Montag, Juni 11, 2018

Limbo

Nix halbes und nix ganzes heute.
Ich habe nach der ansstrengenden Woche incl Wochenende in Italien und der Aussicht auf eine nicht minder, wenn auch anders anstrengende neue Woche beschlossen, heute von daheim aus zu arbeiten.
Morgens haben der Hübsche und ich dann erst mal Q. zum Bahnhof gebracht, der mit seiner Klasse für eine Woche in einen Nachbarkanton ins Abschlusslager der Primarschule fährt. Er ist so unendlich vorfreudig und begeistert, das ist wirklich wundervoll zu sehen.
L. vermisst ihn.... schrecklich. Er hat sich auf dem Weg zur Schule innig von ihm verabschiedet, beim Heimkommen als erstes gemeint "Was Q. wohl gerade macht?" und am Nachmittag auf einmall "Hö, hat Q. nicht langsam nachmittags aus? Ach, stimmt, der ist ja weg :-/". Auch das ist schön zu sehen!
Morgens hatte ich Gesellschaft von zwei wilden Katzen und zwei nicht wilden Parkettverlegern (Der Umbau wird so viel toller als gedacht! Heute kam die erste Teilrechnung und klar ist das ein Batzen Geld, aber holy moly, das ist es erstens allemal wert und zweitens bin ich so froh, dass wir auf die Empfehlung von Nachbarn gehört haben und "ihre" Architekten beauftragt haben. Projektmanagement und Handwerkerauswahl deluxe!)


Am Nachmittag teilte ich mir mit einem unglaublich konzentriert bügelperlenden Little L. den Küchentisch. Ich packte mein Krankenhausköfferchen (naja für zweimal übernachten braucht man ja nicht soooooo viel), und ja, ein bisschen mulmig ist mir schon. Ich habe einen Heidenrespekt davor, eben auf der Bruststation zu sein und (das ist ein bisschen doof, aber mei, so fühlt es sich halt an) wegen "Nur harmloser Nupsi" mich vielleicht zu viel anzustellen und Schiss zu haben, wo die anderen Frauen, die dort sind, wegen viel Schlimmerem dort sind und viel mehr Recht auf Angst und Sorge haben. Ich habe Schiss vor der Narkose, und zwar nicht davor, dass ich nicht wieder aufwachen könnte, sondern genau vor dem Moment, wenn ich merke, dass ich die Kontrolle verliere. Das ist mein Kryptonit. Ach ja. Und das Aufwachen, wenn mir dann wieder schlecht wird. Vor den Schmerzen habe ich keine Angst, da bin ich ganz gut im Aushalten (oder Schmerzmittel verlangen und nehmen), vor dem Verband/Pflaster abmachen und dann schwummrig warden, weil gruslig schon eher. Alles in allem: wird schon. Richtig Panik habe ich keine, aber ich habe ja noch ein bisschen Zeit zum Reinsteigern. (Bittedanke keine "Mach dich darauf gefasst, dass ...." oder "So schlimm wird das nicht" oder "Narkose ist doch voll super, genies es " oder "Denk auf jeden Fall dran, dass ..."- Ratschläge und so, ich habe mich eigentlich ganz gut im Griff und möchte dem Ganzen nicht mehr Raum geben, als es verdient.)


Nachdem es den ganzen Nachmittag in Strömen geregnet hat, habe ich L. ausnahmsweise mit dem Auto zum Geräteturnen gebracht, dafür habe ich ihm zum Abholen dann das Trotti mitgenommen, bzw. bin selber (nach einer Runde Crosstrainern frisch geduscht, ungeschminkt, ungestyled in Schlabber-T-Shirt und abgeschnittener Jeans) auf seinem Funkentrotti (das beste Geburtstagsgeschenk, das ich je gemacht habe) ins Dorf runter gefahren. Klar, dass man in so einem Aufzug dann jemand begegnet, von dem man gern hätte, dass er einen für seriös hält, in diesem Fall L.s Klassenlehrerin. Auf einem Roller mit mehrfarbig leuchtenden Rädern, der beim Bremsen (und es geht ins Dorf wirklich recht steil runter) Funken sprüht kann man sich natürlich auch nicht unauffällig vorbeimogeln und so verdiente ich mir ein paar Erwachsenenpunkte, in dem im im Flodder-Style leuchtend und funkend neben ihr herlief und wir uns unterhielten, als ware das ein ganz normaler Aufzug.


Zum Nachtisch nach dem Abendessen hatte ich übrigens den Plan, mit der gesammelten Ernte des sich bei uns im Garten irgendwie selber angepflanzten Johannisbeerstrauchs ein Crumble a la Frau Mutti zu machen. Tja. Anscheinend wirkte der Busch viel .... ertragreicher oder ich bin einfach super schlecht im Schätzen, auf jeden Fall waren es so wenig Beeren, dass ich noch eine ganze Mango und einen ganzen Apfel brauchte, um auch nur ansatzweise auf die angegebene Obstmenge von 500g zu kommen. Tja nun. Trotzdem lecker!


Stresslevedurchschnitt gestern: 42
Selbstbeweihräucherung: mich nicht verrückt gemacht.

Sonntag, Juni 10, 2018

Sunny

Gestern hatten wir dann einen tollen gemütlichen Nachmittag mit einem bisschen doofen (aber: auf hohem Niveau doof) Ende. Der Hübsche und ich hatten nämlich beschlossen, gemeinsam das nun aber wirklich endgültige Finale von "Sense8" anzuschauen. Tja. Während ich von der ersten Staffel total begeistert war und böse auf die Leute, die monierten, dass Netflix sich von Publikumsinteressen (ISLAND! DIVERSITY! Political correctness! Sex! Violence! Frauen in starken Rollen! Diversity! Transhelden/innen! homosexuelle HeldInnen! Nerds! Berlin!) und weniger von .... durchdachter und überhaupt Story leiten liess, habe ich nach einer der zweieinhalb Stunden dem Hübschen gesagt: "So, ich geh ins Bett, und zwar nicht nur, weil ich seit 5 wach bin, sondern für den Scheiss wäre mir auch hellwach meine Zeit zu schade". Und er meinte nur so: "Endlich. Ich komm mit." Meine Güte, wenn ich mir schöne Menschen in hipper Umgebung mit cooler Musik und ohne Sinn und Verstand und voller Schwurbelschwafel anschauen will, tut's auch eine Cola Light Werbung, die dauert dann wenigstens auch nicht zweieinhalb Stunden. Sehr, sehr schade. Wirklich. Aber uns eine Lehre: wir haben beschlossen, dass uns unsere Zeit für blödes Zeug zu schade ist und wir "Rain" damit grad auch für beendet erklären und mit "Bosch" was solides anfangen (ich lese die Bücher von Michael Connelly, seit er welche schreibt).
Dann:
  • ausschlafen (okay,um 5 hat mir Sansa fast einen Karton Kinderkatzenfutter auf den Kopf geworfen (wir müssen über subtile Zeichen reden), um 7 hat L. sich seinen Kindle geholt, um 8 hat mich Jon in den Zeh gebissen und dann war es eh Zeit für Futter und Kaffee.),
  • gemütlich aufstehen,
  • frühstücken (wir müssen uns dran gewöhnen, dass die Katzen, besonders Jon, nicht wie Dax alles Menschenessen ausser Fisch nicht mit dem A.... anschauen, sondern eher denken: "Boah, cool, die Menschen essen, das muss toll sein, ich probier mal". Nach Müsli, Toast und Pizza hat Jon heute Eier entdeckt und nach einem beherzten Testbiss gerade mal L.s ganzes Frühstücksei abtransportiert.)*
  • Liste machen mit zu erledigenden Dingen
  • mit Q. seine Sachen fürs Lager ab morgen packen (er hat für fünf Tage drei Bücher eingepackt :-)): dank Packliste und optimierter Berechnungsformeln**
  • Wäsche, Wäsche, Wäsche
  • Sonne geniessen (im Planschbecken, auf dem Balkon, auf der Terrasse, beim Wäscheaufhängen, beim Bügelperlenkunstwerkebügeln)
  • Nägel lackieren ("All night long")
  • zum Zvieri die "kinder"-Schweinereien, die ich im Nicht-Handgepäckskoffer aus Italien mitgebracht habe, geniessen
  • Seifenblasen mit dem Riesentchibo-Set machen und dabei viele neue Freunde unter den Nachbarskindern finden***
  • Wie die Weltmeister grillen
  • ein "Happy Birthday"-Telefonat mit Berlin führen
  • ein Telefonat mit recht traurigen Nachrichten mit Bayern führen.
  • ordentlich die Bäder und Küche putzen (während des Umbaus hat die Putzfrau bei uns Pause, es ist so ein Chaos, da bringt das Profi-Putzen nix), weil ich nächste Woche nach der Nupsi-Sache wirklich Pause machen möchte)
  • Bisschen abmessen und Möbel überlegen für oben (das wird so, so, so grossartig!)
Und weil Sie ja sicher alle nur darauf warten: hier gibt es auch noch neue Bilder von den beiden Kindsköpfen im Haus:
















Stressleveldurchschnitt gestern: 51 (tja. Die absoluten Werte sind ... joah, aber die Tendenz passt schon)
Selbstbeweihräucherung: entspannt UND Dinge erledigt.
*Keine Sorge: die Katzen werden hier nicht am Tisch mitessen, niemand muss betonen, dass das ungesund wäre, und ja, Schokolade ist nix für Katzen, und auch kein Mensch wird an irgendeiner abstrusen übertragbaren Katzenseuche erkranken, weil: richtig doof sind wir halt schon nicht.


** Jaja, teile ich natürlich:


Paar Socken, Unterhosen, T-Shirts: je n + m mit n = Anzahl der Reisetage und m = Anzahl der durch die Reise angebrochenen Wochen
Pyjamas: m
Pullis/Kapuzenjacken: m+1
Hosen (lange UND kurze zusammengerechnet:) 0.5n +m


*** Mal ehrlich, Tchibo: so ein Set OHNE Seifenblasenflüssigkeit entweder im Set oder in der selben "Tchibo-Welt" (jajaja, ich kenn mich aus mit der Terminologie) zu verkaufen, ist halt echt beknackt. Ohne Seifenlauge sind Kindertränen und -wutausbrüche praktisch vorprogrammiert, nicht jeder liest wie ich zwanghaft ALLES, was auf der Packung steht, nämlich "Ohne Seifenlauge", aber auch wenn, ist "Mit Rezept für Seifenlauge" schon etwas irreführend, weil dann in der Anleitung eine Seifenlauge aus mehr Zutaten als der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch vorgeschlagen wird, von denen sogar ich mit gewisser Hobbychemikerneigung nur Salz, Zucker und Stärke direkt so daheim habe. "Spülmittel, am besten amerikanisches" als Hauptzutat..... ja danke, nein danke, ich habe nach dem Kauf des Sets direkt 5 Liter Pustefix bei Amazon (Affiliatelink, s. hier) bestellt, das war schneller da als jedes amerikanische Spüli. Und klappt übrigens hervorragend!

Samstag, Juni 09, 2018

Heimkommen

Na, na, na, sind Sie auch alle so neugierig, wie das mit dem Auto lief?


Ein bisschen Geduld noch, der Abend verdient nämlich noch einen kurzen Bericht.
Ich bin ja dann gestern los, was essen. Ich weiss auch nicht genau, warum ich allein in ein Restaurant gehen so seltsam finde. Ein Café, etwas to go oder so, ist überhaupt nicht das Problem, aber schon beim alleine mittagessen gehen in der Kantine sträubt sich bei mir alles.
Ich hatte aber gestern erstens das Gefühl, ein bisschen feiern wollen zu sollen, zum anderen keine Lust auf Pizza oder Burger zum Mitnehmen, noch ein Tag mit Kirschen und Käse ware für meine Verdauung nichts gewesen und gopferdammi, ich bin eine erwachsene Frau, ich werde doch wohl alleine essen gehen können.
Konnte ich dann auch, hat sich vermutlich auch nur für mich komisch angefühlt. Das Essen war sehr lecker (obwohl, ich wollte eigentlich Schinken und Melone zum Start, aber Melone war aus, und ich sags mal so.... die kreative Alternative des Kellners, nämlich Schinken und Mozzarella ist ... ja, halt was anderes.), ich habe meine Tentakel- und Saugnapfaversion durch massive Desensibilisierung im Laufe des Projekts erfolgreich abgebaut und so konnten mich die verschiedenen "Was halt so unten im Netz noch so drin war"-Tiere in den Linguine al scoglio nicht ernsthaft schocken. Wegen Mozzarella statt Melone habe ich sie halt nicht ganz geschafft, aber mei.




Dann. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass "Beach Season Opening" in dem kleinen Städtchen so ein Riesending ist. Es gab Livemusik und Riesenparty am Strand, Luftlinie ca 50m von meinem Fenster weg. Und auch mit Fenster zu hörte sich das an, als stünden sie singend am Fussende.
Egal, ich war so müde, dass ich zu inbrünstigem "Killing me softly" in der Italo-Pop-Version eingeschlafen bin. Irgendwann dann. Um halb vier bin ich hochgeschreckt, vermutlich, weil es auf einmal ruhig war.




Zum Weckerklingeln um fünf warteten dann noch die superguten Analysenresultate der Arbeit auf mich, die ich meinen Kolleginnnen wie versprochen direkt weiterleitete.


Jetzt aber Auto: Sie erinnern sich? Ich hatte am Donnerstag und am Freitag und dem Automann persönlich gesagt, dass ich das Auto wirklich, wirklich, wirklich pünktlich um sechs brauchen würde. Das wurde mir (mitsamt einem Kaffe, btw, lieber Hotelmanager) hoch und heilig versprochen.
Sie sind wahrscheinlich deutlich weniger überrascht als ich, wenn ich Ihnen sage, dass um sechs weder Auto noch Kaffee da waren. (ich natürlich schon. Sogar um viertel vor sechs zum Auschecken, weil das immer so lang geht in einem neuen Hotel, bis der lange "very complicated" Nachname und die "How do you say? German is so difficult" Firmenadresse ins System eingetöckelt sind.
Um sechs rief der Concierge beim Autotyp an, beruhigte mich mit "Cinque minuti, signorina", ich wartete 15 Minuten, bis es dann endlich draussen hupte und der Autotyp mit kleinen Augen auftauchte. Tja, meine Güte, wie gestern schon gesagt: tut mir auch leid, ich hab mir das beknackte System auch nicht ausgedacht.
Mich hat das Ganze meinen dringend nötigen Kaffee gekostet, der eben nicht nur im Hotel nicht zu kriegen war, sondern auch beim Tanken nach ungefähr anderthalb Stunden auf der menschenleeren Autobahn, weil (und ich konnte trotz Unterkoffeinierung herzlich drüber lachen) zwei Busladungen karobehemdter Senioren eine Schlange quer durch den ganzen Tankstellenshop zogen und ich hatte keine 20 Minuten mehr zum Verwarten. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: wenn das Auto um sechs dagewesen ware, wäre ich VOR den Karohemden am Kaffee gewesen!


Dann nochmal kurze Spannung beim Abfahren von der Autobahn an der Mautstation, wo nur eine Spur für nicht-Telepass-Nutzer offen war und da stand ganz vorne ein Lastwagen, der ohne Witz 10 Minuten fluchend versuchte, seine Maut zu bezahlen. Ich war so müde, dass ich mir nicht mal richtig Sorgen machen konnte, wie ich da denn jetzt sonst durchkommen sollte, wenn der vor lauter Wut irgendwann den Automaten kaputtgehauen hätte (ich habe innerlich gehofft, dass der hochgelegene Lastwagen- und der tiefere PKW-Automat unabhängig voneinander funktionieren würden).


Dann relativ unspektakulär Autorückgabe, Kofferaufgeben, Security (mit extra Boardingpasskontrolle und Sprengstoffabstrich, irgendwas ist ja immer), Schüttelkugelkaufen für L., und dann endlich KAFFEE!


Im Flieger dann habe ich eine Mutter mit 2jährigem Sohn sehr glücklich gemacht, als ich ihnen meinen Fensterplatz abgetreten habe. Der kleine Junge war sehr, sehr aufgeregt und sehr sehr niedlich.


20 Minuten verfrüht in Zürich, einen Kaffee mit, Vorschlag der Barrista, als sie meinen sehr verplanten Gesichtsausdruck sah, 3 Extrashots Espresso, 25 Minuten nach Aufsetzen im klimatisierten Zug nach Hause. Und es geht sich sogar noch aus, dass ich meine kleinen Jungs vor der Pfadiübung heute noch drücken kann :-)


Ich darf nur die Haltestelle nicht verschlafen.


Stressleveldurchschnitt gestern 41
Selbstbeweihräucherung: alles gut gemeistert und nicht mal ire nervös geworden.





Freitag, Juni 08, 2018

Hitzeschäden

Also. Das Hotelzimmer. Ich sags mal so: ich bin in einem Fertighaus aufgewachsen, in dem man am einen Ende hören konnte, wenn sich jemand am anderen am Kopf gekratzt hat. Trotzdem hatte ich heute zum einen das Gefühl, dass die Beachparty IN meinem Zimmer stattfand (bis nachts um drei) und die Leute danach in MEINEM Bad geduscht haben (vielleicht war es auch so, ich hab mich nicht getraut, nachzuschauen). Bin als ein büschen müde heute. (Die Stunde meiner Rache kommt. Morgen. Wenn mein Wecker fünf geht und ich duschen werde, bevor ich zum Flughafen fahre).
Das wird eh noch spannend, ich hatte ja gestern von meinem "reservierten" Parkplatz erzählt. Natürlich war heute morgen um 8 das Auto nicht da, der Hotelmanager (wir sind jetzt beste Freunde, er findet, ich habe einen superkomplizierten Nachnamen* und wird mich jetzt bei Vornamen nennen und ich kann ihn wann immer ich irgendwas brauche, auf dem Handy anrufen) musste den Parktyp erst anrufen, der wusste von nix, entschuldigte sich dann wortreich, dass er 10 Minuten zu spate ware, und dann wurde es ein bisschen skurril, weil mein neuer bester Freund auf italienisch erklärte, dass er zur Strafe fürs zu spät kommen morgen schon um sechs hier sein müsste. Der Autotyp meinte: "Haha, sehr witzig, wann jetzt wirklich?" und ja, ein bisschen tut er mir leid, dass er jetzt am Samstag um halb sechs eine Familienkutsche von woher auch immer zum Hotel bringen muss, aber ich habe mir diese Schnapsidee mit der Parkerei ja nicht ausgedacht. Sie hätten mal einfach sagen können: "Wir haben keine Parkplätze, kümmer Dich um einen öffentlichen", das ware mir im Nachhinein fast lieber gewesen.


Arbeit auf der Site: es ist heiss. Unendlich heiss. Es hat ungefähr 35Grad draussen, ich begleite eine Produktion, die in einem geschlossenen unklimatisierten mit Metallplatten verkleidetem Bau stattfindet, in dem zig 15-Kubikmeterkessel geheizt werden, dafür trage ich lange Hosen, Sicherheitsschuhe, immerhin ein T-Shirt, aber darüber dann einen Plastiklabormantel, Helm mit Haarnetz und Schutzbrille. Nach zwei Stunden Temperaturentwicklung an einem 70°C heissen Kessel fühle ich mich nur noch wie ein kleines Pfützchen.** Wie eigentlich immer, wenn ich besonders im Sommer in der Produktion wo auch immer bin, erfasst mich tiefster Respekt vor den Mitarbeitern, deren täglicher Job das ist. Nicht nur das Rumstehen und in dn Kessel gucken, ob es immer noch nach Espresso oder schon nach Cappuccino aussieht (Cappuccino ist gut.) oder die Temperaturanzeigen anglotzen und drauf hoffen, dass sie erst sinkt, dann steigt, aber nicht zu weit, dann wieder sinkt, sondern eben in Vollschutz mit Gasmaske tonnenweise Rohstoffe zu laden, Fässer zu transportieren, Vorlagen zu holen, befüllen, anschliessen etc....


Auf dem Rückweg ins Büro kommen wir am zweiten Batch vorbei, der schon läuft und gerade im, wie wir ihn nennen, "Superdistillator" rührt. Und weil ich nicht allein damit sein möchte, teile ich hiermit die beiden Ohrwürmer, die ich seitdem heute habe: Ventilatorrrr und Superperforator. Habe ich erwähnt, dass es heiss ist?


Auf einmal müssen dann alle weg, weil heute letzter Schultag ist (bis SEPTEMBER!!!!) und die Schulkantine schon die letzten zwei Schulwochen zugemacht hat und sie eben ihre Kinder abholen müssen. Während ich mir so überlege, dass ich zwar schon hungrig bin, aber nicht so, dass ich ganz alleine in eine der Truckerkneipen in dem Industriegebiet hier gehen möchte, weil die da alle nur italienisch redden und das kann ich zwar auf technisch, aber nicht so sehr auf Essen ohne Speisekarte und jenseits von Pasta/Pizza, weil die da alle total abgefahrenes Seafood essen und am Ende bestelle ich 40 kg rohe lebendige Fische, also, während ich das so überlege, bringt man mir zwei Platten Sandwiches, Wasser, Cola und Kaffee und ich bin versorgt.


Ich chatte mit den nervösen Kolleginnen zu Hause, dass wir in der Cappuccino-Phase angekommen sind, arbeite ein paar Mails ab, bis ich für den nächsten spannenden Moment in der Anlage abgeholt werde. Next level Globalisierung übrigens: weil alle meine Kontakte, die gut englisch sprechen eben Kinder abholen sind, bin ich mit den Schichtmitarbeitern, die nur italienisch sprechen und einem Supportmitarbeiter, der so gut englisch spricht, wie ich italienisch, zusammen unterwegs. Es klappt trotzdem erstaunlich gut, den skeptischen Mitarbeitern zu erklären, dass die seltsamen Anweisungen im Master Batch Record genau so gemeint sind, wie sie dastehen, ein Hoch auf passive Wortschatz, review von abertausenden Seiten italienischer Dokumente, grosses Latinum, Hände, Füsse, Diagrammzeichnen, bunte Textmarker und überzeugendes Lachen.




Irgendwann sind alle wieder da (Kinderkrippe/Hort heisst auf Italienisch "Babyparking"), es wird diskutiert, geschwitzt, geplant, irgendwann geht einer nach dem anderen heim, ich erfahre, dass das Muster erst um acht gezogen wird und so lange möchte ich nicht mehr warten. Ich verabschiede mich, bin um halb sieben auf dem Heimweg, erstelle im Hotelzimmer noch einen Teilprojektplan mit drei Optionen, den wir am Montag alle zusammen diskutieren müssen, um 20:00h bin ich fertig, hatte bis auf zwei Sandwiches zu Mittag und einem Kaffeedrops in der Schaltwarte NIX zu essen, bin verschwitzt und müde und denke ziemlich wütend an den Kollegen, der mir immer "Lustreisen an den Strand" unterstellt und vermutlich schon seit 4 Stunden im Wochenende DAHEIM ist.


Und weil draussen Strandonzert ist und ich eh nicht schlafen kann, vor allem auch vor lauter Hunger, gehe ich jetzt total allein was essen. Lecker. In einem Restaurant.


Sonst so: ich habs ja sonst nicht soooooo sehr mit "Mit fremden Autos in fremden Ländern, dann auch noch in Städten und kleinen Gassen und da, wo sich keiner an Regeln halt"-Autofahren und bin froh, wenn ich dann Beifahrer spielen kann. Geht halt jetzt hier nicht und was soll ich sagen? Ich musste heute nochmal schnell zurück ins Hotel, weil ich mein Laptopladekabel vergessen hatte, glaubte dem Navi nicht, das mich wieder mitten durch die Stadt schicken wollte, merkte dann, dass die Umfahrung nur in eine Richtung geht, weil die letzten Meter kurz vor dem Hotel dann Einbahnstrasse sind, musste durch noch viel kleinere Gassen,  die steile Hotelabfahrt war total zugeparkt und tadaaaaa, ich bin nicht mal ins Schwitzen gekommen (okay, doch, aber das ist halt wegen der krassen Temperaturen), ich habe sogar zwei Leuten aus Versehen die Vorfahrt genommen, einmal weil ich dachte: "Ach, das geht schon, wenn ich richtig Gas gebe" und dann ..... Familienkombi, und einmal, weil .... weiss nicht mehr. Beim Heimfahren war die Einfahrt dann noch zugeparkter und es kam Gegenverkehr und zwar ein italienischer Beau wie aus dem Bilderbuch mit einem Riesenauto und Riesenego, der viel fuchtelte und viel hupte. Ich bin dann ausgestiegen, was ihn zu noch mehr Hupen veranlasst hat, habe ihm freundlich erklärt, dass es jetzt halt blöd ist und ich eigentlich genau da hin möchte, wo er jetzt ist und er könnte doch 5 m zurückfahren, dann könnte ich an ihm vorbei. Er war überrascht von meinem Nichthupen und -gestikulieren, aber zurückfahren würde er trotzdem nicht, weil da dürfe ich ja nicht parken. Ich habe freundlich gelächelt, mir gedacht "Du auch nicht, du Schlaubischlumpf, aber was solls", bin wieder eingestiegen und rückwärts die steile Serpentinenstrasse wieder raufgefahren, damit der Typ und sein Ego vorbeikommen. Und dann hatte ich die Nase voll und habe das Auto mehr oder weniger quer vor die Hoteltür gestellt und gesagt: "So, macht was draus, ich finde keinen besseren Parkplatz".


Ich trau mich allerdings erst raus, wenn das Auto weg ist, weil das rückwärts Hochfahren ist ganz schön scheisse und der Autotyp ist eh noch schockiert wegen morgen früh....


Stressleveldurchschnitt gestern: 41
Selbstbeweihräucherung: Arbeiten und autofahren auf italienisch. Ich bin tatsächlich ernsthaft stolz auf mich.






* Da kann er eine Nummer ziehen.
** Natürlich darf man im Produktionsbereich nichts essen und trinken und natürlich darf ich als Nicht-Firmenangehörige nicht allein übers Gelände strawanzen, dh wann immer ich einen Schluck Wasser möchte oder aufs Klo oder was auch immer, muss jemand anders mit mir mitlaufen, und das ist halt auch ein bisschen umständlich. 

Donnerstag, Juni 07, 2018

Ois isi

Noch einmal stürmt, noch einmal kämpft... naja, ein bisschen so fühlt es sich an, SCHON WIEDER nach Italien zu reisen. Aber: wenn alles glatt geht (hahaha, as if), dann war das das letzte Mal vor der ultimativ krassen Beachparty zum Projektabschluss (nicht, dass die woanders als in meinem Kopf bisher geplant wäre).


Zugfahrt durchs Rheintal. Es sieht kalt aus, hatte aber eher so Waschküchentemperaturen
Weil heute Donnerstag und Sommer ist, ging es nicht nach Bari oder Rom, und weil ich ein Schisser bin, auch nicht nach Neapel (das ware eine NUR landstrassenstrecke, 300km mutterseelenallein im Nirgendwo), sondern halt nach Brindisi.
Es scheint drei Gruppen von Brindisi-Reisenden zu dieser Jahreszeit zu geben: Bildungsreisen für Senioren, da ist der feste Dresscode eine freche Kombination aus Wanderschuhen, Karohemden/-blusen, gern kurzarm und fresh gemusterten Sakkos, "Trainingslager" oder Saisonabschlussbesäufnisreise für Sportvereine (vulgo: Mittzwanziger, Frauen nicht mitgemeint, Dresscode: kurze Trainingshosen, manchmal T-Shirt, Adiletten, morgens um 10 schon ordentlich vorgeglüht und am Gate nur in der Horizontalen ausgestreckt über 4 Sitzplätze zu finden) und Eltern mit noch nicht schulpflichtigen Kindern. Und mich.
Während ich am Gate inmitten einer italienischen Gruppe der zweiten Art gelandet war (sie wussten nicht, WIE lang ich schon mit dem Italienprojekt zu tun habe und dass ich sie sehr wohl verstehe....) und da mein "resting bitch face" üben konnte, sass ich dann auf dem Flug zwischen zwei Vertretern der ersten Gruppe, die dann lernen mussten, dass auch ein "schmales Meitli" gern ein bisschen Platz auf der Armlehne oder wenigstens schon keinen haarigen schwitzigen Männerarm (wir erinnern uns: Kurzarmkarohemden!) an meinem nicht so haarigen, nicht schwitzigen Frauenarm AUF MEINER SEITE von der Armlehne dran haben möchte.
Beim Aussteigen dann lernte ich, dass man sich durchaus übel beschimpfen und bepöbeln kann, wenn es darum geht, ob jetzt die Leute links oder rechts des Ganges zuerst aussteigen dürfen. Und dass es ganz wichtig ist, den Platz in den ersten drei Reihen ums Kofferkarussell auf gar keinen Fall aufzugeben oder auch nur ein Stückchen zur Seite zu gehen, wenn da jemand sich eben keinen guten Platz gesichert hat, weil er (also: ich) erstmal aufs Klo musste, dann sind die guten Plätze halt weg, und wenn dein Koffer der einzige ist, der auf dem Band die Runden dreht, dann hast Du halt Pech gehabt, weil die Karohemden united rücken kein Stück (also, nicht, wenn man "Exgüsi, tschuldigung, scusi, dörf ich amol, may I?" sagt. "BUH!" hilft aber.).
Meine Güte, was für ein Verein, hey!


Brindisi ist übrigens, für den Fall, dass Sie das nicht wussten, unglaublich heiss. Und die Autovermietung ist NICHT gut ausgeschildert. Macht aber nix, die Karohemden wurden alle von einem Bus abgeholt, die Trainerhosenträger mussten erstmal neues Bier holen und die Familien hatten nicht da die Autos reserviert, wo unsere Reisezentrale das gemacht hat. Hätten sie übrigens mal machen sollen, ich habe nämlich eine Riesenfamilienkutsche bekommen. Da weigert man sich trotz Kindern (ja, Mehrzahl), einen Minivan oder Kombi zu kaufen, aber kaum fährt man mal allein auf Geschäftsreise, sitzt man in einem silbergrauen Dieselkombi (die Male, wo wir zu mehreren ein Auto geteilt haben, waren das immer irgendwelche winzigen Hüpfer, aber heute, da hätte ich noch ca 5 Karohemden mitnehmen können)
320 km allein die Küste rauffahren ist übrigens genauso langweilig, wie man sich das vorstellt. Zwei spannende Momente gab es:
1. der, wo ich mir nach ca 50km dachte: "Hm, ich habe gar kein Mautbillet gezogen?! Was mach ich denn jetzt, wenn ich von der Autobahn runtermuss?", bis ich dann merkte, dass die Strecke von Brindisi nach Bari gar keine Autobahn ist (also: sagen wir mal so: vong Belag her ist sie eher besserer Feldweg, aber das heist ja per se noch nix), und man erst in Bari ein Biglietto zieht
2. wo ich mir dachte: "Hm, wo sehe ich denn jetzt eigentlich, wieviel Benzin ich noch habe?" und dann wild rumschaltete und den Tacho auf Mph umstellte und alles war kompliziert.
Und im allgemeinen nach über einem Jahr Elektroauto: "Häh, wieso kann ich das Auto nicht starten? Ach ja. Kupplung. Hä, wieso fährt der so lahm? Ach ja, raufschalten. Häh, wieso beschleunigt der so wenig? Ach. Ja. Wieso fährt der dem andern so dicht drauf? Brems, brems, oh, das muss ich ja selber machen. Upsi. Häh, warum klingt der jetzt so komisch und fährt ruckelig? Ach ja, runterschalten."


Kaffee- und Eispause in der Mitte von Nirgendwo, Check mit den italienischen Partnern: heute brauch ich nicht mehr vorbeikommen, es reicht morgen früh. Auch recht, ich bin langsam platt.


Pornokarre auf menschenleerem Parkplatz. Die Autostrada Adriatica ist die leerste Autobahn Italiens


Mein Standardhotel war ja voll, deswegen bin ich in einem anderen, NOCH näher am Strand und an der Burg. Das Navi lotst mich deshalb auch direkt durch die schmalsten Gassen der Altstadt anstatt über die Umfahrung, aber die Familienkutsche und ich regeln das wie Profis.


Der skurrilste Moment des Tages kommt aber erst noch: ich habe über die Reisezentrale einen Platz in der Tiefgarage reservieren lassen und bestätigt bekommen. Als ich also die superschmale, supersteile Gasse zum Hotel runterfahre und wie wild Ausschau nach einer Garageneinfahrt halte, .... steh ich auf einmal mitten auf einem Platz und "Durchfahrt verboten, ab hier Fussgängerzone" kann ich auch auf italienisch verstehen. Ich stelle das Auto also inmitten von selfie-schiessenden Touristen ab, sause zur Rezeption, checke ein und frage, wo denn der Eingang zur Tiefgarage wäre, eben, wegen Auto. Die Rezeptionsfrau schaut mich an und meint "Tiefgarage? Haben wir nicht. Wir sind hier direkt am Strand auf Meereslevel." Ich bin ganz undeutsch (ich trage ja auch kein Karohemd) und frage ganz freundlich, wo das Auto dann hinsoll. Die Antwort "Wann brauchen Sie es denn morgen?" verwirrt mich etwas, aber es sieht jetzt so aus, dass ich den Schlüssel da gelassen habe, irgendjemand parkt das Auto irgendwo und bringt es (hoffentlich) morgen früh um acht wieder zurück. Das wird eine tolle Übung für Samstag, da muss ich nämlich nicht erst um acht, sondern schon um sechs Uhr morgens los.


Das Zimmer hat Meerblick, ist aber so winzig, dass ich nicht mal meinen Koffer aufmachen kann. Ich brauche Bewegung und drehe eine Runde durchs Städtchen (es zieht ein Gewitter auf und die ersten Tropfen fallen, deshalb kein Schwumm im Meer), kaufe ein paar mehr Farben meiner Zweitlieblings-Eyeliner in der lokalen Kiko-Filiale (am liebsten mag ich die flüssigen Eyeliner von Urban Decay und den Tattoo-Liner von Kat von D., aber die von Kiko sind eine sehr bezahlbare Alternative) und im Sephora nach Preisvergleich im Schweizer Sephora, im Schweizer Duty Free am Flughafen den Brauenhighlighterstift (in schimmer natürlich) und das hellste Brauchengel von Benefits.
Mir ist nach den ganzen Karohemden und ganz viel Interaktion morgen dann überhaupt nicht nach Essengehen, ich habe aber extremen Jieper auf Obst. Ich kaufe also ein Pfund Kirschen und ein Kilo Nektarinen und damit ich nicht totale Bauchschmerzen bekomme, noch ein Stück Käse und (furztrockene, aber das wusste ich nicht) neutrale Teigkringel und, weil ich ja immer nicht gescheit schlafen kann, noch ein Bier. Der Supermarkt war zu klein, um den alten Trick, den Frau Mutti und ich ja gern bei,.... wie hiess das Ding am Bahnhof Zoo? gemacht haben, nämlich als erstes Sekt zu den TK-Pizzen stellen, dann den Rest einkaufen, bis man fertig ist, ist der Sekt kalt, durchzuziehen; ich setze grosse Hoffnungen in die Minibar, aber ... die ist halt genauso lauwarm wie das Zimmer. Mein zweiter Plan, es wenigstens in einem Waschbecken voll kaltem Wasser abzukühlen, geht auch nicht auf, der Stöpsel ist nämlich kaputt. Tja nun, kälter als die Luft ist es allemal und warmes Bier soll ja total bekömmlich sein.
Ich dusche also, beantworte im Pyjama die Mails, die sich den Tag über angesammelt haben und esse dann auf dem Balkon mit Meerblick total ausgewogen zu Abend.


Das Bier stand da noch in der lauwarmen Minibar.
Jetzt aber ab ins Bett, ich bin mal sehr gespannt, ob ich die Familienkutsche morgen wiederbekomme.


Stressleveldurchschnitt gestern:
Selbstbeweihräucherung: like a native total dynamisch mit dem Fiat mit italienischem Kennzeichen durch die Altstadtgässchen gecruist.




Mittwoch, Juni 06, 2018

Und weiter

Müde, müde, müde, weil erstens gestern abend, als wir gerade beschlossen, dass es jetzt aber wirklich Zeit fürs Bett ware, die beiden Katzenkindern sich anscheinend verabredet hatten: "So, jetzt trauen wir uns, die scheinen nett, wir setzen uns jetzt auf die drauf und schnurren". Und so hatte jeder ein schnurrendes, tretelndes Katzenkind auf dem Schoss und hm, da kann man natürlich auch nicht aufstehen.
Als wir dann endlich im Bett lagen, wachte Q. auf, konnte wegen heiss und Weltschmerz nicht mehr einschlafen, war geknickt, dass wir Eltern bei ungefähr 13987 Grad im Schlafzimmer keinen 12jährigen zusätzlich bei uns im Bett haben wollten. L. schlief allerdings tief und fest und konnte sich nicht wehren, als sein Bruder auf der Suche nach menschlicher Gesellschaft zu ihm ins breite Bett Kroch (und ihn trotz 183765 Grad im Kinderzimmer immer wieder fürsorglich zudeckte.).


Heute morgen dann die Erkenntnis: Jon trinkt nicht nur Wasser aus rumstehenden Gläsern, beisst vom Toast ab, schleppt Pizzaecken vom Tisch, nein, er frisst auch Müsli (mit Joghurt und Nektarinen). Und er teilt sein (hahaha, meins!) Essen nicht, sondern fängt dann an zu knurren. Vielleicht hätten wir ihn Joey nennen sollen.


Radln zur Arbeit in unglaublich feuchtschwüler Luft ist zwar morgens noch okayish und ich mag das am Wasser entlangradeln sehr, aber zusammen mit meiner sommerlichen Aversion gegen Essen und der Neigung zum Zusammenklappen wegen Unterzucker ist das dann halt doch eher nur so mittel.


Bei der Arbeit dann schon die Bestätigung für diesmal ein anderes Hotel, einchecken, Unterlagen zusammensammeln (meine Sicherheitsschuhe und die Brille habe ich gestern schon auf dem Rad mit heimgenommen), Termine und Meetings so schieben und anpassen, dass sie zu Italientrip und Nupsi-Abwesenheit passen, Mittagessen incl Verdauungsspaziergang am Rhein entlang (ich bin immer noch so müde) mit den ehemaligen Bürokollegen, dann flattert die Unwetterwarnung der Notfallzentrale für ab heute nachmittag rein. Hm. Seit dem einmal 18km im Sturzregen und Gewitter mit Hagel heimradeln bin ich kein so grosser Fan mehr von "Ich fahr bei jedem Wetter mit dem Rad", aber das Regenradar sagt: nix bis ungefähr 22:00h, sollte also okay sein.


Um halb drei packe ich meine Habseligkeiten zusammen und radle einmal quer durch die Stadt, um mit den Teamkolleginnen noch schnell den Italientrip und den anderen Teamkolleginnen noch schnell eine wichtige Präsentation für nächste Woche zu besprechen. Das war bisher alles immer sehr formalisiert, das ist es immer noch, aber neu und angeblich viel effizienter. Anstatt ein Slidedeck zu präsentieren, schickt man das vorab an die Meetingteilnehmer, die haben eine Woche, Fragen zu stellen, die beantwortet man dann und im Meeting präsentiert man dann.... speziell zu den Fragen. Hm. Wir werden sehen, wie das so funktioniert.
Die Quality-Kollegin, die letzte Woche in Italien war, hat uns jedem einen halben Käse mitgebracht.
Als ich um vier nochmal das Regenradar checke, sagt es: "Gewitter ab praktisch sofort". Weil ich ja dann doch nicht so ultrakonsequent bin und das Rad an diesem Standort für anderthalb Wochen wirklich blöd stände, beisse ich wegen Unterzucker ein grosses Stück vom Käse ab, schwinge mich aufs Rad und rase los. Die Gewitterwolken sehen jetzt nicht sooooo bedrohlich aus. Nach ca 3km fallen die erste Tropfen, ich packe die Radtasche in die Regenhülle und rase weiter. Es kommt nix mehr runter, ich bin die 18km in neuer persönlicher Bestzeit zu Hause und spüre die heute geradelten ca 35km dann doch in den Beinen (und im Po. Wobei ich da auch die 50km von gestern und vorgestern spüre).
Daheim dann: Französischtest und Englischtest von Q. begutachten, mit ihm besprechen, ob nach demWeltschmerzanfall wieder alles ok ist, ihn zum Religionsabschlusstermin verabschieden, mit L. für den Deutschtest üben, mit den Katzen toben, Wäsche abhängen und zusammenlegen, neue waschen (das Radln sorgt für extra Wäsche), für den Italientrip die, na gut, den Koffer packen. Mal sehen, ob ich es diesmal vielleicht endlich mal in einen Supermarkt schaffe und ein paar Leckereien mitnehmen kann.


Dann heisst es auch schon für den Rest der Familie: ab ins Dorf, gemeinsam den Abschluss des 6.-Klassreligionsunterrichts feiern. Ich bin wirklich, wirklich müde. Mir stecken Radeln und kein Schlaf und Schwüle in den Knochen. So ein bisschen freue ich mich auf den Reisetag (erstmals ganz allein, ich hatte sonst immer entweder meine Teamkolleginnen, die irischen Kollegen oder letztes Mal einen Ingenieur zur Unterstützung dabei), an dem ich mit NIEMANDEM redden muss und einfach nur in mein Buch oder vor mich hinstarren kann. Vielleicht hüpfe ich am Abend sogar noch ins Meer (oh, ich muss Bikini einpacken!)




Stressleveldurchschnitt gestern: 37
Selbstbeweihräucherung: echt schnell geradelt

Dienstag, Juni 05, 2018

WMDEDGT 06/18





You know the drill, right? Es ist der 5., d.h. es heisst wieder "WMDEDGT?"
 
Mittlerweile wissen ja alle, wie es läuft, oder? Wir schreiben heute alle auf, was wir den ganzen Tag so machen und abends verlinken wir uns hier durch Klick auf die Schaltfläche, die sich abends freischaltet, und zack: man kann bei den anderen schauen, was da so los war. (Und: WMDEDGT? heisst: "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?" und hat vor über fünf Jahren seinen Anfang genommen in einer Tagbuchblog-Woche und seit April 2013, also seit GENAU FÜNF JAHREN!!!! gibt es das jeden Monat am 5. und es ist KEINE BLOGPARADE!)
 


Allgemeines:
  • Die Linkliste schaltet sich um 18:00h frei.
  • Und, finden Sie es kleinlich oder nicht, das Ganze hat seinen Anfang im Tagebuchbloggen gemacht und ich möchte, dass es auch so bleibt. Ich behalte mir deshalb vor, Links auf Posts, die halt heute geschrieben wurden, aber keine Tagebuchblogsposts sind, von der Liste zu löschen.
  • Ich fand ausserdem die gemischte Linkliste letztes Mal sehr nett (es hat sich auch keiner beschwert, auf jeden Fall nicht bei mir oder so, dass ich es mitbekommen hätte), also bleibt das jetzt so, diesmal probiere ich noch eine andere Sortierung, Sie dürfen gespannt sein, wie ich die Links diesmal sortieren lasse :-)
  • Nachtrag: die Linkliste schaltet sich wirklich automatisch frei. Da kann jeder, seinen Link selber eintragen, indem er auf dieses Feld (das ab 18:00h hier ganz unten dann erscheint) klickt:
  • Tut mir leid, falls das nicht ganz klar war, ich mache das jetzt schon so lang, da ist es einfach ein Automatismus geworden, und ich kam gar nicht auf die Idee, dass man das nicht wissen könnte. Es ist aber wirklich ganz einfach und nur so kommen Sie auf die Linkliste.  Bei sich einen Link auf diesen Post zu setzen, hier den Link in die Kommentare zu setzen oder mir den Link zu mailen, hilft dafür leider nicht.
  • Die Liste wird immer länger, wahrscheinlich liegt es daran, dass ich immer älter werde und mein inneres Fräulein Rottenmeier immer stärker durchkommt: in meinen Augen ist es einerseits eine Frage der Höflichkeit, im verlinkten Blogpost auf die Aktion zu verweisen, sei es durch einen Link oder den Hashtag (am gescheitesten halt schon mit Link), und zwar nicht, weil ich da dann so unglaublich viele Klicks und Besucher hierher locke, das ist mir ja ehrlich gesagt wurscht), sondern, weil: andererseits das Ganze ja als Gemeinschaftsaktion entstanden und gedacht ist und das funktioniert halt nur, wenn man die anderen #wmdedgt-ler auch finden kann und das klappt nun mal mit einem Link auf den hiesigen Post.
So. Jetzt aber zum eigentlich Wesentlichen: Was habe ich den den ganzen Tag so gemacht?



Morgens um fünf aufgewacht, weil kleine Katzenmilchzähne an meinem grossen Zeh nagten. Irritierend, aber nicht schlimm und nocht vo Weiterschlafen abhaltend.
Um sechs dann der Wecker, Katzenkinder mit viel laut schnurrender Mithilfe füttern, mit Katzenkinderbegleitung ins Bad, mit Katzenkinderbegleitung Kaffee kochen, mit Katzenkinderbegleitung Q. wecken, mit Katzenkinderbegleitung mit Q. frühstücken (wir müssen uns erst noch dran gewöhnen, was die Katzenkinder alles machen und ausprobieren. Während Dax Essen auf unseren Tellern (also: alles ausser Fisch) niemals auch nur eines Schnupperns gewürdigt hat, wird Jon unglaublich aufgeregt, sobald wir uns an den Tisch setzen. Gestern hat er einmal von L.s Toast abgebissen und die Pizza am Abend war noch verführerischer), dann aufs Rad schwingen und durch die nach dem nächtlichen Gewitterregen angenehm abgekühlte Morgenluft zur Arbeit radeln.
Italienischen Zeitplan nachrechnen, Reisepläne darauf anpassen, freuen, dass ich doch schon Samstag nachmittag statt Sonntag abend nach Hause kommen werde, kleine Ernüchterung, dass für „Reise ohne Arbeitseinsatz“ an Wochenendtagen maximal 4 Stunden gutgeschrieben werden (tja nun, ist halt so), Reiseantrag an die Reisezentrale schicken, Chefs informieren, Mittagessenverabredung bestätigen, Google Drive Ordner mit den Rhabarberrezepten erstellen und mit den anderen teilen, dem Cola Zero-trinkenden Tischnachbarn die Paninibildchen abschwatzen, Dinge klären, Dokumente reviewen, mittagessen (ich könnte mir mal merken, dass das „Karibische Curry mit Gemüse und Bananen“ zwar aussieht, wie schon mal gegessen, aber echt lecker ist. Und die Bananen sind keine normalen Bananen, sondern Kochbananen, die Gottseidank nicht nach Bananen schmecken), Kaffeetrinken, nervös werden, als von der Reisezentrale noch keine Bestätigung für nix kam (ich muss doch am Donnerstag schon fliegen, aber v.a. habe ich mir vorgenommen, diesmal cool zu bleiben und nicht drölfzig Mal nachzufragen, was denn jetzt ist. Mal sehen, ob ich das bis morgen durchhalte...)
Einlesen ins neue Produkt, CV ins neue HR-Tool eintöckeln, die Daten aus dem alten Tool können leider wegen Datenschutz nicht ins Neue übernommen werden. Well played!
Um halb drei dann schon heimradeln, den Zimmerleuten hallo sagen, die heute das Galeriegeländer installiert haben, die Staubschutztür aus- und die echte Tür eingebaut haben, einmal schnell duschen, der Reiseabteilung antworten, die mir (juhuuu, ich bin cool geblieben und habe nicht nervös nachgefragt) Flug, Zug und Auto gebucht haben, aber das Hotel (in dem ich noch nie mehr als .... 5 Leute im Riesenspeisesaa gesehen habe) sei ausgebucht. Nun ja, sie werden mir im Ort schon noch ein Bett finden., und mit L. ab zum Muttermalscreening.
Bei uns beiden ist alles superst, es reicht, wenn wir in einem Jahr wiederkommen. Das Ganze ging so flott, dass wir noch Zeit für ein wunderbares Eis in der Sonne hatten. Der Hübsche wartete schon ganz gierig auf Resultate, es ist irgendwie schon skurril: bei den Muttermalen mache ich mir überhaupt keine Sorgen, auch letztes Jahr beim Schnippeln nicht, der Hübsche sehr wohl, bei den Brustknubbeln habe ich dafür am Rad gedreht... (er vermutlich auch, aber ich habs nicht gemerkt, weil ich selber so hohl gedreht habe).
Auf dem Heimweg haben wir den Hübschen eingesammelt, dann Q. und die Katzen ins Auto gepackt und sind gemeinsam zu unserer Tierärztin gefahren.
Die hat sich sehr gefreut, unseren Nachwuchs kennenzulernen. Die beiden wurden untersucht (Sansa sieht nach deutlich mehr aus, aber das ist alles nur Fell, Jon wiegt mit 1.5kg 300g mehr als sie, obwohl er viel schmaler aussieht), beiden teilen sich einen Floh, d.h. sie bekamen Floh- und Wurmmittel, ihre Chips wurden kontrolliert, sie wurden beim Schweizer Register angemeldet und wir haben für in zwei Wochen einen Termin für die zweite Impfung und den Leukosetest (vor dessen Ergebnis ich ein bisschen Angst habe, aber tja nu, hilft ja nix).
Auf dem Heimweg sind die Kinder und ich dann schnell aus dem Auto gesprungen, Grillsachen einkaufen. Hungrig eine grossartige Idee.
Der Hübsche hat derweil das Bett wegen des Flohs abgezogen und die Wäsche in eine heisse Maschine gesteckt.
Lageranmeldungszettel ausfüllen, Znüniboxen packen, My-Panini-Bilder machen, grillen, essen, Planschbecken und schon ist es viertel nach acht, ich muss das Registrieren in der My-Panini-App erledigen. Die Kinder blitzduschen, ich muss das Passwort in der blöden Panini-App ändern, weil es mein erstes nicht mehr erkennt, ich koche eine Kanne starken schwarzen Tee, den ich auf einen Haufen Eiswürfel und Zitronen giesse für Eistee heute abend und morgen früh, der Hübsche muss die Versandadresse in die vermaledeite-Panini-App eingeben, weil ich nicht dafür garantieren kann, dass ich das Handy nicht an die Wand werfen würde, wenn ich mit dem doofen Teil noch mal was erledigen muss. Wäsche abhängen, Betten neu beziehen, Rad- und Arbeitsklamotten für morgen parat legen, den grossen Glasschreibtisch des Hübschen (nicht zu verwechseln mit einem „hübschen Glasschreibtisch“) zusammenbauen, der heute SHE-technisch fragwürdig auf die Galerie verfrachtet wurde, der Hübsche spielt nochmal mit seinem Leben und flötet „So, nur noch Deine Kreditkartendaten eingeben“, als er mir das Handy mit der Sch....Panini-App vor die Nase hält, Spülmaschine ausräumen, selber duschen, Sofa, Eistee, Katze, Strickzeug, Netflix.





Stressleveldurchschnitt gestern: 41
Selbstbeweihräucherung: ha, wer ist cool geblieben mit der Reiseabteilung?