161026
So. Freitag abend, der Pizzateig geht, es warten eine volle Waschmaschine aufs Aufhängen und eine volle Trocknerladung aufs Zusammenlegen.
Dann steht ein hoffentlich gemütlicher Pizzaabend mit allen an, da freue ich mich sehr darauf (eine bisschen komplizierte Sache müssen zwei von uns noch erledigen, aber das kriegen wir hin und dann Pizza). Ich hoffe, das warme, fuzzy Gefühl, das ich dringend brauche, stellt sich dann ein.
Sonst habe ich heute nämlich seit morgens um viertel nach sechs gearbeitet wie eine Wilde. Ich hoffe, die ZEiten, wo Freitag Tag für Erledigen von Liegengebliebenem ist, kommen zurück, heute war einfach voll von Meetings, die dringend waren und in die anderen Tage nicht gepasst haben. Uff.
Viel geschafft und mit einem spektakulären Quatschmeeting geendet (nicht ganz so wild wie die Smartbottles, deshalb aber "gefährlicher", weil es halt nicht sicher nicht passieren wird, deshalb muss man da gut aufpassen, worauf man sich einlässt). Ich habe langsam das Gefühl, man steckt mich in solche Meetings und Projektteams, gerne nach langen anstrengenden Wochen, um ein ungefiltertes realitätsnahes Feedback und die unpopular opinion, die man bisher ignoriert hat, weil höflich verpackt, in den Prozess einzuspielen. "Ach komm, schicken wir die Karin, die lacht die einfach aus oder rollt so sehr die Augen, dass sie einfach nicht mehr weitermachen und wenn doch, dann sagt sie kurz "This may sound a little rude, but I am German and had a very, very long week, so I ran out of diplomacy quite a while ago" und dann sagt sie, was wir alle denken" Vielleicht ist es so, vielleicht auch nicht. Gerollt und geatmet und gesagt habe ich es auf jeden Fall. Tja.
Q. hat sich köstlich amüsiert, als er das ganze von einem Stockwerk weiter oben mitgehört hat, weil ich ihm vorher gesagt habe, was ich erwarte und mein Ziel wäre, einfach still zu sein und "mhm" zu sagen und schlank rauszukommen. Das hat mal gar nicht geklappt!
Egal, Feierabend jetzt.
Und es gibt eine (richtig gute) Frage in der Wunschliste:
Gibt es ein Japan-„Fazit“ oder was antworten Sie auf die Frage: Wie war's in Japan? (abgesehen vom unbefriedigenden Veggie-Essen) Weil: … man Ihre Begeisterung und Liebe zu Island so doll mitlesen kann und sich Japan ziemlich neutral liest und naja, würde mich interessieren, Ihr Gefühl dazu.
Was antworte ich auf die Frage: "Wie wars in Japan?": Kommt drauf an, wer fragt. Standard ist: "Mal was ganz anderes, super interessant, aber auch echt wild und anstrengend" Je nach Zeit / Verhältnis zur fragenden Person kommt dann schon auch: "es war mir einfach zu laut, zu voll, zu bunt, zu viel, zu ... fremd" und, das war der grösste Schock für jemanden bisher: "War gut, aber muss ich privat nicht nochmal hin".
Ich denke, das trifft es ganz gut. Ich meine, ich bin ehrlich: ohne L.s Begeisterung für das Land und noch mehr L.s Zeit dort wäre ich niemals auch nur auf die Idee gekommen (privat für Urlaub, Arbeit ist was anderes obviously) nach Asien generell und auch Japan zu reisen. Ich hab immer gesagt. "Wenn Asien, dann maximal Japan" und dabei bleibe ich auch.
Ich bin mit gewissen Vorbehalten in die Planung gegangen und das mag schon dazu beigetragen haben, dass ich es halt genauso fand. Andersrum war ich bereit, mich überwältigen zu lassen und.. das ist halt nicht im positiven Sinne passiert. Ich meine: Es gab Tage und Orte, die fand ich richtig grossartig und echt schön (Nara, Kamakura, Hakone, auch Teile in Kyoto, als wir da nachts durch die Holzhausviertel spaziert sind, ich habe ich total gefreut, L.s Gastfamilie kennenzuleren), aber sie haben mich nicht wirklich auf einer emotionalen Ebene abgeholt. Ich stand in den Tempeln oder im Bambuswald und es halt sich angefühlt, als würde ich in einem Filmset oder Fotobuch stehen.
Es gab andersrum Orte, die mir viel, viel, viel zu viel waren und an denen ich vor sensory overload fast durchgedreht wäre. Oder aber: ich stand mittendrin und konnte all das Angebot überhaupt nicht geniessen, weil es einfach so viel und so laut und so bunt und so voll war.
That said heisst das natürlich überhaupt nicht, dass das eine objektive Aussage ist und Japan kein tolles Urlaubsland ist. Das wäre nach 2 Wochen eh ein bisschen doof, genauso wie die Aussage "es ist total überfülllt von Touristen", wenn man genau an DIE Touristenspots geht (wenn jemand sagt: Schweiz ist mir zu voll und kein tolles Urlaubsland, wenn man am Rheinfall, in Lauterbrunnen und dem Jungfraujoch und am Oeschinensee war, naja, I get it).
Der Rest der Reisetruppe hat das nach meinem Verständnis auch total anders empfunden, die sind in der Neon-Gaming-Shoppingwelt aufgegangen und fanden das einfach super und toll. (der Hübsche und ich haben aber auch ganz oft uns angeschaut und gemeint: "Ja, gell, nächstes Mal wieder Island")
Es mag auch damit zusammenhängen, dass ICH die gesamte Planung gemacht hatte und mich total dafür verantwortlich gefühlt habe, dass alles klappt und alles toll ist und das, wo es mir halt alles sehr fremd war, fremder als jeder Urlaub innerhalb Europas oder Nordamerika bisher, d.h. ich war grundangespannt.
Aber: es war definitiv eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte, es war gewissermassen auch genau richtig für den Zeitpunkt und meinen mental state, als wir in die Ferien sind, weil ich so unter Druck und Stress bei der Arbeit stand, dass ein "richtig entspannender Urlaub" vermutlich gar nicht funktioniert hätte, weil ich einfach nicht hätte abschalten können. Das war in Japan definitiv anders, weil ich mit anderem Input befüllt wurde und nicht an die Arbeit denken KONNTE, weil es so viel anderes gab.
Also: die grosse Liebe ist es nicht, es war für mich weit ausserhalb der Komfortzone, aber das ist auch mal gut!
(Sidenote: alle sagen ja immer, die fancy japanischen Klospülungen, die mit drölfzig verschiedenen Düsen und Temperaturen und Druckprogrammen die private parts duschen und föhnen, wären ein gamechanger und wer das mal ausprobiert hat, wird das nie wieder anders wollen: Hölle nein! Ich habs natürlich einmal ausprobiert, seitdem echt Sorgen gehabt, dass ich mir da Gottweisswas eingefangen habe, weil ich so viele Fragezeichen in Sachen Mibi / Bioburden und Wasserkreislauf habe, und das Gefühl generell muss ich echt auch nicht nochmal haben.)


