Samstag, Oktober 03, 2026

031026

 Fernreisenurlaubstradition seit 2019: mindestens einmal wird ein elendiglich langer, mühsam am Handy in Bus und Bahn oder Auto vorgetippter Post durch einen ruckeligen Fingerwisch unwiderbringlich gelöscht. Hmpf. (Blogger App einfach doof: speichern und verwerfen sind nur Millimeter auseinander).

Also. Kurz vor MItternacht aus dem Ryokan mitten im Bambuswald mit plätscherndem Privatonsen nochmal aus dem Handgelenk:

Heute sehr japanisch gestartet:

Takkyubin: Wir haben heute unser Gpäck in zwei Chargen transportieren lassen: erstmal die grossen Koffer von Kyoto ins Schwesterhotel nach Tokyo, wo wir sie in drei Tagen wieder brauchen / sehen (es wurde uns eine Verspätungsmail geschickt und dann eine Mail, in der sich für die Verwirrung entschuldigt wurde, weil wir sie ja gar nicht heute brauchen). Dann unsere kleineren Koffer vom Bahnhof in Hakone-Yumoto in unseren Ryokan am Ende eines Bambustals ganz weit hinten, weil wir sie nicht über die Schmugglerstrasse, aufs Piratenschiff und in die Seilbahn zerren wollten. Das klappt alles recht easy, man kann vorbuchen (und zB auch anpassen, kurz vorher, wenn man einen Koffer weniger hat) und das bietet sich zu Stosszeiten wie Hakone am Wochenende auch an, weil man dann nicht anstehen muss.

Ekiben: Zugbento. Während man in Bus und U-Bahn auf gar keinen Fall essen und trinken darf, ist das in Fernverkehrszügen überhaupt kein Problem und es gibt extra Zugbento-Boxen in entsprechenden Läden am Bahnhof. In Kyoto scheint vegetarisch dabei nicht so einfach zu sein wie in Tokyo und Gemini hatte uns dafür extra einen speziellen Laden ausbaldowert. Den zu finden war erst gar nicht so leicht, dann aber doch. Ich fragte nach der speziellen Sushisorte, die "oft ohne Fisch" ist, aber alle Boxen dieser Sorte waren ganz offensichtlich MIT Fisch obendrauf. Also: wieder zu der kleinen Kassenfrau und nochmal nach "Ohne Fisch und ohne Fleisch" fragen. Dafür erntete ich ein entschiedenes Kopfschütteln und mitleidiges Achselzucken und war bereit aufzugeben. Die anderen hatten Boxen gefunden und ich wäre auch mit Snacks ok gewesen, aber dann fanden sie doch noch eine Vegi-Box für mich!



Shinkansen: yay! Erstes Mal für uns. Die Tickets kriegt man zB via Klook total easy vorab, man kann Fenster, Gang, Fuji-Blick oder grosses Gepäck reservieren, wir hatten immerhin einen Fensterplatz bekommen. So beeindruckend: in den 10 Minuten, in denen wir auf unseren Zug warteten, fuhren am selben Bahnsteig 4 Shinkansen nach Tokyo, alle hielten auf den Zentimeter so, dass genau der angeschriebene Wagen mit der angeschriebenen Sitzverteilung am entsprechenden Einstiegstor zum Stehen kam (hallo, deutsche Bahn?!) Das Fahren selber: meine Güte! So viel Beinfreiheit! Zurücklehnbare Sitze! Geschlechtergetrennte Toiletten! Sauber! Ruhig! Pünktlich! Schnell!


In Odawara, wo wir auf die Regionalbahn umstiegen und ein bisschen langsam waren, weil: zurechtfinden, den Haltestellenstempel (die Kids sind immer und überall auf Stempeljagd) finden und überhaupt. sauste der eine oder andere Shinkansen durch und holla, das gibt eine Druckwelle und der ganze Bahnhof bebt!

Dann: Regionalbahn nach Hakone-Yumoto, dort Gepäckversand und ab in den knallvollen Buss nach Motohakone. Es gibt sicher bessere Zeitpunkte, um Hakone zu besuchen als ein sonniges Wochenende, wo ganz Tokyo UND alle Touristen dort aufschlagen. Egal. Wir standen dichtgedrängt in dem Bus, der recht rustikal die Bergstrassen (neue Strassenschilder: Achtung, Affe und Achtung, Waschbär) rauf und runter bretterte. 

Am See angekommen spazierten wir, genau, Richtung Hakone Schrein. Schreine fühlen sich für mich immer noch nach Filmsets an und ich erwarte jeden Moment Uma Thurman irgendwo vorspringen zu sehen. 


Das legendäre Torii-Gate im Wasser sieht von selbigem immer menschenleer aus, das liegt aber daran, dass die Schlange Leute, die zum Fotomachen ansteht, im Wald verdeckt ist. Ja, ne.

Unter den Zedern entlang zurück nach Motohakone,



 eine schnelle (dann doch nicht ganz so schnelle) Stärkung bei "Bakery & Table" (auf verschiedenen Stockwerken gibt es gemeinschaftlich geteiltes Fussbad auf der Terrasse (ja, ne), gute und supere Aussicht in den oberen Stockwerken. Je höher, desto fancier, man muss neben "Brot" auf dem entsprechenden Stockwerk ein Getränk pro Person dazunehmen. (Kaffee!!!! Und eine sehr gute Birnen-Ingwer-Limo)

Dann zu einem der skurrileren Programmpunkte: die Lake Cruise über Lake Ashi mit dem Piratenboot, because why not. Die drei Ausflugsschiffe sind rotgoldene Piratenschiffe und ... naja, fahren Touristen von einem Seeende zum anderen. 


Am anderen kann man dann direkt (Stempel nicht vergessen) in die Gondel nach Owakudani, dem vulkanischen Gebiet von Hakone nehmen. Dort fühlt es sich dann direkt an wie in Island: Schwefelgeruch, Wasserdampf, kalt und windig und stinkig. Die touristische Umsetzung ist dann jeweils ein bisschen anders, und ja, wir haben auch vier schwarze Eier gekauft.



Langsam wurde ich dann bisschen nervös, weil: ich wollte eigentlich um halb fünf in unserem Ryokan sein, das war es aber schon. Und wir waren noch am Berg oben und irgendwie war auch kein Bus zu fnden (die Autos stauten sich über zig Kilometer den Berg rauf). Frage bei einem der Verkehrsregler: "Buses are cancelled today, go back with the ropeway, take the bus from Togendai". Ich war echt unsicher, ob das was werden würde, aber: traumhafte Sonnenuntergangsgondelfahrt, einsteigen in den Bus, 13min bis zur Haltestelle 4min vom Ryokan.


Und dann.... eine andere Welt. Ich erinnerte mich schon noch, dass ich gehadert hatte, wieviel Geld ich ausgeben wollen würde, aber mich dann gegen "recht viel Geld für was, was auf Google Maps als okay, aber schraddelig gerated wird" und für "echt viel Geld für was, was auf Google Maps gefeiert wird" ausgeben entschieden habe.

Ja, well. 

Wir wurden in dem verwunschenen Innenhof mit Mühlrad von einem Concierge in Empfang genommen, nach dem Schuhe ausziehen ("I will take care of them") an einen weiteren übergeben, der uns das verwinkelte Anwesen erklärte und in unsere "moderate suite" führte. Das bedeutet: Tatami-Raum, in dem entweder der Esstisch steht oder 2 Futons ausgerollt werden, Bad mit SO VIELEN AMENITIES (ich meine: 4x 2 Sorten Haargummis, Haarklammern, Bürsten, Kämme, Kosmetiksets...), einer "all yours" bestens bestückten Minibar, Yukatas, Bademänteln, Schlaf-Yukatas, Tonnen an Handtüchern, weil: Privatonsen auf der Terrasse, grosses Schlafzimmer, alles auf zwei Stockwerken.

Und alles so leise, dass die Kids Hemmungen hatten, ihre Regenjacken zu öffnen, solang der Erklärconcierge noch da war.


Ankommen, wundern, duschen, ab in die heisse Wanne voller Schwefelwasser auf der Terrasse, weil um halb acht schon das Kaiseki-Dinner serviert wurde. 7 Gänge, für mich in vegetarisch (auch ein Grund für diesen Ryokan, in vielen heisst es: wir können auf irgendwelche Extrawünsche keine Rücksicht nehmen. Hier bekam ich 7 Extrawürschte.


Spannend: die hier vermutlich dem Etablissement als angemessen angesehene Höflichkeit ist für uns Europäer (trotz teilweise asiatischer Wurzeln) sehr schwer auszuhalten. Niemand schaut einen an, andauernd wird sich entschuldigt, wenn die Tür aufgeschoben wird für den nächsten Gang, KNIEN die Servicekräfte davor.... Hm.

Es ging ein bisschen, aber ich denke, jetzt haben wir vier uns akklimatisiert hier, es ist schon sehr luxuriös und sehr anders als Kyoto (mit Absicht!)

Wir haben also sehr gut gespeist, uns für morgen zum Frühstück für 2x japanisch, 2x Western entschieden und sind gespannt.

Der Hübsche und ich haben nochmal mit Q. telefoniert (der macht das super, allein daheim) und gebadet, die Kids schauen "Memento"

Morgen, Achtung, das hätten Sie nicht gedacht, lassen wir es ruhig angehen!

Freitag, Oktober 02, 2026

021026

Plan heute: Nara, weil L. das in seiner Zeit hier so schön fand und nicht genug Zeit dort hatte. Ich hatte gestern nich recherchiert, welcher Zug, welches Ticket, tralala, und uns Kintetsu limite express Tickets für hin gebucht. (Alles per App, super easy)


Einschub: ich weiss, AI, diesdas, aber: ich habe diesmal unseren gesamten Trip mit massiver Gemini-Unterstützung gebucht (die Fehlbuchung in Kyoto geht auf mein Konto), das war richtig hilfreich beim Abklären von all den verschiedenen Optionen, zu bedenkenden Sachen, gerade, weil japanische Websites zwar schon oft auf englisch verfügbar sind, aber nicht vollständig, same für die automatische Übersetzung. Punkte waren: wie komme ich von a nach b, welcher Railpass macht Sinn, wie schicke ich mein Gepäck, wo kriege ich was vegetarisches zu essen. Gestern zb sehr, sehr hungrig via KI-Zusammenfassung gesucht: ramen Nähe kyoto station, für vegetarier und fleischesser, alternativ wären wir auf die schnelle eher in einem McD gelandet, was es ja auch nicht sein kann. diesmal also: welcher Zug, wie buchen, wo vegetarisches Ekiben?

Start deutlich smoother als gestern, beim Kaffeeholen merkte L.., dass er seine IC Karte vergessen hatte und sauste zurück. Sie war dann doch in der Hosentasche. Ich stellte mich beim IC-Card scannen an wie der erste Mensch und so schmolz unser Puffer bis zur Zugabfahrt so zusammen, dass ich beschloss: kein Umweg über Zugbento, wir suchen direkt den Bahnsteig. Scannen unserer QR Codes klappte smooth, es gab einen grossen Daumen hoch vom Gate-Mann.
Am Gleis war direkt noch ein Family Mart, in dem wir uns mit Zugsandwiches eindecken konnten (L organisierte an der Kasse wie ein Profi, dass die zu wärmenden gewärmt wurden.
Unsere Plätze im Zug waren schnell gefunden und wir freuten uns noch, dass wir eine Teuhe umdrehen konnten, damit wir uns gegenüber sitzen könnten. Ls Freundin klärte uns dann auf, dass das nicht so gedacht sei, sondern einfach alle Sitze an der Endstation in Fahrtrichtung gedreht werden und man dann halt vorwärts fährt.
Die Fahrt war supergemütlich und schon direkt am Bahnhof waren die ersten Hirsche auf dem Vorplatz.
 Auf dem Weg zum Park wurden es immer mehr, sie liefen über die Zebrastreifen, chillten auf dem Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen und natürlich auf dem Gehweg. 

Anscheinend wussten sie, dass die Leute, die ZUM Park laufen, noch keine Cracker haben und liessen uns in Ruhe. Erster Eindruck, wie aufdringlich sie werden können: ein junges Elternpaar mit Kind im Buggy wollte ei  Selfie mit Hirsch machen. Dafür gab es dem Hirsch viel zu wenig Cracker und er schnappte sich kurzerhand die Plastiktüte mit der Spielzeug-Todaiji-Buddhahalle, die das Kind auf dem Schoss hielt und fing an, drauf rumzukauen. Das Kind brüllte, die Eltern kreischen, der Hirsch kaute. Gegen inen Zehnerpack Cracker gab er Buddha auf.
Wir haben dann auch irgendwann Cracker gekauft und ... holla. Die Hirsche scheinen die WIRKLICH gern zu haben. Wer stehenbleiben, zB an einer roten Ampel, wird erst durch hektische Verbeugungen (das haben die Hirsche dort durch positive Verstärkung gelernt: Verbeugung =Cracker), dann durch Anstupsen, dann durch bestimmtes Zwicken in die Beine, Flanke oder Po zum  Rausrücken der Cracker genötigt.
Wir liessen uns treiben und landeten beim Todaiji-Schrein, dem größten Hollzgebäude der Welt, obwohl es nach zweimal Abbrennen deutlich kleiner ist als auch schon.
Eintritt war sehr ordentlich geregelt incl wann wo keine Gruppenfotos, damit man den Flow nicht aufhält. 


Hirsche dürfen  übrigens nicht rein.
Drinnen eine sehr, sehr beeindruckende Buddhastatue und viel mehr. 


Wir haben einen Dachziegel zu  Austausch für die historischen Gebäude gestiftet, und dann ist L. zwischen lauter kleinen, spillerigen japanischen Schulkindern durch "Buddhas Nasenloch" gerutscht.
 Es gab grosses Gejohle und Applaus, als der doch etwas breitere L. da durchflutschte (das Loch ohne Sinn und Zweck in der Säule ist genauso gross wie Buddhas Nasenloch und wer durchkriecht, ist auf dem Pfad der Erleuchtung.)
Dann waren wir schon bereit für eine Kaffeepause, dafür vertraute ich auf den Tipp von Wanderweib und lotste uns zum  Cafe Ryobidu.
Kaffee, Yuzu Tee und zwei Eisbecher mit Teisbällchen und Cornflakes stärken uns für den Weg zum Kasuga Taisha. Der Weg surch den Wald, mit immer neuen  Schreinen und all den Steinlaternen war wunderschön! 
Zwischendrin verspeisen wir die Onigiri, die wir gestern, weil zu voll, nicht mehr geschafft hatten, passten perfekt!


Dann waren wir langsam gesättigt von Hirschspucke und Buddhismus und machten uns auf den gemütlichen Weg zurück durch den Park und zum Bahnhof. L. bekam von einem Motorradfahrer auf einer fancy Maschine eine Japanflagge und ein Stirnband geschenkt. Google Translate sagt "Sicherer Sieg" und Kontextsuche beruhigt, dass das ein Standardanfeuerungsruf ist, nicht ein "Sieg Heil" Äquivalent.
L wollte noch ein Foto mit einem Hirsch und der Flagge machen, aber der biss direkt rein und nachdem wir vorher gesehen hatten,  wie ein Hirsch eine ganze Parkkarte aufgefressen hat, wollten wir das nicht riskieren.
Rückfahrt in einem  normalen Expresszug der Kintsegu Linie, das geht ohne Sitzreservierung, sieht aus, wie ein normaler U-Bahnzug.
Heute sind wir ein bisschen fitter und besser für einen Shoppingbummel gerüstet.
Shoppingbummel included: guiding by L. So cool, wenn dein Kind dir einfach Schleichwege durch den Bahnhof von Kyoto zeigen kann, wo man Ampeln vermeidet, I mean?! Und versteckte Kunstwerke, Schreibwaren, Kitkat,Pocky (bin bisschen im Mikado-Pocky-Glico-Lu-Bahlsen-Mondelez-Rabbithole verschwunden), Snacks, Zusammenbauroboter, Muji, Shinkansen Merch und dann richtig gute Ramen (für mich vegi) in einem versteckten Laden im Nishiki Market (Bassa Nova, danke Gemini!)
Jetzt zum Hotel laufen, Koffer packen, umpacken für Gepäcktransport nach Tokyo vorbereiten, während wir für zwei Tage nach Hakone in einen Ryokan entschwinden. Mit dem Shinkansen