281026
Aufgestanden bin ich heute sehr früh, nämlich um fünf, weil ich schon um punkt acht ein Briefingmeeting mit unserer Oberchefin für unseren halbjährlichen Portfolioreview hatte und ich nicht aufs Schwimmen verzichten wollte und aber auch rechtzeitig parat. Ging sich gerade so aus und meine zwei Kolleginnen und ich haben mit unserer Oberchefin, die im Auto unterwegs war, gesprochen. Musste dran denken, wie nervös ich vor einem Jahr war, als wir das das erste Mal gemacht haben und ich sie nicht einschätzen konnte und aufgrund Erfahrung mit anderen ObechefInnen ganz anderes erwartete. Heute war ich mir sicher, dass wir generell wohlwollend aufgenommen werden und sachlich diskutiert wird und Input gegeben wird. Wird alles.
Sonst war der Tag wild zwischen konstruktiver Zusammenarbeit mit meinen beiden KollegInnen und vielen anderen Kollegen, die alle mithelfen, dass der Portfolio Review gut wird, und halt dann schon auch Erkenntnissen, die mich einfach wütend, enttäuscht und ratlos hinterlassen. Ich frage mich, wie man so sein kann und wie man so durchkommen kann. Aber: habe ja jetzt geübt, klares Feedback zu geben und so habe ich nach aussen relativ ungerührt Klärung und Korrektur verlangt und den Rest meinem Chef unterbreitet. Diesen Kampf werde ich nicht kämpfen, aber ausbaden werde ich diese Aktionen auch nicht mehr.
Kryptisch, I know.
Mittagessen mit einem der kollaborativen Kollegen, dem ich, sorry, meinen gesammelten Frust vor die Füsse gekippt habe, das ist mir jetzt ein bisschen unangenehm.... naja.
Nachmittags, auf diese Idee bin ich sehr stolz, hatte ich eine Verabredung mit L., der morgen Bio-Test hat und noch ein paar Fragen zu Nervenreizleitung hatte. Und wer könnte besser zum Erklären sein, als die Mutter, die Bio durch Klassenüberspringen und dann Physik-LK und Chemie-Kolloquium nach der Hälfte der 10 Klasse abgelegt hat? L. hat aktuell so viel ausserhalb der Schule zu tun, ich bin so viel bei der Arbeit, wir sehen uns daheim kaum und noch weniger zu Zeiten, wo unser Hirn anufnahmefähig und unser Müdigkeitsgrad für eine gute Zusammenarbeit reicht. Aber: seine Schule ist in Sichtweite meines Büros (sagt jetzt nicht viel, der gesamte Kanton Basel Stadt, Land und ein Gutteil des Aargau und Frankreich und Deutschland ist in Sichtweite meines Büros), wir beide hatten heute nachmittag eine Meetinglücke (ich zwischen Slide-Diskussion und Risk-Review, er zwischen Schule und Pfadiorganisationstreffen fürs Winterweekend) und so habe ich ihn als Besucher angemeldet und wir haben in einem unserer Kollaborationsräume uns eine Dreiviertelstunde mit Ruhepotential, Na-K-Pumpe, Ionenkanälen und Axonen befasst. Ich hatte das so noch nie gelernt, habe es jetzt verstanden, aber meine Güte, was ist das für ein ineffizienter Prozess? Hat mal jemand ein Spaghetti-Diagramm davon gemacht? Ioneneffizienz berechnet? Meine Güte, ein Wunder, dass das funktioniert!
Heim kamen dann beide Jungs übrigens zusammen in der S-Bahn, Q. brütet jetzt noch über dem NMR-Spektrum seines heutigen Laborversuchs, L liest nochmal Nervennotizen und ich werde jetzt gleich meinen Pyjama anziehen und dann schauen wir alle zusammen eine Folge "Dark Matter". Mal sehen,ob ich wach bleibe.
Und so sieht mein perfektes Influencerinnenleben aus, liebe Marion. Bin schon gespannt auf die Zeitreise! (Was ist mit den Leuten, echt hey. Bitte schreiben Sie mir keine creepy Emails.)
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