Montag, Oktober 05, 2026

051026

Disclaimer: Keine Ahnung, wann sich der Post freischaltet. Vorbereitet habe ich ihn noch zu Hause, aber heute waren wir von Hakone nach Tokyo unterwegs, vllt erscheint das hier also irgendwann an Ihrem Mittag statt abend. Oder andersrum. Wer weiss das schon.

You know the drill, right? Es ist der 5., d.h. es heisst wieder "WMDEDGT?" (kurz und knackig für "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?"). 

Heute trifft sich der Freundeskreis Tagebuchbloggen sozusagen hier und verlinkt sich in der Liste unten.

Das ganze hat im April 2013 seinen Anfang genommen in einer Tagebuchblogwoche und hat sich irgendwie verselbständigt.

Die Regeln zum Mitmachen sind einfach:
  • über den heutigen Tag tagebuchbloggen (ohne Werbung, ohne Geschwurbel)
  • verlinken, mehr dazu findet sich am Ende dieses Posts. 
Hier: Hui, das war ein wilder Tag.
Heute hiess es für uns: Bye Hakone, hello Tokyo.
Dafür haben wir die Leute im Ryokan ganz wuschig gemacht, weil wir so früh aufstehen und frühstücken wollten. Also läutete unser Wecker um halb sieben, wir haben die gestern fast fertig gepackten Koffer ganz fertig gepackt, mit Füssen im warmen Wasser einen ersten Kaffee getrunken und dann wurden auch schon die Futons der Kids zusammengerollt und das Frühstück gedeckt. Wegen Schnelle haben wir alle Western Style gewählt, das war halt... ein Omelett mit Ketchup, Salat (also: grüner Salat mit Essigdressing), Marmelade, Butter, Reissirup (?), ein kleines Gipfeli und zwei kleine Semmelchen, Tee und Früchte in Ahornsirupjelly. Und Misosuppe. Und einen Cappuccino hinterher.
Also: nächstes Mal würde ich jederzeit wieder das japanische Frühstück nehmen, aber eben: keine Zeit.
Pünktlich um viertel nach acht standen wir an der Bushaltestelle und erwischten die letzten offiziellen Gepäckplätze. 
Der Bus juckelte dann eine halbe Stunde durch die Berge, steile Serpentinenstrassen an malerischer Schlucht entlang nach unten, wurde immer voller und erstaunlicherweise waren wir nahezu die einzigen, die in Yumoto ausgestiegen sind. Ich glaube, viele sind nach Odawara weitergefahren, wo man direkt mit dem Shinkansen nach Kyoto fahren kann oder auch in das Romancecar nach Shinjuku einsteigen kann. Wir sind in eben dieses in Yumoto eingestiegen (L. hat noch einen Store entdeckt, in dem er stöberte, ich habe unsere IC Cards aufgeladen, weil man für das Romancecar eben die Sitzreservierung bezahlt, der Rest geht normal über IC Card.). 

Dann kamen die allerentspannendsten anderthalb Stunden des Tages: eine mucksmäuschenstille Zugfahrt nach Shinjuku.
Für den Tag in Tokyo hatte ich alle Teilnehmer angefragt, welche Läden und Sehenswürdigkeiten angestrebt würden und von Gemini in eine gute Reihenfolge bringen lassen.
Wir haben also als erstes unser Gepäck ins Hotel gebracht, praktischerweise war unser Zimmer im 13. Stock schon fertig. Die grossen Koffer waren noch nicht da, aber wir hatten ja noch nicht mal mit dem Zimmer gerechnet. Diesmal ohne Pokemons und nicht so luxuriös wie in Hakone (ach), aber gut zum Augenausruhen.
Dann ging es los, erstmal was Essen. Alle waren nach dem luxuriösen Ryokanessen bereit für was junkiges, also McDonalds (L. hatte den McSamurai in guter Erinnerung). Ein Check auf dem Weg ergab:es gibt bei McD Japan keinen Veggieburger und nicht mal die Pommes sind vegetarisch (meine Güte, frittieren in Rinderfett, muss das sein?). Mir blieben: ein Schälchen Edamame mit Mais, ein kleiner Salat mit halbfettsesamdressing, eine Apfeltasche (vermutlich auch in Rinderfett fritteiert) und dann halt Kaffee. NAaaaaaaaaja.
L. und ich hatten beide rausgefunden, dass man kostenlos auf das Tokyo Metropolitanbuilding rauffahren kann und dort eine super Aussicht aus dem 45. Stock oder so hat. Gesehen, getan. Das war wirklich superschön! 

Und meine Güte, ich hatte ja in Kyoto gedacht: Grossstadt, total overwhelming (mit 1.4Mio Einwohnern ist Kyoto 5x so gross wie Basel ungefähr), da merkt man dann auch nicht mehr, ob es noch mehr sind. Tja. Schon also wir in Tokyo aus dem Bahnhof kamen, war mir klar: doch. merkt man. Sooooo hohe Häuser, so viele Menschen, so laut, so bunt, so viel. Es war keine grossartige Aussicht, sondern diesig, also immer noch kein MtFuji, aber auch kein Ende der Stadt in Sicht.

Next Stop: ein Popupstore für eins von L.s Computerspielen. Leider musste man dafür ein nummeriertes Ticket haben und die gab es nicht mehr. Naaaaaaaja.

Nächstes Ziel war Tokyo Station, genauer gesagt: "Character Street", eine unterirdische Shoppinstrasse mit lauter Läden zu all den japanischen Kitschserien und halt Characters, wie zB die mofu, die Katze, die immer in irgendwelchen Kostümen steckt. Die Kids hatten dort Pläne, ich suchte eigtl den Trainiart Store für Shinkansenjünger. Wir sind aber schon daran gescheitert, die Strasse dort zu finden. Wir sind gelaufen und gelaufen und Google Maps gefolgt, irgendwann standen wir vor der Touristinformation mit dem bezeichnenden Schild: "Are you lost? We are happy to help", 
aber noch nicht bereit, zu fragen wo lang. Wir drehten noch eine Runde nach oben, wieder nach unten, aber diesmal in einem Hotel, dann wieder nach oben, aus dem Hotel raus, wieder rein, nach unten, diesmal aber wirklich in die Touristeninfo. Dort bekamen wir einen Plan mit eingezeichnet, wo lang, ausserdem wurde gefragt, was wir denn dort suchen würden, weil: es gibt eine Clean-Tokyo-Kampagne, für die gibt es gratis so japanische Tücher, aus denen man Taschen falten kann, mit Pokemons drauf, hier, vier Stück für euch.
Mit dem Plan haben wir das dann gefunden und als wir so vor dem Kirby-Cafe standen und alles blinkte und bimmelte und döngelte und juchzte, da war ich schon ein bisschen durch. Wir haben uns aufgeteilt, der Hübsche und ich machten uns auf die Suche nach Zugläden. Trainiart haben wir nicht gefunden, ich glaube, der ist da auch gar nicht, aber: wir haben jetzt Shinkansen-Nudeln noch dazu.
Nachdem wir uns wiederhatten, sind wir gemeinsam noch in den Pokemonladen und ich finde das ja alles toll und einzigartig, aber es war so hell und bunt und laut (und ich hatte nur eine Apfeltasche, Salat und eine Handvoll Mais und Edamame gegessen), es wurde ein bisschen viel. Der Hübsche merkte das und steuerte uns alle zu einem Starbucks. Kaffee und ein Stück Kuchen und die Welt sah schon wieder anders aus.

Nächstes Ziel: eine Secondhand-Shoppingmeile, in der die Kids Vintage Designertaschen und -Kleider suchten. Der Hübsche und ich ruhten unsere Augen in dem schön einfarbigen UniqloStore gegenüber aus (es gibt auch Uniqlo-Blumenläden!).
Alle sehr erfolgreich, die Taschen wurden schwerer, die Füsse müder.
Zurück nach Shinjuku, ich wollte unbedingt in den Onitsuka-Tiger-Flagshipstore. 
Alle anderen auch und alle anderen Touristen auch. So cool, von Highheels, Parfum, einem Onitsuka Tiger-Monchichi und halt ALLEN Sneakern gab es alles. Die Touristen drehten hohl und die ungefähr 15jährigen Shopangestellten waren so nett und freundlich und schnell und gut im Sachenmerken, das war beeindruckend! Beeindruckend auch die Schuhausbeute (und der Preis. Ich war zwischendrin versucht, das zu skippen und sie bei Zalando zu bestellen, aber naja, 75 CHF gegen 200 CHF sind halt auch mal eine Hausnummer....) All das dauerte bis halb acht, zu spät, um noch den letzten geplanten Shoppingspot in Shibuya anzusteuern. Wir machten uns also auf den Weg zurück zum Hotel (an dem Billboard mit der grossen 3D Katze vorbei, die wir aber nicht aus der richtigen Perspektive zu sehen bekamen, so sah sie dann eher ein bisschen verzogen aus), allein, weil wir unsere Unmengen Taschen abstellen mussten. Auf dem Weg noch ein Stop im Family Mart, wir brauchten neue Pflaster und haben endlich grosse gefunden! Die Kids teilten sich noch einen Snack, ich war jenseits von Hungergefühl. 
Im Hotel war unser Gepäck schon angekommen, das war super. Mit all den Koffern und Taschen ist das Zimmer sehr eng, wir müssen noch ein bisschen besser verstauen und verräumen.
Kleine Enttäuschung: das zum Abendessen anvisierte Running-Sushi-Restaurant war zwei Minuten vom Bahnhof, nicht zwei Minuten von unserem Hotel (15min vom Bahnhof). An sich keine Sache, aber ich war halt schon 23k Schritte gelaufen (ausserdem: Mais, Edamame, Salat, Apfeltasche, Stück Kuchen)
Mit sehr leichtem Gepäck also auf den Weg zum Essen. Und irgendwie waren dann da lauter Baustellen, es war nicht klar, welche Treppe rauf oder runter und irgendwann ging es nicht mehr weiter und ich hatte es so satt, immer nach dem Weg zu suchen und alles blinkt und döngelt und es sind so viele Leute da und ich mag nicht mehr laufen und... naja, es war mir so zuviel, dass der Stress als Tränen raussprudelte und das war ja dann auch doof, weil niemand was dafür konnte und ich auch auf niemand sauer war, es war nur... zuviel. Der Rest der Reisegruppe war aber grossartig, ich wurde gedrückt und getröstet und jemand anderes übernahm die Führung respektive fragte einen der Baustellenbewacher.
Es ging dann ein bisschen, aber wir haben es gefunden. Und es war dann auch schon wurscht, dass wir angeblich 10 Minuten auf einen Platz warten mussten. Als wir uns gerade hingesetzt hatten, wurde unsere Nummer schon aufgerufen und ... es wurde wild. Ich war noch nie bei einem Running Sushi, hier fuhr einerseits Zeug im Kreis, andererseits konnte man sich auch Sachen bestellen, die dann auf einem anderen Weg angesaust kamen. Alle fünf Tellerchen konnte man ein Gachaspiel spielen und meine Güte, haben wir gefeasted!!! Dick und rund machten wir uns auf den Rückweg, der überhaupt nicht sooooo kompliziert war auf einmal.
Um elf waren wir zurück im Hotel, duschten der Reihe nach, räumten ein bisschen (die Kids haben noch einen grossen aufblasbaren Hammer aufgepustet und naja....
Jetzt ist es nach Mitternacht, das ist eigentlich ein bisschen Betrug, aber bei Ihnen ja noch nicht, deswegen passt das schon.
Morgen machen wir hoffentlich nicht so viel, bis jemand (ich) weint...






 Post-DSGVO-Reminder: wenn Sie sich auf die Liste eintragen, geben Sie Daten von sich frei. Was Mr. Linky damit macht, steht hier. Wenn Sie das nicht wollen, sollten Sie sich nicht eintragen.

Sonntag, Oktober 04, 2026

041026

Wir haben gestern abend unseren Plan für heute ein bisschen umgeworfen, weil wir die Zedern am Lake Ashi ja gestern schon entlanggelaufen sind und nicht soooo viel Lust hatten, richtig viel und lang bus zu fahren für die Schmugglerstrasse. Ausserdem hatten wir Bilder vom Hakone Open Air Museum gesehen und die Pampasgrasfelder direkt vor der Tür.
Also: erstmal Kaffee (Nespresso incl mein Lieblingslungo!) am Privatonsen, dann ein halb japanisches (L. und ich) und Western (der Rest) Frühstück.


Von der Strasse aus sehen die Grasfelder total leer aus, es gibt halt einen schnürdlgraden Sackgassenweg da rein, der ist dann doch relativ voll mit der wildesten Mischung an Leuten: von Leuten, die in wallenden Kleidern und Highheels Fotos machen, über Leute im Anzug und Schuhen mit Ledersohlen bis zu Leuten, die ohne Witz angezogen sind wie fürs Everest Basecamp. 
Für uns wurde es danach bisschen wild, weil L.s Freundin auf dem Weg zu "wir holen uns noch ein Getränk im Lawsons" und "Guckt, hier gehts rein" so eine Parkschwelle übersehen hat und sich richtig fies lang gelegt hat. Sie hat sich richtig aufgeschürft an Knie (incl Hose kaputt und grosses Loch im Knie), Ellenbogen und Hand. Sie tat mir so leid, weil ich diesen Schreck und Schmerz so nachvollziehen kann (wenigstens sind Lieblingsjacke, Kamera und Handy heil geblieben). Es haben superviele Leute sich versammelt und wollten helfen, wir bekamen (winzige!!!) Pflaster und gute Wünsche, vor dem (leeren) Pflasterregal im Konbini haben uns Leute geholfen, das richtige Desinfektionsmittel auszusuchen, aber eben: es gab keine Pflaster und offene Schürfwunden unter langen Ärmeln /Hosenbeinen ist echt fies. Nebenan war eine der vielen winzigen Polizeistationen mit einem Polizisten und einem winzigen Polizeiauto. Ich habe L. dirt fragen geschickt, ob es dort grössere Pflaster gibt und er kam zurück mit "Wir sollen einfach mal kommen". Und dann wurde S. von einem echt lieben Polizisten versorgt. Mit Hardcore Oldschool Desinifektionsmittel, das deutlich mehr brannte als das neumodische Zeug, das wir gekauft hatten. Pflaster gab es hier zwar bisschen grössere, aber nicht gross genug. Naja. Sie hat es mit Fassung getragen und mein schlechtes Gewissen (sie ist uns anvertraut!) legte sich langsam. Uff!
Dann aber Bus zum Open Air Museum. Dort gibt es in einem Park in den Bergen wunderbare Skulpturen, die sogar mir Banausen Eindruck machen:




Picasso, der alte Creep und Frauenfeind.... Was ich am skurrilsten fand: die Bilder waren mit "No Photo" gekennzeichnet, wenn man sie nicht fotografieren darf. Als erstes das grosse Schild mit seiner Unterschrift....
:-(
Am faszinierendsten fand ich den grossen Symphony Tower, der von aussen so unspektakulär aussieht und von innen halt einfach ein unglaublich hohes (ich hatte beim Runtergehen echt Mühe) Kirchenfenster, in dem man unendlich viele Details entdecken kann.
Irgendwann waren wir platt und sind mit dem Bus durch die kleinen Dörfer zurück gegondelt. Essen gab es relativ früh, heute fanden wir es nicht mehr ganz so unangenehm und die Fleischesser freuten sich über den Gang, wo man Wagyu-Beef-Scheiben auf kleinen Holzkohlegrills direkt am Tisch grillt!
Dann ausführliches Einweichen im warmen Wasser, kleine Diskussion, wann wir morgen frühstücken und gehen wollen, weil: wir wollen den Bus um 8:14 nehmen, das geht sich mit dem ersten freien Frühstücksslot um 9:00 nicht aus.... Wir haben uns auf 7:45 geeinigt und alle offenen Rechnungen heute abend begleichen, ich hoffe, das klappt alles. (Zur Not tut es auch ein Bus später).
Morgen dann: Kontrastprogramm, Tokyo, wir kommen!

Samstag, Oktober 03, 2026

031026

 Fernreisenurlaubstradition seit 2019: mindestens einmal wird ein elendiglich langer, mühsam am Handy in Bus und Bahn oder Auto vorgetippter Post durch einen ruckeligen Fingerwisch unwiderbringlich gelöscht. Hmpf. (Blogger App einfach doof: speichern und verwerfen sind nur Millimeter auseinander).

Also. Kurz vor MItternacht aus dem Ryokan mitten im Bambuswald mit plätscherndem Privatonsen nochmal aus dem Handgelenk:

Heute sehr japanisch gestartet:

Takkyubin: Wir haben heute unser Gpäck in zwei Chargen transportieren lassen: erstmal die grossen Koffer von Kyoto ins Schwesterhotel nach Tokyo, wo wir sie in drei Tagen wieder brauchen / sehen (es wurde uns eine Verspätungsmail geschickt und dann eine Mail, in der sich für die Verwirrung entschuldigt wurde, weil wir sie ja gar nicht heute brauchen). Dann unsere kleineren Koffer vom Bahnhof in Hakone-Yumoto in unseren Ryokan am Ende eines Bambustals ganz weit hinten, weil wir sie nicht über die Schmugglerstrasse, aufs Piratenschiff und in die Seilbahn zerren wollten. Das klappt alles recht easy, man kann vorbuchen (und zB auch anpassen, kurz vorher, wenn man einen Koffer weniger hat) und das bietet sich zu Stosszeiten wie Hakone am Wochenende auch an, weil man dann nicht anstehen muss.

Ekiben: Zugbento. Während man in Bus und U-Bahn auf gar keinen Fall essen und trinken darf, ist das in Fernverkehrszügen überhaupt kein Problem und es gibt extra Zugbento-Boxen in entsprechenden Läden am Bahnhof. In Kyoto scheint vegetarisch dabei nicht so einfach zu sein wie in Tokyo und Gemini hatte uns dafür extra einen speziellen Laden ausbaldowert. Den zu finden war erst gar nicht so leicht, dann aber doch. Ich fragte nach der speziellen Sushisorte, die "oft ohne Fisch" ist, aber alle Boxen dieser Sorte waren ganz offensichtlich MIT Fisch obendrauf. Also: wieder zu der kleinen Kassenfrau und nochmal nach "Ohne Fisch und ohne Fleisch" fragen. Dafür erntete ich ein entschiedenes Kopfschütteln und mitleidiges Achselzucken und war bereit aufzugeben. Die anderen hatten Boxen gefunden und ich wäre auch mit Snacks ok gewesen, aber dann fanden sie doch noch eine Vegi-Box für mich!



Shinkansen: yay! Erstes Mal für uns. Die Tickets kriegt man zB via Klook total easy vorab, man kann Fenster, Gang, Fuji-Blick oder grosses Gepäck reservieren, wir hatten immerhin einen Fensterplatz bekommen. So beeindruckend: in den 10 Minuten, in denen wir auf unseren Zug warteten, fuhren am selben Bahnsteig 4 Shinkansen nach Tokyo, alle hielten auf den Zentimeter so, dass genau der angeschriebene Wagen mit der angeschriebenen Sitzverteilung am entsprechenden Einstiegstor zum Stehen kam (hallo, deutsche Bahn?!) Das Fahren selber: meine Güte! So viel Beinfreiheit! Zurücklehnbare Sitze! Geschlechtergetrennte Toiletten! Sauber! Ruhig! Pünktlich! Schnell!


In Odawara, wo wir auf die Regionalbahn umstiegen und ein bisschen langsam waren, weil: zurechtfinden, den Haltestellenstempel (die Kids sind immer und überall auf Stempeljagd) finden und überhaupt. sauste der eine oder andere Shinkansen durch und holla, das gibt eine Druckwelle und der ganze Bahnhof bebt!

Dann: Regionalbahn nach Hakone-Yumoto, dort Gepäckversand und ab in den knallvollen Buss nach Motohakone. Es gibt sicher bessere Zeitpunkte, um Hakone zu besuchen als ein sonniges Wochenende, wo ganz Tokyo UND alle Touristen dort aufschlagen. Egal. Wir standen dichtgedrängt in dem Bus, der recht rustikal die Bergstrassen (neue Strassenschilder: Achtung, Affe und Achtung, Waschbär) rauf und runter bretterte. 

Am See angekommen spazierten wir, genau, Richtung Hakone Schrein. Schreine fühlen sich für mich immer noch nach Filmsets an und ich erwarte jeden Moment Uma Thurman irgendwo vorspringen zu sehen. 


Das legendäre Torii-Gate im Wasser sieht von selbigem immer menschenleer aus, das liegt aber daran, dass die Schlange Leute, die zum Fotomachen ansteht, im Wald verdeckt ist. Ja, ne.

Unter den Zedern entlang zurück nach Motohakone,



 eine schnelle (dann doch nicht ganz so schnelle) Stärkung bei "Bakery & Table" (auf verschiedenen Stockwerken gibt es gemeinschaftlich geteiltes Fussbad auf der Terrasse (ja, ne), gute und supere Aussicht in den oberen Stockwerken. Je höher, desto fancier, man muss neben "Brot" auf dem entsprechenden Stockwerk ein Getränk pro Person dazunehmen. (Kaffee!!!! Und eine sehr gute Birnen-Ingwer-Limo)

Dann zu einem der skurrileren Programmpunkte: die Lake Cruise über Lake Ashi mit dem Piratenboot, because why not. Die drei Ausflugsschiffe sind rotgoldene Piratenschiffe und ... naja, fahren Touristen von einem Seeende zum anderen. 


Am anderen kann man dann direkt (Stempel nicht vergessen) in die Gondel nach Owakudani, dem vulkanischen Gebiet von Hakone nehmen. Dort fühlt es sich dann direkt an wie in Island: Schwefelgeruch, Wasserdampf, kalt und windig und stinkig. Die touristische Umsetzung ist dann jeweils ein bisschen anders, und ja, wir haben auch vier schwarze Eier gekauft.



Langsam wurde ich dann bisschen nervös, weil: ich wollte eigentlich um halb fünf in unserem Ryokan sein, das war es aber schon. Und wir waren noch am Berg oben und irgendwie war auch kein Bus zu fnden (die Autos stauten sich über zig Kilometer den Berg rauf). Frage bei einem der Verkehrsregler: "Buses are cancelled today, go back with the ropeway, take the bus from Togendai". Ich war echt unsicher, ob das was werden würde, aber: traumhafte Sonnenuntergangsgondelfahrt, einsteigen in den Bus, 13min bis zur Haltestelle 4min vom Ryokan.


Und dann.... eine andere Welt. Ich erinnerte mich schon noch, dass ich gehadert hatte, wieviel Geld ich ausgeben wollen würde, aber mich dann gegen "recht viel Geld für was, was auf Google Maps als okay, aber schraddelig gerated wird" und für "echt viel Geld für was, was auf Google Maps gefeiert wird" ausgeben entschieden habe.

Ja, well. 

Wir wurden in dem verwunschenen Innenhof mit Mühlrad von einem Concierge in Empfang genommen, nach dem Schuhe ausziehen ("I will take care of them") an einen weiteren übergeben, der uns das verwinkelte Anwesen erklärte und in unsere "moderate suite" führte. Das bedeutet: Tatami-Raum, in dem entweder der Esstisch steht oder 2 Futons ausgerollt werden, Bad mit SO VIELEN AMENITIES (ich meine: 4x 2 Sorten Haargummis, Haarklammern, Bürsten, Kämme, Kosmetiksets...), einer "all yours" bestens bestückten Minibar, Yukatas, Bademänteln, Schlaf-Yukatas, Tonnen an Handtüchern, weil: Privatonsen auf der Terrasse, grosses Schlafzimmer, alles auf zwei Stockwerken.

Und alles so leise, dass die Kids Hemmungen hatten, ihre Regenjacken zu öffnen, solang der Erklärconcierge noch da war.


Ankommen, wundern, duschen, ab in die heisse Wanne voller Schwefelwasser auf der Terrasse, weil um halb acht schon das Kaiseki-Dinner serviert wurde. 7 Gänge, für mich in vegetarisch (auch ein Grund für diesen Ryokan, in vielen heisst es: wir können auf irgendwelche Extrawünsche keine Rücksicht nehmen. Hier bekam ich 7 Extrawürschte.


Spannend: die hier vermutlich dem Etablissement als angemessen angesehene Höflichkeit ist für uns Europäer (trotz teilweise asiatischer Wurzeln) sehr schwer auszuhalten. Niemand schaut einen an, andauernd wird sich entschuldigt, wenn die Tür aufgeschoben wird für den nächsten Gang, KNIEN die Servicekräfte davor.... Hm.

Es ging ein bisschen, aber ich denke, jetzt haben wir vier uns akklimatisiert hier, es ist schon sehr luxuriös und sehr anders als Kyoto (mit Absicht!)

Wir haben also sehr gut gespeist, uns für morgen zum Frühstück für 2x japanisch, 2x Western entschieden und sind gespannt.

Der Hübsche und ich haben nochmal mit Q. telefoniert (der macht das super, allein daheim) und gebadet, die Kids schauen "Memento"

Morgen, Achtung, das hätten Sie nicht gedacht, lassen wir es ruhig angehen!

Freitag, Oktober 02, 2026

021026

Plan heute: Nara, weil L. das in seiner Zeit hier so schön fand und nicht genug Zeit dort hatte. Ich hatte gestern nich recherchiert, welcher Zug, welches Ticket, tralala, und uns Kintetsu limite express Tickets für hin gebucht. (Alles per App, super easy)


Einschub: ich weiss, AI, diesdas, aber: ich habe diesmal unseren gesamten Trip mit massiver Gemini-Unterstützung gebucht (die Fehlbuchung in Kyoto geht auf mein Konto), das war richtig hilfreich beim Abklären von all den verschiedenen Optionen, zu bedenkenden Sachen, gerade, weil japanische Websites zwar schon oft auf englisch verfügbar sind, aber nicht vollständig, same für die automatische Übersetzung. Punkte waren: wie komme ich von a nach b, welcher Railpass macht Sinn, wie schicke ich mein Gepäck, wo kriege ich was vegetarisches zu essen. Gestern zb sehr, sehr hungrig via KI-Zusammenfassung gesucht: ramen Nähe kyoto station, für vegetarier und fleischesser, alternativ wären wir auf die schnelle eher in einem McD gelandet, was es ja auch nicht sein kann. diesmal also: welcher Zug, wie buchen, wo vegetarisches Ekiben?

Start deutlich smoother als gestern, beim Kaffeeholen merkte L.., dass er seine IC Karte vergessen hatte und sauste zurück. Sie war dann doch in der Hosentasche. Ich stellte mich beim IC-Card scannen an wie der erste Mensch und so schmolz unser Puffer bis zur Zugabfahrt so zusammen, dass ich beschloss: kein Umweg über Zugbento, wir suchen direkt den Bahnsteig. Scannen unserer QR Codes klappte smooth, es gab einen grossen Daumen hoch vom Gate-Mann.
Am Gleis war direkt noch ein Family Mart, in dem wir uns mit Zugsandwiches eindecken konnten (L organisierte an der Kasse wie ein Profi, dass die zu wärmenden gewärmt wurden.
Unsere Plätze im Zug waren schnell gefunden und wir freuten uns noch, dass wir eine Teuhe umdrehen konnten, damit wir uns gegenüber sitzen könnten. Ls Freundin klärte uns dann auf, dass das nicht so gedacht sei, sondern einfach alle Sitze an der Endstation in Fahrtrichtung gedreht werden und man dann halt vorwärts fährt.
Die Fahrt war supergemütlich und schon direkt am Bahnhof waren die ersten Hirsche auf dem Vorplatz.
 Auf dem Weg zum Park wurden es immer mehr, sie liefen über die Zebrastreifen, chillten auf dem Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen und natürlich auf dem Gehweg. 

Anscheinend wussten sie, dass die Leute, die ZUM Park laufen, noch keine Cracker haben und liessen uns in Ruhe. Erster Eindruck, wie aufdringlich sie werden können: ein junges Elternpaar mit Kind im Buggy wollte ei  Selfie mit Hirsch machen. Dafür gab es dem Hirsch viel zu wenig Cracker und er schnappte sich kurzerhand die Plastiktüte mit der Spielzeug-Todaiji-Buddhahalle, die das Kind auf dem Schoss hielt und fing an, drauf rumzukauen. Das Kind brüllte, die Eltern kreischen, der Hirsch kaute. Gegen inen Zehnerpack Cracker gab er Buddha auf.
Wir haben dann auch irgendwann Cracker gekauft und ... holla. Die Hirsche scheinen die WIRKLICH gern zu haben. Wer stehenbleiben, zB an einer roten Ampel, wird erst durch hektische Verbeugungen (das haben die Hirsche dort durch positive Verstärkung gelernt: Verbeugung =Cracker), dann durch Anstupsen, dann durch bestimmtes Zwicken in die Beine, Flanke oder Po zum  Rausrücken der Cracker genötigt.
Wir liessen uns treiben und landeten beim Todaiji-Schrein, dem größten Hollzgebäude der Welt, obwohl es nach zweimal Abbrennen deutlich kleiner ist als auch schon.
Eintritt war sehr ordentlich geregelt incl wann wo keine Gruppenfotos, damit man den Flow nicht aufhält. 


Hirsche dürfen  übrigens nicht rein.
Drinnen eine sehr, sehr beeindruckende Buddhastatue und viel mehr. 


Wir haben einen Dachziegel zu  Austausch für die historischen Gebäude gestiftet, und dann ist L. zwischen lauter kleinen, spillerigen japanischen Schulkindern durch "Buddhas Nasenloch" gerutscht.
 Es gab grosses Gejohle und Applaus, als der doch etwas breitere L. da durchflutschte (das Loch ohne Sinn und Zweck in der Säule ist genauso gross wie Buddhas Nasenloch und wer durchkriecht, ist auf dem Pfad der Erleuchtung.)
Dann waren wir schon bereit für eine Kaffeepause, dafür vertraute ich auf den Tipp von Wanderweib und lotste uns zum  Cafe Ryobidu.
Kaffee, Yuzu Tee und zwei Eisbecher mit Teisbällchen und Cornflakes stärken uns für den Weg zum Kasuga Taisha. Der Weg surch den Wald, mit immer neuen  Schreinen und all den Steinlaternen war wunderschön! 
Zwischendrin verspeisen wir die Onigiri, die wir gestern, weil zu voll, nicht mehr geschafft hatten, passten perfekt!


Dann waren wir langsam gesättigt von Hirschspucke und Buddhismus und machten uns auf den gemütlichen Weg zurück durch den Park und zum Bahnhof. L. bekam von einem Motorradfahrer auf einer fancy Maschine eine Japanflagge und ein Stirnband geschenkt. Google Translate sagt "Sicherer Sieg" und Kontextsuche beruhigt, dass das ein Standardanfeuerungsruf ist, nicht ein "Sieg Heil" Äquivalent.
L wollte noch ein Foto mit einem Hirsch und der Flagge machen, aber der biss direkt rein und nachdem wir vorher gesehen hatten,  wie ein Hirsch eine ganze Parkkarte aufgefressen hat, wollten wir das nicht riskieren.
Rückfahrt in einem  normalen Expresszug der Kintsegu Linie, das geht ohne Sitzreservierung, sieht aus, wie ein normaler U-Bahnzug.
Heute sind wir ein bisschen fitter und besser für einen Shoppingbummel gerüstet.
Shoppingbummel included: guiding by L. So cool, wenn dein Kind dir einfach Schleichwege durch den Bahnhof von Kyoto zeigen kann, wo man Ampeln vermeidet, I mean?! Und versteckte Kunstwerke, Schreibwaren, Kitkat,Pocky (bin bisschen im Mikado-Pocky-Glico-Lu-Bahlsen-Mondelez-Rabbithole verschwunden), Snacks, Zusammenbauroboter, Muji, Shinkansen Merch und dann richtig gute Ramen (für mich vegi) in einem versteckten Laden im Nishiki Market (Bassa Nova, danke Gemini!)
Jetzt zum Hotel laufen, Koffer packen, umpacken für Gepäcktransport nach Tokyo vorbereiten, während wir für zwei Tage nach Hakone in einen Ryokan entschwinden. Mit dem Shinkansen