Dienstag, September 29, 2026

290926

So. Uff.

Ich schreibe das hier aus dem Hello Kitty-Haruka-Express von Osaka nach Kyoto. Es ging also nicht alles schief.
Gestern war dann noch wild: wir haben uns sehr gemütlich den Helsinki-Flughafen erkundet, alle Fotospots genutzt, die Helle und Weite und kreativen,  schönen und durchdachten Sitz-und Ladegelegenheiten bewundert.
Dann boarding, einbuffen, und dann kam die weirdese Ansage des Captains, die ich je gehört hatte: "Ja, also, bis vor einer Minute sah alles super aus und wir waren bereit, pünktlich zu starten, aber, naja, ich weiss auch nicht, jetzt hat Polen seinen Lufttaum gesperrt und wir wissen nicht, wann und wie wir fliegen können. Eventuell müssen wir einen grossen Umweg fliegen und brauchen dafür noch mehr Treibstoff. Also. Ich weiss auch nicht. Wir stehen hier jetzt mal sicher noch 90 min"
Recherche ergab: russischen Luftangriffsgeräte nahe oder innerhalb der polnischen Grenzen. Helsinki klang gar nicht so schlecht.
Im Flugzeug nahmen das alle stoisch hin.
Nach 90 min wurde dann tatsächlich gestartet. Es gab recht bald Abendessen und Reisen mit grossen  Kindern bedeutet auch, dass danach Zähne geputzt, Nachtskincare aufgetragen, Ohrstöpsel rein, Schlafmaske auf, Augen zu und schlafen bis zum Frühstück. (Nicht ganz, drei Reihen hinter uns sassen zwei Eltern mit zwei kleinen Kindern, ich schätze 1 und 4 oder 5 und der grössere hat einfach 8 Stunden durchgehend gebrüllt und getobt und gezetert (und dabei den kleinen geweckt.). Neben der Lärmbelastung war ich ein bisschen beeindruckt von der Ausdauer,  aber holla, war das anstrengend.
Mit leicht steifem Nacken habe ich dann mei  zweites Buch ausgelesen und schon sind wir im verregneten Osaka gelandet. Unser Gepäck konnten wir via Tags in Singapur orten und bis wir am Baggage Schalter waren, hatte der Hübsche via Gemini schon rausgefunden, erstens mit welchem Flug es in Singapur gelandet war und wann es frühestens in Osaka ankäme. Bis dahin ging es ein bisschen, weil ausgerechnet mein Pass beim Visit Japan Ding falsch eingelesen worden war und manuelle Nacharbeit am Immigrationschalter erforderte.
Dann: ausführliches, langes, sehr freundliches Ausfüllen des Gepäckverlustscheins mit Farbkarte zum Beschreiben etc..
Wie vom Hübschen rausgefunden, würde es um 5 in Osaka ankommen, aber so süss die kleine  Zollbeagles mit ihrer Weste waren, so sehr wollten wir ankommen, also wird es uns morgen ins Hotel geliefert. 
Beim Rauskommen dann war ich etwas überfordert, aber an der Touristeninfo bekamen wir ein Zugticket, Hinweis, wo wir die IC Karte in Kyoto holen können und auch, wo Bargeld.
Jetzt also: Zug. Gar nicht so unangenehm,  dass wir kein Gepäck haben!
Los geht's, das Japanabenteuer!

Montag, September 28, 2026

280926

So, Reisetag.

Wir hatten wunderbar gepackt, waren von Finnair darauf hingewiesen worden, dass der Flug von Zürich nach Helsinki ausgebucht wäre und es so cool wäre, wenn wir unser carry in einchecken würden. Dementsprechend hatten wir so gepackt, dass wir wirklich überschaubar kleine Handgepäckstücke hatten, ausserdem reisen wir ja pro Nase mit 2 23kg Koffern, so viel extra brauchen wir da nicht.
Nachts um zwei bekam ich eine Pushnachticjt, die ich dann anschaute, weil sie startete mit: willkommen auf ihrem Flug nach Helsinki und ich ja noch im Bett lag
Was ich dann aber las, konnte ich erst gar nicht verarbeiten: "ja, also, sorry, auf dem Flug nach Helsinki können wir kein checked Baggage mitnehmen, beim Handgepäck bitte auf die Begrenzungen achten, der Rest wird dann vermutlich schon irgendwie"
Ich habe der Hübschen geweckt, weil ich das durchdenken wollte und nicht erst beim Weckerklingeln um viertel vor fünf. Wir haben uns dann entschieden, nicht auf grösseres Handgepäck zu wechseln und stattdessen Wechselwäsche für 1 Tag, Badesachen, weil 1. Tag ja hotspring (und italian all you can eat), Kosmetik und kritische Medikamente in den Rucksack zu stopfen. Und die Regenjacken.
Dann bin ich tatsächlich nochmal eingeschlafen.
Morgens war das kein Traum, wir haben umgepackt und sind zum Zug. Dort sehr nette Zugfahrt, ich liebe die SBB. Wie immer waren wir sehr früh am Flughafen, und ich hatte Hemmungen, unsere Koffer einfach mit den selbstrausgelassenen Etiketten zu bekleben und am self drop off ins Nirwana zu schicken. Richtigen Checkin gab es aber keinen, aber eine Bodenpersonalfrau unklarer Airlinezugehörigkeit war total lieb, meinte: ja, in dem Flug heute geht tatsächlich nix. Hier bitte abgeben, in Osaka beim Lost Luggage Hotel angeben und spätestens in 5 Tagen haben Sie Ihr Gepäck.
Mittelreassuring, weil: ich habe 2 Wechselunterhosen, 1x Wechselsocken, 1x Wechseltshirt. Und ja, klar, wir können dann  auf Airlinekosten einkaufen. Allerdings sind wir nur 3 Tage in Kyoto und reisen dann weiter und irgendwann hätte ich mein Gepäck schon gern wieder. Hilft aber nix, ist jetzt halt so.
Ich hoffe ehrlich gesagt, dass die Koffer einen Flug später nach Helsinki nehmen und mit uns im selben Flieger nach Osaka landen, das ginge sich aus.
Sonst wäre es immerhin praktisch, dass wir mit leichtem Gepäck von Osaka nach Kyoto mitt dem Zug gondeln....
Alle Koffer sind mit Air/Samsungtags versehen, wir werden sie schon finden.
Sicherheitskontrolle für mich zum ersten Mal mit ohne auspacken, sie haben neue Maschinen, die die Rucksäcke am Stück durchleuchten. Es gibt auch keine Flüssigkeitsveschränkungen mehr.
Im duty free Bereich besorge ich noch ein rollon Deo, ich wusste nicht, ob die Dose ok gewesen wäre. Ausserdem ein aushilfsmitbringsel für die Gastfamilie für den Fall, dass wir zum Besuchstag das Gepäck noch nicht haben.
Der Rest der Reisegruppe ist um neun bereit für den klassischen Burgerkingburger, ich packe das nicht und hole mir Kaffee und Avocadosandwich.
Wir wandern zum Finnairgate und holla.... ichvsag mal so: wir waren die löbliche Ausnahme, dass wir einfach freundlich gefragt haben, was wir tun sollen mit ohne Gepäck. Der Gatemann tut mir sehr leid, auch die Flugbegleiterinnen, die von aufgebrachten Finnen angegangen werden, allein bei der Diskussion, ob eine Tasche jetzt unter den Vordersitz oder in die overhead compartments soll.....
Wir reisen ausserdem mit der Schweizer und der tschechischen Jugendeiahockeymannschaft, für die ist es wohl noch doofer ohne Gepäck. Und nein, es wurde nicht zugunsten von Sportgelände Reisegepäck zurückgelassen wie letztens bei den Fußballern, es wurde weder Cargo noch irgendein Koffer geladen aus "technischen Gründen". Vllt hat jemand 3x den falschen PIN für den Frachtraum eingegeben und jetzt kommt der Brief mit der neuen PIN eingeschrieben von Aisrbus in Frankreich nach Helsinki mit der Post oder so.
Im Flugzeug gibt es den angekündigten Blaubeersaft by Finnair und nach dem ersten fast widerlich süssen Schluck schmeckt der richtig gut!
Ich bin überrascht, wie wenig mich das alles stresst, obwohl es für einen Planungshoschi wie mich ja eigtl ein Alptraumszenario ist... faszinierend.
Jetzt bin ich gespannt, ob der Rest in Helsinki Lust auf Pommes hat oder ob ich die allein esse, bevor wir und unsere wenigen Unterhosen nach Osaka fliegen.
Chance of plans vor Ort: Zimtschnecken und Mumingucken

Sonntag, September 27, 2026

270926

 So glatt wie mit L.s Rückreise alles gegangen ist, hätten wir natürlich heute auch schon losreisen können, aber der Tag hat uns allen sehr gut getan. Und auch gestern die Aussicht auf den Tag heute. Jetzt zB stresst es mich gar nicht, morgen (ich muss noch ausrechnen, wann genau) sehr früh aufstehen zu müssen. Koffer sind alle gepackt, das einzige, was noch fehlt, ist meine Flug-Kapuzenjacke (fast trocken draussen auf dem sehr heissen Balkon) und L.s Thrift-Lederjacke, die ich gerade mir ggü an seinem Stuhl am Esstisch hängen sehe.

Beim Einchecken gestern kam dann raus, dass es offensichtlich viele Leute gibt, denen es zu doof ist, für die Chance, einen Platz zu reservieren, Geld zu bezahlen. Wir sitzen alle 4 auf beiden Flügen in einer Reihe nebeneinander.

Das hat jetzt alles recht entspannt geklappt. Falls Sie neugierig sind: das hier ist unser highlevel Reiseplan (es gibt noch einen viel genaueren, aber der hat 36 Seiten und vllt zeige ich den, wenn wir fertig sind und ich kuratiert habe, was wir tatsächlich gemacht haben und was nicht und was toll und was doof war.) Strebermapperl ist seit ein paar Jahren voll und ganz digital, halt ein geteiltes Google drive, das sehr, sehr gut sortiert ist.

Jetzt lege ich mich, mir doch egal, dass es draussen 30 Grad hat, in die Badewanne (ganz vergessen bis grad, als ich nochmal gecheckt habe, dass alle Reservierungen passen, dass wir in Kyoto im Pokemonzimmer wohnen. Wasserpokemons im Badezimmer!), dann koche ich aus den Resten vom Gemüsekorb ein leckeres, nicht soooo sommerliches Abendessen (Rosmarinkartoffeln, Maisripperl, Salat, Spiegelei), dann ist Q. die Bürde "Sachen wegkochen" los. Für die nächsten zwei Wochen ist abbestellt und wir kriegen die Wochen danach jeweils den eins grösseren.

Und damit... geht für mich auf jeden Fall ein sehr grosses Abenteuer los. Ich war beim Planen viel unsicherer und nervöser als bei jeder andereren Reise bisher, egal ob Island Kayaken, Wandern, Kanada, Roadtrip Kalifornien, Norwegen, egal was. Also dann, oder?

Samstag, September 26, 2026

260926

 So. Was ein Glas Rotwein, 1 Migränetablette und 8 Stunden Schlaf doch ausmachen können (jaja, vermutlich wäre es ohne den Rotwein noch besser gewesen und die Migränetablette hätte ich gestern nachmittag und nicht heute morgen nehmen sollen, aber mei).

Ich bin so viel leichter und entspannt (naja, nein, urlaubsaufgeregt und sehr anstrengend für meine Mitreisenden)! Ausgeschlafen bis acht, Kaffee im Bett, dann mit dem Hübschen auf der Terrasse gefrühstückt und mit Begleitung dann L. vom Flughafen abgeholt (als ich eingeschlafen bin, ist er in NYC ins Flugzeug gestiegen und hat ALLES verschlafen bis London, kein Essen, kein nix. Als ich aufgewacht bin, war er gerade gelandet). Bisschen lustig: wir hatten ihm aus Gründen angedroht, das Japanabholungsplakat mitrzubringen (haben wir auch), das war ihm ein bisschen unangenehm und so ist er "sobald ich den Koffer hatte, so schnell wie möglich allein ohne Kollegen raus" und dann fragte er per WA: "Wo seid ihr, hier ist keiner?!", weil er es geschafft hatte, auf der EU-Seite (Frankreich/Deutschland) rauszugehen anstatt der Schweizer Seite. Es mag für Leute, die Basel nicht kennen und das Konzept "Euroairport" auch nicht, sehr verwirrend sein, dass es halt zwei Seiten des Flughafens gibt, Schweiz und EU, aber naja, so ist das halt im Dreiländereck. Es geht aber erstaunlich einfach über die Abflugebene wieder zurück auf die helle Seite der Macht.

Jetzt sind alle wieder daheim und auch das erleichtert mich mehr, als ich dachte. Es gab ein ausgelassenes, fröhliches Brotzeitmittagessen mit Geschichten von zwei Klassenreisen (Amsterdam und New York), mit vielen Rätseln, wie zB: warum um alles in der Welt sind 4 SchülerInnen und eine Lehrperson in Amsterdam zurückgeblieben? oder "Gibt es irgendetwas auf der Welt, was langweiliger als Baseball ist?", mit vielen Eindrücken, sie hatten an beiden Orten ein grossarties Programm, dazu Geschichten von der gestrigen Feuerwehrübung der lokalen Feuerwehr mit der Werksfeuerwehr. Wie schön, dass sie alle da sind!

Dann gab es Reiseadminkram, ich habe alle bei "Visit Japan" für Einreise und Zoll registriert, habe Zugtickets für zum Flughafen gekauft, und unsere Daten bei Finnair hinterlegt. Remaining Abenteuer: Bei Finnair darf man maximal 20 Buchstabenvornamen haben. Der Hübsche hat 20 Buchstaben, verteilt auf drei Namen, d.h ich habe sie jetzt mal ohne Leerzeichen angegeben, werden wir sehen, was passiert. Und heute abend kann ich uns einchecken und bin gespannt, wo wir landen. Ich war nicht bereit, 1000CHF extra für aussuchbare (günstigste Variante) Plätze zu zahlen, wir werden sehen, an wen wir uns ankuscheln werden beim Flug dann. eSIMs sind aktiviert, ich weiss jetzt, dass wir Androidnutzer keine mobile Suica Card nutzen können, weil der nötige Chip dafür zwar in allen iPhones ist, aber nur in in Japan produzierten Androidhandies. Werden der Hübsche und ich uns eine ICOCA Card in Osaka kaufen, L. hat seine PASMO (?) Karte noch.

Die Waschmaschine arbeitet hart, alle Jungs haben nochmal Haare geschnitten und Bärte getrimmt, ich habe beschlossen, diesmal nicht zu blondieren, sondern das jetzt so zu lassen. Mal sehen.

Und jetzt werde ich das erste Kürbisrisotto der Saison anrühren, ich freu mich.

(URLAUB!!!!)

Freitag, September 25, 2026

250926

 Uff, uff, uff. Es ist soweit, spoiler ich mal selber vorneweg: ich habe wirklich und wahrhaftig Urlaub. 

Der Tag startete um 5:30h ohne Schwimmen, mit Dusche und Arbeiten zur Skincaremorgenroutine am Frühstückstisch. Um kurz nach acht machte ich mich ausnahmsweise mit dem Auto zum Friseur, weil ich wenig Zeit hatte UND noch Katzenfutter besorgen musste. Das wären insg 50k mit dem Rad gewesen, normalerweise ein Traum bei diesem Wetter, heute zeitlich aber nicht drin, mein Tag war pickepacke voll gepackt. Ich hatte auch gestern (wir waren nach der Arbeit noch Ph3-Resultate im firmeninternen Club feiern, aka ein alkoholfreies Bier und zwei Oliven, bis ich um halb acht heimgeradelt bin, aber andere haben lang gemacht) keine Zeit / Nerven mehr gehabt, 2-3 Stunden mit nassen Haaren und ruhiger Hand zu investieren, um die Haare zu blondieren und zu tonen, also bin ich einfach mit Ansatz zum Schneiden. Mit der Aussicht, dass es doof aussehen würde und ich dann halt heute abend oder am Wochenende färben würde. Jetzt.... sieht es aber gar nicht mal doof aus und ich überlege, ob ich es so lasse. (Style ist nicht mehr der Friseurinnenstyle, sondern verraufte Haare und müdes Gesicht nach einem langen Tag und noch längeren Wochen und Monaten.)




Frisch daheim: Stragegieteammeeting mit dem Team mit dem Readout. Wir geben mehr Geld aus!

Dann: schnelles Mittagessen (im Gemüsekorb waren keine Tomaten und ich war noch nicht einkaufen, es gibt also Nudeln mit gebratenen Zucchini, Zwiebel, Knoblauch, getrockneten Tomaten und separat gebratener Aubergine und Parmesan. Schmeckt super.

Dann: Das gleiche Training zum IT Projekt wie gestern nochmal halten, heute voll virtuell. Wir kommen mit der ZEit besser hin.

Im Anschluss: eine Stunde mit meinem Chef, in dem ich ihm für Notfälle meinen Projektstatus für ALLE Projekte feede (incl cheat sheet und grad noch Feedback. zB "Bei dir ist aber echt richtig viel los grad, hm?") Dann nochmal (von seiner Seite) ein Check, wie ich das gestern verdaut habe. Er denkt, er müsste mich aufbauen und trösten, damit ich mir das nicht zu Herzen nehme, ist dann etwas erstaunt über mein im Gegenteil "Das hat mir total viel geholfen, weil ich jetzt nach 11 Jahren geschnallt habe, dass der Fehler nicht bei mir liegt". Für ihn ist die Sache nicht erledigt und ach, er ist ein richtig guter.

Dann noch ein letztes weekly Krisenupate abschicken (das sollte überhaupt nicht die Norm sein, ich habe aktuell 3-4 solche wöchentlichen Leadershipkommunikationen. Was hatte ich am Anfang Schiss und wie wenig schlimm ist das jetzt. Ich muss jetzt schauen, dass das auch wieder aufhört der Reihe nach, allein die letzte war jetzt eher eine Erfolgsmeldung. Eine Teamkollegin übernimmt das für die nächsten beiden Wochen und dann mache ich noch eine letzte und dann ist das hoffentlich schon mal gut.

Und dann.... aktiviere ich den OOO responder und melde mich im Chat auf "away" und dann würde ich mich am liebsten auf den Boden legen und ein bisschen weinen, so erschöpft bin ich. Stattdessen gehe ich Wocheneinkauf machen (ein bisschen was brauchen wir noch bis Mo, checke mit Q., wie sehr sein Pfadikurs mit unserem Urlaub überlappt (ein Tag), organisiere Katzencoverage und dann kommt der Hübsche nach Hause und wir laufen eine Runde um die Felder, um auszulüften. 

Flammkuchen, weil nur wir zwei zum Abendessen da sind, dann Feierabend

URLAUB!

Donnerstag, September 24, 2026

240926

 Der Arbeitstag war verrückt, zwei Sachen möchte ich teilen:

ich bin jetzt so gut im Kraulen (wahrscheinlich habe ich mir wieder irgendeinen Quatsch angewöhnt, aber ich fand mich heute richtig elegant: immer schön mit Schaufel eingetaucht, sehr kontrolliert, auch mit links Zug gespürt.), dass ich 6 Bahnen durchgehend gekrault bin und Muskelkater davon habe, so zwischen den Schulterblätern. Mal sehen, was nach 2 Wochen Pause noch da ist.

Und: ich habe heute ungefragt, ungebeten, unerwartet Schutz und Rückhalt von meinen KollegInnen und meinem Chef bekommen. In einem Meeting. Und das war so: Wie ein paarmal (lol) schon erwähnt, bin ich Lead für ein grosses Digitalprojekt, das eigentlich für ungeführ 150 Leute am 15. ausgerollt hätte werden sollen, jetzt wird es der 30. und der 6. 10., aber wir haben heute das erste Training dazu gehalten und davor noch eine Session mit ungefähr 30 Leuten, in denen es um v.a. den Output dieses Tools ging. Ich habe in dieser Session das Tool, die Änderungen im Prozess und so weiter  vorgestellt und war schon bereit für viele Fragen, nicht alle angenehm, es sind nicht alle begeistert, das ist ja auch ok. Und dann kam der eine Kollege, den ich seit über 10 Jahren kenne, der immer alles in Frage stellt, eine "unpopular opinion" hat oder "opinion that you are ot allowed to have" oder "comment you do not want to hear". Er ist bisher immer als "nicht ganz einfach, aber er hat so viel fachlich drauf und ganz unrecht hat er nicht immer" geframed und niemand hat ihn je in die Schranken gewiesen. Ich habe (dachte ich) gelernt, damit zu leben, antworte so lang sachlich, wie ich es hinkriege, irgendwann tiltet es und ich schnappe zurück und dann ärgere ich mich, er lehnt sich zurück und grinst und nach dem Meeting sagt er dann "I hope you did not feel offended" und ich rolle die Augen und sage nichts. Also. Es ging wieder los, es wurde sehr schnell sehr ätzend ("top down, niemand hat uns --> mich gefragt (warum auch? es gab uservertreter), blablabla immer weiter und weiter), bis ich irgendwann auf die Frage "So you are saying, we now believe AI more than our brains?" gesagt habe: "If you really desperately want to frame it that way: yes, we do." (was Quatsch ist und der Kollege, der beim LLM Training dabei war, hat es dann sehr sachlich und fachlich gut erklärt) und ich habe mich geärgert, dass ich mich habe provozieren haben lassen.

Als wir mit der Intro dann durch waren, habe ich gesagt "So, before we move to the brainstorming session, are there any more questions that should be covered here and not in the training later on?" und er kam nochmal: "I actually have another comment, that you will not want to hear" und ich dachte, ich höre nicht recht, als meine Kollegin neben mir meinte: "Actually she asked for questions, not for comments.... ....... ...... just kidding, go ahead". Das nahm ihm erstmal dne Wind aus den Segeln, er haute den Kommentar dann aber trotzdem nochmal raus und dann passierte nochwas: mein Chef schaltete sich ein und .... stellte ihn sehr sachlich, aber unglaublich bestimmt vor der gesamten Truppe in die Socken. Später meinte ein anderer Kollege aus unserem Team, er hätte nochmal mit unserem Chef geredet, weil es einfach nicht geht, wie dieser eine Typ Meetings kapert und Leute einfach bullied (ich bin ja nicht die einzige "er ist halt so"). Und all das zeigte mir: der Fehler liegt nicht bei mir, dass ich irgendwann tilte und schnappe, sondern beim Bully. Und das ist nichts, was man aktzeptieren muss, geschweige denn als "unbequemes, aber so wertvolles out of the box-denken" hochjubeln muss. Meine Güte. Jetzt ärgere ich mich schon wieder über mich, dass ich da 10 Jahre drauf reingefallen bin und das mit mir habe machen lassen.


Gemüsekorb heute mit Weitwinkel, weil so viel, weil Apfeltag: Radieschen, Friseesalat, Felsalat, Petersilie, Rosmarin, Karotten, 5l Apfelsaft, 5kg Äpfel, Kartoffeln, Zucchini, Aubergine, Kürbis, Mais, DIE EIER

Heute übrigens nur ein Übungsei und fünf Fortgeschritteneneiner

Mittwoch, September 23, 2026

230926

 So, mein Tag heute war so verrückt und wild bei der Arbeit, dass ich gar keine Bandwidth (und Zeit, meine verbleibenden zwei Arbeitstage sind getimeboxed mit noch, ich glaube, zwei freien Halbstundenslots und in der Planung der Tasks ist keine Luft drin) habe, das nochmal zu erzählen. Deshalb schreibe ich heute was, was mir tatsächlich schon am Herzen lag, seit mein eines Projekt im Juli nach Readout der klinischen Daten gestorben ist. Wie ich hier nicht erzählt habe, war für mein anderes (chemisch / von der Modalität her, sonst gar nicht) verwandtes Projekt am Freitag Readout und heute wurden die positiven Resultate kommuniziert (auch mit Pressemitteilung um 8:11h (dass ich das so genau weiss, mag Ihnen vermitteln, wie eng die Kommunikation heute getaktet war), d.h. ich kann darüber auch schreiben und wenn Sie wollen, können Sie natürlich rausfinden, für welches Molekül ich für die Industrialisierung verantwortlich bin und an wen Sie denken können, wenn Sie zu den gottseidank nicht so vielen Menschen gehören, die in Zukunft dieses Medikament verschrieben bekommen und dann in ihrem Kühlschrank lagern und Sie zB die Schachtel doof finden oder den Autoinjektor oder das Leaflet doof gefaltet ist. Sorry schon mal.)

Was ich eigentlich schreiben wollte: wie krass das ist, wenn bei einem negativen Readout von einer Minute auf die andere (nahezu) sämtliche Arbeit von zig Leuten gestoppt wird, wenn die Arbeit von Hunderten Leuten über Jahre hinweg einfach entsorgt wird (schon nicht weggeschmissen und man kann immer noch was draus lernen, zumindest aus manchem, aber vieles ist halt einfach ... für die Tonne).

Und dann ist mir eingefallen: ich glaube, viele wissen gar nicht, wie so eine Neuzulassung / ein Launch eigentlich funktioniert und wieviel da vorab passiert.

Deshalb: hier eine (vereinfachte) Erklärbärsession:

Wie Sie wissen, arbeite ich ja in dem Bereich Technical Operations, also in dem Bereich der sich mit der tatsächlichen Produktion von Medikamenten (alles, von der Herstellung von Starting Materials, dem Weikstoff, der galenischen Formulierung, dem Device, falls zutreffend, und der Primär-, Sekundär-, Tertiärverpackung) befasst. Wir haben also nichts mit der Klinik zu tun, nichts mit der Forschung, wir sorgen dafür, dass egal welcher Wirkstoff in der richtigen Formulierung in den richtigen Mengen in der richtigen Qualität zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Man denkt ja gern (und die Sendung mit der Maus oder so suggeriert das), Medikamentenentwicklung geht so: Forscher entdecken ein Molekül, von dem sie denken, dass es auf irgendeinen speziellem Weg gegen irgendeine Krankheit wirkt. Das testen sie erstmal an einem Modell, dann an Tieren, dann an gesunden Patienten, dann an kranken, in klinischen Studien, gegen Placebo, doppelblind, oder gegen den standard of care etc etc. Dann werden diese Daten ausgelesen und wenn sich zeigt, dass die (vorher definierten!) Endpunkte erreicht sind, wird das bei den Gesundheitsbehörden eingereicht, die schauen sich an, ob das wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen sind, ob die Daten wirklich so gut sind (zB wirklich richtig viel besser, als der standard of care), wenn ja, bekommt man eine Zulassung und das man kann das Medikament dann vom Arzt verschrieben bekommen und die Pharmafirmen verdienen sich eine goldene Nase.

Was aber (vielleicht) nicht so bekannt ist: man möchte so ein Medikament nach der Zulassung natürlich so schnell wie möglich auf den Markt bringen, nicht nur, weil man nur eine begrenzte Zeit Patentschutz und damit Exklusivität hat, bevor Generikahersteller auf den Markt kommen dürfen und die Preise sinken werden, sondern halt primär auch schon, um den Patienten dieses neue Medikament so schnell wie möglich zur Verfügung stellen zu können. Was hilft einer zB Brustkrebspatientin mit einer Variante, für die es bisher keine Behandlung gibt, die Aussicht darauf, das es zwar ein neues Molekül gibt, das in der Klinik grossartige Resultate gezeigt hat, Gesundheitsbehörde ist total begeistert, Zulassung erteilt, aber upsi, sorry, wir brauchen noch ein paar Jahre, um die Mengen, die wir jetzt brauchen, erstmal herzustellen. Bis das dann fertig ist, ist sie im schlimmsten Fall tot, auf jeden Fall leidet sie unnötig.

Also: parallel zu all den klinischen Studien läuft die technische Entwicklung, man arbeitet an kommerziell machbaren Produktionsprozessen im grossen Massstab für alle Zwischenstufen, den Wirkstoff, die Formulierung, evtl das Device und auch der Verpackung. Um ein Medikament zuzulassen, muss ich nicht nur klinische Daten einreichen, sondern auch zeigen, dass ich in der Lage bin, das verlässlich und nach international definierten, überprüften und sehr, sehr strengen Standards zu produzieren. Das ist keine Absichtserklärung, sondern da werden harte Beweise gefordert. Man zeigt also, dass man die Produktion im Griff hat, dafür hat man.... produziert. Ordentlich viel, weil wenn ich zB zum Launch weiss, dass ich pro Batch zB 200kg Tabletten aufs Mal produzieren muss, um genug zu haben, reicht es nicht, gezeigt zu haben, dass man mal mit einer Handpresse 50 Stück gemacht hat, sondern man zeigt, dass man mehrere Batches in vollem Massstab produziert hat und in gleichbleibender Qualität. Wenn ich behaupte, dass meine Tabletten 4 Jahre haltbar sind, dann muss ich die entsprechenden Stabilitätsstudien vorlegen. Wenn ich behaupte, meinen Autoinjektor muss ich im Kühlschrank lagern, kann ihn aber insgesamt 24h bei RT aufbewahren, muss ich das beweisen. You get the point? 

All das dauert. Lang. Dann muss ich ungefähr eine Ahnung haben, mit welchen Volumen ich rechne. Die Anlagen und Produktionsstätten, die ich dafür brauche, sind auch Teil einer Einreichung, ich muss.... genau, bewiesen haben, dass ich dort genau richtig produzieren kann. Sie müssen die entprechende Behördenzulassung haben und werden vor der Erteilung einer Zulassung noch mal von den Behörden inspiziert (d.h. über Tage auf links und durch die Mangel gedreht). 

Für einen Launch will ich natürlich bereit sein (es gibt ambitionierte Ziele, die sich manche Pharmafirmen setzen, zB einen Lauch binnen 24h nach Approval, das ist ein bisschen crazy, es bedeutet, dass ich ALLES auf Risiko produziert, länderspezifisch verpackt und auch schon verschickt habe. Das macht man nicht oft, aber ein Launch binnen weniger Tage bis Wochen ist für die major markets schon ein realistisches Ziel.

Was das bedeutet: all das passiert, ohne zu wissen, ob das Produkt tatsächlich jemals gelauncht werden wird. Man arbeitet und macht und tut und produziert und studiert und schreibt und schreibt und schreibt (und gibt Unmengen Geld aus), um für den Bestfall gerüstet zu sein und im blödsten Fall alles einfach sang- und klanglos zu entsorgen.

(All das passiert natürlich nicht blind und es gibt jeweils Gating Points, an denen der nächste Level an Entwicklung freigeschaltet wird, aber sehr, sehr viel, gerade gegen Ende der Entwicklung, passiert auf Risiko.)

Ich habe jetzt im Abstand von zwei Monaten beide Fälle erlebt und fand die ganze Aufregung heute fast ein bisschen skurril und befremdlich: unser ganzes Team arbeitet seit JAHREN unter der Annahme, dass der Readout heute so gut sein würde, wie er war. Deshalb ändert sich an den Arbeitspaketen, die in den nächsten Wochen und Monaten auf uns zukommen, genau gar nichts. Nur schaut auf einmal die gesamte Firma (und mehr) auf uns und wird (hoffentlich nur ganz kurz) nervös, ob wir auch wirklich alles im Griff haben.

Ich denke aber schon. Grösstenteils.

Erklärbärzeit zu Ende.