110426
Heute: Bissl Muskelkater, aber nicht besonders viel. Das Wetter ist Traumsommerwetter oder auch "St. Karch", dem die gesamte Nachbarschaft huldigt incl uns. Ich meine: wenn die Terrasse neu gemacht wird, wäre es gut, wenn der Garten obenrum aka Balkon auch hübsch wäre. Dementsprechend ist L.s Zimmer (der kommt heute abend heim) ein Dschungel, der Hübsche hat Kazilliarten Moos aus der Dachrinne gekratzt, ich habe Unkraut gejätet und vier Töpfe neu bepflanzt, bei allen anderen nur etwas neue Erde und Blumensamen zwischen die schon spriessenden Sachen vom letzten Jahr.
Jetzt warte ich bei Ikea Zimtschnecken darauf, dass ich mit Kärchern dran bin und dachte mir: Zeit für ein bisschen Reflexion.
Weil: Sie erinnern sich vielleicht (nicht), ich auf jeden Fall schon: vor ziemlich genau einem Jahr ging es mir überhaupt nicht gut. In der Woche vor Ostern ist die Bombe geplatzt, dass unsere Abteilung abgeschafft wird (ich habe mein Gesicht immer noch nicht unter Kontrolle, wenn jemand das offizielle "retired" benutut), ich weiss noch, dass ich vor dem Osterurlaub meine Bewerbungen auf die neuen Stellen rausgehauen habe und sehr, sehr angespannt war.
Ich weiss auch noch, dass ich gesagt habe: "Ich würde gern ein paar Monate vorspulen und sehen, ob es gut ausgeht, dann könnte ich cool(er) sein".
Tja. Es ist für mich so gut wie nur möglich ausgegangen. (Für mehr als die Hälfte der restlichen Truppe nicht. Immerhin haben viele in einer anderen Firma eine Stelle gefunden, einige sich mit der Rente angefreundet, aber es gibt immer noch Leute, die langsam wirklich verzweifelt suchen. Schade, dass das von ganz oben ganz anders dargestellt wird. Naja. Dementsprechend: bei aller Freude auch eine gute Portion Survivor's Guilt dabei).
Ich bin nach wie vor so, so, so happy mit der Rolle, die ich habe. Es ist nicht leicht, die Rolle an sich ist tricky und anspruchsvoll aufgesetzt, dazu kommt, dass das Change Management nicht ansatzweise abgeschlossen ist und wir unabhängig von fachlichen Issues so viel mit "all those feelings" umgehen müssen, die diekten Impact auf unsere Arbeit haben. Kein Wunder, dass wir einen Grossteil unseres F2F Workshops nächste Woche einem Training zu "Difficult Conversations" widmen werden. Aber: Neben dem grossartigen Chef, den grossartigen KollegInnnen ist die Rolle enifach wie für mich gemacht. Und zum ersten Mal eine, wo ich mir denke, vllt mache ich das bis zur Rente (und das sind noch 15 Jahre, als ob eine Rolle / Organisation so lang existieren würde....).
Ich hatte ja die mindestens 2, 3 Jahre vor dem grossen Bumms schon dringend nach was Neuem gesucht und hier mehr oder weniger transparent darüber geschrieben, wenn ich mich beworben hatte. Von all den Bewerbungen bin ich nur 2x eingeladen worden, da dann jeweils bis in die finale Runde gekommen und dann als Nummer zwei geendet. Das hat mich jeweils (auch das nicht eingeladen werden, aber persönlicher waren die Absagen als Nummer 2) schon richtig getroffen und ich wäre jedem ins Gesicht gesprungen, der gesagt hätte: "Wer weiss, wofür es gut ist". Wenn ich mir jetzt aber anschaue, was aus den Rollen geworden ist, die ich da nicht bekommen habe: ich kann gar nicht so viele Kreuze machen, wie ich froh bin, dass ich da nicht gelandet bin. Entweder ist die Abteilung ein total giftiges Hauen und Stechen oder die Gruppe ist in Auflösung begriffen oder aber die Rolle hat sich so sehr geändert, dass ich sie echt nicht mehr machen möchte. Ich habe für das eine "Nummer 2" Gespräch ein Feedback bekommen, das mir tatsächlich weitergeholfen hat, nämlich die Erkenntnis, dass NIEMAND sich an das erinnert, was du in deinem Anschreiben geschrieben hast, und wenn nach deiner Motivation gefragt wird, wäre es eine gute Idee, genau das nochmal mit Enthusiasmus vorzutragen, anstatt dich verzweifelt zu fragen: "WAS DENN NOCH, Steht doch alles im Anschrieben?!" Bei der anderen Rolle war ich ob des unprofessionellen Recruitingprozesses so angefressen, dass ICH um ein Feedbackgesrpäch gebeten habe und all das losgeworden bin. In all den Gesprächen habe ich gelernt, dass es vorgefertigte Fragenkataloge gibt, ich habe selber an Panels teilgenommen, mir den Fragenkatalog kopiert und zu jede einzelne eine vorgefertigte Story, passend zu der Rolle, für die ich vorsprach, ausgearbeitet und sogar in passendem Wortlaut aufgeschrieben. Ein Vorteil von v.a. Onlineinterviews: man kann Spickzettel auf dem Bildschirm haben. Das hätte ich vermutlich ohne die "Übung" nicht gemacht. (Und trotzdem liefen die Interviews für die Rolle nicht perfekt, aber vermutlich besser als spontan).
Schlussfolgerung: War alles doof, ging aber sehr, sehr gut aus. Hätte gern nicht ganz so lang gehen müssen und keine Kollateralschäden gebraucht. Tja.
Jetzt bin ich dran mit Kärchern.



























