Mittwoch, Oktober 09, 2013

Was ich an meinem Beruf mag

Heute, als ich kurz vor dem Heimgehen auf dem Rückweg aus dem Produktionsbetrieb in mein Büro war und keine Lust hatte, auf den launischen Lift zu warten, bin ich, und das mache ich vor lauter Stress und Zeitdruck in den letzten Wochen leider viel zu wenig, die Innentreppe im Betrieb nach unten gewandert, habe hier in eine Zentrifugenkabine geschaut, da in einen 6-Kubikmeter-Kessel, in dem Kristallsuspension rührt, dort mit meiner seit neuestem LED-Taschenlampe in ein Kugeltrocknermannloch geleuchtet (ja, wir haben überall schwenkbare Schauglaslampen, aber das erinnert mich an meine Anfangszeiten im Pilotbetrieb, wo ich erst lernen musste, in welchem Winkel man in einen Kessel leuchten muss, um überhaupt was zu erkennen) wo mehrere 100kg Wirkstoff getrocknet werden. Und dann wusste ich auf einmal wieder, warum ich meinen Job so sehr gerne mag: nicht wegen der Planungs-, Strategie-, Kontakt- und Greenbelt-Projekt-Meetings, nein, weil wir wirklich handfest produzieren. Ich kann genau sagen, was in den 5500 Litern Reaktionsmasse da gerade passiert, ich kann sagen, ob wir auf einem guten Weg sind, und wann das Endprodukt fertig ist. Ich sehe unten die gefüllten Fässer (in der grossartigen Farbe, die genau wie Mint Apple Candy von Essie aussieht), und weiss: ich war dafür verantwortlich, dass das das hier so geklappt hat. (und ja, ich bin auch dafür verantwortlich, wenn es nicht klappt und wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass der Warenwert, der da im Moment in den Anlagen rührt, dem Wert von mehreren Einfamilienhäusern entspricht, dann schiesst auch wieder das Adrenalin durch die Adern, aber ja, auch das gehört zum Thrill des Jobs).

Samstag, Oktober 05, 2013

WMDEDGT? Auch im Oktober

Und wieder ist es soweit und ich will wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Wie das ganze entstanden ist, findet sich hier, gestartet wurde der monatliche Turnus hier und mitmachen könnt ihr genau hier ;-)






Und bei mir so?
Der Wecker hat um viertel nach sieben geklingelt, ich habe die unwilligen Jungs, meine Schwester und ihren Freund aus dem Bett geworfen, weil wir ja unsere Ferienwohnung auf dem Hasliberg räumen mussten (Bericht kommt, sobald der Hübsche mit den Bildern durch ist). Wir haben also die Autos bepackt, um viertel nach acht ausgecheckt und uns "bis in anderthalb Jahren zum Skifahren" verabschiedet. Die Antwort der Gastgeberin war nicht das entsetzte "Waaaaas? Ihr habt schon Skiferien für 2015 gebucht?", sondern ein milde erstauntes "Ah, Sie haben noch was gekriegt?" Jahaaaaa, vor einem halben Jahr ;-).
Nach einem gemütlichen Frühstücksbuffet haben wir die Schwester und den Freund nochmal Richtung Berge geschickt und uns selber auf dem Heimweg gemacht.
Ich muss sagen, selten war ein Urlaub so nötig für mich zum Luftholen, selten hat es so gut geklappt, und selten habe ich auf jeden Kilometer heimwärts, auf jedem Höhenmeter abwärts mehr gespürt, wie die Alltagssorgen zurückkommen. Die nächste Woche wird sehr traurig und anstrengend. Mein Chef ist nach langer Krankheit im Laufe der letzten Woche gestorben (ein Kollege hat mich dankenswerterweise angerufen und mir das erzählt, als ich gerade am Adlerhorst vom zweiten Muggestutzweg stand... am Freitag hatte er mich noch einmal angerufen und wollte mit mir über die Planung des Abteilungsfests sprechen, das jetzt logischerweise abgesagt ist...), und dementsprechen traurig sind alle.....
Zuhause hat der Hübsche dann erstmal noch eine Ladung Antibiotika für unsere Katze beim Tierarzt geholt (Analdrüse, juppi), ich habe die erste Ladung Wäsche angeworfen (incl. heimischer Bettwäsche, weil: Katzenanaldrüssenabszess, juppie), Koffer und Rucksäcke ausgeräumt, die Kinder haben das so lang vermisste Lego durchgespielt, ich habe am Firmenlaptop kurz meine Mails gecheckt, und dann half nix mehr: der leere Kühlschrank musste befüllt werden. Und so bin ich zwar geschminkt (ich gehe NIE ungeschminkt aus dem Haus bzw. auch nur Richtung Frühstückstisch, aber in Schlunzijeans und allgemein einem "Ich war grade eine Woche im Bergurlaub und das sind die letzten sauberen Sachen"-Outfit zum Einkaufen gegangen. Und klar: genau dann trifft man Kollegen etc. an der Gemüsetheke bzw. wenn man am Joghurtregal (NUR FÜR DIE KINDER!) sämtliche Ahoi-Brausen-Ecke-des-Monats-Joghurts in den Wagen einlädt....
Daheim habe ich dann festgestellt, dass ich den Speck, den ich zur Verwertung des mittelschlechten Rotweins als Coq au Vin a la Kaltmamsell brauche, vergessen habe, also in Gummistiefeln nochmal raus in den strömenden Regen, um den im Dorf zu holen.
Zum Kaffee gibt es jetzt die ersten Lebkuchen des Jahres. Eigentlich wollte ich Schoko-Baumstämme besorgen, aber die scheint es hier gar nicht zu geben....
Danach brate ich die Hähnchenteile (Samstag mittags einkaufen: da gibts keine ganzen Hähnchen mehr, nur eine Ente, also habe ich für den Coq au vin aus Hähnchenbrust und Hähnchenschenkel ein ganzes Huhn gebastelt, sozusagen), den Speck und die Zwiebeln an (boah, am Mittwoch war unsere Putzfrau da, die Küche hat geblitzt, aber jetzt.... das ist ja eine Riesensauerei) und werfe den Ofen an. Parallel setze ich einen Hefeteig für den Hefezopf zum Sonntagsfrühstück an.
Während das Huhn schmurgelt, dürfen die Jungs in die Badewanne und ich schneide noch ein Geburtstagsgeschenk für mein Patenkind zu (manchmal muss es Einhornflausch sein!). Beim Abendessen überraschen mich die Jungs dann wieder: Little Q. ist überhaupt nicht traurig, dass das Huhn diesmal nicht als Brathuhn auf den Tisch kommt, er befürchtet nur, dass er betrunken werden würde. (Habe ihm in der Kurzform das hier erklärt) Little L. mag das Fleisch eher nicht (keine Überraschung), dafür liebt er die Pilze. Nach Kaffee, Gummibärchen und Nachrichten geht es für die Jungs ins Bett, für mich in die Badewanne und um 20:00h schläft Little L., Little Q. darf noch lesen, der Hübsche und ich schauen das Breaking Bad-Finale endlich an. Anschliessend geht es für mich ins Nähzimmer (Einhorn! Flausch! Und der Schnitt heisst so, wie Little L. als Mädchen geheissen hätte!), während Little Q. und der Hübsche unten so als Männerding zuschauen, wie ein Klitschko einen Russen vermöbelt (nehme ich mal an. Auch wenn es wieder heisst: der schwierigste Gegner ever blablabla...., oder?).
Nun denn, mal sehen, wie weit ich noch komme mit dem Einhornflausch, es heisst jetzt: Bügeleisen oder Bett......

Freitag, Oktober 04, 2013

Achtung: Morgen ist es wieder soweit: WMDEDGT im Oktober

Morgen ist es wieder so weit und ich will wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Wer mitmachen möchte, schreibt morgen einfach Tagebuch, trägt sich in die Liste ein, die sich morgen früh dann freischalten wird und schon ist man dabei.
Wir werden uns morgen auf den Weg zurück ins Flachland und den Alltag machen....

Freitag, September 27, 2013

Urlaubsreif, sowas von

Wohooow, diese Urlaubswoche habe ich mir so hart verdient wie noch nie, glaube ich.
Wie hier angetönt, begann die Woche mit Adrenalin pur, steigerte sich mit vielen Überstunden, unangenehmen Personalgesprächen und offiziellen Berichten, unterfüttert mit Auditvorbereitung und Routinearbeiten aus dem Tagesgeschäft, und wurde dann heute kurz vor Heimgehen mit einem Happy End belohnt. Der Rest, den ich nach den Ferien in Angriff nehmen muss, ist ein riesiger Papiertiger, aber mit dem werde ich fertig. Heute waren meine Kollegin und ich dann noch (für uns unerwarteterweise) die Diversity & Inclusion-Postergirls im wahrsten Sinn des Wortes, ich noch zusätzlich das "Family & Career"-Postergirl (auch wenn mein Kollege auf "Und wir haben sogar eine Frau bei uns, die arbeitet nur 80%!" ganz trocken in die Runde warf: "Sie arbeitet mehr als 100%, wird aber zu 80% bezahlt"), aber was will man machen. Und um auf diese für mich schon mehr als ausreichend aufregende Woche noch eins oben drauf zu setzen, habe ich, als ich eigentlich grad am Gehen war, noch ein Telefonat geführt, das alles Adrenalin, alle Empörung, Erschöpfung und Arbeitswut der Woche auf einmal ganz klein werden liess und dazu führte, dass ich meinem Supportchef in seinem Büro gegenüber sass und wir beide Tränen in den Augen hatten (als echte, coole Produktionsleute haben wir kurz danach natürlich schief gegrinst und gemeint, dass wir ja beide erkältet wären und überhaupt müssten wir mal wieder Partikelmonitoring machen, weil es wäre uns bestimmt irgendwie ein Staubkorn ins Auge gekommen, aber in Inneren wissen wir es beide besser.).

So. die Koffer und Wanderrucksäcke sind jetzt gepackt, ich habe erst mit Little L. gemütlich einschlafgekuschelt, jetzt sitze ich mit dem HarryPotter-lesenden Little Q. auf dem Sofa und lese blogge, und später kommt dann der Hübsche vom Sport und wir werden noch ein bsischen lockerflockige Serienunterhaltung geniessen ("Rules of Engagement", ich bin ein grosser Jeff-Fan.). Das ist für mich ein perfekter Abend. (Noch perfekter wäre er, wenn ich noch dazu sporteln könnte, aber im Moment huste ich mir nur beim daran Denken noch die Seele aus dem Leib, das lasse ich also noch mal).

Donnerstag, September 26, 2013

Ausnahmesituation

Ich weiss, es ist langsam ein bisschen eintönig hier: ich arbeite einfach elendiglich viel im Moment. Ich bin immer noch Interims-Chef, und, das muss jetzt auch mal gesagt sein, ich finde, ich mache das richtig gut.
Eigentlich hätte ich unsere Bergferienwoche nächste Woche auch ganz entspannt mit einem diese Woche noch recht gemütlich leergearbeiteten Schreibtisch anfangen und meinem Kollegen ein perfekt vorbereitetes Kundenaudit hinterlassen können.  Tja, hätte, hätte, Fahrradkette, sozusagen. Im Produktionsumfeld wird es manchmal .. sagen wir so, unnötig spannend und da muss dann alles andere zurückstehen, wenn es um die brisante Kombination von Qualität und Sicherheit geht. Dementsprechend war die Woche mit Feuerwehraktionen (also: in meinem Bereich nur im übertragenen Sinn, meiner Kollegin hat eine Fehlfunktion in der Löschanlage über Nacht den gesamten Sektor geflutet), Laborabklärungen, offiziellen Memos, Risikoabschätzungen, Root Cause Analysen und Personalgesprächen gefüllt, die alle genau jetzt und sofort und superdringend stattfinden mussten. Das Audit (und auch die Ferien, soweit käme es ja noch) werden natürlich trotzdem nicht verschoben, und so habe ich diese Woche nicht nur wenig gegessen (am Montag, ich habe es selber kaum geglaubt, weil: Ich vergesse nie zu essen!, habe ich sogar das Mittagessen  zwar nicht vergessen, ich habe mir nämlich auf dem Weg von der einen Sitzung zur anderen einen Bagel in der Cafeteria geholt, aber nicht gegessen, weil mich auf dem Rückweg der Frühschichtschichtleiter abgefangen hat und dann gings los mit Blitzaktionen im Betrieb und da darf man nicht essen, und so lag der Bagel, als ich mich um halb sieben auf den Heimweg gemacht habe, immer noch neben der lauwarmen Cola in meinem Büro...), sondern auch wenig geschlafen. Ich möchte nämlich trotz der vielen Arbeit noch was von meiner Familie haben, deswegen kommt abends (viel) länger arbeiten nicht in Frage, stattdessen gehe ich morgens früher hin. Der Hübsche und die Jungs haben die Woche morgens bis sieben ausgeschlafen, also auf die Frühbetreuung in der Kinderkrippe verzichtet und sind direkt von daheim Richtung Schule, Kindergarten und Arbeit aufgebrochen, ich dafür bin morgens um halb sechs aufgestanden, mit einem Kaffee in der Hand aus dem Haus geschlichen, habe morgens am Drehkreuz noch die frisch geduschte Nachtschicht auf dem Heimweg getroffen und in den anderthalb Stunden bis zu unser täglichen Morgensitzung um viertel nach acht schon mal einiges erledigen können.
Ich bin heilfroh, dass das nur eine Übergangssituation ist (das Chefsein, das gefällt mir, aber eben: keinen Stellvertreter zu haben, das ist anstrengend, und die Kombination aus Auditvorbereitung, Ferienvorbereitung im Sinn von: alles fertig machen, Notfallaktionen ausser der Reihe und dem Tagesgeschäft, das ist wirklich ein bisschen arg viel), aber noch froher bin ich, dass mich der Hübsche und die Jungs echt tatkräftig unterstützen und mir nicht noch ein schlechtes Gewissen machen, weil ich im Moment so viel mache. Little L. kommt aktuell wieder regelmässig zu uns ins Bett, was aber nicht schlimm ist, weil er einfach rübergetrappelt kommt und bei mir ruhig weiterschläft, allerdings ist er heute erst gekommen, als ich schon aufgestanden war. Er war erst ganz bedröppelt, weil er ja an sich kuscheln wollte, aber stattdessen haben wir beide dann in stockdunkler Nacht gemeinsam gefrühstückt, ich mit viel Kaffee, er mit warmer Schokolade und dann durfte er zum Hübschen zurück ins Bett und ich habe mich auf den Weg ins Büro gemacht. Das war echt niedlich!
So, morgen gibt es noch einen ausser der Reihe nicht freien Freitag, allerdings stehe ich da normal erst um sechs auf, und wenn nicht wie heute nacht noch zweimal die Nachtschicht anruft wegen Dingen, dann bin ich sogar fast ausgeschlafen.
Samstag gehts dann ab auf den Berg und da hats kein W-LAN und vielleicht sogar nicht mal Handyempfang. Juhuuu.

Samstag, September 21, 2013

Wort zum Sonntag

und nein, nicht zur Bundestagswahl, sondern klassisch zum Thema Religion.

Little Q. ist jetzt in der zweiten Klasse und da gehört für die evangelischen Kinder jetzt auch Religion dazu. (Die katholischen Kinder hatten schon ab der ersten Klasse, aber die haben ja auch die Erbsünde und müssen offensichtlich früher anfangen.) Wobei: dazugehören ist so eine Sache. Hier in der Schweiz bzw. hier im Aargau ist es so, dass zum normalen obligatorischen Unterricht ein Fach gehört, das einerseits allgemeines zwischenmenschliches Zusammenleben behandelt, andererseits auch die verschiedenen Weltreligionen. Religionsunterricht, wie ich ihn kenne, gibt es auch, der liegt aber in der Verantwortung der Kirchen, ist freiwillig, ausserhalb der normalen Schulzeit, aber im Schulareal. Für Little Q. bedeutet das: alle zwei Wochen zwei Stunden am Freitagnachmittag. Er wäre übrigens lieber katholisch, weil die haben jeden Mittwoch um halb acht, also vor der Schule, und da wäre er ja auch immer schon wach und Freitagnachmittag, das ist ja praktisch Wochenende, wer hat denn da noch Lust auf Jesus.
(Erschwerend kommt hinzu, dass die Kinder und ich ja evangelisch-lutherisch sind und die Evangelen hier eigentlich alle reformiert, nur in Basel gibt es eine kleine Enklave von Lutheranern, aber die helfen uns für den Reliunterricht ja auch nix. Deswegen darf Little Q. ein Jahr lang bei den reformierten Kindern "schnuppern", wenn er weitermachen will, soll er (und die ganze Familie am besten) aber bittedanke zur reformierten Kirche übertreten, damit durch die Kirchensteuer auch der Religionsunterricht finanziert werden kann. Finde ich so ... naja)

Bei uns zu Hause spielt Religion aus den verschiedensten Gründen eine recht untergeordnete Rolle: erstens sind wir faul. Und so schlafen wir sonntags einfach gerne aus, frühstücken spät, schauen die "Sendung mit der Maus" und danach ist jeder Gottesdienst längstens vorbei. Ausserdem: welche Kirche? "Meine" Evangelen sind in Basel zu Hause, d.h. mit dem Auto in aller Herrgottsfrüh mitten in die Stadt rein, wo parken, bis wir wieder zurück sind, ist der halbe Tag vorbei, der Hübsche ist zwar katholisch, mit Dependance direkt im Dorf, aber ich bin aus Überzeugung nicht katholisch und habe sehr dafür gekämpft, dass die Jungs evangelisch getauft werden (freudscher Vertipper: habe gerade "geKauft" geschrieben), ich fühle mich unwohl und unwillkommen in katholischen Kirchen (an Weihnachten gehen wir trotzdem in den katholischen Gottesdienst im Dorf), tja. Dazu kommt, dass ich (ich spreche mal für mich, ich weiss nicht genau, wie es da im Hübschen aussieht) immer mehr ins allgemeine Zweifeln komme, wie und was ich denn von der Religion an sich halten soll. Mein naturwissenschaftliches Wesen und das "Wer weiss, wenn Du mal alt, krank und einsam bist, vielleicht bereust Du dann, wenn Du jetzt aus er Kirche austrittst" sind sich da unschlüssig. Andererseits finde ich, allein aus kulturhistorischer Sicht gehört eine Art Grundüberblick über das "christliche Erbe" zur Allgemeinbildung dazu, deswegen geht Little Q. jetzt zur Religion, damit er dort das lernt, was wir ihm bisher daheim nicht beigebracht haben.

Nun ja. Mittlerweile hatte Little Q. dreimal Religion. Die grosse Erkenntnis nach der ersten Stunde war: "Mami, total krass, die Reiligionsfrau ist die Zahnputzfrau" *. Soweit so gut, ansonsten wurden Namen gelernt, "was ausgeschnitten und geklebt" und dann war es auch schon rum.
Nach der zweiten Stunde kam er nach Hause und meinte: "Mami, ganz am Anfang von allem, da gabs im Fall keinen Urknall, sondern da war erstmal überall Wasser. Und dann Licht, das hat im Fall der Gott gemacht." PENG! (oder eben auch nicht), das sass. Was sage ich jetzt? Ich, die ich mit meinem Kind, zu dessen Lieblingslektüre der Weltraumatlas gehört, schon vor Jahren über die Entstehung der Erde gesprochen habe? Die ich mir selber altes und neues Testament als Zeitdokument, das im kulturhistorischen Zusammenhang gesehen werden muss und dementsprechend auf gar keinen Fall wörtlich zu nehmen ist, mit meiner naturwissenschaftlichen Weltanschauung in Einklang bringe? Ich habe mal vorsichtig nachgefragt, ob er das denn auch glaubt. Die Antwort war klar: "Mami, das hat nix mit Glauben zu tun, die Zahnputz- äh Religionsfrau hat gesagt, das war so. Da muss man nix glauben, wenn was so ist."

Nun gut, wir haben uns dann relativ bald über andere, drängendere Themen unterhalten ("Wer würdest Du in Hogwarts sein? Wer glaubst Du gewinnt, wenn Harry Potter gegen Anakin Skywalker kämpfen würde?"), bis dann diesen Freitag wieder Religion war. Anscheinend habe ich doch eine kleine Saat des Zweifels in Little Q. gesät, er kam nämlich heim und erzählte stolz: "Heute habe ich die Religionsfrau gefragt, ob der Gott auch Atom erschaffen hat." Da war ich natürlich ganz Ohr und in meinem Inneren habe ich mir vorgestellt, wie ich als Zahnputz- äh Religionsfrau begeistert diesen Ball aufnehmen würde und von den Atomen als Gottes Legokiste erzählen würde, aber nein: "Und nein, hat er nicht, sagt die Religionsfrau, weil, Atom, das hat jemand erfunden." Ohohohooo, das ist natürlich für eine Naturwissenschaftlerin ein ganz grellrotes Tuch. Ich habe dann (ich fand die Legoanalogie so grossartig und nachdem ich Little Q. gestern erst mit Hilfe von Wienerle, Nudeln und Pfannkuchen die Koalitionsbildung nach der Wahl erklärt hatte, war ich eh grad im Erklärbärmodus) also erklärt, dass Atome nichts sind, was man erfinden kann, sondern wie die kleinsten Teile beim Lego etcetc. Wir kamen dann drauf, was Moleküle sind, aus welchen Atomen ein Mensch so besteht und so weiter und alles war gut, bis Little Q. meinte: "Ja, aber das Atom haben wir gar nicht gemeint in Religion, da haben wir das böse Atom gemeint, das von Fukushima und Bomben". "Das böse Atom", da biegen sich einer Physikertochter natürlich die Fussnägel hoch, aber trotzdem, wir (der Hübsche kam dazu und fand die Legogeschichte ganz toll) haben also die Analogie weitergesponnen und so erklärt, wie ein Atomreaktor und eine Atombombe funktionieren, und dass ein Atom an sich nicht böse sein kann, aber die Kernfrage (pun intended ;-)), ob jetzt Gott das Atom geschaffen hat, die haben wir aussen vor gelassen.

Ich stecke jetzt so ein bisschen in einem Dilemma. Einerseits möchte ich nicht die Supermom sein, die meint, alles besser zu wissen als die Lehrer, ausserdem weiss ich ja nicht, was die Religionsfrau wirklich gesagt hat, nur das, was Little Q. verstanden hat, aber dann..... Atom als Erfindung von Menschen?  Kein Urknall? Argh. Andererseits bin ich (auch als evangelisches Heidenkind in der bayerischen Diaspora) mit Kindergottesdienst, Konfirmandenfreizeit und Jugi-Zeltlager grossgeworden, habe mich mit meinem kindlichen Glauben an Gott sicher gefühlt und bin trotzdem zu einem rational denkenden vernünftigen Erwachsenen geworden. Darf ich meinem Kind das nehmen? Bin ich ihm nicht diese Geborgenheit schuldig? In welche Lage/Gewissenszweifel bringe ich ihn, wenn ich den Religionsunterricht jeden zweiten Freitag ab halb vier daheim zerpflücke und durch trockene/faszinierende naturswissenschaftliche Fakten ersetze?

Was tun, sprach Zeus (aber das hilft jetzt auch nix, noch mehr Götter in das Schlamassel mit reinzuziehen)....

Mal sehn, wie es weitergeht. (Geschnitten und geklebt wir übrigens jedesmal. Da gibts auch keine Diskussion drüber ;-))

*Sehr faszinierend. Die verschiedenen Fachlehrer wurden schon in der ersten Klassen monatelang anhand ihrer Kernkompetenz, nicht ihres Namens unterschieden. Es gab die Musikfrau, die Schwimmfrau, die Heilpädagogikfrau und eben die Zahnputzfrau, die alle paar Wochen zur Zahnprophylaxe in die Klasse kommt und zB rosaglitzrige Hellokitty-Zahnpastaproben mitbringt. Ach ja, letzten Herbst hatte auch die Lausfrau ein kurzes Gastspiel.

Donnerstag, September 19, 2013

Wie mich ein Memo aus dem Lift gerettet hat

Der Produktionsbau, in dem ich arbeite, ist drei Stockwerke hoch. Klingt nicht so viel, allerdings sind drei von den Stockwerken so hoch wie sechs normale, damit die ganzen grossen Kessel drin Platz haben. Da unsere Mitarbeiter zwar alle superfit vom vielen Treppensteigen sind, aber auch keine Hulks, gibt es pro Sektor einen Warenlift, in dem die grossen Fässer, Container und schweren Sachen rauf- und runtergefahren werden können, und weil auch Mitarbeiterbeine manchmal müder werden, gibt es auch einen Personenlift. Der ist laut Liftschild für max. 4 Personen oder 320 kg ausgelegt. Leider ist keine Anleitung dabei, wie man vier Personen in diesen Lift bekommen soll. Ich bin schon allein, zu zweit und zu dritt (da vermutlich auch knapp an den 320 kg gewesen), und mit drei Leuten..... da kommt man sich schon richtig nah. Da ist es dann immer spannend, ob die Lifttür noch zu geht, weil ich natürlich immer meinen wehenden blütenweissen Kittel trage, und wenn ich mich dann vorsichtig aus meinem Eckchen strecke, um den Stockwerksknopf zu drücken, weht da gerne mal ein Kittelzipfelchen in die Lichtschranke, die Tür geht wieer auf und nix wars mit fahren.
Heute aber, da habe ich mit einem Einkaufskorb (so uncool, aber manchmal gehts nicht anders, Hackenporsche wäre noch uncooler, Palettenrolli etwas überdiemensioniert) und beiden Armen voller Ordnern fürs Archiv unten ewig auf den Lift gewartet, bin dann schwer bepackt die sechs Treppen nach oben gekeucht, habe unterwegs jemanden getroffen, der mir gesagt hat, dass der Lift heute richtig spinnen würde, oben meine Ordner losgeworden und dann, als es auf den Runterweg ging, die Lifttür einladend offen stehen gesehen. Ich bin also mit lahmen Ordnertragarmen und einem letzten Memo, das ich noch in der Hand hatte, in den Lift, habe auf den Türzuknopf und auf den Erdgeschossknopf gedrückt, und dann stand ich da. Der E-Knopf war nicht zum Leuchten zu bringen, der Lift setzte sich nicht in Bewegung, der Tür-Auf-Knopf zeigte auch keine Wirkung.
Tja, blöde Situation, ich muss sagen, erst dachte ich mir: "Klar, so ein Mist, das passiert mir natürlich, wenn ich allein im Lift bin, schöner Mist, jetzt muss ich allein da rauskommen", dann dachte ich mir "Gottseidank passiert mir sowas, wenn ich allein im Lift bin, zu mehreren könnten wir uns gar nicht bewegen und würden nicht mal an den Rufknopf kommen.".
Musste ich dann auch gar nicht, weil mir etwas eingfallen ist, was mir mein Chef ganz am Anfang gezeigt hat: Auch wenn gar nix mehr zu gehen scheint beim Lift, die Lichtschranke zum Türenschliessen (Sie erinnern sich: der Kittelzipfel), die geht immer. Also habe ich mein Memo ("Erweiterung des PAR.-Bereichs anhand von Betriebsansätzen") mit einem eleganten Schwung aus dem Handgelenk durch den Spalt zwischen Lifttür und Wand gezogen, die Tür ging auf und ich war wieder frei! Juhuuuu.