Dienstag, August 13, 2013

Ich Du Er Sie Es. Und bayerische Klosterschwestern

Als meine nächstjüngere Schwester (btw: Alles Liebe zum Geburtstag!) in der ersten oder zweiten Klasse war, hatten sie da mal eine oder zwei Nonnen zu Besuch, die an einer Abendverstaltung über irgendwas Spannendes aus ihrem Klosterschwesterleben erzählt haben. Ich weiss nicht mehr genau, worum es ging, im Zweifelsfall um die armen hungrigen Kinder in Afrika (das und die verschieden Sammlungen, um deren Hunger zu lindern, und die verschiedenen Vergehen, bei denen die Strafpredigt so sicher wie das Amen in der Kirche denSatz "Und in Afrika verhungern Kinder" enthielt und eben überhaupt Klosterschwestern und katholisches Kirchenleben -Beichten während der Schulzeit zB.- das war alles allgegenwärtig während unserer Grundschulzeit auf dem bayerischen Dorf), was mir aber im Gedächtnis blieb (es waren nämlich die ganzen Familien der Erst- oder Zweitklässler zu dem Nonnenevent am Abend eingeladen), war die Sprachregelung der Nonnen. Sie duzten ihr Publikum, was ja per se nicht schlimm ist, nicht mal ich sieze Erst- oder Zweitklässler, aber das gesamte Publikum (und es waren viele da. Weitgereiste Nonnen waren damals auf dem bayerischen Dorf ein Garant für aus den Nähten platzende Pfarrsäle) wurde nicht mir "ihr", sondern eben mit "du" angesprochen. "Die armen hungrigen Kinder in Afrika, die haben nicht einfach so einen Wasserhahn daheim wie Du" zB.
Ich fand das total komisch und war mir nicht sicher, ob die weitgereisten Nonnen vielleicht ihren Vortrag nur für ein spezielles Kind im Publikum hielten und die anderen eigentlich gar nicht da sein sollten (oder vielleicht kein fliessendes Wasser daheim hatten), aber meine Mutter, ihres Zeichens Grundschullehrerin und deswegen hatte ich damals das Gefühl, sie müsse das wissen, meinte: "Weisst Du, die Zweitklässler, die sind noch klein, die würden wahrscheinlich gar nicht verstehen, wenn die Nonne "ihr" sagen würde, deswegen sagt sie "du" und so hat jeder Zweitklässler das Gefühl, dass er angesprochen ist.".
Heute wage ich das zu bezweifeln und habe das lange für eine sehr seltsame Eigenart der weitgereisten Nonnen gehalten, was ja kein Problem für mich ist, weil weitgereiste Nonnen, mit denen habe ich kaum zu tun, aber diese Art zu sprechen, oder vielmehr und noch irritierender, diese Art zu schreiben begegnet mir in letzter Zeit immer wieder in "meiner Ecke vom Internet", bzw. v.a. in den, ich nenne sie mal, rohveganen Waldorfblogs, die ich mit interessierter, aber verständnisloser Irritation zum Teil ganz gerne lese (know your enemy ;-)). Und ich muss sagen, wenn ich da regelmässig am Ende der Posts lese "Und, wie machst Du das? Kennst Du das auch? Wie richtest Du Deine Chakren nach der Mondgöttin aus?", da fühle ich mich wieder ein bisschen wie damals, als meine kleine Schwester in der, sagen wir jetzt, zweiten Klasse war und ich die weitgereiste Klosterfrau so komisch fand. Und ich frage mich, ob diese Blogger jetzt denken, dass ihre Leser sich nicht genug angesprochen fühlen, wenn da stehen würde "Wie richtet Ihr Eure Chakren aus?" (und somit davon ausgehen, dass das geistige Niveau ihrer Leser ungefähr dem eines Zweitklässlers entspricht, wenn man da der Nonneneinschätzung trauen darf, was ich selbstverständlicherweise nicht tue) oder ob sie denken, dass ihr Blog wirklich nur eine einzige Person liest, oder ob sie ihre Leser auf diese für mich so ganz schreckliche Art ganz persönlich ansprechen wollen.
Aber vielleicht finde ja nur ich das komisch und Du nicht ;-).

Montag, August 12, 2013

Meine drei persönlichen Superhelden

Superman and his Legacy by Prozac74
Superman and his Legacy, a photo by Prozac74 on Flickr.

Während mich die Arbeit mehr als nur auf Trab hält, hat der kleinste Supermann heute bravourös in den Kindergarten gestartet (schade, schade, es gibt die Shirts incl. Umhang nur bis max. Little L.-Grösse), Little Q. wie ein alter Hase in die zweite Klasse und der Hübsche, mein Held für immer und ewig, der startet morgen wieder in den geregelten Arbeitsalltag.
Danke an Euch alle drei, Ihr seid mein Leben! (Und nein, ich möchte bittedanke kein Wonderwoman-Shirt)

Sonntag, August 11, 2013

Warum ich "The Wire" für die am meisten überschätzte Serie aller Zeiten halte

Dieser Post ist seit langem überfällig, aber eben, die Ferien sind in 14h zu Ende und jetzt erst habe ich ein bisschen Zeit zum Durchschnaufen. Also.
Der Hübsche und ich sind ja bekennende Serienjunkies, schauen viel, gern, sind nicht auf bestimte Genres festgelegt (nur Zombies und Vampire, da streike ich). Und klar, da kommt man an "The Wire" nicht vorbei. Frau Tadellos hat mich mit ihrer Begeisterung richtig heiss auf diese Serie gemacht und so haben wir Weihnachten angefangen und, was soll ich sagen: wenn sie nicht so begeistert vom Finale der finalen fünften Staffel geschwärmt hätte, ich hätte nach drei Folgen hingeschmissen. Und, um nicht unnötig Spannung aufzubauen: im Nachhinein wäre das die bessere Entscheidung gewesen.
So habe ich mehr oder weniger die gesamte erste Staffel gegen den Schlaf gekämpft, als gefühlt 2400 Drogendealer, Cornerboys, Musclemen und Polizisten total undurchsichtig und unspannend gegen einander antraten. Als ich das erste Mal das Gefühl hatte "wow, jetzt passiert was" bzw.: "Ah, ich glaube, den Typ habe ich in einer der vorhergehenden Folgen schon mal gesehen", da war es auch schon zwei Folgen vor Staffelende und somit der grosse Showdown.
Und dieses Schema zog sich durch alle fünf Staffeln: unendliche Langeweile beim lustlosen und empathiefreien Vorstellen von 43 Millionen neuen Charakteren, beim ambitionierten Aufdecken eines neuen Skandals in einer anderen politischen Ecke von Baltimore, und kaum ist nach 15 Folgen Strafversetzung in andere Einheiten die unrsprüngliche "Major Crimes Unit" wieder unglücklich (ALLE! SIND! IMMER! UNZUFRIEDEN!) vereint, kaum zeigt sich ein Funken von Spannung: Staffelende, fertig, nächste Baustelle wird mühsam hochgezogen.
Ich weiss wirklich nicht, warum das für mich so überhaupt nicht funktioniert hat. Ich brauche keine Serien, in der jede Folge vor Action sprüht, ich liebe zB Madmen, und da passiert eigentlich überhaupt nichts. Auch bei den Sopranos: so richtig Handlung hat die Serie nicht.
Ich finde auf einer theoretischen Ebene den Aufbau der Serie schon interessant: in jeder Staffel wird ein Aspekt des kaputten Baltimores beleuchtet (Drogen im Allgemeinen, die Politik, der Hafen, die Schule, die Zeitungen) und alles zusammengehalten von der fröhlichen Truppe um McNulty und Proposition Joe. Aber für mich hat das den Beigeschmack von vor allem gut gemeint. Und bekanntermassen ist das "Gut gemeint" das Gegenteil von "Gut gemacht".
Ich bin ja an sich eine treue Serienseele. Wenn ich mal am Haken bin, dann schaue ich brav und ohne Murren und Knurren bis zum Ende, auch wenn die Serie stark nachlässt, ich sagen nur "Heroes" und "Lost" (also da war ja nur das Finale blöd). Ich habe "Private Practice" bis zum bitteren Happyend für alle geschaut, ich werde am 19. August brav "Grey's Anatomy" weiterschauen, auch wenn da der Zauber der ersten Staffeln schon lang weg ist.
"The Wire" hat es aber nie geschafft, mich an diesen virtuellen Haken zu kriegen. Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass es keine einzige Person (und Personen gibt es mehr als genug) in der Serie gibt, deren Schicksal mir auch nur ansatzweise naheging. Am ehesten haben mich Bubbles und Omar berührt, aber das reicht einfach nicht. Stinger fand ich noch interessant, aber der ist ja auch relativ bald relativ unspektakulär von der Bildfläche verschwunden. Es gab für mich unter all den 4300 Charakteren einfach keinen einzigen Sympathieträger und das will was heissen. Ich brauche keine weichgespülten kantenlosen Serienfiguren zum Liebhaben (wobei ich die "Gilmore Girls" liebe), ich mochte zB Tony Soprano sehr gern und im Moment schauen wir "House of Cards", wo, glaube ich, keine einzige nette Person mitspielt und trotzdem mag ich besonders Claire Underwood sehr, sehr gern. Aber all die vielen Charaktere bei "The Wire" blieben so flach, dass sich nicht einmal ein Hauch Mitgefühl für McNulty, Kima, Marlo Stansfield, die Barksdales oder Cedric Daniels aufbauen konnte. Und wenn man sich nicht um die Charaktere schert, dann sind fünf Staffeln echt lang.
Liegt es am komplexen Setup? An der Anzahl Personen? An der vielen Politik? Ich würde sagen: nein. Game of Thrones, die Serie mit dem Ziel, die meisten Personen aller Zeiten auftreten und sterben zu lassen, finde ich grossartig, aber da passiert natürlich auch was. Politik ist nun tatsächlich nicht wirklich ein Metier, das ich megaspannend finde, aber auch da: meine Lieblingsserie ist "The West Wing", das ist Politik deluxe, genauso wie "House of Cards" oder auch zum Teil "The Good Wive", da finde ich das sogar spannend. Richtig sogar.

Eine kleine Ausnahme gibt es übrigens: die fünfte Staffel ist mit Abstand die interessanteste und spannendste von allen. Allerdings ist die Handlung mit "Oh, und damit wir Geld für die wirklich wichtige Ermittlung bekommen, lassen wir uns einen Fakeserienmörder einfallen und am Schluss geht alles in die Hose, aber niemanden stört es so richtig" im Vergleich zu den vier ersten stinklangweiligen Staffeln schon übertrieben skurril und die halbscharig angerissene Zeitungsgeschichte hätte es meiner Meinung nach auch nicht gebraucht. Die ganze Staffel zu verstehen ist natürlich nur möglich, wenn man sich durch die vorhergehenden vier gequält hat und nur dafür lohnt sich das ehrlich gesagt auch nicht.

Um das ganze jetzt nicht nur negativ klingen zu lassen: immerhin verstehe ich jetzt sämtliche Anspielungen auf "The Wire" in anderen Serien, wie "Liliy coming" in HIMYM zB.  (Und nein, auch dafür lohnt sich die Zeit und Langeweile nicht.)

tl, dr: Was ich also von "The Wire" mitgenommen habe: Baltimore ist eine echte Scheissstadt, da fahr ich nie hin. Dafür hätte es keine fünf Staffeln gebraucht.

Korsika mit Bildern, Blue Edition

The Quantum Leap by Prozac74

The Quantum Leap, a photo by Prozac74 on Flickr.

Tag 5 und 6
Nachdem das mit dem Ausflug ja schon mal gut geklappt hat, waren die Jungs freiwillig bereit, nach Porto Vecchio an den Strand und nach Bonifacio zum Stadtangucken zu fahren. Wozu niemand bereit war, war früh aufzustehen (wir werden hier vom Bäckerhupen so gegen 8 aus den Betten geworfen, da werden dann frisches Baguette und Croissants geholt. Ausserdem wacht bisher Little L. jede Nacht mindestens einmal auf und ich bin am lustigen Bettenwechseln und dementsprechend dauermüde.).
Bis wir dann bereit zum Losfahren waren, waren es all die anderen Touristen auch und so standen wir bis Porto Vecchio gut 2 Stunden inselabwärts… am Strand von Santa Giulia zeigte sich dann auch, wo all die anderen Touristen, die wir, wenn nicht vermisst, dann doch wenigstens nicht gefunden haben, weil, da wo wir untergekommen sind, da ist es wirklich ruhig…. Eben: sind ja alle am Strand von Santa Giulia.




 

Das Wasser war aber trotzdem kristallklar und türkis und so haben sich Parkgebühr und so doch rentiert. Nach drei Stunden Baden sind wir dann zurück zum Auto und haben uns auf die restlichen paar Kilometer gen Südwesten gemacht, um die spektakuläre Kulisse von Korsikas Südspitze zu geniessen.







Routinierter Korsikaurlauber, der ich bin, habe ich die Meute zielstrebig die Treppen des Königs von Aragon runtergescheucht, unten haben die Jungs dann fotografiert (der Hübsche) und ins Meer gestrullert (die zwei Kleinen. Ein „Ich muss auf s WC, ganz dringend“ gewinnt ganz grosse Eigendynamik, wenn zwischen Standort und dem nächsten WC ca 100 Höhenmeter und 250 in den Stein gehauene steile Treppenstufen sind). Ich habe mir den Knöchel an den Klippen des Königs von Aragon aufgeschürft, als ich gleichzeitig Handy und Rucksack vor dem Absturz gerettet habe.
50 Shades of Green and Blue by Prozac74

50 Shades of Green and Blue, a photo by Prozac74 on Flickr.

Resting on Aragon's Stairs by Prozac74

Resting on Aragon's Stairs, a photo by Prozac74 on Flickr.



 









Auf dem weiteren Weg durch die Stadt (die obligatorischen Haifischzahnketten mussten gekauft werden und es gab natürlich noch jede Menge Gegend und Geschichte zum Anschauen) machte sich leider meine Koffeinabhängigkeit übel bemerkbar, das zunächst nur leichte dumpfe Kopfweh wuchs sich zu einem hämmernden übelkeiterregenden Schmerz aus, der zwar nach einem doppelten Espresso nach dem Essen kurz besser wurde, aber mir ganz ehrlich den Abend und die eigentlich romantische Heimfahrt an der Küste entlang bei Sonnenuntergang, während in den Bergdörfern am Hand die Lichter aufflammten, ganz schön versaute. Ich hatte leider auf der Fähre schon die Notfall-Tablette aus dem Rucksack verbraucht und nur noch zwei 250mg-Paracetamolzäpfchen dabei. Rückblickend hätte ich mal lieber die genommen als gar nix….
Glücklich mit Haifischketten



Obligatorisches Foto mit Plan










Anyway: es war ein toller Tag, auch wenn Little L. lernen musste, dass nicht alle Katzen es gern haben, wenn man ihre Nase anlangen will, vermutlich sogar genau gar keine, nur unsere lässt sich das gefallen, während eine Bonifacienne-Strassenkatze mit nur einem halben Ohr so einem übergriffigen Kind erst mal zeigt, wos langgeht… (Daheim angekommen kam ich mir dann wie ein Junkie deluxe vor, als ich unsere reich bestückte Reiseapotheke mit Schwung aufs Bett leerte und mit zitternden Händen das Ibuprofen rauskramte… half aber und der heutige Tag am Strand (immer in Reichweite: Strandcafe mit Koffeinnachschub, das eigentlich erst um zwei aufmacht, wtf?!) war dann auch recht chillig angelegt.

Donnerstag, August 08, 2013

Korsika 2013, 4500 Bilder und so, Teil 2

Heute: die BlutSchweissundTränen-Ausgabe. Mit Happy End und Schokolade.


Also: wir sind ohne Witz direkt am Meer. Zwar nicht an einem riesigen Sandstrand, sondern mit Felsen und kleinen Sandbuchten dazwischen, aber dafür ist es richtig, richtig ruhig. Es gibt einen kleinen schnuckeligen Pool in der Anlage (da hat Little L heute schon wieder seinen Schutzengel beansprucht, er ist nämlich ohne Schwimmgurt reingesprungen. Er geht wirklich unter.), ca 300m weg ist ein laaaanger Sandstrand mit nix ausser Wasser und Gegend und in Moriani Plage selber gibt es am Strand alles, was das Kinder- (Floss! Eis! Vielleicht Tretboote!) und Elternherzen (Strandbar! Cappuccino! Aperol Sprizz!) an Entertainment brauchen.
Heute hat es aber kurz gewittert (mir sind offensichtlich alle Haare zu Berge gestanden und nachdem der Hübsche ja keinen Physik-LK hatte und deswegen damit nicht so auskennt, dachte er, dass jetzt gleich der Blitz in mich einschlagen würde und wir sind lieber in den grossen Supermarkt gegangen und haben unsere Vorräte mit Coppa, Salsiccia, Malblöcken und Melonen aufgestockt (Little Q. war etwas enttäuscht, der hatte sich von einem „Casino“ etwas spektakuläreres erwartet, mit Roulette und Croupiers).

Meer vor dem Haus war dann auch gut, Pool auch, W-Lan ist nur so mittel, aber das macht nix, dafür sind uns schon ganz viele Sachen vom Balkon gefallen (Wasserball, Deckel von der Wasserflasche und eine Nudel), das wird grossartig hier.


Tag 2:

Ich muss das Nichtstun noch üben. Wir waren heute erst an dem Strand mit Floss und Strandbar und ich bin gespannt, wann die Kinder gross genug sind, dass das mit „kein Sand auf s Handtuch“ endlich mal klappt. Vermutlich, wenn sie alt genug sind, auszuziehen. Egal, das Wasser hat 26°C, d.h. auch Little L. schwimmt. Little Q. kann zwar schwimmen, aber mit ein bisschen Wellen und keinem Boden unter den Füssen ist das schon nochmal spannender.
Die Mittagszeit haben wir am Pool im Schatten verbracht, also der Hübsche und ich, Little Q. war nicht davon abzuhalten, ohne Pause zu schwimmen, zu tauchen und Bomben reinzumachen. Little L. dementsprechend auch nicht. Allerdings hat Little Q. heute megadicke Lymphknoten, so dass der Hübsche und ich sofort in den Elternmodus deluxe verfallen sind und von Scharlach über Mumps die schlimmsten Dinge erwarten für die nächsten Tage. In der Zwischenzeit geht es ihm aber super, nur das den ganzen Tag nix essen und eben die Mittagspause im Pool, das hat zusammen zu einer gewissen Dünnhäutigkeit und roten Wangenknochen geführt (trotz 50+-Stift mehrfach….).


Am Nachmittag sind wir dann zwischen Haussträndchen und Pool gependelt, abends gabs im Nachbardorf am Strand eine Pizza, ich habe fast ein ganzes Buch ausgelesen und habe Hummeln im Hintern.

 Die ganze Zeit denke ich „Wah, wir müssen unbedingt noch malerische Bergdörfer anschauen, Corte, Bonifacio, Porto Vecchio, eine Wanderung zu diesem Wasserfall machen, ins Restonica-Tal zum Baden, Wildschweine sehen, jetzt, sofort, hopphopp.“ Um mich rum sind allerdings alle total tiefenentspannt, schauen mich mitleidig an, meinen „Jaja, nächste Woche vielleicht“ und machen noch eine Bombe ins Wasser und ich finde mich selbst ganz schrecklich anstrengend.

 Deswegen: morgen nochmal wie heute, nur mit wirklich Schatten für alle über Mittag.

Tag 3 und 4:

Das mit dem Schatten und dem Strand, das hat gut geklappt. Die Luftmatratze wurde im Pool eingeweiht, das dazugehörige Instagramvideo sorgte dafür, dass ich kurzfristig überlegte, das mit dem Internet in den Ferien doch sein zu lassen, weil: blöde Kommentare, wenn man unterzuckert und überhitzt ist, das brauche ich nicht, aber andererseits: mir doch wurscht, wieso soll ich mich irgendjemandem über sieben Sekunden aus meinem Urlaub rechtfertigen? Oder auch nur Gedanken darüber machen?

Stattdessen haben wir den gesamten Nachmittag am Strand mit Floss und so verbracht, ich hatte durch fieseste Zusammenarbeit der beiden grössten Jungs in Sachen „Wir schubsen Frau Brüllen vom Floss“ hinterher die hintersten Nebenhöhlen mit Salzwasser durchgespült und zum Abendessen gab es für mich Moules frites direkt an der Strandpromenade. Nomnomnom….



Die Abende sind hier echt grossartig, ich setze mich zwischen meine beiden persönlichen Mückenfänger aka Little Q. und den Hübschen und wir lesenlesenlesen. Little Q. liest pro Tag ein BeastQuest-Buch (der Nachschub von Band 12-17 liegt vermutlich daheim im Postfach) und so muss ich vermutlich übermorgen meinen Kindle ans Kind abgeben, weil da habe ich ihm den ersten Band von Harry Potter draufgeladen, das sollte ja ein bisschen länger als 24h vorhalten. (ich habe den neuesten Elly Griffiths-Krimi und „Ein ganzes halbes Jahr“ verschlungen, mal sehen, wie weit ich noch komme, bis ich auf die mitgenommenend hardcopy-Bücher umsteigen muss). Dazu für die Grossen korsischen Wein, Pastis, und keinen Kommunistenaperitiv ;-).



An Tag 4 war es dann endlich so weit: ich hatte die Meute von einem Ausflug überzeugt.

Und da muss ich jetzt ein wenig ausholen. Korsika, das hat für mich ja ganz viel mit Vergangenheitsbewältigung zu tun. Irgendwann habe ich schon mal drüber geschrieben, wie mein erster Korsikatrip mit dem Hübschen seinerzeit das Kontrastprogramm zu jahrelangem FKK-Urlaub mit meinen Eltern dort war (dieser Eintrag beschert mir immer noch creepy Suchanfragen, genau wie der hier), und in einem dieser Urlaube hatte mein Vater den grossartigen Plan, mit uns dort eine Wanderung zu machen. Immerhin in Kleidern, aber dafür Mitte August (bayerische Schulferien) und ich weiss gar nicht, wo er diese Route hergezogen hat, ich erinnere mich nur noch, dass wir auf einem brütendheissen Feldweg ungefähr 100m über dem Meer (der Ausblick wäre sicher malerisch gewesen, so im März oder so) dahin geschlichen sind, ganz schrecklich genau rationiertes lauwarmes Wasser dabei hatten (das nächste Kindheitstrsauma: die Getränkevorräte bei Auflügen, insbesondere Wanderungen. Es wurde schluckweise rationiert und der allerbeschissenste Satz war „schluck deine Spucke, das hilft auch gegen Durst.“ Tut es nicht. Dementsprechend gehe ich nirgends ohne viel mehr als genug Wasser hin und niemand muss Spucke schlucken gegen Durst.) und es alle so richtig Scheisse fanden. Meine kleinen Schwestern einfach, weil es superheiss war und kein Eis gab, nehme ich mal an, ich zusätzlich, weil ich in den gesamten Urlaub eh schon nicht mitfahren hatte wollen, und dann schon gar nicht bei 1000°C in der brütend heissen Sonne rumlatschen und Gegend anschauen, meine Mutter, weil es superheiss war, weil sie die Idee im allgemeinen eh schon blöd fand und mein Vater, weil wir seine bombige Idee alle so scheisse fanden (und es superheiss war).
Ich weiss gar nicht mehr, ob die Wanderung im Prinzip ausser Gegend noch ein Ziel gehabt hätte und ob wir das erreicht haben oder ob wir irgendwann einfach auf dem staubigen Feldweg umgedreht sind und alle in richtig beschissener Stimmung wieder runtergefahren sind.
Auf jeden Fall: so ein Ausflug, das wollte ich nicht. Trotzdem weiss ich natürlich, dass Korsikaurlaub mit nur Strand und so eigentlich auch ein Sakrileg ist, weil es gibt dort so viel mehr. Und so habe ich mir einen Reiseführer bestellt „Erlebnisurlaub mit Kindern: Korsika“. Da sind verschiedene Ziele, Wanderungen etc. drin und ich habe eins in der Nähe ausgesucht, mit der Altersangabe „ab 3“, Gehzeit: 1h, 80 Höhenmeter, nämlich die Gumpe von Bucatoggio, laut Reiseführer eine einsame und beschauliche Gumpe abseits der touristischen Ameisenstrassen. Wir sind also der Beschreibung gefolgt und haben das Auto am beschriebenen Parkplatz abgestellt.
 
Wir haben alles gefunden, die Ausgrabungsstätte, die Genueserbrücke und das Hexenhäuschen.

 Fatal wurde es erst, als es im Text hiess: „Wir folgen weiter dem breiten sonnigen Weg, bis wir an eine nicht auf Anhieb erkennbare Abzweigung gelangen. Ein Telefonmast mit orangefarbener Markierung zeigt uns die Stelle an, an der wir uns rechter Hand ins vermeintliche Dickicht stürzen. Wir überqueren mehrere kleine Bächlein und folgen dem Verlauf des rechts neben uns plätschernden Flusses.“ Wenn Familie Brüllen so was liest, dann stürzt sie sich natürlich sofort am allerersten orange markierten Telefonmast rechts ins Unterholz. Wir wähnten uns ganz lang auf dem richtigen Pfad, weil tatsächlich keine Abzweigung zu erkennen war, weil
es ganz viel Unterholz gab, weil wir wirklich ganz nah am Fluss waren.Wir sind auch mal über Steine rüberbalanciert, weil auf der ersten Seite irgendwann dann gar kein Weg mehr war, aber irgendwann war dann auch auf der anderen Seite beim besten Willen kein Weg und nix mehr zu erkennen. „Ab 3 Jahren“ war der Weg schon lang nicht mehr und so mussten wir uns eingestehen, dass wir irgendwo, vermutlich beim orangen Telefonmast, falsch gelaufen waren.
Soweit, so gut, wären wir halt einfach zurückgegangen, tja, wenn nicht… Little Q. bei der gefühlt 17. Flussüberquerung so blöd abgerutscht wäre, dass er mit Mund und Kinn auf einen Stein geschlagen ist. Er lag also blutend und brüllend im Wasser, wir hatten keine Ahnung, wo wir sind, wieviel an ihm kaputt war und überhaupt war da grad alles ganz schön doof. Gottseidank hat er sich „nur“ ordentlich innen in die Lippe gebissen und aussen aufgeschürft, so dass wir nach ordentlich ausheulen, Blut und Spucke abwaschen und Schuhe kurz ausleeren wieder zurücklaufen konnten.
Hier sieht mans ein bisschen. So im Nachhinein kann ich Sie alle beruhigen: es ist noch im Urlaub nahezu unsichtbar verheilt. phew.

Tja. Und was soll ich sagen, kaum waren wir nach unserer Stunde Umweg wieder auf dem eigentlichen Weg, mussten wir eigentlich nur noch der „touristischen Ameisenstrasse“ zum nächsten orange markierten Telefonmast folgen, dort die breite Abzweigung, die mit „Cascade“ beschildert war, nehmen und den anderen Leuten auf dem ausgetretenen Pfad hinterhertappeln. Der Wasserfall selber war dann tatsächlich grossartig und wir sind im kristallklaren, recht kalten Wasser geschwommen, am Seil nebendran zum eins höhergelegenen Becken hochgeklettert,







(ich wurde dazu vom Hübschen nahezu genötigt und habe ihn v.a. auf dem Weg wieder runter –barfuss, nasse Steine, nicht gerade vertrauenserweckendes Seil, Brombeerranken und unten meine unschuldigen kleinen Kinder, die bald Zeugen werden würden, wie sich ihre Mutter beim Absturz das Genick brechen würde, wie ihre Mutter uncool wie ein Kartoffelsack rückwärts vom Felsen ins Wasser plumpsen würde…..



 naja. Immerhin sah der Sprungfelsen dann nach der Kletterpartie von oben runter so wenig hoch aus, dass ich mich das auch noch getraut habe…..

Den Rest vom Tag haben wir dann relativ entspannt an Pool und Strand verbracht, wobei wir unsere lokalen Spezialitäten genossen haben. Es gibt hier zB von Haribo die Spiegeleier, von denen immer nur total wenige in den StarMix-Tütchen sind, in gross und mit ohne den ganzen langweiligen Rest ;-). Und Zartbitter-Erdnuss-M&Ms mit pink und türkis.

Mittwoch, August 07, 2013

Korsika 2013, mit den 4500 schönsten Bildern, Teil 1


So ein catchy Posttitel, gell?
Egal, jetzt fangen wir halt mal an:

Anreise:

Little L. und ich waren am Abreisetag reisefiebrig schon um halb sieben wach und starteten gemütlich mit Kaffee (ich) und Apfelschnitzli (er) auf der Terrasse in den Tag. Der Hübsche konnte gar nicht verstehen, wie man schon so früh so hibbelig sein konnte, weil die Fähre in Genua doch erst um 10 Uhr abends ging und wir laut Navi dorthin nur fünf Stunden und ein bisschen was brauchen würden. Ich habe dann auf „Mindestens 90 Minuten vorher da sein! Gotthard! Mailand! Baustellen bis Genua! Überhaupt!“ gepocht und so konnten wir dann so gegen halb elf endlich aufbrechen.


Bis zum Gotthard ging es dann auch erstaunlich schnell, wir fuhren wie immer obendrüber und machten eine ausgiebige Pause am See incl. Schnee in die Hose stopfen. Danke dafür….


Crossing over Gotthard with Photomatix by Prozac74

Where to Find Snow in July by Prozac74
Where to Find Snow in July, a photo by Prozac74 on Flickr.

In Italien ging es dann los mit Stau, Stau, Stau und so ging es dann doch bis sieben, bis wir in Genua am Hafen waren. Immer noch rechtzeitig, aber eben. Mein ursprünglicher Plan, das Auto am Hafen abstellen und dann die Stadt zu erkunden ging insofern nicht auf, weil der erste Parkplatz, den wir fanden, schon auf dem Autodeck der Fähre war. Auch gut, die Jungs waren total begeistert von der kleinen Kabine, wir assen lauwarme Lasagne und Pommes, Little L. ging kurz verloren „Ich hab Euch nicht gesehen, da bin ich dann mal losgelaufen (grossartige Idee….) und hab geweint und dann hat mich eine Frau in Uniform auf den Arm genommen und nicht mehr runtergelassen“, wurde aber nach kurzen Herzkasperl bei den Stewards an der Rezeption wieder aufgefunden, wir haben die Abfahrt an Deck bewundert,




uns dann in unsere Kojen verzogen und bis auf mich haben dann alle grossartig geschlafen.

Aber morgens, nach ordentlicher Koffeinzufuhr war ich dann auch wieder fit und wir konnten die Anfahrt auf Bastia in der Morgensonne geniessen.



Ein Stück an der Ostküste runter haben wir dann eigentlich die Einfahrt zu unserer Ferienanlage noch ganz gut gefunden, die eigentliche Anlage dann allerdings nicht mehr. Little L. und ich waren kurz verzweifelt, er laut, ich still, aber irgendwie gings dann doch und obwohl wir „Check-in ab 17:00h“ ca. 6 Stunden zu früh da waren und ich mit meinem extrem rudimentären Französisch das nicht besser erklären konnte als „Nous sommes la famille Bruellen et nous sommes trop……“, war der Dame klar, was wir wollten (und ich weiss jetzt, dass "trop…. " besser en avance oder so heisst) und wir dürften nicht nur schon in unser Appartement, nein, wir durften sogar eines auswählen. Entweder im Erdgeschoss mit relativ grosser Terrasse oder im zweiten Stock mit Meerblick all over. Raten Sie mal, worauf ich grad blicke. Nicht auf die Terrasse.