150726
Das Festchen gestern abend war wirklich sehr schön und ich hatte tatsächlich noch gedacht, dass es sich doch leise durchgesetzt hat, dass man auch an fancy Feierabenden alkoholfrei und trotzdem stylish anstösst. Heute morgen aber habe ich einen Kollegen getroffen um halb neun, der meinte, erstmal ein Wasser zu brauchen zum Alkohol von gestern zu verdünnen, also habe ich von mir und den anderen einigen Kollegen, die das (mittlerweile halt auch sehr leckere) alkoholfreie Craft-IPA in der Hand hatten, auf alle geschlossen. Aber: es ist definitiv nicht so, dass man für alkoholfrei komisch angeschaut wird oder gefragt wird, ob man schwanger ist, oder überhaupt irgendwie angesprochen oder geschaut wird.
Dann heute: kurz vor Weckerläuten aufgewacht, deutlich besser vorwärtsgekommen als gestern (keine Jonnyrunde, der kam mit einer Wühlmaus nach Hause, mit der er nach dem Frühstück noch ein bisschen rumspielte. Anscheinend schmecken Wühlmäuse nicht.
Echt interessant: es ist morgens beim Aufstehen noch so "dunkel", dass es nach gerade Sonnenaufgang aus dem Dachfenster aussieht, draussen sind auch noch die Strassenlaternen an.
Schwimmen: war erst super, dann kam jemand, der halt einfach rumgegrobiant hat, ich meine: in jemand reinkraulen? Und nicht nur einmal antatschen, sondern bei jedem Überholen drei, viermal richtig zuhauen? Wieder mal geärgert, dass ich nicht besser reagiert habe und halt einfach zurückgetreten oder gekickt...
Naaaaaja.
Sonst heute: ein bisschen daneben war ich, ich wurde nämlich bis jetzt 3x auf Versäumnisse meinerseits hingewiesen, jeweils total nett UND gerechtfertigt, und ich habe mich jedesmal natürlich höflich bedankt und alle waren happy.
a) habe mein Schwimmzeug zusammengepackt und in meinem Sidequest beim Draussenschwimmen "Anfreunden mit der Rentnercrew" der bisschen grummelig guckende Frau, die sich im gleichen Gang umgezogen hat und gar nix gesagt hat, viel Spass beim Schwimmen gewünscht. Sie hat erst nix gesagt, aber dann mir hinterhergerufen, ob ich nicht evtl was vergessen hätte --> mein Täschchen mit dem nassen Badeanzug und dem Duschzeug drin. Besser hätte ich das Anfreunden gar nicht planen können!
b) Ich bin heute statt Mittagspause zu einer deutschen Postfiliale gefahren, um das Paket mit der gekidnappten Regenjacke und der EntschuldigungsOvi-Riegelpackung per Express an die Besitzerin zurückzuschicken. Vor dem Kiosk war ich total verplant, wo man jetzt sein Rad wie abstellen kann / soll und habe es irgendwie abgestellt. Dabei habe ich einen anderen Radler eingeparkt, der rauskam, als ich noch am Zeug sortieren war. Er schaute mich mit hochgezogenen Augenbrauen an und meinte: "Das ist jetzt aber wirklich suboptimal geparkt". Ich schaute mir die Situation an und konnte nur antworten: "Ja, ok, das kann ich jetzt halt nur uneingeschränkt bestätigen. Sorry." und dann hat er gelacht und gemeint: "Ich komm schon raus".
c) Nach dem Abliefern habe ich mir einen Falafelyufka gegönnt statt Kantinenessen, weil schon spät, sehr hungrig und halt auch seltene Gelegenheit. Für Sie Grossstadtleute (oder auch Leute, die nicht ine einem vollversorgten Campus mit drölfzig fancy Essensmöglichkeiten arbeiten, den man eigentelich NIE verlassen müsste, ausser man möchte ein Expresspäckchen nach D schicken) ist eine Dönerbude natürlich nix besonderes, aber für mich ist das eine seltene Gelegenheit. Das badische Dorf ist in der Hinsicht tatsächlich ok ausgestattet (hatte kurz Sorge, weil eine der zwei Dönerbuden, von denen ich dachte zu wissen, heisst jetzt "Die Wurstbude" und abgesehen davon, dass ich keine Lust auf Wurst hatte, habe ich irgendwie den Verdacht, dass etwas, das "Die Wurstbude" heisst, keine vegetarischen Optionen anbietet. Aber "Star Express Imbiss" hat geliefert. Jetzt aber: ich sah beim Anradeln, dass die vor Ort Essensmöglichkeit nicht einladend aussah, nämlich: Tische direkt an der Strasse und 3 der 5 von reinen Männergruppen besetzt und ich hatte keine Lust auf die erwartete Interaktion oder Blicke oder whatever. Ich sah keinen Radparkplatz, eine Einfahrt für einen Autoparkplatz hinter dem Haus, hatte aber keine Lust, da jetzt ewig reinzufahren, also stellte ich mein Rad für nur kurz Döner holen auf dem Gehweg ab. Als ich abgesperrt und mein Zeug verstaut hatte, meinte einer der Männer nach kurzer Beratung mit seinen Kollegen "Tschulligung, ich glaube, Sie sollten das Velo ein bisschen weiter hinterschieben, da fahren dauernd Autos rein und raus und es wäre wirklich schade, wenn das schöne, teure Rad umgefahren wird." Ich sah, wie doof ich stand, bedankte mich für den Hinweis und das nicht zuschauen, wie mein Rad überfahren wird, ruckelte es zurück und holte mir dann meinen Yufka und radelte bis zu einer Bank im Schatten am Rhein, ich hatte immer noch keine Lust auf mehr Interaktion mit all den schwitzenden Männern.
Für den Nachmittag hatte ich (bisschen schade, aber halt realistisch) die Produktionsbesichtigung abgesagt, weil ich so viel Zeug zu tun habe UND noch dringende Meetings für mein dringendes neues Produkt hatte (und für eins der "alten"). Bin dafür aber gut vorangekommen, das ist auch was.
Sehr skurril: es türmten sich überall andauernd dunkle Wolken auf, geregnet hat es aber nie, dafür hat es aber erstaunlich abgekühlt draussen. (Auf 30 Grad oder so, lol).
Gestern übrigens noch einen sehr skurrilen Moment erlebt: Wir arbeiten ja in einem Open Office, d.h. es gibt keine zugeteilten Büros und die normalen Arbeitsplätze sind alle auf einem grossen Floor, ohne Wände. Für Meetings gibt es ... Meetingräume, für konzentriertes Arbeiten oder kleine Kollaborationen an einem grossen Screen gibt es kleine Räume. Alle haben Glaswände, für Privacy kann man halbtransparente Vorhänge zuziehen. Aktuell haben wir all die Sommerferienaushilfen und Unmengen Praktikanten da, ich habe keine Ahnung, was die alle machen und wer die sind, es sind sehr viele "Kinder" da, die sehr viele Arbeitsplätze besetzen. Anyway. Gestern kam ein Kollege an und meinte: "Komm, ich muss dir was zeigen, ich brauch deinen Rat." und zog mich zu einem der Glaskabäuschen. Dort drin sass ein Mädchen, keine Ahnung, vermutlich PRaktikantin oder Sommerferienaushilfe, ich kenne sie auf jeden Fall nicht. Sie sass an einem Schreibtisch, lag mit dem Oberkörper über dem Tisch, Kopf weg von der Tür gedreht und bewegte sich nicht. Wir standen also da und guckten rein. Der Kollege meinte "Ich hab schon geschaut, sie atmet noch". Wir waren uns dann sehr einig: wir können nicht die Leute sein, die stundenlang neben jemandem gearbeitet haben, der wegen irgendwas kollabiert ist und in einem Glaskasten gestorben. Wir haben also vorsichtig die Tür geöffnet, sie angetippt, sie ist hochgeschossen, wir haben gefragt, ob alles ok ist, ob ihr schlecht ist, ob wir ihr Wasser oder einen Snack bringen sollen, sie meinte "nein, nein, alles ok" und wir gingen bedröppelt wieder. Tja. Habe mich bisschen geärgert, dass ich ihr nicht gesagt habe, dass es zum Ausruhen und Schlafen (ausgestempelt) andere und bessere Möglichkeiten gibt, als einen der raren Schreibtische zu besetzen... Oder sich halt einfach mal zusammenzureissen und einen KAffee zu trinken oder einmal im Kreis zu laufen, wenn man es nicht schafft, die Augen 8h offen zu halten...
So. Jetzt Feierabend!

















































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