Freitag, November 16, 2018

Rapüh

Das ist doch mal ein Start ins Wochenende: sich von der durchaus herausfordernden Woche so verkatert fühlen, wie früher (TM) nach einem durchgefeierten Wochenende. Man wird ja effizienter mit der Zeit und kann sich so das Feiern sparen.


Fast schon erstaunlicherweise habe ich heute recht unaufgeregt Zeug wegarbeiten können, das kam die restliche Woche ein wenig zu kurz. Ich habe mich auch sehr über meine Kollegengruppe gefreut, die eine gestern Abend abgeschickte Rundumfrage wegen eines Requests (meine Güte, ich habe mich sogar gestern mit einer deutschsprachigen Kollegin in einem bilateralen Gesrpäch 30 Minuten auf englisch unterhalten, ohne es zu merken. Und leiste mittlerweile innerlich Abbitte für all das Geläster über Denglisch, das ich seinerzeit abgelassen habe, es ist tatsächlich so: wenn man in einem internationalen Umfeld arbeitet und praktisch nur englisch redet und schreibt und liest oder sich immer auf international Guidelines beruft und die zitiert, dann fallen einem manche Begriffe auf Deutsch einfach auch im Alltag nicht mehr ein oder nicht so schnell und dann kommt so ein Kauderwelsch raus. Neu in meinem Wortschatz übrigens seit dem Supermeeting gestern: "ringfencing". Sie müssen das jetzt gar nicht googlen, wenn Sie daran interessiert sind, was wir da besprochen haben, ich habe das für Sie übernommenl Google findet dazu vor allem irgendwelche finanztechnischen Konstrukte dazu, das hat nix mit unserem Thema zu tun. Aber ich kann das Wort jetzt und werde es in Zukunft ausgiebig benutzen.) von extern, der mich sehr irritiert hat, ausführlich und hilfreich beantwortet hat. Ist ja auch nicht immer selbstverständlich.


Sonst: der Kühlschrank ist jetzt wieder voll. Alle anderen Schränke auch. Wegen Hochzeitswochenende haben wir ja eine Woche Grosseinkauf ausfallen lassen und haben auch nicht gedarbt. Aber ich weiss jetzt: die Steigerung von "hungrig einkaufen" ist "hungrig einkaufen mit dem Bild eines nahezu leeren Kühlschranks vor dem inneren Auge", das Geburtstagspaket für meinen Dad ist unterwegs ("die Ziege sitzt im Zug", sozusagen), meine wuscheligen Haare sind wieder ordentlich getrimmt und der dunkle Ansatz ist weg (es wird hier empfindlich kalt, vor allem an den Kopfseiten, wo jetzt nur noch wenige mm Haare sind, ich muss die Mützen vorsuchen), die Betten sind frisch bezogen und die Kinderskisachen für den Austausch morgen sind rausgesucht und, das allerwichtigste: Sansa ist versorgt. Es war schon gut, dass wir zum Tierarzt gegangen sind, die Wunde ist nämlich aufgegangen und es war... naja, schon gruslig, sie hat jetzt eine "Wir können gleich zu McDonalds"-Frisur, die entzündete Wunde wurde gespült, sie bekam Antibiotika gespritzt und darf jetzt 5 Tage Tabletten nehmen. Entweder wurde sie gebissen oder hat sich selber an einem Nagel oder Maschendrahtzaun verletzt. Alles nicht dramatisch, kein Fieber, fit, 2.9kg (mit Haaren), und sehr tapfer, sie hat beim Spülen (und da wurde mir schwummrig) nicht mit der Wimper gezuckt, nur bei der Spritze gejammert.
Jon war not amused, dass wir seine Schwester allein mitnahmen, aber den Nachmittag haben sie dann wieder gemeinsam draussen verbracht. Sie sind übrigens ein bisschen wie Hunde: wenn wir sie draussen rufen, kommen sie angerast und wenn wir rennen, rennen sie mit, wenn man ihnen Stöckchen wirft, holen sie die. (Sansa bringt auch sonst sehr viel. Bisher nichts lebendiges, aber seit dem Kuscheltierbein, was sich übrigens als Gurke aus der Ikeakinderküche herausgestellt hat. Nicht unserer, hat sie einen Haufen grosse Blätter, mehrere kleine Plastiktüten und viele so Haselnussbüschel angeschleppt. Mir solls recht sein, ich brauche keine halbtoten Vogel im Wohnzimmer oder auf der Terrasse.


Heute abend gibt es nur noch Badewanne, Pizza und Netflix, mit der Aussicht auf Ausschlafen morgen.
Ich kenne jemand, der sich darauf freut. Sehr.


Stressleveldurchschnitt gestern:
Selbstbeweihräucherung: still on top of things. Und dem immer noch sehr starken Impuls widerstanden, dem Versuch, eine unangenehme Aufgabe auf mich abzuschieben, mit "Meine Güte, dann mach ich das halt, wenn es sein muss" nichts entgegenzusetzen.

Donnerstag, November 15, 2018

What a day





Der Titel gilt eigentlich für die ganze Woche, die, wie ich ja heute festgestellt habe, schon fast rum ist. Wie der verehrte Herr Buddenbohm das so schön genannt hat: wir sind im "Sausetunnel". Interessanterweise dieses Jahr bisher noch überhaupt nicht wegen weihnachtlicher Termine, die kommen ab übernächster Woche, tatsächlich vor allem mit Arbeitsdingen und Schuldingen. (Okay und Geburtstagen, die sind halt einfach zu dem Zeitpunkt im Jahr, da kann mann nix machen, auch wenn dann ganz viele Leute, die man echt gerne dabei gehabt hätte, nicht zum Feiern kommen können. Aber: keine Zeit zum Traurigsein, weil: things to do).


Ok. Es war mir ja auch klar, dass das "Ich habe grad mal ein bisschen weniger als auch schon im Job zu tun, das fülle ich mit 20% Zusatzjob" im Leben nicht so aufgehen würde. Ich habe beschlossen, am Anfang, wo natürlich alles Neue neu ist und viel komplizierter und zeitaufwändiger wirkt, als es hoffentlich später, wenn man es dann mal drauf hat, nicht durchzudrehen und "Ohgottogottogott, das schaffe ich nie!" zu denken und das lief auch super, bis aus dem Nichts ein Feuerwehrprojekt um die Ecke kam, das ..  ich kann das nicht genau erklären, weil eben: vertraulich, auf jeden Fall ist es so dringlich, dass es für solche Fälle einen extra reservierten, rund um die Uhr verfügbaren Meetingraum gibt, für den nur das Team, das das Handling solcher Dinge organisiert, den Schlüssel hat (es gibt dort ausserdem nicht nur Wasser und Kaffee, wie überall, sondern auch Schokolade, Cola und Nüsse als Nervennahrung), und solche Meetings sind so ziemlich die einzigen, für die man ohne auch nur ansatzweise nachzudenken, alles stehen und liegen lässt. Nun gut. Aus Gründen konnte keiner meiner "Buddies" in dem Nebenjob mir dort zur Seite stehen oder schauen, dass ich es nicht verbocke, aber ich habe jede Menge Briefing und Coaching bekommen und durfte das nach 14 Tagen in der Rolle selbständig machen. War jetzt auch nicht schlimm, es hilft mir immer, wenn ich gut vorbereitet bin und das wäre in dem Fall nicht besser gegangen.


Aber: natürlich frisst so etwas unglaublich viel Zeit in der Vorbereitung, der Kommunikation, das zieht ja dann doch recht weite Kreise, und diese Zeit fehlt dann woanders. Zum Beispiel bei den eigentlich geplanten Aktivitäten für den Zusatz- und den geplanten und vor allem ungeplante Aktivitäten für den eigentlichen Job.


(Interessante Nebenbeobachtung: mir gegenüber im geheimen Meetingraum sass eine Kollegin, die mimikmässig das totale Gegenteil von mir ist. Ich bin ja eher ein Gesichtskasper, dem man jeden Gedanken und Meinung eh in billboardgrossen Buchstaben vom Gesicht ablesen kann. Ich merke, wenn ich mich selber beobachte, dass bei mir aktives Zuhören tatsächlich vor allem durch Körpersprache und Mimik ausgedrückt wird. Mit zustimmendem Nicken, verständnisvollem Lächeln, hochgezogenen Augenbrauen, gerümpfter Nase und überhaupt ganz viel Gesichtverziehen. Die Frau mir gegenüber war hochkonzentriert bei der Sache und hat ... keine Miene verzogen. Das hat mich total fasziniert, sie sass da mit der Eleganz einer Königin und ich merkte, wie ich (ganz Hofnarr) versuchte, ihr irgendeine Art der Regung abzuringen, bis ich irgendwann in die "resting bitch face"-Falle tappte und befürchtete, sie wäre einfach echt schlecht gelaunt. War sie übrigens nicht und ich überlege jetzt, ob ich das auch mal versuchen sollte, aber ich fürchte, das würde gnadenlos in die Hose gehen. Aus mir wird keine Sphinx mehr.)


Ich halte übrigen nach wie vor eisern an den drei goldenen Regeln fest und habe auch nicht das Gefühl, dass ich nah dran bin, eine auf einmal als im Moment nicht so wichtig zu betrachten (was immer ein Warnzeichen ist), im Gegenteil: ich bin so weit wie selten von arbeitsbedingten Tränen weg, eher auf eine, Adrenalinhoch, laufe sehr viel hin und her und komme deshalb gar nicht in die Versuchung, das Mittagessen sein zu lassen, auch weil ich einfach mal sitzen und nicht klug sein müssen möchte, sondern nur essen und albern. Was am ehesten kippt, ist die Weckzeit, das liegt aber daran, dass sie wegen Q.s Schulbeginnszeiten eh auf 5:45h steht und ich dank Jonny und unvernünftiger Ernährung (Schwarzwurzeln. Ich werde es nicht mehr lernen in diesem Leben) eh immer noch früher auf bin.


Das führt notgedrungen dazu, dass ich nicht wie sonst viele Dinge, die eigentlich in der Verantwortung anderer Menschen lägen, "mal schnell selber" mache, weil das aus meiner Sicht entweder schneller oder besser oder einfach nett von mir ist, aus der Sicht der anderen im Zweifelsfall bequem und nett von mir und hoffentlich nicht übergriffig, ist, sondern halt .... nicht. Vor allem bei der Arbeit, daheim ist es nämlich eh so, dass wir das "equal care"-Modell mittlerweile einfach verinnerlicht haben und das gar nicht mehr in Frage gestellt wird. Das ist eine nette Überleitung zu einem echt guten Thread auf Twitter, in dem @octodontidae (die überhaupt sehr folgenswert ist) aufzeigt, was die hilflosen "Ich weiss gar nicht, wie ich meine Frau entlasten soll"-Diskussionen so mühsam macht. Lesen Sie ruhig mal rüber:
Die Antwort ist übrigens sehr einfach: mach einfach deinen Teil und stell dich nicht doof. Überall anders kannst du es auch, nur bei Haushaltstätigkeiten scheint dein Hirn zu versagen.


Ich habe ja aktuell (s.o.) keine Zeit für Twitterdiskussionen, aber auf dem Weg von weiss nicht mehr nach woanders hin, habe ich kurz nachgedacht, und kam zu dem Schluss: bei uns waren sämtliche Diskussionen über die Aufteilung der Carearbeit schlagartig vorbei, als wir mit der Lohnarbeitszeit gleichgezogen haben. Das nimmt jeglicher Diskussion über irgendetwas anderes als 50:50 die Grundlage (man könnte drüber diskutieren, ob wir beide volle 100% --höhöhöhö, s. Anfang des Posts-- arbeiten müssen, um uns über den Rest in die Haare zu geraten, aber dafür haben wir keine Zeit)




Sonst so: die Katzen sind sehr lustig. Wir haben von den Nachbarn mit den Schäferhund erfahren, das Jonny jeden Morgen kommt, und durch ihre Hundetüre späht, um zu schauen, ob der Hund vielleicht schon wach ist. Der übrigens keine Katzen mag, aber ich weiss nicht, ob Jon weiss, dass er eine Katze ist. Mit Sansa gehe ich morgen zum Arzt, mal sehen, was er zum Biss am Rücken sagt. Der Hübsche findet, er wäre eindeutig kleiner geworden, ich finde, eindeutig grosser, das spricht eindeutig für: Profimeinung einholen.


Stressleveldurchschnitt gestern: 55
Selbstbeweihräucherung: wacker geschlagen. Also ehrlich mal. (Und: die Klassenwhatsappgruppe stummgeschaltet. Nächster Schritt wäre: "Hat die Gruppe verlassen". Aber vielleicht habe ich sie vorher schon vergessen)


Mittwoch, November 14, 2018

Schokoküsse, Krisenmeetings, überraschene Anrufe

What a day.
Heute, während ich in einer Meetingpause auf meinen Cappuccino wartete, brummte mein Arbeitshandy und zeigte einen eingehenden Hangouts-Videoanruf mit dem Namen eines Studienkollegen an (Mein Arbeitgeber schwört auf Google-Infrastruktur, wir haben gmail, g-drive, hangouts, chrome, blablablubb, dazu aber NUR iPhones und -pads, aber auch NUR HP-Laptops. Und für offizielles NUR Touchpoint und SharePoint und für manche Ausnahmen Cisco-Webex. Ausser in USA, da Apple, und in Südkorea, da Samsung Telefone. Oder so.) Ich war etwas irritiert, warum mein Handy diesen Namen kennen sollte, dachte mir dann aber (ich war echt unterkoffeiniert): "Hm der war doch mal in Luzern, vielleicht habe ich in meinen google-Kontakten diese nicht mehr aktuelle Nummer noch eingespeichert und vielleicht hat mittlerweile ein Kollege diese Handynummer und ich bin jetzt echt mal gespannt, wer da dran ist." Dass Hangouts natürlich gar nicht mit Telefonnummern, sondern google-Profilen arbeitet, geschenkt.
Aber: es war genau der Freund dran und... naja, ich sags mal so: aus den Augen, aus dem Sinn, da ist bei mir schon wirklich was dran. Ich bin wirklich nicht gut drin, Kontakt  zu halten, wenn er sich nicht im Alltag von allein durch regelmässige Treffen (und sei es ein, zweimal im Jahr zum Geburtstag oder durch halbformalisierte Mittagessen bei der Arbeit) von alleine aufrecht erhält. Und so wusste ich gar nicht, dass der Freund seit anderthalb Jahren auch ein Kollege ist und zwar auf dem bayerischen Standort, mti dem ich zugegeben wenig zu tun habe, aber es reicht, um im selben Firmendirectory zu landen.
Und seine Begrüssung. "Hey, ich wollte dich so lang schon anrufen, jetzt bringe ich grad mein Kind in die Kita und es ist mri auf dem Rücksitz eingeschlafen, also kann ich grad nix machen" ist ... so sehr immer noch der Freund aus Unizeiten, das war wirklich toll. Während ich also auf meinen Cappuccino wartete, tauschten wir (ich nicht sonderlich beredt, weil spontan und witzig bin ich nur, wenn ich gut vorbereitet bin) im Affenzahn Updates aus und vielleicht dauert es bis zum nächsten Gesrpäch nicht wieder 13 Jahre.


Nächste Überraschung kam beim Kaffeetrinken (schon wieder!) nach dem Mittagessen, als ein Kollege die Neugier der chinesischen Gäste auf lokale Süssigkeiten nutzte, um die in der Schweiz immer noch gebräuchliche Bezeichnung "Mohrenkopf" (sogar aufgedruckt auf den Schachteln etc) als Anlass für einen Rant wider die falsche, verlogene political correctness in Deutschland zu nutzen, und man müsse die Dinge doch beim Namen nennen dürfen und was sei denn so schlimm an der Betiechnung "N......" für Menschen mit dunkler Hautfarbe, weil genau das wären sie doch, da sollte man sich mal nicht so haben, das ware ja gar keine Wertung und "behindert" dürfe man auch nicht sagen, und "chwarz" auch nicht, meine Güte, das ist doch nicht zu glauben. Dem letzten Halbsatz stimmte ich zu, und ich weiss nicht, ob es am vielen Kaffee lag, auf jeden Fall habe ich nicht nur die Augen gerollt, sondern tief Luft geholt und eine Suada zum Thema "Sprache und Worte sind wichtig und es ist sehr traurig, dass Du das in der Schule so gelernt hast, aber das ändert nichts daran, dass das herabsetzende, disriminierende, verletzende und (je nach Gruppierung, er holte ja zum Rundumschlag aus)  rassistische Ausdrücke und auch wenn Du glaubst, dass Du das in dieser Situation nicht schlimm finden würdest, ist das total egal, weil Du nicht in dieser Situation bist".
Nun ja, das hatte zwar nicht den erhofften Erfolg, sondern resultierte in weiter ausufernden "NIX DARF MAN SAGEN, DABEI ISSES HALT EINFACH SO!" Aussagen, aber immerhin bekam ich Verstärkung von einer Kollegin. Und dann musste ich auch schon wieder los der Bus fuhr ab und mein Schokokuss war eh alle. (Puh, sehr unangenehm!)


In der Stadt dann: wildes Umhersausen und Abklärungen für das Jöbli und die Riesenwelle, die morgen zu einer Reihe eskalierender Notfallmeetings führen wird. Immerhin habe ich jetzt sehr schnell sehr viele neue Leute kennengelernt, ein bisschen den Jöblichef (den ich privat schon sehr lange kenne, aber beruflich ist das doch sehr anders) einschätzen gelernt und so doof das von der Sache ist: es gibt mir ungeplanterweise die Chance, sehr schnell einen Eindruck zu hinterlassen, was sonst bei so einem Assignment für nur ein halbes Jahr nicht ganz einfach ist :-).


Sonst so: es ist so weit, die Draussenkatzen haben die erste Blessur. Sansa hatte ja an Tag 1 schon den Kampf gegen eine Biene erst nach einem Wirkungstreffer der Biene auf die Pfote gewonnen, Jonny hatte sich irgendwann beim Klettern einen Daumenballen aufgeschürft, aber jetzt hat Sansa einen Biss oder Kratzer oder Stachel sowas am Rücken, da ist es ein bisschen angeschwollen um den Schorf rum und es tut ihr weh, wenn man hinkommt, das soll sich die Tierärztin mal ansehen.


Diese Woche ist ein bisschen sehr verrückt.


Stressleveldurchschnitt gestern: 19 (ha, Sie denken bestimmt, das alte Band war kaputt und endlich kommen richtige Werte raus, aber ich muss Sie enttäuschen: der bisherige Schnitt des heutigen Tages ist deutlich oberhalb von 50, so dass der niedrige Wert gestern wohl eher auf die hypnotisch beruhigende Wirkung einer halbautomatischen Verpackungslinie zurückzuführen ist)


Selbstbeweihräucherung: ich bin sehr froh, dass ich ohne nachzudenken den Mund aufgemacht habe bei der Kaffeediskussion. (Und bedingt, dass ich nach immerhin nur EINEM Ausrutscher in der Klassen-WA-Gruppe wieder in (beredtes) Schweigen dort verfallen bin. Meine Güte. Vielleicht sollte ich doch mit dem Hübschen dort wieder Platz tauschen. Der verlässt die Gruppe sofort wieder ohne einen Extragedanken....)

Dienstag, November 13, 2018

Sendung mit der Maus zum Aufgarkeinenfallanfassen

Hm. Hm. Hm. Dafür, dass ich gefühlt da gestern eine Riesenwelle gemacht habe, ist der Aufschrei relativ gering. Entweder lesen die Leute ihre Mails nicht oder antworten nicht so schnell, wie ich das würde, oder die entsprechenden Personen sind nicht da, oder die Welle war gar nicht so gross oder besonders, wie ich dachte, oder ich mache mir zu viel Gedanken (das wäre ja mal was ganz Neues). Immerhin habe ich ungefragt ein dickes Lob von der Kollegin bekommen, deren Job ich da gerade mache. Sooooo falsch ist es also nicht. (Mittlerweile ist die Welle angekommen und man kann da sehr verschieden drauf reagieren. Manche zB wie so ein Stein)


Aber egal. Heute (und morgen) bin ich wieder im Auftrag des Zusatzjöblis unterwegs, diesmal in einem mehrtägigen Meeting mit Kollegen aus China. Es ist für mich sehr irritierend, mich bei „And our quality representative is ...“ angesprochen zu fühlen und mich nicht suchend umzuschauen. Aber es wird! (btw: Meeting auf einem Stockwerk, auf dem hauptsächliche Quality-Funktionen untergebracht sind, bedeutet: Stau auf dem Damen-WC. Etwas, was ich in 16 Jahren Berufserfahrung noch nie erlebt habe.)
Den Nachmittag verbringen wir auf der Site, die bei uns daheim vor der Haustür liegt, ich habe also erstens einen sehr kurzen Heimweg und zweitens kann ich endlich mal wieder eine Blisterverpackungslinie besichtigen. Das ist, als ob man live bei der Sendung mit der Maus dabei wäre, nur dass es nicht irgendwelche Bleistiftanspitzmaschinen aus den 50ern sind, die da stehen, sondern eben vollautomatische Linien, die gefühlt aus einem Stapel Karton, einem Stapel Leaflets, Alu- und Plastikfolie und einem Säckchen Kapseln im Nullkommanix fertige Packungen machen. Ich könnte da ewig zuschauen und muss ein wenig aufpassen, dass mein Gesichtsausdruck eher „sehr seriöse Qualitätsfunktion“ wiederspiegelt und nicht „Kleines Kind vor Modelleisenbahn, und schau mal, da drüben, in dem Haus, da geht sogar das Licht an, wenn die Bahn vorbeifährt und da oben ist eine Kuh, die macht einen echten Fladen“.
Ich habe mich vor Urzeiten übrigens mal in diesem Betrieb beworben, das ist nix geworden (ist auch gut so), es könnte sein, dass da immer noch Leute arbeiten, die mich damals interviewed haben. Man erkennt das natürlich nicht unter all der Schutzkleidung. Was ich übrigens auch nicht auf dem Radar hatte: man darf dort natürlich weder Schmuck noch Nagellack noch Makeup tragen oder überhaupt Kosmetik verwenden, aber sie sind auf ahnungslose Besucher vorbereitet und haben Abschminkpads in der Schleuse und so kommt es, dass ich mir erstens total nackt vorkomme und zweitens die ganze Zeit blinzle wie ein Basset mit Bindehautentzündung, weil ich diese Ölpampe überall habe.



Sonst so: viel Zeug nebenher erledigt. Meeting minutes vorbereiten, Dokumente in review und approval schicken, Feedback für Kollegen im Performancetool abgeben, meine Selbsteinschätzung abgeben, all diese Dinge, die halt Ende Jahr fällig sind. Ach: und ein kleines, hässliches Tool basteln, in dem ich tracke, wieviel Zeit für Jöbli und eigentlichen Job aufgewendet wird. Gefühlsmässig ist das schwer abzuschätzen.

Daheim dann: Ölpampe aus dem Gesicht waschen, Crosstrainerrunde strampeln, duschen, Abendessen (sehr leckere Reste, weil da und keiner einkaufen war: Bratkartoffeln, Spiegelei, Schinkennudeln, Lasagne), Quatsch mit Kindern und Katzen, Hangoutchat mit Jöbli-Chef und Kollegin, die gerade in Kalifornien weilt und deshalb jetzt halt wach ist, eine Folge "Haus des Geldes", Bett.


Stressleveldurchschnitt gestern ab 20:00h: 29
Selbstbeweihräucherung: nicht geweint und auch nicht ungläubig gelacht, als ich mich ernsthaft abschminken musste

Montag, November 12, 2018

Grisou by nature

Ach. Ja. Heute ist der 12. …. Heute hier halt ohne 12 Bilder, weil ich das erst geschnallt habe, als der Morgenkaffee, ohne dessen Bild eine Teilnahme ja per Internetgesetz nicht möglich ist, schon lang vorbei war.
Neben dem Aufarbeiten von während Workshop und Hochzeit Liegengebliebenem ist nämlich heute einiges spannendes passiert.
Sehr spannend, obwohl ich das vor lauter perplex überhaupt nicht geschnallt habe, war zB, dass ich heute fast von einem Auto überfahren worden wäre. Und zwar so fast, dass ein bis dato unbekannter Kollege, der das Ganze beobachtete, in einem Meeting am Nachmittag, in dem wir uns wiedersahen, zur Begrüssung meinte: „Great, that you are still alive! I was totally ready to call the ambulance and the police and here is the picture of the license plate of that sucker!”. Es war nämlich so: ich stieg aus der Tram an der Aussenstelle aus (für Ortskundige: die Tramhaltestelle “Markthalle” der Linie 2 Richtung Binningen, die, die schon auf der Brücke ist) und die Strassenführung ist da so, dass die Tramgleise beide in der Mitte der Strasse verlaufen und die Autos hinter der Tram halten müssen, wenn die dort stehenbleibt, während die aussteigenden Passagiere direkt auf der Strasse landen und eben rüber auf den Gehweg laufen. Eigentlich. Eigentlich dachte ich auch, dass die Gleise so nah am Gehsteig sind, dass da gar kein Auto durchpasst, wenn die Tram da steht, aber ... als ich wie immer beim Aussteigen reflexartig doch nach rechts sah, schaute ich direkt durch die Windschutzscheibe eines auch noch Gas gebenden Lieferwagens, der sich da durchquetschte und mich nur deshalb nicht mitriss, weil ich mich noch an der Aussteigestange festhielt und zurückzog. Das Ganze war jedoch so surreal, dass ich nicht mal einen Adrenalinstoss bekam.


Das zweite Spannende (okay, schwieriger zu erklären und nicht so unmittelbar spannend) ist mein neuer Teiljob. Ich dachte ja erst: „Ja, da schnuppere ich mal in eine neue Abteilung, viel wird vermutlich nicht zu tun sein, ich hoffe, dass ich wenigstens ein Projekt finde, das ich in sechs Monaten so weit vorantreiben kann, dass man sich hinterher wenigstens an bisschen an meinen Beitrag erinnernt.“ Dann merkte ich recht schnell, dass ich zwei Produkte durcheinander geworfen hatte und „meins“ gar nicht so klein und unspektakulär ist, wie ich dachte, sondern doch einigermassen bedeutsam. Es kristallisierten sich zwei Projekte heraus, die nach erster Abschätzung die veranschlagten 20% Timecommittment durchaus überschreiten könnten, aber wer wird schon so knausrig sein.
Tja. Und als ich mich also in Sicherheit wiegte, dass ich da mit überschaubarem und schön planbarem Einsatz zwei ordentliche Projekte anstossen bzw. erledigen können würde, tja, da platzte die Bombe und nun bin ich zusätzlich die, die an Tag 12 ihres Assignments etwas an das höchste Gremium eskaliert hat und ich werde alle Hände voll zu tun haben, einerseits das Problem zu lösen (das ist die einfachere Sache, weil eigentlich ist es klar, was passieren muss, auch wenn das nicht unbedingt schön ist) und andererseits in den Untiefen von Verantwortlichkeiten, Animositäten, Befindlichkeiten zu navigieren, ohne zuviele Brücken zu verbrennen. Man sagt mir ja „people skills“ nach, aber das ist glaube ich nur deswegen, weil ich zu allem immer einen blöden Witz machen kann, und das ist hier leider nicht mein Job und, das muss sogar ich eingestehen, hier echt nicht angebracht.


Aber schön, der Hübsche hat es schön auf den Punkt gebracht: „Dass Du Dich mal langweilst, da warten wir alle drauf. Sehnsüchtig. Vergeblich.“ Andererseits merke ich, dass ich dieses Adrenalin brauche und geniesse (also: das von der Arbeit, nicht das vom fast vom Auto überfahren werden!) und alles in allem dadurch ein ruhigerer und ausgeglichener Mensch bin (und zB endlich mal keine Zeit und Nerven mehr übrig habe, um mich auf Twitter in irgendwelchen fruchtlosen Diskussionen einzuklinken. Oder in der Klassenwhatsapp-Gruppe.)


Der lustigste Icebreakersatz des Tages (ich habe jetzt ja keine Zeit, mich bei den Leuten, mit denen ich da neu zusammenarbeiten werde, ordentlich vorzustellen, sondern falle praktisch mit der brennenden Tür ins Haus) war „So, could I quickly stop by at your desk?“ „Well, this would take some time as I am based in Montevideo“. Aber: dank Hangout weiss ich jetzt: schönes Wetter hatten sie da heute.


Stressleveldurchschnitt gestern: keine Ahnung, aber das Bändel ist wieder da, ab morgen wird wieder gemessen!
Selbstbeweihräucherung: niemals Angst vor der eigenen Courage gehabt.

Sonntag, November 11, 2018

Bereit fürs Wochenende

Heute morgen hat der Wecker um zwanzig vor sechs und nicht nur deswegen bin ich ganz schön platt.
Es hat alles wunderbar geklappt (wir waren für meinen Seelenfrieden wie immer zu früh am Flughafen, aber meine Güte, ich bin halt auch die, die JEDESMAL zur Sprengstoffkontrolle rausgezogen wird, auch wenn ich schon auf Strumpfsocken und mit rutschender Hose wegen ohne Gürtel und überhaupt sehr derangiert durch den Scanner schleiche.), wir haben einen ehemalige Lehrerin von Q. im Flieger getroffen (ich glaube, ich bin noch nie nach Basel geflogen, ohne jemand im Flugzeug zu treffen, es ist halt einfach ein Dorf :-)) und warteten die übliche Stunde an der Zollkontrolle.


Ich frage mich wirklich, warum das in Basel erstens überhaupt gemacht wird (ich meine: Schengen? Hallo? es kann doch nicht sein, dass zu jedem einzelnen Passagier einen begründeten Anfangsverdacht gibt? Ich würde ja verstehen, wenn es NUR ICH wäre, man kennt das ja von der Security, aber echt ALLE? Als Wahlbaslerin sage ich das nur sehr ungern, aber in Zürich klappt das trotz eines vielfachen Passagieraufkommens viel, viel reibungsloser, da habe ich auch von NichtSchengenflügen nicht länger als maximal 10 Minuten gewartet...), die Katzen waren beide da (da waren wir ja ein bisschen nervös. wir waren ja das erste Mal weg, seitdem sie raus dürfen, die Nachbarn hatten uns dankenswerterweise immer Updates gegeben) und hatten uns sichlich vermisst.

Wir waren rechtschaffen schlapp (und hungrig, aber Notfallnudeln und einen grosse Portion eingefrorene Skifahrsuppe haben uns gerettet), haben die Koffer aus- und Schul- und Arbeitstaschen eingepackt, Hausaufgaben überprüft und Trommeln geübt (Sansa hat L. so vermisst, dass sie sich (verbotenerweise!) für die ganze Trommelsession IN die Cajon gesetzt hat. Hat das ganze ein wenig gedämpft, der ganze Flausch, Wäsche erledigt und für die Nerven eine Riesenportion Lasagne und Salat zum Abendessen vorbereitet.

Leider wartet eine recht anstrengende Woche auf uns (ich habe ja von meinem 20%-Zusatzjob erzählt, gell? Anstatt gemütlich onzuboarden brennt dort seit Donnerstag abend die Luft und hui, das wird spannend!) und ich (wir, denke ich) starte schon müde. Berlin und ich, das wird keine grosse (oder kleine) Liebe mehr, ich finde es einfach unglaublich anstrengend. Erweiterte Grossfamilie in Ausnahmesituation ist natürlich einerseits sehr grossartig, aber andererseits... da bin ich ganz ehrlich: auch ganz schön anstrengend. Aber: dafür war es halt auch eine Ausnahmesituation und zwar eine sehr grossartige und meine Güte, wer feiern kann, kann auch schaffen :-).

Ich habe mir also die Nägel von dezentem Altrosagrau nach Dunkelrot umlackiert, gehe heute ein bisschen früher ins Bett (aahhahahaha, as if) und damit wird es schon klappen.

Stressleveldurchschnitt: stimmt, ich wollte in der Paketverfolgung nachschauen, wo das Bändel ist.
Selbstbeweihräucherung: trotz Hangryness auf allen Seiten kein Porzellan zerbrochen und alle sind friedlich. Und bald auch satt, die Lasagne ist nämlich in just diesem Moment fertig.

Samstag, November 10, 2018

Partypeople

Hinter uns liegt ein grossartiges verlängertes Hochzeitswochenende in und um Berlin. Wir haben viel gelacht, ein bisschen geweint (nur Freudentränen), getrunken, geschlemmt, mit vermutlich lauter berühmten Menschen, die ich alle nicht erkannt habe, gefeiert und Grossfamilie und- stadt getankt.
Vielen Dank, dass wir dabei sein durften!



















Zuckerfrei gabs früher schon.
Das Science Center ist sehr cool, den Rest kann man sich sparen (denkt das Museum auch, der Grossteil der Ausstellungen ist nämlich geschlossen mit der Begründung "weil halt". )


Stresslevel: Grossstadt und Grossfamilie sind nicht ohne :-), aber Zahlenwert habe ich ohne Bändel immer noch nicht.
Selbstbeweihräucherung: fällt heute aus, weil die grösste Lobpreisung gebührt dem Rezeptionsmitarbeiter von Motel One, der den auscheckenden AfD-Mann fragte, ob er im Urlaub gewesen wäre, er wäre nämlich so braun. (Wir als Wahlschweizer kennen die AfD ja nur aus "n' Feansehhhn" und waren aus unserer heile Welt, Nazis raus-Filterblase sehr irritiert bis schockiert, dass jemand seine Zugehörigkeit zu dieser Partei offen zugibt, so dass wir den Typ ein bisschen arg angewidert anstarren mussten, aber de Hotelmannkommentar (ich weiss nicht, ob er ihn so gemeint hat, wie wir ihn verstanden haben) hat uns echt alles an Contenance abgefordert)