.

Deswegen seien drei Aspekte des heutigen Tages zufällig herausgegriffen:

Schnee. Nicht so richtig viel und es fing auch erst an, als die Jungs in gsd grösstenteils geeigneter Montur mit den Pfadfindern im Wald waren. Schnee ist für mich das Grösste. Und so freue ich mich unendlich darauf, morgen die Skisaison einzuläuten (ja, Rucksack ist gepackt, Kleidermännchen für alle liegen bereit, Taschen mit Helmenhandschuhenskischuhen stehen neben der Tür, Thermosflaschen für Kakao und Tee stehen mit Teebeutel resp. reingelöffeltem Kakao neben dem Herd bereit).

Slowcooker: Das Zitronenhuhn fanden 4 von 4 Familienmitgliedern super. Es sieht zwar aus, wie schon mal gegessen, schmeckt aber sehr, sehr lecker. Den Karottenapfelingwersalat fand dazu fand 1/4 superlecker (weswegen sie ihn auch gemacht hat), 1/4 hat ihn gegessen und nichts dazu gesagt, 2/4 haben zwei Gabeln gegessen, dann verkündet, dass sie ihn ziemlich nicht so lecker finden würden und dementsprechend nur unter Protest weiteressen würden. Aber ich kann mit Protest umgehen. (Und ja, das "No hurry curry" ist für morgen vorgeschnippelt, angeschwitzt und wartet nur aufs Einschalten, damit wir nach dem Skifahren dann was warmes in den Bauch bekommen. Die Nudeln mit Pesto für die 2/4, die das ja ziemlich sicher nicht essen werden, gehen ja schnell.)

Nähen: es ist mal wieder soweit: Januar/Februar und alle Freunde der Kinder haben Geburtstag. Ausserdem ist Little Q. irgendwie in den letzten zwei Wochen ungefähr 10 cm gewachsen, also gefühlt, so dass ich mal wieder viel nähe. Ich glaube, ich habe die letzten Shirts incl. des Kapuzenpullis, den ich dem Hübschen zu Weihnachten genäht habe, gar nicht gezeigt, oder? Egal, kommt noch.

Und Bonusmoment: die 20 Minuten, die ich mit einem nach Schwimmkurs, Pfadiübung und 40Minuten in der Badewanne aufwärmen echt streichfähigen Little L. auf dem Sofa zu den Nachrichten gekuschelt habe, die waren wirklich gechillt. Und ich gar nicht unruhig.

(So, ich muss wieder, Stickfarbe wechseln und Spülmaschine aus- und wieder einräumen. Und das Toastbrot für morgen ist auch fertig gebacken und muss raus)

Freitag, Januar 23, 2015

Inbetriebnahme

Heute war es also so weit: der CrockPot wurde in Betrieb genommen.
Die Kinder hatten heute schul- und kindergartenfrei (klar, gestern gab es Zeugnisse und so ein Semester wechselt sich offensichtlich nich von allein ;-)), ich habe also mein Überstundenkonto angeknabbert und so haben wir uns einen richtig freien Freitag gegönnt.

Und weil wir heute abend traditionell Zeugnispizza essen gehen, blieb also nur das Mittagessen zum Testen.

Ich habe mir ja in der Wartezeit auf die Lieferungdes Crockpots schon mal Rezepte rausgesucht, unter anderem das hier, das hier, das hier und zwei Bücher, in denen mich v.a. das "No hurry vegetable curry" und irgendwas mit Kürbis und Linsen angelacht haben. Nun ist es ja aber so, dass ein erstes Testessen mit den zwei Littles, die beim Gedanken an "Wäh, Frucht mit Fleisch" und "Wäh, Gemüse in Sosse" eher unkooperativ sind und wenn ich mir dann auch nich unsicher bin, ob das jetzt so alles klappt, ist es vielleicht besser, mit was anderem anzufangen.

In den Büchern fanden sich zum Beispiel auch Rezepte für Dampfnudeln. Die habe ich mich noch nie selber konventionell zu machen getraut, weil immer drinsteht, man dürfe den Topf nicht aufmachen, sonst fällt alles zusammen, und man würde hören, wenn die Zuckermilch zu einem leckeren Milchkaramell unten an der Dampfnudel eingekocht ist, und ich war mir immer ziemlich sicher, dass ich das nicht hören würde und dann hätte ich was total ekelhaft verkohltes.

Tja. Im Slowcooker verkohlt ja eher nix und ausserdem hat er einen Glasdeckel, also: Dampfnudeln als erstes. Und ja, wenn man dann nach diesem Entschluss liest, dass es kein Rezept für Crockpot-Anfänger ist und man die Heizleistung seines "Crockys" (ich prangere das an. Küchengeräte sollten keine Kosenamen bekommen) wirklich gut kennen sollte, bevor man sich da rantraut, kann man nochmal kurz nervös werden. Aber was solls, virtuell also Finger in die Ohren gesteckt und laut "lalalala" gesungen, und losgelegt. Mit noch so einer "Crocky"-Sünde, weil in der Einleitung steht drinnen, dass der Crockpot "der Finanzbeamte unter den Küchengeräten ist" und man sich immer extrem genau an die Anleitung halten muss, dann geht nix schief, aber wehe, man improvisiert. Musste ich aber, weil mein "Crocky" ist ein 3.5L-Topf und das Rezept war für den 6.5L-Topf. Ausserdem essen wir sicher keine 12-15 Dampfnudeln zu dritt. Also habe ich beherzt alles halbiert und einfach mal gemacht.

Als erstes soll man Butter und Milch und ein bisschen Zucker auf "Low" aufwärmen lassen, bis die Butter geschmolzen ist. Das ..... dauert eine Zeitlang und "Low" ist wirklich "low". Überhaupt: die Steuerung von dem Ding: es gibt genau einen Drehschalter mit "Off", "Low", "High", "Medium" (übrigens auch in dieser Reihenfolge, was ja schon ein bisschen unlogisch ist). Das erinnert mich an meine erste Pilotkampagne in einem Werk in Frankreich, das schon etwas in die Jahre gekommen war. Ich kannte von unseren Schweizer Anlagen nur computergesteuerte Heizkühlsysteme für Reaktoren, aber da gab es direkt am Kessel ein Drehrad, wie so ein kleines Steuerrad, und auf der einen Seite stand "chaud", auf der anderen "froid". Finde ich ..... mutig, so eine chemische Reaktion zu steuern, aber dazu kams ja auch nicht, weil sie die Gasdosierstation für das HCl-Gas nach dem ersten Ansatz mit Wasser gespült hatten und so keine Gasdosierstation mehr für einen zweiten Ansatz hatten. Aber ich schweife ab.

In der Zwischenzeit macht man einen süssen Hefeteig (und schaltet dann doch mal auf "Medium", weil es arg langsam geht, dann denkt man sich, man ist jetzt einer von denen, die dann bei Chefkoch kommentieren und sagen: "Ich habe alle Anweisungen missachtet, kam nur Mist raus, Scheissrezept" und so einer will man ja nicht sein, deswegen schaltet man schnell wieder auf "Low" zurück), formt 6 Dampfnudeln und setzt sie in die ENDLICH geschmolzene Buttermilchzuckermischung.


Dann schaltet man auf "High". Für 45 Minuten.

Und ich bin zu sehr gewohnt, in einem Umfeld zu arbeiten, wo man auf Technik und genaue Messwerte angewiesen ist und deshalb nichts ungeprüft glaubt. Wenn wir bei der Arbeit eine neue Anlage in Betrieb nehmen, dann gibt es genaue Spezifikationen für jedes einzelne Bauteil, wir wissen genau, wie heiss welcher Kessel bei welcher Einstellung werden darf, wie schnell die Temperatursensoren auf Temperaturveränderungen reagieren, bei welcher Temperatur das Heizkühlmodul von Dampf auf Kühlwasser auf Sole umstellt, wie lange das Wärmeträgeröl braucht, um den Mantel zu heizen oder zu kühlen und wie der Wärmeübergang in den Kessel ist. Wenn wir auch nur das kleinste Bauteil verändern, wird zunächst ein Linientest durchgeführt, d.h. getestet, ob bei jedem Knopfdruck und jeder Eingabe das passiert, was passieren soll (Ich drücke auf "Ventil  1 öffnen", dann sollte "Ventil 1" aufgehen.), alles kalibriert, d.h. wir testen über den gesamten Temperaturbereich, ob die Messwerte, die wir bekommen, der Realität entsprechen oder ob sie, wie man so schön sagt, nur "Hausnummern" sind. Dann wird qualifiziert und ein TAT, also ein "Technical Acceptance Test" gefahren, d.h. man legt zB eine Temperaturrampe fest (Aufheizen von 20°C auf 150°C mit 2°C/min zB) und schaut, was passiert, wenn man das macht. Naja, was ich damit zum Ausdruck bringen will: Ein Gerät, wo ich nur "Low", "High" und "Medium" einstellen kann, ohne erstens zu wissen, was das in Zahlen bedeutet und zweitens kontrollieren zu können, ob es auch genau das tut, das ist schwierig für mich.

Aber eben: ich soll ja mehr chillen, sagt mein Sohn (der Grosse), also habe ich mal auf "High" gestellt. Nach 45 Minuten auf "Low" für weitere 75 Minuten und in der Zwischenzeit neben vielen anderen Dingen nach einem Rezept für Vanillesosse gesucht. Gefunden habe ich es in einem Kochbich "Strudel und andere Mehlspeisen", von dem mir nicht ganz klar ist, wie es in meinen Fundus geraten ist, aber auf der Seite mit "Dampfnudeln" stand auch "Vanillesosse".
Und ja, ich weiss, alle Welt sagt, Vanillesosse selbermachen wäre total einfach und superlecker, aber bisher habe ich das noch nie gemacht. Warum weiss ich auch nicht, weil: das ist total einfach und unglaublich lecker!

Nachdem die 75 Minuten um waren (und Achtung, falls sie jetzt eine witzige Pointe oder eine dramatische Wendung erwarten, muss ich Sie leider enttäuschen) waren die Dampfnudeln fertig, die Kinder und ich extrem hungrig und bis auf Little L, der fand, dass meine Vanillesosse nach Racletteläse schmecken würde (was er überhaupt nicht richtig beurteilen kann, weil er schon seit zwei Jahren keinen Raclettekäse mehr gegessen hat), waren alle wunschlos glücklich.

Hach. Am Wochenende mache ich dann Lemon Chicken und "No Hurry Curry". Ich freu mich schon.

Donnerstag, Januar 22, 2015

Buchempfehlung: Tana French

Ich liebe ja Serien, nicht nur Fernsehserien, sondern auch (und schon viel länger) Bücher.
Ich bin dann auch eine treue Seele und lese alle Bände, (fast) egal, ob sie mit der Zeit abflachen oder nicht. (Nur die Kay Scarpetta-Romane von Patricia Cornwell habe ich 2008 im Urlaub auf Elba für immer beendet. Ich weiss nicht, ob es an den Hormonen lag, auf jeden Fall fand ich das damals aktuellste Buch so grauenvoll schlecht, dass ich praktisch persönlich enttäuscht war und nicht mal wissen möchte, ob es noch mehr gibt).
Also. Ich liebe skandinavische Serien wie alles von Arne Dahl, Anne Holt, Camilla Läckberg, Asa Larsson, Viveca Sten, Jo Nesbö, Hjorth&Rosenfeldt, Ake Edwardsson, Liza Marklund, Arnaldur Indridason, Yrsa Sigurdardottir, you name it.
Erstaunlicherweise kann man mich mit deutschen Krimiserien wirklich jagen. Ich habe die hochgelobten Bücher von Nele Neuhaus, Andreas Franz und Eva Almstädt zu einem Teil (ich würde sagen: drei pro Autor) gelesen und fand sie so unendlich flach..... so in etwa wie den "SAT1 FilmFilm" gegenüber "Die Brücke" oder wie "Endlich hinter Gittern: der Frauenknast" gegenüber "Orange is the new Black".  Die einzige deutsche Serie, die ich mag, ist die München-Toskana-Serie von Felicitas Mayall.

Das erste aktive binge-reading, an das ich mich erinnere, kam durch einen riesigen Amazon-Gutschein zum Geburtstag verbunden mit ans Bett gefesselt sein wegen Pfeifferschem Drüsenfieber zu Unizeiten zustande. Da habe ich mir alle damals schon erschienenen Elizabeth George-Romane bestellt und zwei Wochen am Stück nur gelesen. Eben: englische (irische, schottische) Krimis und Thrillerserien, wie von Elly Griffiths, Ian Rankin und eben Elizabeth George sind nach den Skandinaviern und noch vor den Amerikanern (Karin Slaughter, Michael Connelly, Jillian Hofmann) die zweitgrösste Sammlung auf meinem Kindle.

Frisch ausgelesen habe ich da übrigens "Der geheime Ort" von Tana French. Die in und um Dublin spielenden Bücher von Tana French* sind in der Krimiserienwelt deshalb etwas besonderes, weil sie nicht eine Hauptperson haben oder von mir aus eine Gruppe an Hauptpersonen, die man durch die Serie begleitet, sondern in jedem ihrer Bücher ist ein anderer (oder zwei) Ermittler aus Dublin dran. Irgendwie kennen sich alle, irgendwie haben alle eine gemeinsame Geschichte und neben den echt spannenden eigentlichen Fällen finde ich persönlich es jedesmal wirklich charmant, rauszufinden, wie sich die einzelnen Charaktere bisher schon begegnet sind. Das ist meist so unaufdringlich gemacht, dass man die Bücher auch gut einzeln lesen kann, das ist ja sonst bei Serien oft schwierig.

Also: wer Lust hat, in ein unglaublich gut geschildertes Mädcheninternat (also: ich war ja nie auf einem Internat, aber ich war mal 15 und 16 und wow..... nach dem Buch bin ich mir nicht sicher, ob ich den Zeiten nachtrauern soll oder ob ich froh sein soll, dass sie vorbei sind) einzutauchen, dem sei dieses Buch (und alle anderen ;-)) wärmstens ans Herz gelegt.
Und wenn jemand von Ihnen die Bücher alle gelesen hat und mir vielleicht sagen könnte, in welchem Fall Holly Mackey von Steven Moran vorher schon als Zeugin vernommen wurde, könnten Sie meine Nerven beruhigen. Ich komme nicht drauf und der SuB ist zu gross, um alle anderen Bände um das (die? den?) Dublin Squad nochmal zu lesen, um das rauszufinden.

*ich finde, der Name klingt total doof. Wie ein Fake-Name für eine Autorengruppe von Nackenbeisser-Schund oder von "frechen Frauenromanen". Aber dafür kann sie ja nix, die Tana.

Mittwoch, Januar 21, 2015

Die Maschinen übernehmen die Macht!

Sie sind sich ja sicher der Tatsache bewusst, dass der Blogpost gestern total ironisch übertrieben dargestellt war, oder? Also: wir haben nur Waage eingerichtet ("Ausziehen, wiegen!"), Saugroboter aufgeladen und dann das Schlafzimmer saugen lassen. Und ein paar Rezepte für den Crockpot rausgesucht. Wirklich gekocht haben wir dann schon nicht mehr, das mache ich dann am Wochenende das erste Mal, da wäre ich schon lieber dabei, wenigstens einmal.

Die Waage scheint übrigens bisher zu funktionieren.


Heute dann hat unsere Ex-Putzfrau das Einschreiben mit der Kündigung endlich von der Post abgeholt (schon ein bisschen spannend, das online zu verfolgen) und nachdem ich zuerst ein Schlüsseldrama wie beim letzten Mal befürchtete, schlug sie dann unangekündigt heute abend hier auf. Gottseidank bevor ich heimkam und Gottseidank nachdem der Hübsche schon heimgekommen war, weil: wo hätte sie den Schlüssel sonst hingetan?
Naja, also der Hübsche hatte also grad die Nanny verabschiedet (btw: es wird immer besser und besser, das war zwar eine erzwungene Entscheidung, aber letztendlich wirklich eine gute), und den Saugroboter im Wohnzimmer ausgesetzt, da klingelt es an der Tür. Davor steht die ziemlich angesäuerte Ex-Putzfrau, drückt dem Hübschen den Schlüssel in die Hand und setzt gerade zu einer Tirade an ("Und sagen Sie Ihrer Frau, ich weiss sehr wohl, was Hygiene ist und wenn sie so superschnell im Putzen ist, dann soll sie halt selber putzen!"), als der Roboter (der Hübsche nennt ihn "Name der Putzfrau 2.0"), der sonst keine zwei Meter gerade aus fährt, sondern eben in mehr oder weniger erratischen Bahnen durch den Raum, vom einen Ende des Wohnzimmers direkt auf die nur leicht geöffnete Eingangstür zudüst, direkt auf die zeternde "Putzfrau 1.0" zu, einmal an ihren Füssen entlangbürstet, freundlich grün blinkt, umdreht und zurückfährt.
Der Hübsche sagte mit dem ihm eigenen milden Lächeln: "Wie Sie sehen: wir haben jetzt kompetente Unterstützung. Schönen Abend und auf Wiedersehen."
Man hätte es nicht schöner planen können.


Ein von @prozac74 gepostetes Video am

Dienstag, Januar 20, 2015

Kein Zeit, keine Zeit

Ich hoffe, Sie haben Verständnis, wenn das hier heute kein langer Blogeintrag wird. Der DHL-Mann war nämlich pünktlich und so hat der Hübsche den weissen zweiten Waagenversuch bei meinem Kollegen aka unserem einen deutschen Briefkasten abgeholt. Ausserdem einen Saugroboter (ich prangere das an: "Kunden, die einen iRobot Staubsauger gekauft haben," sollten wirklich auch ein Haifischkostüm für ihre Katze gekauft haben.Aber nein: nur so Bürstenzeug.),



weil wir uns aufgrund unüberbrückbarer Differenzen (zB zum Thema: "Letztens hat mein Mann hier auch gesaugt, weil Sie so unendlich pingelig sind und so viel wollen" oder "Wieviel schafft man in vier Stunden?" oder auch "Ist es wirklich unhygienisch, 170 Quadratmeter incl 3 Bäder mit nur 3 Putzlumpen zu putzen?") von unserer Putzfrau getrennt haben. (und ja, ein Saugroboter ist keine Putzfrau, schon klar, aber im Saugen ist dieser garantiert schneller und gründlicher als sie. Und haben Sie schon mal eine Katze auf einer Putzfrau rumreiten sehen? Eben.)
Und noch dazu kam heute der von meinen Reward-Punkten* gekaufte Slowcooker direkt aus England hier an.

Und so kann man sich ja vorstellen, was wir hier heute abend so machen: der Robosauger lädt erst mal auf. In der Zwischenzeit platzieren wir Testfitzel verschiedener Grösse und Konsistenz auf einem ausgeklügelten Testparcour im Wohnbereich. Immer mal wieder, wenn der Hübsche den nächsten Kaltstart der Waage ausprobiert hat, das nächste Firmwareupdate runtergeladen hat und vielleicht doch gleichzeitig mit W-LAN und Bluetooth das Ding neu gebootet hat, ziehen wir uns schnell aus und wiegen uns. Ungefähr um Mitternacht wird der iRobot fertig aufgeladen sein, und weil er ja nicht lauter ist, als ein normales Gespräch (wir, also der Hübsche, haben ja Youtube-Videos zu den verschiedenen Modellen angeschaut und da wurde auch die Lautstärke gemessen), werden wir dann mal das Wohnzimmer saugen lassen. Wir werden dann vermutlich (hoffentlich) auch hungrig sein, weil gegen 02:00h morgens wird das erste Testgericht aus dem Crockpot fertig sein. Da können wir uns dann grad auch nochmal vor und nach dem Essen wiegen. Ja, ich finde, das klingt nach einem spannenden Abend.

*Reward-Punkte sind sowas wie Belohnungs-Payback-Punkte bei der Arbeit, wenn jemand was super fand, was du gemacht hast und findet, dein Chef sollte dir dafür sozusagen einen ausgeben. Dann bekommt man so Punkte, die man in einem internen Katalog einlösen kann. Ich bin durch verschiedene Tollfinder mittlerweile aus irgendeinem Grund auf einem Punktelevel angekommen, wo mir andauernd irgendwelche Golfschläger angeboten werden, da musste ich mal gegensteuern. Eben mit dem Slowcooker und einer Fritteuse, beides Küchendinge, die ich noch nie hatte und bei denen ich mal sehr gespannt bin, ob sie so toll sind, wie ich das glaube. Sozusagen als Gegengewicht zur Waage.

Montag, Januar 19, 2015

Heilsam

Sie alle kennen ja sicher "The Big Bang Theory"? Wenn nein, schauen Sie da ruhig mal rein und wenn Sie mal überlegen, was Sie mir schenken könnten: TBBT-T-Shirts und Gadgets gehen immer.
Also, und dann kennen Sie sicher auch die Folge, in der Sheldon Leonard dazu zwingt, den roten kratzigen Pullover zu tragen, bis die Sache mit der DVD erledigt ist, um mal nachfühlen zu können, wie sich Unerledigtes für einen zwanghaft veranlagten Charakter anfühlt? ("The Itchy Brain Simulation") Ich finde das grossartig, genauso geht es mir nämlich, wenn Dinge offen im Raum stehen, nicht erledigt werden, Leute lustiges Zuständigkeiten-Pingpong spielen oder EWIG LANG NICHT AUF MEINE MAILS ANTWORTEN (oder eine Wäscheladung unzusammengelegt ist oder die Spülmaschine fertig und noch nicht ausgeräumt oder, oder, you name it). Mein Seelenfrieden ist erst voll wieder hergestellt, wenn Sachen abgehakt sind, wenn erledigt ist, am besten so wie (von mir natürlich) geplant, und ohne Pendenzen. Bis dann kreist immer ein kleiner Teil meines Hirns darum und das macht auf Dauer sehr mürbe. Und müde.

Dass das ganze für nicht ganz so zwanghafte Menschen nicht so ist und nur schwer zu verstehen und ausserdem auch nur schwer auszuhalten, weiss ich zwar theoretisch, es wurde mir alerdings erst letztens vom Hübschen eindrücklich vorgeführt. Ich war zum allerersten Mal in meinem Leben auf der anderen Seite und das war .... echt eindrücklich.

Also. Alles fing damit an, dass das Badewasser, was ich mir eingelassen hatte, viel zu heiss war und ich deshalb das kalte aufdrehte und zwar, damit es sich besser verteilt, nicht am Wasserhahn, sondern an der Brause am Schlauch, und wie man das so aus einem schlechten Film kennt, ist das ganze Wasser aus der Badewanne rausgespritzt und hat dabei auch unsere Waage erwischt und geduscht. Ich habe das nicht mal bemerkt (also: das Spritzen schon, ich stand ja direkt davor und es war kaltes Wasser, aber dass es eben die Waage erwischt hat). Ob eine sofortige Reaktion die Waage hätte retten können, man weiss es nicht, einen Tag später war sie auf jeden Fall kaputt.
Das fand der Hübsche (ich eh nicht, ich habe mein 5 kg abgenommen, das reicht, ansonsten merke ich das am Hosenbund, ob da jetzt zu viel oder zu wenig ist) per se noch nicht so schlimm, weil er eh der Meinung war, dass wir waagentechnisch mal aufrüsten könnten.

Also hat er sich informiert und eine neue Waage bestellt. Und klar, es war nicht nur eine Waage, nicht nur eine Waage, die Körperfett und was weiss ich bestimmt, das war die geduschte ja auch, nein, es war eine W-LAN-fähige Waage, die das direkt auf einen Waagenserver hochlädt, mittels App kann man dann sein Gewicht, das Körperfett, das der Familie, den CO2-Gehalt des Raumes und den Wetterbericht verwalten, Ziele eingeben, sich Ernährungs- und Sporttipps holen, Langzeitstudien machen, das ganze auf TwitterFacebook und mit der NSA teilen, sowas halt.
Ich muss sagen: ich bräuchte das nicht, allerdings sind wir bei der Arbeit verpflichtet, ungefähr jeden Atemzug, Handschlag und Messwert zu erfassen, zu trenden, Abweichungen nach oben und unten in einem ca 5köpfigen Gremium zu diskutieren, festzulegen und etwaige daraus resultierend Aktionen zu definieren, reviewen, approven zu lassen und so weiter, also: ich verstehe die Faszination von Trends, Kurven und Zahlenkolonnen, allerdings decke ich mein Bedürfnis danach mehr als ausreichend im Job und deswegen: das kann der Hübsche gerne machen.
Also: die Waage kam, die Erwartungen waren extrem hoch und so fand das Unboxing auch direkt nach dem Sport recht spät abends statt. Als sich alles so ein bisschen hinzog, ging ich dann irgendwann dann mal schlafen. Mitten in der Nacht wachte ich auch, es war immer noch Licht, der Hübsche wanderte immer noch mit Waage durchs Haus und es sah schon so aus, als ob es da Probleme geben würde. Am nächsten Tag war Wochenende und das war gut, weil so hatten wir alle Leute da, die erfasst werden mussten. Der Hübsche installierte also die App und Google Fit auf allen Devices, alle Familienmitglieder wurden gemessen und gewogen, so lange, bis die Waage uns alle erkannte. Ein einziges Mal klappte es auch, dass alle Daten auf den Waagenserver hochgeladen wurden und ich dachte, es wäre jetzt alles gut.
Am nächsten Morgen konnten wir nicht einfach im Pyjama frühstücken, weil "Hey, ihr wollt doch sicher vor dem Frühstück gewogen werden, das würde ja den Trend verfälschen", also "Ausziehen, wiegen" für die ganze Familie.
Leider klappte der Abgleich mit dem Waagenserver nicht mehr und damit war das Wochenende eigentlich gelaufen. Jeder nicht ganz so zwanghafte Mensch hätte gesagt "Ach, Mist, ich schick das blöde Teil zurück, es ist kaputt", aber so bin ich nicht und so ist der Hübsche nicht (also: ich im Fall der Waage schon, weil: mir ist das eigentlich wirklich wurscht, aber das ist in dem Fall keine hilfreiche Aussage, glauben Sie mir). Der Hübsche hat erst mal alle 456 Bewertungen der Waage bei Amazon nach diesem Fehler durchsucht, alle Varianten, ihn zu beheben, ausprobiert (immer gefolgt von "So, nochmal alle ausziehen und wiegen" und ich muss sagen: es haben alle brav mitgemacht, aber die Laune vom Hübschen war schon so unterirdisch, dass nicht mal der Auszieh-Aspekt für Stimmungsaufhellung sorgen konnte), nichts hat geklappt. Dann hat er eine Mail an den Waagensupport geschrieben und keine Antwort bekommen (klar, Sonntag nachmittag mittlerweile).
Ich weiss nicht genau, wie lange er noch neu installiert und gebootet und geroutet hat, ich bin irgendwann schlafen gegangen, ich weiss nicht genau, ob ich im Schlaf noch gewogen wurde.
Am nächsten Tag hat sich der Waagensupport immer noch nicht gemeldet, der Hübsche hat den Rücksendeschein ausgedruckt und man hätte meinen können. damit wäre die Sache erledigt. Aber so schnell gibt ein zwanghafter Mensch natürlich nicht auf. In der Zwischenzeit hat der Hübsche die Waage mit zur Arbeit genommen und versucht, sie über das dortige Gäste-W-LAN mit dem Waagenserver zu verbinden. Ob er (oder irgendjemand anders) zu Testwiegezwecken im Büro ausgezogen hat ("Bloss nicht das Ergebnis verfälschen oder die Waage verwirren!"), entzieht sich meiner Kenntnis, es hat auf jeden Fall nicht funktioniert.

Am Abend hat er eine Rezension bei Amazon geschrieben, wir haben uns alle nochmal ausgezogen und gewogen, (also: ein paar Mal), er hat noch die eine oder andere Nacht mit der Waage verbracht (ich weiss nicht, ob der Support noch irgendwann geantwortet hat), aber am Freitag dann durfte ich die Waage vertrauensvoll in die Hände des Lottomanns legen, der sie zurück nach Hause verfrachtete.

Und ja, man könnte jetzt meinen, die Geschichte wäre hiermit zu Ende, aber nein: sobald die Gutschrift auf dem Konto angekommen war, bestellte der Hübsche die Waage nochmal, schlauerweise in einer anderen Farbe, nicht, dass sie uns dieselbe nochmal schicken, um auszuschliessen, dass es sich dabei um ein Montagsmodell handelte. Weil: jetzt gehts ums Prinzip.
Und so albern ich die Sache an sich finde, so sehr kann ich die Herangehensweise aus tiefstem Herzen verstehen. Wenn es etwas wäre, was mich einen klitzekleinen Tacken mehr als gar nicht interessieren würde,würde ich mindestens genauso verbissen agieren, und so bin ich von Herzen gerne bereit, für eine weitere Waage (also eine wie 1, genau 1) ein Wochenende lang "So, alle ausziehen, wiegen" mitzuspielen.
Und ja, ich habe eine Ahnung davon bekommen, wie "total dedication" auf Leute wirkt, die nicht so totally dedicated sind.

So, stay tuned, die neue Waage soll MORGEN schon kommen.

Sonntag, Januar 18, 2015

Schulreif?

Letzten Freitag hatte Little L. im Kindergarten Einschulungstest. Das kommt ja unangekündigt und ich hatte eigentlich gedacht, das wäre schon längst passiert, die Einschulungsgespräche fangen ja am Montag an. Aber eben erst Freitag kam Little L. nach Hause und erzählte: "Heute haben wir Schule gespielt. Mit Aufgaben und Test und so."

Ich bin mal gespannt, wie sein Test aussieht, besonders nach dem, was er erzählt hat. Am Spannendsten war wohl, dass bei "Markiere alle Birnen grün" sein grüner Stift abgebrochen ist und er dann mit einer anderen Farbei weitermalen durfte und, und das finde ich wirklich cool, folgenden Aufgabe:
"Also, Mami, das war echt ein bisschen kompliziert, dachte ich erst. Da war eine lange Reihe Obst und die Frau H. hat gesagt: "Markiert alle Äpfel mit einem Kreuz." Und dann musste ich echt lang überlegen, weil ich nicht wusste, wie ich das machen soll, ein Kreuz für alle Äpfel. DIe waren doch in einer Reihe und es waren vier Stück, da dachte ich, hmmmm, da könnte ich immer zwei mit einem Strich verbinden und dann drauf achten, dass diese beiden Striche sich kreuzen, aber ein schönes Kreuz wäre das nicht geworden und dann habe ich kurz geschaut, wie die anderen das machen und die haben einfach jeden Apfel mit jeweils einem Kreur markiert. Ich habe dann das auch gemacht, ich hoffe, das ist okay."

Ich würde sagen: zieht euch warm an, Textaufgabenersteller ;-)-

Samstag, Januar 17, 2015

Und, wie läufts?

So. Wir haben die ersten zwei Wochen ohne Kinderkrippe mittlerweile hinter uns gebracht und ich kann ein bisschen aufatmen und mir selber sagen: "Das wird".
Ein paar administrative Sachen müssen wir noch fertig machen (boah, ich kenne mich jetzt auch mit der Arbeitgeberseite von Pensionskasse, Unfallversicherung, Krankentaggeldversicherung etc. aus), dann sollte das endlich in die Routine übergehen.
Ansonsten: es klappt grossartig. Wir haben unsere Morgenroutine nun so angepasst, dass ich früher aufstehe als der Rest, weil ich als erste mit arbeiten anfangen muss (Morgensitzung jeden Tag um 08:00h und man sollte da besser bittedanke vorbereitet auftauchen und das heisst, dass man allerallerspätestens um 7:30h im Büro sein sollte, um die Infos der Nachtschicht zu holen.). Der Hübsche steht mit den Kindern um 7:00h auf, frühstückt mit ihnen und schickt sie so los, dass sie pünktlich um 08:30h zu Kindergarten- und Schulstart vor Ort sind. Für ihn reicht es auch, wenn er um 08:30h bei der Arbeit ist, er hat es ja auch nicht weit. (Wenn Q. an zwei oder drei Tagen die Woche schon um 7:40h in der Schule sein muss, steht er mit mir auf und geht dann dementsprechend eher los)

Erste Umgewöhnung zu Krippenzeiten: Kein gemeinsames aus dem Haus Hetzen mehr, die Kinder frühstücken zu Hause und laufen mit allen Nachbarskindern in die Schule: und ja, das ist so viel entspannter wie es klingt, nicht nur für mich, die ich ja meist allein aufstehe, sondern, so hat mir der Hübsche berichtet, auch die Kinder sind nach einer Stunde mehr Schlaf sehr kooperativ.

Zweite Umgewöhnung: die Kinder kommen zum Mittagessen nach Hause. Die Nanny kommt um halb 12 und bereitet ein Mittagessen vor. Aktuell machen wir es so, dass ich neu im Wocheneinkaufsplan auch das Mittagessen/Zvieri für Kinder (und Nanny) mit einplanen muss, da muss ich mich auch erst dran gewöhnen. Ich mache in Absprache mit den Kindern einen Vorschlagsplan, was man die vier Tage von Mo-Do zu Mittag kochen könnte (die Kinder wollen die Krippenregel "Pro Woche 2x vegi, 2x Fleisch, 1x Fisch" beibehalten), die Zutaten stehen bereit und wenn die Kinder nach Hause kommen, steht das Essen parat. Das klappt bisher ganz gut, Reste werden auch verwertet, den Kindern schmeckt es (grösstenteils, man weiss ja, wie das ist), die Küche ist abends wieder aufgeräumt und sauber ;-). Je nach Wochentag marschiert Q. dann wieder in die Schule zum Nachmittagsunterricht, L. nur am Donnerstag.

Dritte Umgewöhnung: Die Hausaufgaben werden daheim gemacht. Und so gut das in Anbetracht der Umstände (aka zT 15 Kinder verschiedener Jahrgangsstufen machen gleichzeitig in einem Raum "Uffzgi") in der Kinderkrippe geklappt hat, so froh bin ich, dass das jetzt vorbei ist. Konzentration und Fokus und "Vorwärzmachen", wie Q., seine Lehrerin und ich es im letzten Standortgespräch als Ziel vereinbart haben sind auf einmal kein Thema mehr. Hach. Und der vor zwei Jahren teuer gekaufte Schreibtisch kommt auch endlich zum Einsatz.

Vierte Umgewöhnung: Sie sind viel mehr zu Hause, d.h. können viel mehr mit ihren eigenen Spielsachen spielen und viel unkomplizierter mit Freunden abmachen. Gerade Little L. tut das sehr gut, er organisiert auf einmal total selbständig seine Verabredungen, holt und bringt Freunde nach Hause, das ist wunderbar. Little Q. natürlich genauso, aber der ist ja schon gross ;-).

Wenn sie nichts abmachen, spielen und basteln sie unglaublich viel mit der Nanny, das ist echt wunderbar.

Fünfte Umgewöhnung: Wenn die Nanny krank ist, gibt es nicht all die anderen Erzieher, die das auffangen, das müssen der Hübsche und ich machen. Auch das mussten wir schon erfahren und umschiffen, als ein Magendarm-Infekt zugeschlagen hat. Wer mich kennt, weiss, dass das für mich das Schlimmste der Welt ist und so war ich froh, dass sie sich richtig auskuriert hat und vom Arzt ans nicht mehr ansteckend eingestuft wurde, bevor sie wieder kam. Wir haben das gsd recht gut auffangen können, es hilft natürlich, dass es in der Schulzeit "nur" um halbe Tage geht, die wir abdecken müssen und hat am ersten Krankheitstag der Hübsche den Nachmittag von zu Hause aus gearbeitet (und ja, das geht wirklich ab einem gewissen Alter. Little Q. hatte eh Schule bis nach vier und Little L. hat eben sehr viel CD gehört an dem Nachmittag. Den zweiten Tag habe ich abgedeckt mit "Hey, super, Du hast eh noch total viel Überstunden auf dem Konto, lass bloss dein Laptop hier und wehe du arbeitest was. Vielleicht kommen wir ja endlich mal auf einen zweistelligen Wert" meines Chefs. Für den dritten Tag wären die Jungs dann fast den ganzen Nachmittag bei Kindergeburtstag und Freunden verabredet gewesen, aber da war sie schon wieder gesund und so war der Mittag auch abgedeckt. Ich hoffe, das klappt auch in Zukunft so.

Sechste Umgewöhnung: Wir kommen am Abend direkt heim und sparen uns die echt anstrengende mindestens halbes Stunde müde, aufgedrehte Kinder aus der Krippe einzusammeln, alles Material zusammenzusammeln, daheim die Kinder noch zu "Pack deine Box aus, wo sind die Hausaufgaben, was brauchst Du morgen?" anzuhalten, das gestaltet den Übergang in den "Feierabend" doch viel entspannter.

Siebte Umgewöhnung: Sie sind nicht mehr mit ihren Krippenfreunden in der Krippe. Allerdings sind eh nur noch die wenigsten ihrer Freunde da (wir waren letzte Woche kurz mal vorbeischauen. Die Wand mit "In unserer Gruppe sind:....." -Fotos ist nahezu leer. Ein Trauerspiel. Echt) und durch das erleichterte Abmachen am Nachmittag (und sie treffen sich in Schule und Sportverein so oder so die ganze Zeit) ist das jetzt nicht so das Thema.

Also: bisher läufts. Phew.

Freitag, Januar 16, 2015

Kuchen mit Gruselfaktor

Das wollte ich ja eigentlich schon gestern schreiben, aber dan kam mir die Schweizer Nationalbank ja dazwischen (Schön heute die Antwort eines Mitarbeiters auf meine, zugegeben provokante Frage, was er als bekennender (und missionierender) Ecopop- und IMEI-Zustimmer denn von dem SNB-Entscheid hält: "Grossartig. Da geht jetzt die Schweizer Wirtschaft in die Knie und es kommen endlich nicht mehr so viele Scheissausländer.")

Aber gestern, als wir gemütlich in unserer Donnerstagsznünirunde Kuchen assen, da war die Welt noch in Ordnung. Und lecker.
Ich hatte nämlich endlich den Schokoladenkuchen gemacht, den ich schon beim Federkuchenfest so lecker fand. Ich habe damals die Bäckerin gefragt, wie das ging, der Kuchen hatte nämlich eine traumhafte Konsistenz, fast wie Trüffel und dazu sooooooo schokoladig. Und ja, ich habe ein bisschen geschluckt, als sie erzählt hat, das käme vom Sauerkraut im Teig. Ich meine: ich liebe Sauerkraut. Auch in roh und in rauhen Mengen. Aber im Kuchen?
ich habe vor einiger Zeit mal ein Kochbuch in der Bücherei gesehen, das sich damit gebrüstet hat, problemlos jedes Gemüse ins Kind zu bekommen, und das in Kuchenform. Klar, ich lebe in der Schweiz, Rüeblitorte ist mir vertraut, mag ich sogar, ich kenne Zucchini und Rote Beete in Kuchen, aber das ist alles relativ geschmacksneutral. Ich sehe es als keine Ahnung, Feuchthaltemittel und für die Konsistenz ein, aber nicht, um damit Vitamine ins Kind zu bekommen. Abgesehen davon, dass nach dem Backen von den Vitaminen vermutlich eh nix mehr übrig ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass gerade Blumenkohl im Kuchen nicht ekelhaft rausschmeckt.

Also: diesmal lag die Sache aber anders und ich hatte den Kuchen schon gegessen, er schmeckte kein bisschen nach Sauerkraut und viel leckerer als so manch anderer Schokokuchen, den ich in meinem Leben schon gegessen hatte. Als auf der (bis 2018 schon ausgefüllten) Liste von Donnerstagsznüniverantwortlichen mein Name immer weiter nach oben rutschte, kam mir also der Sauerkrautkuchen wieder in den Sinn und ich fragte nochmal nach, wie das denn genau ging.
Wer hätte das gedacht? Den gibts bei Chefkoch. 
Ich habe also brav nach Rezept (also: fast. Ich habe natürlich Margarine durch "gute Butter" ersetzt und ich habe kein rohes Sauerkraut bekommen, also habe ich pasteurisiertes aus dem Glas genommen) das Sauerkraut gewässert, was echt eklig riecht, gehackt, nicht püriert, den Kuchen zwei Tage ruhen lassen und am Abend vor dem Donnerstagsznüni doch die Muffe gekriegt, weil ich schon davon geträumt hatte, dass der Kuchen total ätzend gewesen wäre.
Ausserdem war das der BLT-Abend und der Geruch nach gebratenem Speck war nicht aus dem Haus zu bekommen, also habe ich ganz schnell noch einen Zimtschneckenrührkuchen sozusagen als Wunderbaum deluxe ;-) hinterhergebacken und beide mitgenommen.

Ich habe zum Frühstück schon den Hübschen und die Kinder (alle drei HASSEN Sauerkraut) ein Stück vom für daheim gebackenen Exemplar des Schokokuchens probieren lassen. Der Hübsche tat sich schwer, weil er wusste, was drin ist. Die Kinder haben den Kuchen inhaliert und als ich ihnen sagte, dass da Sauerkraut drin wäre, hat man ihnen kurz das Entsetzen angesehen, sie haben leicht gewürgt, dann aber hat der Geschmackssinn gesiegt und ich kann jetzt also theoretisch sagen: Meine Kinder essen Sauerkraut, kein Problem. Hauptsache, es ist Schokoladenkuchen aussenrum.

Auf der Arbeit war es dann ähnlich, der Zimtschneckenkuchen war übrigens auch unglaublich lecker, aber auch den Schokokuchen hat die Mannschaft begeistert verdrückt. Mein Kollege hat sogar nach dem Rezept gefragt und auch erst mal kurz geschluckt ;-).

(Ich glaube übrigens, dass das Sauerkraut überhaupt keinen besonderen Supereffekt hat durch seine Gärung oder was auch immer. Nach 2 Tagen Wässern ist das nur noch leere Biomasse mit nix. Aber eben: Von der Konsistenz her knackig, wenn man das fein hackt, dann macht das schon was her ;-))

Donnerstag, Januar 15, 2015

Währungsspekulanten

Eigentlich interessiert mich Geld nicht besonders. Dann aber habe ich angefangen, erstens Geld zu verdienen und zweitens auf der Arbeit die Verantwortung für Anlagen, Waren und Produkte im Wert von noch viel mehr Geld übernommen. Ich habe schon in meinem allerersten Job gelernt, dass es nicht genug ist, einen "eleganten" Prozess zu etnwickeln (wobei das immer noch mein heimliches Ziel ist), nein, er muss sicher sein, nachhaltig (das geht schon wieder in die Richtung "elegant"), machbar und .... wettbewerbsfähig. Und damit man das beurteilen kann, muss man erst mal berechnen können, wie teuer so eine Produktion eigentlich ist. Und so habe ich gelernt über Standardkalkulation, variable Kosten, Periodenkosten, Overhead, Umlagen, Abschreibungen uuuuuuund, tadaaa, Währungseffekte nachzudenken.
Als Bewohner des deutsch-schweizerischen Grenzgebietes muss man sich in Währungssachen eh auskennen, zumindest muss man zwei Währungen kennen und am besten noch die aktuellen Wechselkurse, die Zinsen in beiden Ländern, die unterschiedlichen Preise für verschiedene Güter auf beiden Seiten der Grenze und lustige Dinge wie "Mehrwertsteuerrückerstattung".
(Wenn es Sie interessiert: im Prinzip ist in der Schweiz fast alles teurer, Ausnahmen bis heute ungefähr halb zwölf: Südfrüchte, Vanille, Kaffee, Benzin, so manche Elektronik, Sofas bei Ikea).

Bei der Bekanntgabe von Quartalszahlen wird immer auch auf das "währungsbereinigte" Ergebnis eingegangen, das je nach Kurs des Schweizer Franken eben besser oder schlechter als das tatsächliche ist. Das hängt damit zusammen, dass die die meisten (ich rede jetzt von in der Schweiz produzierenden Chemie- und Pharmaunternehmen) Rohstoffe im Euro-, Dollar- oder wie auch immer man in China bezahlt-Raum gekauft werden. Die Löhne und Mieten und Steuern und Energien werden in Schweizer Franken bezahlt, die Produkte dann wieder allergrösstenteils (so viele Einwohner hat die Schweiz nicht) in den Euro-,  Dollar- etc.-Raum verkauft.
Ein je nach Marge unterschiedlichen Anteil (so aus dem Bauch raus: je höher die Marge, desto geringer) der Herstellkosten eines Produktes fällt also in einer anderen Währung an, als der Erlös. Und wenn der Schweizer Franken jetzt sehr hoch ist, dann wird das Produkt sozusagen in der Herstellung teurer, weil ja die Löhne in Schweizer Franken ausbezahlt werden (bei der letzten Euroschwäche haben in der Westschweiz einige Unternehmen überlegt, ihre Mitarbeiter in Euro zu bezahlen.), man aber den Verkaufspreis in "billigen" Euros etc. festgelegt hat und dann sozusagen in Franken umgerechnet weniger Geld bekommt.

Deswegen war der durch Devisenkäufe der Schweizer Nationalbank in (für mich) unvorstellbarer Höhe gedeckelte Eurokurs von 1.20 CHF für in der Schweiz produzierende international operierende Unternehmen schon eine tolle Sache und die Aufhebung dieser Deckelung und der rasante Kurssturz bzw. Raketenstart des Schweizer Franken ein Schock.


Aber auch für Privatleute (die ihr Geld wiederum als Gehalt von den Unternehmen beziehen, deswegen ist es wie so oft kompliziert), natürlich besonders in Grenznähe, hat das einen enormen Effekt. Ich sags mal so: der Durchschnittsbürger des Schweizer Grenzgebiets bezieht sein Gehalt in Schweizer Franken, kauft den Grossteil seiner Lebensmittel und sonstigen Anschaffungen im deutschen Grenzgebiet (in Euro!) oder im Internet und lässt sie sich an eine deutsche Adresse liefern und bekommt dafür noch die Mehrwertsteuer rückerstattet. Um seine Internetkäufe einfach zu bezahlen, hat er vermutlich noch ein Konto (in Euro) bei einer deutschen Bank.
Der durchschnittliche Bewohner des deutschen Grenzgebiets arbeitet in der Schweiz, bekommt sein Gehalt in Schweizer Franken auf ein Schweizer Konto, das er per Dauerauftrag regelmässig grösstenteils nach Deutschland leert. Er kauft Elektronik und Vanille in der Schweiz und tankt auf dem Heimweg an der letzten Tankstelle vor der Grenze nochmal voll.

Der Kurssturz von heute hat für die deutschen Grenzgänger den Effekt, dass ihr Gehalt auf einmal um ca 15% gestiegen ist (wenn sie es denn schon auf dem Konto hätten und heute auf ihr deutsches Konto geleert hätten), für die schweizer Grenzbewohner, dass ihr von den deutschen Grenzbewohnern mit Hassliebe empfangener Einkaufstrip "ins Dytsche" nochmal ordentlich rentabler wurde.

Ich finde es unglaublich beeindruckend, was das heute für direkt und live zu sehende Auswirkungen hatte, neben dem Kurssturz der Schweizer Aktien. Die Deckelung war noch keine 20 Minuten aufgehoben, da schwirrte der Flurfunk:

"Gehaltsrunde fällt aus, es gab ja grad 15% Plus"
"Die deutschen Kollegen können heute 15% eher nach Hause gehen"
"Mal schauen, ob die Franken in meinem Portemonnaie schon gewachsen sind, ja, schauen grösser aus"
"Mist, und ich hab gestern noch in der Schweiz vollgetankt....."

Es wurden hektisch Kontostände geprüft und Überweisungsaufträge abgeschickt, die grenznahen Geschäfte in Deutschland haben hektisch Waren nachbestellt, um sich für den Ansturm der Schweizer am Wochenende zu wappnen, den Schweizer Banken gingen physisch die Euros aus oder die Ausgabe wurde direkt grad gestoppt.

Und obwohl ich mich für Geld echt nicht besonders interessiere, finde ich das wirklich spannend (und freue mich, dass der am Wochenende gebuchte Sommerurlaub in Italien noch nicht bezahlt ist. Sollte ich vielleicht grad mal machen.)

Mittwoch, Januar 14, 2015

Hähnchensalat statt Versicherung

Lassen Sie mich heute auch einen kleinen Beitrag zu der Diskussion um Versicherungen und Gedichtsanalysen gestern schreiben (bei uns hiess es übrigens weder Gedichts- noch Gedichtanalyse, sondern Gedichtinterpretation, aber das tut nix zur Sache).

Man kann den folgenden Beitrag übrigens auch ohne die Diskussion lesen und meine Meinung zu diesem Thema ist nur auf einer Metaebene erkennbar. (Wobei: hab grad den ganzen Text nochmal gelesen: so meta ist das gar nicht. egal)

Also:
Als ich frisch in die zweite Klasse kam (Sie erinnern sich: nicht die schönste Zeit meiner Schullaufbahn), musste ich dort meinen ersten Aufsatz schreiben. Wir haben selber Zitronenlimonade gemacht und sollten danach aufschreiben, wie.
Mein Aufsatz lautete: "Wie man Zitronenlimonade macht: Man presst eine Zitrone aus und mischt den Saft mit Wasser und Zucker."
Ich meine: genau so haben wir das gemacht und es hat niemand gesagt, dass wir noch schreiben sollen, wie man eine Zitrone auspresst, wie das ganze geschmeckt hat und welche Farbe der Becher hatte. Das war übrigens das letzte Mal, dass unter einem schriftlichen Werk von mir stand "Das geht ausführlicher."

Später dann, gefühlte Millionen Erlebniserzählungen später, kam in der 5. oder 6. Klasse die "Vorgangsbeschreibung" hinzu. Wir sollten also als Hausaufgabe einen Aufsatz über eine Alltagstätigkeit schreiben, "am besten irgendwas, womit ihr euch gut auskennt, was ihr schon öfter gemacht habt. Und so erklären, dass es andere nach dem Lesen auch könnten. Zum Beispiel "Ich flicke einen Fahrradreifen.""
Nun denn. Ich hatte damals noch nie einen Fahrradreifen geflickt, wir haben zwar eine Bilderanleitung bekommen, aber mein Vater hat gemeint, dass das ganze Kasperltheater mit "Schlauch unter Wasser drehen und schauen, wo es blubbert," totaler Quatsch sei und die Flickensets eh nicht halten würden und am gescheitesten sei es, den Schlauch wegzuwerfen und einen neuen reinzumachen und das wäre auf den Bildern überhaupt nicht gut erklärt, wie man jetzt den Schlauch erst runter und dann wieder draufhebelt, da bräuchte man nämlich bestimmtes Werkzeug und das Rad auf den Kopf stellen wäre auch totaler Quatsch, es gäbe das so eine Halterung, wo man das einspannen könnte und ob ich eine Ahnung hätte, wie kompliziert es wäre, einen Hinterreifen zu wechseln mit der Kette und so? Also. Das hatte den Erfolg, dass ich erstens bis heute eine Riesenpanik davor habe, einen Platten am Fahrrad zu haben und wenn, dann bringe ich da Rad in den Laden, weil das ist mir zu kompliziert, und zweitens ein anderes Thema für den Aufsatz wählte, weil: maximal zwei Seiten.
Also habe ich erst versucht, "Mensch-ärger-dich-nicht" zu erklären. Aber auch da: mit allen Sonderfällen und familieninternen Spezialregeln waren die zwei Seiten schnell zu wenig und es war auch viel zu kompliziert.

Was also tun? Ein Alltagsvorgang musste her und da erwies sich das Hauswirtschaftsheft, das meine Mutter aus ihrer eigenen Schulzeit aufgehoben hatte, als eine richtig gute Fundgrube. Ich durfte mir ein Rezept aussuchen und sollte das dann eben in eine Vorgangsbeschreibung umwandeln. Ich wählte "Mayonnaise" und damit ich auch sachkundig erklären könnte, was "Öl zuerst tröpfchenweise, dann im dünnen Strahl zugeben" heisst, habe ich unter Aufsicht an diesem Nachmittag erst 8 Portionen Mayonnaise produziert und dann beschrieben, wie es geht. Das Tolle daran war, das nächste Rezept war "Hähnchensalat Hawaii" und baute auf "Mayonnaise" auf. (Sonst braucht man ein "Brathähnchen, erkaltet, am besten vom Vortag" (auch das ein Rezept aus dem Heft), eine Dose Ananas, eine Dose Mandarinen und, ich fürchte, sonst nichts mehr). Das konnte ich dann in der Schulaufgabe verwenden, auch wenn ich das wegen der nicht uneingeschränkten Verfügbarkeit von "Brathähnchen, erkaltet, am besten vom Vortag" nicht ganz so oft üben konnte wie die Mayo.

Ich könnte jetzt noch schreiben, dass ich Versicherungen verstehen gelernt habe, als in einer Textaufgabe in dern 7. Klasse von Prämien und Policen die Rede war, und ich nachgefragt habe, was um alles in der Welt das denn sein soll, Miete und Kaution in der 8. Klasse in Wirtschaft und Steuern erstens beim Prozentrechnen in der 8. oder 9. und dann auch in Wirtschaft und Sozialkunde. Aber das würde unglaublich streberhaft klingen und meine Überleitung kaputtmachen.

Lustigerweise hatte das ganze zwei Dinge zur Folge: ich war seitdem die Mayonnaisebeauftragte der Familie (und bis heute ist mir noch NIE eine misslungen), auch wenn wir sonst eigentlich eher nicht in die Küche durften, und ausserdem bin ich für alle Zeiten für Fertigmayo versaut. Ich ertrage das Zeug aus dem Glas einfach nicht. Das unglaublich fettige Gefühl, der fade Geschmack und der ekelhafte Nachgeschmack ... pöh!

Heute abend gab es übrigens aus dem grossartigen Buch "Auf die Hand" von Stevan Paul BLT-Sandwiches zu Abend (nicht, dass man für BLT ein Buch bräuchte, aber das war das von den vielen eingemerkten Rezepten, was zu einem schnellen Abendessen nach der Arbeit, das aber in 3 verschiedenen Schichten gegessen wird, am besten passte), und hach: die Mayo-Anleitung hätte ich geschrieben haben können. Damals. (wobei ich ja finde, dass ein Hauch Zucker sich sehr gut in der Mayo macht.)
Und for the record: Little L., der eigentlich unheiklere von den beiden Littles fand es "Boah, Mami, das ist megagrusig, grad die Sosse", während Little Q., der ja eigentlich nur beim Anblick von Tomaten schon Stresspusteln bekommt, drei ganze Sandwiches verdrückt hat. Man weiss es halt nie.

Dienstag, Januar 13, 2015

Fusion Food. Und Schwarzhandel.

Little L. und Little Q. brauchen ja für Schule/Kindergarten jeden Tag eine gepackte Znünibox* (ausser, jemand hat Geburtstag, dann nicht. Das vergesse ich aber oft und dann haben sie trotzdem eine. Little L. sagt dann: "Macht nix, Mami, hätte ja sein können, dass ich den Schokokuchen mit Smarties und Gummibärchen nicht gern gehabt hätte dann hätte ich mich voll über Gurken und Cracker gefreut."
Für diese Znüniboxen gibt es zumindest im Kindergarten strenge Regeln, das Znüniblatt wird zu Beginn jedes Kindergartenjahrs laminiert ausgegeben und wirklich gelebt. Ich finde das eine grossartige Sache, es handelt sich schliesslich um eine einzige Zwischenmahlzeit am Tag, da stirbt weder jemand dran, wenn das mal gesund ist und es bricht auch niemandem ein Zacken aus der Krone, wenn man sich da dran hält.
In der Schule ist das nicht mehr ganz so streng, Pausenhofkontrolle der Znüniboxen gibt es keine und so bekommt Little Q. zwar keine "echten" Süssigkeiten, Chips oder Schokolade mit, aber ein Müsliriegel ab und an (besonders, wenn er am Montag zB eh Schule bis nach 16:00h hat), der darf dann schon mit rein.

Ansonsten gibt es bei uns kein Formbrot, keine geschnitzten Traubenpinguine oder Möhrensterne, dafür ist mir, mit Verlaub gesagt, meine Zeit zu schade, und (ich habs getestet), die Kinder sind nicht doof: das, was sie nicht mögen, essen sie auch nicht, wenn es in lustige Formen geschnitzt ist oder ein Gesicht hat. Au contraire: Eier, die sie eigentlich gerne mögen, widern sie an, wenn sie in Auto- oder Miffy-Form gequetscht sind. (Ausserdem finde ich es für mich ein bisschen eklig, Essen zu essen, bei dem offensichtlich ist, dass da jemand richtig mit gebastelt hat, aber das bin natürlich wieder nur ich.)
Ich packe das Essen am Abend vorher so in Boxen, dass es nicht vermischt, vermatscht oder eklig wird, das ist dannn schon gerne mal in so Silikonförmchen getrennt, gerne auch in den guten alten Butterbrottüten, aber aus rein praktischen Gründen.

Und weil meine Jungs sehr klare Vorstellungen haben, was sie mögen und was nicht, sehen die Boxen meist sehr unterschiedlich aus. Und heute morgen ist es dann passiert: ich habe die beiden Boxen vertauscht und so ist Little L. mit Müsliriegel, Karottensticks und Minisalami in den Kindergarten gegangen, Little Q. mit Mango, Käsewürfeln und Knäckebrot in die Schule.
Ich habe ja schon das Schlimmste befürchtet, so wie 100x schreiben: "Mein Kind bekommt keine Müsliriegel in den Kindergarten mit" oder traurige und hungrige Kinderaugen, aber nein: Little L. war högscht überrascht ob des Müsliriegels, hat bei seiner Kindergärtnerin nachgefragt "Gell, das darf ich nicht essen, oder?" und durfte dann "Ausnahmsweise, weil es hatte immerhin keine Schoggi dran" aber doch, die Karrotten tauschte er gegen Apfelschnitze ein, und Little L. war im siebten Himmel, er hatte nämlich alles bis auf die Mango gegen drei Chips eingetauscht. Die Mango brachte er wieder mit und darüber freute sich sein kleiner Bruder sehr.

Alles nochmal gutgegangen und morgen sind wir auf der sicheren Seite: für beide gibt es das Gleiche, nämlich Vollkornbrot mit Putenschinken und Weintrauben. Ohne Möhrenfüsse.


*Schweizer Zwischenmahlzeiten sind Znüni und Zvieri (wie man es erahnen kann: um neun oder halb zehn und um vier). Der Rest heisst analog Zmorge, Zmittag und Znacht.

Montag, Januar 12, 2015

"Wo Gewalt nicht hilft, hilft mehr Gewalt".

Oder, wie der Bayer sagt:



Mit diesem Spruch habe ich seinerzeit schon meinen allerersten Chef beeindruckt.

Immer ist das allerdings nicht so, heute zB bin ich auf einer meiner ausgedehnten Touren durchs Areal an eine verschlossene Tür geraten. Und nicht nur verschlossen im Sinn von "Zutritt nur für berechtigte Personen, weil da hinter hochgeheime und sehr gefährliche Sachen gehandhabt werden", wo man nur mit Ausweislesegerät (da bin ich noch überall reingekommen) oder Iriskontrolle (das war jetzt ausgedacht oder ich habe die so geheimen Türen noch nicht entdeckt) reindarf, nein, sie ging einfach nicht auf. Ich habe also (s. Titel) einmal kräftig gedrückt, noch einmal mit ganzem Gewicht dagegengedrückt, dann Anlauf geholt und...... innegehalten. Auf unserem Areal ist ja im Moment (also: schon einige Zeit und ungefähr noch 15 Jahre) regste Bautätigkeit, es fahren Betonlaster, Kräne, Lieferlastautos mit neuen Kesseln und Trocknern oder auch Fassadenteilen munter durch die Gegend, es werden Gruben ausgehoben, Gebäude abgerissen und, so kam mir der Gedanken, vielleicht ist die Tür ja mit Absicht zu und nicht nur verklemmt. Ich bin also wieder zurückgegangen zu einem anderen Ausgang und einmal ums Gebäude rum und: tadaaa: die Tür war mit einem breiten Holzbalken abgesperrt, dahinter ein Bauzaun und 4 Stockwerke oberhalb des Bauzauns wurde ein Dach abgerissen, d.h. eine Schuttlawine landete direkt vor der abgesperrten Tür. Gar nicht so schlecht, dass ich da nicht rauskam (abgesehen davon, dass der Balken so dick war, dass ich lang gegen die Tür hätte springen können, da hätte sich nix bewegt).

Auf meinem langen Rückweg durch den Bau bin ich dann so in mich gegangen und habe an die Türen gedacht, die ich in meiner wilden Jugend schon zerstört habe.

Für die erste hatte ich noch Unterstützung und zwar die meiner zwei nächstjüngeren Schwestern. Dementsprechend kann die kleinste noch nicht auf der Welt gewesen sein und ich war demenstprechend maximal 8 Jahre alt (Wäre definitiv Jugendstrafrecht, aber ich war die älteste, hätte deswegen per se die vernünftigste und ein Vorbild sein sollen und war deswegen auch hauptschuld. Nun denn). Also. Meine Eltern waren ausser Haus und aus irgendeinem mir längst entfallenen, aber sicher enorm wichtigen Grund hatten meine übernächste Schwester und ich uns in meinem kleinen Zimmer verschanzt. Die nächste Schwester wollte aber auch rein, wir beide haben also von innen gegen die Tür (auf der Klinkenseite) gedrückt, die einzelne Schwester hat von aussen gegen die Tür gedrückt (auf der Angelseite) und, man muss uns zugute halten, es war/ist ein Fertighaus und es waren keine Massivholztüren, es ging nicht lang, und wir waren zu dritt im Zimmer. Mit der Tür. Man muss uns auch zugute halten, dass wir sofort, nachdem wir physisch vereint waren, den Streit aufgaben und mit vereinten Kräften versuchten, die aus den Scharnieren gebrochene Tür wieder reinzudrücken und das Ganze noch professionell mit Tesafilm fixierten. Leider, leider hielt das nicht so richtig gut und nachdem das Ganze auch noch an einem 23. Dezember passierte, war das Weihnachten danach nicht so richtig schön. Eines von vielen in einer langen Tradition von verunglückten Weihnachtsfesten bei uns zu Hause, aber das ist ein anderes Thema. Die Geschichte wird auch heute noch gerne erzählt. "Wisst ihr noch, damals, Weihnachten, mit der Tür? Und dann das mit dem umgefallenen brennenden Baum? Und das, wo wir alle Würmer hatten und Heilgabend die rote Medizin und unsere Seele aus dem Leib gekotzt haben?"
Bei mir hat das zu folgenden Vorsätzen geführt:
1. Nur eine gerade Anzahl von Kindern. Nur so sind wenigstens mengenmässig ausgeglichene Allianzen möglich.
2. Weihnachten wird bei uns toll. Wir streiten nicht, egal, was passiert.
3. Wir haben einen offenen Wohnbereich mit ganz ohne Türen.

Die nächste Tür, die ich zerstört habe, war meine Labortür in der Uni. Und zwar nicht so spektakulär, wie man sich das vielleicht vorstellt, wenn man weiss, dass ich Chemikerin bin, in meinem Labor mehrere Ether-Destillen hatte und munter mit Na-K-Legierung, flüssigem Ammoniak, BuLi, Natriumhydrid und solchen Schätzchen hydriert haben, sondern eher.... lustig. Und das kam so: ich war von irgendwoher auf dem Weg in mein Labor und bekam die Tür nicht auf (Labortüren sind Fluchttüren und MÜSSEN nach aussen aufgehen. Die bayerische Unibaunorm ist (oder war damals zumindest) nicht so streng wie unsere Gebäudenorm bei der Arbeit, da mussten Labortüren nämlich keine Glasscheiben haben, sonst wäre das alles gar nicht passiert.). Dass eine Labortür schwer aufgeht, das ist erstmal nichts besonderes, das liegt daran, dass Laborräume extra gut belüftet werden (müssen) und wenn die Lüftung volle Kanne läuft, bildet sich in einem Labor schon mal Unterdruck und dann ist es bisweilen schwer, die Tür zu öffnen. Ein bisschen so wie bei einem Kühlschrank, wobei sich der Unterdruck da ja durch die Temperatur bildet. Lustigerweise ist unser Büro ja ein ehemaliges Labor und hat deswegen sowohl die Glasscheibe in der Tür als auch noch den Anschluss an die Sturmlüftung. Die geht manchmal an, dann braust es ganz gewaltig und eben: die Tür geht schlecht auf. Ich weiss noch nicht (und weiss nicht, ob ich das wirklich rausfinden will), ob die Lüftung zeitgesteuert ist oder auf Messwerten beruht und zB immer dann losstürmt, wenn einer meiner Bürokollegen gepupst hat (ich würde sowas ja nie tun). Aber ich schweife ab.
Also: meine Labortür ging nicht auf und weil ich das ja halbwegs gewohnt war, zog ich fester. Sie ging immer noch nicht auf, also zog ich noch fester. Irgendwann dann stemmte ich mein rechtes Bein gegen die Wand neben der Tür und legte mich mit aller Gewalt und meinem gesamten Gewicht in die Türklinke und zog. Bis die Türklinke abbrach und ich mit dem abgebrochenen Griff in der Hand quer durch den Gang flog, direkt in den Glaswarenschrank gegenüber von meiner Labortür. (auch hier: keine Glasscheibe in der Schranktür, Gottseidank für meinen Rücken, aber so konnte ich mir ja fast guten Gewissens einreden, dass das Geklirre im Schrank gar nicht soooo dramatisch geklungen hatte und nur ein paar Kolben und Flaschen gegeneinander gestossen waren, nachschauen konnte ich ja nicht, weil der Schrank war abgeschlossen.
Tja, und noch nicht mal hier ist die Geschichte vorbei, weil ich war ja immer noch nicht in meinem Labor, die Tür war immer noch zu. Ich habe mich also aufgerappelt, den Stummel von der Türklinke mit aller Kraft gepackt und gedreht, bin einmal abgerutscht, habe mir an den scharfen Bruchstellen die Finger aufgeschlitzt und irgendwann dann war ich in meinem Labor (ja, okay, zu diesem Moment hätte ich die zweite Tür zum Labor nutzen können, die noch eine intakte Klinke hatte, aber ich hatte ja zu diesem Zeitpunkt frisch einen Schrank getackelt, da ist man nicht ganz so urteilssicher). Und lustigerweise (haha) war gar nicht die Lüftung schuld daran, dass die Tür so schwer ging, sondern ein freundlicher Kommilitone (nicht der Hübsche), der sich in meinem Labor versteckt hatte und die Tür von innen zugehalten hatte, um mir einen Streich zu spielen. Er musste so lachen, als ich mitsamt dem Türgriff durch den Gang geflogen war, dass er nicht mehr dagegenhalten konnte, so dass ich dann endlich reinkam. (keine Sorge, ich habe mich an ihm gerächt, indem ich ihm in einem unaufmerksamen Moment eine halbe Tube Handcreme ins Ohr gedrückt habe, und auch sonst waren wir damals durchaus mündige und vernünftige Menschen). Zu meiner Verteidigung muss man sagen, dass zu diesem Zeitpunkt anscheinend viele Türgriffe in dem Bau das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hatten, ein andere Kollege hat es geschafft, die Türklinke einer Toilettenkabine von innen abzubrechen. An einem Samstag nachmittag. In einer vom Boden bis zur Decke durchgemauerten Kabine. In den Zeiten VOR immer Handy dabei. In einem totalen Funkloch wegen tief im Innern eines Stahlbetonbaus. Also: es ging noch schlimmer.


Wenn ich über all das so nachdenke: hey: ich habe mich tatsächlich ein bisschen weiterentwickelt. Ich habe nur dreimal mit aller Gewalt an der Tür gebumpert und getreten. Nichts ist kaputt, niemand ist verletzt. Es besteht noch Hoffnung für mich.

Sonntag, Januar 11, 2015

#StreamTeam-Serientipp: "Die Brücke"

Disclaimer vorne weg: Wer sich immer noch drüber aufregt, dass wir Netflix-StreamTeam-Member sind: das hier wäre jetzt neues Aufregefutter. Ich wünsche viel Spass.





Für den Rest: also: wir (ich) haben uns nach "Marco Polo" für die zweite Staffel "Die Brücke: Transit in den Tod" entschieden und die schnell noch in den Restferien fertig geschaut (auf Kosten von Nachtschlaf und nicht ganz vernünftig, aber was will man machen?).



Wie in der ersten Staffel schon, die wir seinerzeit auf DVD gekauft und geschaut haben, ist der Plot eine verwickelte, sehr, sehr düstere Handlung, die in Kopenhagen und Malmö spielt. Zentrale Personen sind ein dänisch-schwedisches Ermittlerpaar. Besonders die schwedische Ermittlerin Saga Noren, die (wobei ich das nicht beurteilen kann, weil ich sehr wenig Erfahrung/Kontakt mit "echten" Asperger-Autisten habe) in meinem Augen sehr realistisch als Asperger-Autistin dargestellt wird, macht das Ganze sehr speziell. Aber auch Nebenrollen bekommen ihr eigenes Profil.
Wie der Plot eben in der ersten Staffel ist er auch hier extrem verwickelt, wenn man meint, man hat jetzt den Bogen raus, lohnt es sich, mal zu schauen, wie viele Folgen noch ausstehen, dann kann man so in etwa erahnen, wieviele Wendungen das Ganze noch nehmen wird.

Lustigerweise lösten die Bilder, wie Martin und Saga am Rand des Öresunds stehen und bei Schneeregen im Hintergrund die namensgebende Brücke grad noch so zu sehen ist, beim Hübschen und mir ganz unterschiedliche Emotionen aus. Zeitgleich sagten wir "Boah, wie ätzendes Wetter. Im Winter ist Skandinavien ja schon ganz schön scheisse" (der Hübsche) und "Hammer, wie geil, wir sollten vielleicht auch mal im Winter da rauf fahren." (Ich). Nun ja. Für den Sommerurlaub ist jetzt mal Toskana gebucht, vielleicht kann ich Silvester in Kopenhagen dann irgendwie rausschlagen ;-)

Nebenbemerkung aus eigener Erfahrung: zwischendrin spielt auch einmal eine Chemiefirma und eine Entsorgungsfirma für Sondermüll eine Rolle. Entweder sind die Sicherheitsvorkehrungen in Dänemark (oder war es Schweden?) nicht so hoch, wie ich es aus der Schweiz gewohnt bin, aber für alle, die sich jetzt Sorgen machen: So wie in der Serie werden bei uns keine Fässer transportiert, da wird nicht einzeln hochgegabelt, die werden nur ordentlich palettiert transportiert. Und in allen Firmen, in denen ich bisher gearbeitet habe, musste das Notkühlungssystem unabhängig von jeder elektronischen Steuerung funktionieren. Schwerkraft kann auch von Terroristen nicht gehackt werden.


Weiter geht's mit "Orange is the new black" ;-).

Samstag, Januar 10, 2015

Reden gegen die Angst

Ich bin als Kind der 70er und 80er ja zwar einerseits in der heilen Bullerbü-Welt eines bayerischen Dorfs grossgeworden (ich hoffe, Sie verstehen diese Bezeichnung so ironisch, wie sie gemeint ist), andererseits auch mit RAF, Kaltem Krieg, Bundeswehrmanövern im Feld hinter dem Haus. Ich habe am Dorfbahnhof die Fahndungsplakate für die Baader-Meinhof-Bande studiert, genauso wie die Plakate zu der Entführung von Ursula Herrmann, die in einer Kiste in der Erde eingebuddelt wurde und erstickte. Ich habe hinter jedem Pendler in de bayerische Kleinstadt einen Terroristen und/oder Kindsentführer vermutet, wenn jemand auf dem Weg vom Bahnhof in die Stadt hinter mir ging (was immer der Fall war, das ist ja der Hauptfussgängerstrom morgens und mittags), war ich jederzeit bereit, loszurennen und um Hilfe zu schreien, für den Fall dass ich gepackt und in ein Erdloch gesteckt werden sollte. Als wir irgendwann mit dem Zug in die Sommerferien auf eine autofreie Insel in Südfrankreich fuhren, war das der Horror für mich, weil meine Eltern jeder nur für je eine kleine Schwester und tonnenweise Gepäck Hände hatten (auch aus Elternsicht eine Horrorvorstellung, auch jenseits von Entführungsszenarien) und ich als Älteste dementsprechend alleine mitlaufen musste und somit ja ein gefundenes Opfer für die an den Bahnhöfen Europas ja nur auf Kinder ohne Elternhand lauernden Entführer war.
Diese Ängste habe ich, soweit ich mich erinnere, meinen Eltern gegenüber nie so artikuliert, dass sie sich deren Schweregrad bewusst geworden wären. Ich erinnere mich noch, dass mir auf Nachfragen technisch genau erklärt wurde, warum das mit der Luftleitung in der Kiste unter der Erde nicht klappen konnte, aber das hilft ja jetzt nicht direkt gegen die Panik, auch wenn ich mental darauf vorbereitet war, einem etwaigen Entführer mit technischem Knowhow in Sachen Luftzufuhr für Erdlöcher zur Seite zu stehen. Die Angst, dass ich auch jederzeit in einem Erdloch oder mit einem Schild um den Hals auf einem Erpresserfoto enden könnte, die konnten sie mir nicht nehmen.

Ich möchte, dass meine Kinder ohne solche Angst aufwachsen. Und weil ich weiss, dass ich das Böse dieser Welt nicht von ihnen fernhalten kann, weil ich weiss, dass sie, wenn ich es ihnen verschweige, anderweitig davon erfahren werden und sich alles noch viel schlimmer ausmalen würden, als es ist, rede ich mit ihnen. Auch wenn es weh tut, auch wenn es Angst macht. Weil es besser ist, sich in sicherer Umgebung damit auseinanderzusetzen, als durch die eigene Vorstellungskraft für sich allein noch grössere Gefahren heraufzubeschwören. Weil es hilft, sich wenigstens theoretisch mit Szenarien auseinandergesetzt zu haben und sie theoretisch überstanden zu haben, auch wenn das in Realität alles ganz anders kommen könnte/würde etc.
Und so haben wir heute morgen (weil Little Q. es aufgebracht) am Frühstückstisch darüber gesprochen, wie es wohl wäre, wenn eine Schule wegen eines Attentats evakuiert würde, was "Märtyrer" bedeutet und wie der Begriff heute verwendet wird, was man machen würde, wenn man beim Einkaufen in einem Supermarkt als Geisel genommen würde, und: dass es sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich ist, dass unser Supermarkt, unsere Schule, unsere Arbeitsplätze das Ziel von terroristischen Anschlägen werden und dass wir deshalb im täglichen Leben keine Angst haben müssen.
Ich hoffe sehr, dass meine Kinder durch Hintergrundwissen und Diskussionen ohne Tabus zu selbständig und unabhängig denkenden Menschen werden, dass sie sich nicht durch dumpfe Propaganda mitreissen lassen, dass sie nicht aus Angst und Unwissen in Panik verfallen. Ich weiss natürlich nicht, ob das der richtige Weg ist, aber ich selber bin bisher immer gut damit gefahren, mich mit meinen schlimmsten Ängsten auseinanderzusetzen. Das hilft gegen die Angst vor jedem Schrittgeräusch hinter einem.