031026
Fernreisenurlaubstradition seit 2019: mindestens einmal wird ein elendiglich langer, mühsam am Handy in Bus und Bahn oder Auto vorgetippter Post durch einen ruckeligen Fingerwisch unwiderbringlich gelöscht. Hmpf. (Blogger App einfach doof: speichern und verwerfen sind nur Millimeter auseinander).
Also. Kurz vor MItternacht aus dem Ryokan mitten im Bambuswald mit plätscherndem Privatonsen nochmal aus dem Handgelenk:
Heute sehr japanisch gestartet:
Takkyubin: Wir haben heute unser Gpäck in zwei Chargen transportieren lassen: erstmal die grossen Koffer von Kyoto ins Schwesterhotel nach Tokyo, wo wir sie in drei Tagen wieder brauchen / sehen (es wurde uns eine Verspätungsmail geschickt und dann eine Mail, in der sich für die Verwirrung entschuldigt wurde, weil wir sie ja gar nicht heute brauchen). Dann unsere kleineren Koffer vom Bahnhof in Hakone-Yumoto in unseren Ryokan am Ende eines Bambustals ganz weit hinten, weil wir sie nicht über die Schmugglerstrasse, aufs Piratenschiff und in die Seilbahn zerren wollten. Das klappt alles recht easy, man kann vorbuchen (und zB auch anpassen, kurz vorher, wenn man einen Koffer weniger hat) und das bietet sich zu Stosszeiten wie Hakone am Wochenende auch an, weil man dann nicht anstehen muss.
Ekiben: Zugbento. Während man in Bus und U-Bahn auf gar keinen Fall essen und trinken darf, ist das in Fernverkehrszügen überhaupt kein Problem und es gibt extra Zugbento-Boxen in entsprechenden Läden am Bahnhof. In Kyoto scheint vegetarisch dabei nicht so einfach zu sein wie in Tokyo und Gemini hatte uns dafür extra einen speziellen Laden ausbaldowert. Den zu finden war erst gar nicht so leicht, dann aber doch. Ich fragte nach der speziellen Sushisorte, die "oft ohne Fisch" ist, aber alle Boxen dieser Sorte waren ganz offensichtlich MIT Fisch obendrauf. Also: wieder zu der kleinen Kassenfrau und nochmal nach "Ohne Fisch und ohne Fleisch" fragen. Dafür erntete ich ein entschiedenes Kopfschütteln und mitleidiges Achselzucken und war bereit aufzugeben. Die anderen hatten Boxen gefunden und ich wäre auch mit Snacks ok gewesen, aber dann fanden sie doch noch eine Vegi-Box für mich!
Shinkansen: yay! Erstes Mal für uns. Die Tickets kriegt man zB via Klook total easy vorab, man kann Fenster, Gang, Fuji-Blick oder grosses Gepäck reservieren, wir hatten immerhin einen Fensterplatz bekommen. So beeindruckend: in den 10 Minuten, in denen wir auf unseren Zug warteten, fuhren am selben Bahnsteig 4 Shinkansen nach Tokyo, alle hielten auf den Zentimeter so, dass genau der angeschriebene Wagen mit der angeschriebenen Sitzverteilung am entsprechenden Einstiegstor zum Stehen kam (hallo, deutsche Bahn?!) Das Fahren selber: meine Güte! So viel Beinfreiheit! Zurücklehnbare Sitze! Geschlechtergetrennte Toiletten! Sauber! Ruhig! Pünktlich! Schnell!
In Odawara, wo wir auf die Regionalbahn umstiegen und ein bisschen langsam waren, weil: zurechtfinden, den Haltestellenstempel (die Kids sind immer und überall auf Stempeljagd) finden und überhaupt. sauste der eine oder andere Shinkansen durch und holla, das gibt eine Druckwelle und der ganze Bahnhof bebt!
Dann: Regionalbahn nach Hakone-Yumoto, dort Gepäckversand und ab in den knallvollen Buss nach Motohakone. Es gibt sicher bessere Zeitpunkte, um Hakone zu besuchen als ein sonniges Wochenende, wo ganz Tokyo UND alle Touristen dort aufschlagen. Egal. Wir standen dichtgedrängt in dem Bus, der recht rustikal die Bergstrassen (neue Strassenschilder: Achtung, Affe und Achtung, Waschbär) rauf und runter bretterte.
Am See angekommen spazierten wir, genau, Richtung Hakone Schrein. Schreine fühlen sich für mich immer noch nach Filmsets an und ich erwarte jeden Moment Uma Thurman irgendwo vorspringen zu sehen.
Das legendäre Torii-Gate im Wasser sieht von selbigem immer menschenleer aus, das liegt aber daran, dass die Schlange Leute, die zum Fotomachen ansteht, im Wald verdeckt ist. Ja, ne.
Unter den Zedern entlang zurück nach Motohakone,
eine schnelle (dann doch nicht ganz so schnelle) Stärkung bei "Bakery & Table" (auf verschiedenen Stockwerken gibt es gemeinschaftlich geteiltes Fussbad auf der Terrasse (ja, ne), gute und supere Aussicht in den oberen Stockwerken. Je höher, desto fancier, man muss neben "Brot" auf dem entsprechenden Stockwerk ein Getränk pro Person dazunehmen. (Kaffee!!!! Und eine sehr gute Birnen-Ingwer-Limo)
Dann zu einem der skurrileren Programmpunkte: die Lake Cruise über Lake Ashi mit dem Piratenboot, because why not. Die drei Ausflugsschiffe sind rotgoldene Piratenschiffe und ... naja, fahren Touristen von einem Seeende zum anderen.
Am anderen kann man dann direkt (Stempel nicht vergessen) in die Gondel nach Owakudani, dem vulkanischen Gebiet von Hakone nehmen. Dort fühlt es sich dann direkt an wie in Island: Schwefelgeruch, Wasserdampf, kalt und windig und stinkig. Die touristische Umsetzung ist dann jeweils ein bisschen anders, und ja, wir haben auch vier schwarze Eier gekauft.
Langsam wurde ich dann bisschen nervös, weil: ich wollte eigentlich um halb fünf in unserem Ryokan sein, das war es aber schon. Und wir waren noch am Berg oben und irgendwie war auch kein Bus zu fnden (die Autos stauten sich über zig Kilometer den Berg rauf). Frage bei einem der Verkehrsregler: "Buses are cancelled today, go back with the ropeway, take the bus from Togendai". Ich war echt unsicher, ob das was werden würde, aber: traumhafte Sonnenuntergangsgondelfahrt, einsteigen in den Bus, 13min bis zur Haltestelle 4min vom Ryokan.
Und dann.... eine andere Welt. Ich erinnerte mich schon noch, dass ich gehadert hatte, wieviel Geld ich ausgeben wollen würde, aber mich dann gegen "recht viel Geld für was, was auf Google Maps als okay, aber schraddelig gerated wird" und für "echt viel Geld für was, was auf Google Maps gefeiert wird" ausgeben entschieden habe.
Ja, well.
Wir wurden in dem verwunschenen Innenhof mit Mühlrad von einem Concierge in Empfang genommen, nach dem Schuhe ausziehen ("I will take care of them") an einen weiteren übergeben, der uns das verwinkelte Anwesen erklärte und in unsere "moderate suite" führte. Das bedeutet: Tatami-Raum, in dem entweder der Esstisch steht oder 2 Futons ausgerollt werden, Bad mit SO VIELEN AMENITIES (ich meine: 4x 2 Sorten Haargummis, Haarklammern, Bürsten, Kämme, Kosmetiksets...), einer "all yours" bestens bestückten Minibar, Yukatas, Bademänteln, Schlaf-Yukatas, Tonnen an Handtüchern, weil: Privatonsen auf der Terrasse, grosses Schlafzimmer, alles auf zwei Stockwerken.
Und alles so leise, dass die Kids Hemmungen hatten, ihre Regenjacken zu öffnen, solang der Erklärconcierge noch da war.
Ankommen, wundern, duschen, ab in die heisse Wanne voller Schwefelwasser auf der Terrasse, weil um halb acht schon das Kaiseki-Dinner serviert wurde. 7 Gänge, für mich in vegetarisch (auch ein Grund für diesen Ryokan, in vielen heisst es: wir können auf irgendwelche Extrawünsche keine Rücksicht nehmen. Hier bekam ich 7 Extrawürschte.
Spannend: die hier vermutlich dem Etablissement als angemessen angesehene Höflichkeit ist für uns Europäer (trotz teilweise asiatischer Wurzeln) sehr schwer auszuhalten. Niemand schaut einen an, andauernd wird sich entschuldigt, wenn die Tür aufgeschoben wird für den nächsten Gang, KNIEN die Servicekräfte davor.... Hm.
Es ging ein bisschen, aber ich denke, jetzt haben wir vier uns akklimatisiert hier, es ist schon sehr luxuriös und sehr anders als Kyoto (mit Absicht!)
Wir haben also sehr gut gespeist, uns für morgen zum Frühstück für 2x japanisch, 2x Western entschieden und sind gespannt.
Der Hübsche und ich haben nochmal mit Q. telefoniert (der macht das super, allein daheim) und gebadet, die Kids schauen "Memento"
Morgen, Achtung, das hätten Sie nicht gedacht, lassen wir es ruhig angehen!