Dienstag, November 07, 2017

Der irre November

nimmt seinen Lauf.


Der Hübsche ist in Amsterdam und schickt Bilder von seinem Workshop ("Das war echt spannend, und ich benutze den Ausdruck on purpose" und ich verstehe gar nix, weil "das finde ich total spannend" ja bei uns ein Synonym für "Boah, öde" ist. Kennen Sie das, ich nenne es gerne, Sozialpädagogenu-und Psychologen-spannend? Das die Standardantwort auf die grössten Banalitäten ist? "Ich fahre heute mit dem Bus." "Ach, das finde ich echt spannend" "Heute mittag gabs Kartoffeltaler." "Oh, spannend." "Ich mag türkis und lila, aber gelb finde ich scheusslich." "Ui, DAS ist jetzt aber echt spannend". Also, langer Rede, kurzer Sinn, ich habe keine Ahnung, ob der Hüsche vor Aufregung hyperventiliert oder vor Langeweile vom Stuhl kippt. Mann, ware das SPANNEND, das rauszufinden.)


Hier ist es nicht ganz so spannend, die Italiensache hat sich schon um einen weiteren Tag verzögert, ich bin sehr froh, dass ich noch keinen Flug gebucht habe. Wenn es so weiter geht, bin ich doch nicht übers Wochenende weg (just kidding, aktuell sieht es so aus, als ob ich wunderbar Freitag bis Montag oder MIttwoch bleiben würde.)


Ich muss morgen früh dran denken, etwas zum Knöpfen anzuziehen, sonst muss ich mich wieder ganz ausziehen, wenn ich grippegeimpft werde.


Ich muss noch rausfinden, ob ich bei uns auf der Gemeinde eine Unterschrift beglaubigen lassen kann, weil, der Teufel ist ja ein Eichhörnchen, der nur sehr eingeschränkt auswählbare Termin beim Konsulat, wo wir neue Kinderpässe beantragen müssen, nun langsam vielleicht doch mit dem Italiending kollidiert und dann braucht der Hübsche statt meiner wenigstens eine beglaubigte Einverständniserklärung, dass die Kids neue Pässe bekommen.


Bei der angedachten Planung für nächstes Jahr wollte ich mal mit Google Streetview durch Ratlam oder Hyderabad wander: ha, da gibts gar nix. Nur Satellitenbilder.


Sonst: nix los hier. Spannend, wa?

Montag, November 06, 2017

Monday Funday

Zuallererst eine kleine Anmerkung zum #wmdedgt von gestern: falls Sie sich wundern sollten, warum Ihr verlinkter Post nicht mehr verlinkt ist, kann ich mir zwei Möglichkeiten vorstellen: entweder hat inlinkz Schluckauf oder ich habe ihn gelöscht. Das habe ich nämlich entsprechend meiner Ankündigung mit den Blogposts getan, die nicht ein Tagebuchblogpost (in welchem Format auch immer) über den 5. sind, sondern zB über das ganze Wochenende. Das mag Ihnen vielleicht kleinlich* vorkommen, aber ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass sich viele der hier regelmässig verlinkenden Blogger sich einfach so sehr dafür einsetzen, dass das ursprüngliche Konzept von #wmdedgt nicht verwässert oder verkommerzialisiert wird, und das berührt mich sehr. Deswegen habe ich erstens letztes (oder vorletztes?) Mal die Shuffleliste eingeführt und diesmal eben rigoros auch mal Links gelöscht. Ich hoffe, Sie verstehen das, es geht nicht gegen Sie oder Ihre Beiträge (ich hab sie alle gelesen!).** Wenn nicht, dann tut es mir leid und ich bin wieder einmal sehr froh, dass dieses Blog ein reines Hobby ist :-).


Sonst so: Ich habe mir mehr oder weniger das ganze Wochenende (eigentlich schon seit Donnerstag) Sorgen gemacht, wie ich das hinkriegen soll bis Weihnachten, meine Arbeit zu schaffen UND jeden Freitag frei zu nehmen, vor allem weil ich ja am Freitag genau mitbekommen habe, was sich alles in meiner Abwesenheit angestapelt hat.
Dann habe ich heute knallhart priorisiert und ein zweistündiges Training (not mandatory) und ein zweistündiges Lessons learned / Experience exchange für die Migration von Dokumenten von einem Lagerort an einen anderen (meine lesson learned: ja, hab ich halt gemacht.) einfach mal kurzfristig abgesagt und zack, nur noch zwei Punkte von der To-Do-Liste übrig.


Kurz vor Feierabend hatte ich dann noch ein Meeting, in dem unter anderem die Richtung definiert wurde, die mich 2018 beschäftigen wird und wie erwartet, geht es weniger nach Italien, mehr nach Indien. Allerdings nicht so lang und so oft, wie auch schon im Raum stand.
Den Lead in diesem Meeting hatte eine Frau aus eine Bereich, mit dem ich bisher nicht so viel direkt zu tun hatte, und ...holla die Waldfee, das war eine grossartige Erfahrung, ich habe ein neues weibliches Role Model für meine ständig wachsende Sammlung!


Daheim dann: Skilageranmeldung für Little Q., Kinder für den Termin im Konsulat für die neuen Pässe vom Nachmittagsunterricht bald dann mal abmelden, Sporteln, riesiges Lego-Paket für Weihnachten wegräumen, Staubsauger weiterlaufen lassen, Star Trek Discovery.


*Wenn wir schon bei kleinlich sind: Klickzahlen gehören zu den Dingen, die mich am Bloggen ungefähr am wenigsten von allem interessieren. Höflich allerdings fände ich, dass, wenn man sich in die Linkliste einträgt, im verlinkten Beitrag wenigstens einmal auf das Blog hier oder die Aktion verwiesen wird.


**Und ja, ich verstehe das schon ein bisschen: wenn der 5. am Wochenende ist, ware es schon schick, mit einem Blogeintrag #wmdedgt und #wib zu "erschlagen", aber tja, ein Wochenende hat zwei Tage, der 5. ist nur einer....

Sonntag, November 05, 2017

WMDEDGT 11/17

Es ist wieder einmal soweit: Tagebuchbloggen im November!
 
Mittlerweile wissen ja alle, wie es läuft, oder? Wir schreiben heute alle auf, was wir den ganzen Tag so machen und abends verlinken wir uns hier und zack: man kann bei den anderen schauen, was da so los war. (Und: WMDEDGT? heisst: "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?" und hat vor über vier Jahren seinen Anfang genommen in einer Tagbuchblog-Woche und seit April 2013 gibt es das jeden Monat am 5.)
 


Allgemeines:
  • Die Linkliste schaltet sich um 18:00h frei.
  • Und, finden Sie es kleinlich oder nicht, das Ganze hat seinen Anfang im Tagebuchbloggen gemacht und ich möchte, dass es auch so bleibt. Ich behalte mir deshalb vor, Links auf Posts, die halt heute geschrieben wurden, aber keine Tagebuchblogsposts sind, von der Liste zu löschen.
  • Ich fand ausserdem die geshuffelte Linkliste letztes Mal sehr nett (es hat sich auch keiner beschwert, auf jeden Fall nicht bei mir oder so, dass ich es mitbekommen hätte), also bleibt das jetzt so.
Ich bin um halb acht aufgewacht (logisch, ich hatte ja den Wecker um 8 gestellt, um noch mit den Hübschen frühstücken zu können, der zu einem Sportseminar wegmusste), so dass es noch für Kaffee und Internet im Bett reichte. Mit Little L., der sehr kuschlig war, das war schön, gestern abend wurde es nämlich beim Pfadiznacht sehr spat und wir sind alle wegen Übermudung etc. noch ordentlich aneinandergeraten, bevor um halb 11 endlich alle Kinder im Bett waren.


Als wir dann bei frischem Hefezopf und Spiegeleiern gemütlich am Frühstückstisch sassen, kam irgendwann auch total verstrubbelt und verschlafen Little Q. dazu (das Kind kann immerhin schon mal ausschlafen. Das hätte ich mir auch nie träumen lassen....).


Danach machte sich der Hübsche auf den Weg, die Kinder räumten das Zimmer staubsaugerfertig auf (am Sonntag wird der Saugroboter durchs ganze Haus geschickt, damit der gröbste Dreck für den Putzfrauentermin schon mal weg ist, ausserdem ist dann automatisch alles aufgeräumt). Ich übernahm heute einen Job des Hübschen, nämlich das wöchentliche Orchideengiessen in der Dusche. Das Ausziehsofa, dessen Bezug ich in Aussicht auf Übernachtungsbesuch gewaschen hatte, war viel einfacher wieder anzuziehen, als ich gedacht hatte.
Als nächstes löste ich die von den Bonuspunkten unseres firmeninternen Rewardsystems erstandenen Mediamarktgutscheine (es ist noch viel komplizierter, als es klingt) für das Weihnachtsgeschenk von uns für uns alle ein, nämlich eine PS4 pro, nachdem unsere betagte PS3, die neben ihrem Job als Spielekonsole als DVD- und Blueray-Player und als Streaming-Ding fungiert und immer öfter Schluckauf hat.
Als der Sauger endlich seine Runden im Kinderzimmer drehte und die jungen Herren von den Pyjamas in echte Kleider gewechselt hatten, durften sie die Sendung mit der Maus streamen, während ich vor lauter "draussen ist es so scheusslich" schlimmen Kuchenjieper bekam. In "Jeannys Lieblingskuchen" (Affiliatelink) lachte mich der Praline-Kuchen sehr an, allerdings reichten unsere Butter- und Walnussvorräte nicht mehr. Aber weil ich Silberzwiebeln und eingelegte Maiskölbchen für unser geplantes Anraclettieren am Abend eh vergessen hatte zu kaufen, musste ich eh noch mal zur Tankstelle. Durch den strömenden Regen....
Auf dem Rückweg traf ich dann schon meine Schwester mit Hund, die sich für heute angekündigt hatte. Im Gepäck hatte sie meinen Essie-Adventskalender (<3) und zwei Taschen voller Bücher, von denen sie glaubt, dass sie sie von mir irgendwann mal ausgeliehen hat. Bei den meisten ist das so, bei manchen sind wir uns uneins und ich kann mich beim besten Wissen nicht daran erinnern, sie jemals gelesen geschweige denn gekauft zu haben (zum Teil noch mit nur DM-Preisen :-))
Schwatzenderweise backen wir Kuchen, trinken Kaffee, Little L. fabriziert stundenlang Wachstaler,




 wir spielen mit den Kindern eine Runde Lego-Harry-Potter (ich muss Slytherin sein, werde aber immerhin zweiter!),


Mario,


 trinken literweise Tee, schwatzen, ich setze den Staubsauger immer mal wieder ein Zimmer weiter.
Irgendwann kommt der Hübsche nach Hause, wir essen Kuchen (sehr, sehr lecker!),


 wir schnippeln Zeug furs Raclette und Salat (und Little L.s Minipizzen), Schultaschen warden gepackt und zack, ist es Abend, der Raclettegrill heiss, der Weisswein kalt und alle hungrig vor lauter Nichtstun (oder vom Sport, so wie der Hübsche).






So, das muss jetzt irgenddwie alles gegessen werden, danach Schwester in die nächste Schulwoche verabschieden, Duschrunde, Klamotten für morgen rauslegen, eine Runde Blacklist für den Hübschen und mich (es hat sich .... ein bisschen totgelaufen, aber es hilft ja nix, Berlin Station und Discovery kommen nur einmal die Woche), und dann ab ins Bett und auf ein Stück von dem Kuchen zum Frühstück freuen! Das war ein sehr, sehr gemütlicher Sonntag!








Samstag, November 04, 2017

Bloss nix ändern!

In meinem ersten Job nach der Uni in der Prozessentwicklung eines Spezialchemikalienunternehmens meinte mein Chef damals immer, wenn wir Prozessentwicklungschemiker mal wieder seufzend an die Mögichkeiten (und Gehälter) in einem Pharmaunternehmen dachten: "Aber Eure Fähigkeiten wären dort total verschwendet, Prozessentwickler brauchen die da nicht, das können die nicht und wissen das auch nicht zu schätzen."
Ganz so ist es natürlich nicht, aber er hat schon ein bisschen recht: einen grosstechnischen Produktionsprozess so zu entwickeln oder auch später noch so zu optimieren, dass 1 kg Produkt in der Herstellung nicht 14.60CHF kostet, sondern 13,80CHF, das ist nicht leicht, das  braucht Erfahrung und Kreativität und kann für das Unternehmen einen sehr grossen finanziellen Unterschied machen, wenn der Verkaufspreis zB bei 17.20CHF/kg liegt und man 60000 Tonnen im Jahr produziert.


In der Pharmaindustrie ist das ... anders. Nicht nur, weil die Herstellungskosten (da reden wir eher mal Faktor 100) und die Mengen (mal Faktor 0.01 - 0,000001) und die Margen (aus Gründen. Sehr guten und vielleicht nicht ganz so guten) ganz andere sind, nein, auch weil jede Art von Änderung einen so unglaublich grossen Rattenschwanz hinter sich herzieht, der unglaublich viel Zeit, Geld und Ressourcen kostet, das kann man sich als Aussenstehender gar nicht vorstellen.


Ich lese und höre immer wieder: "Boah, diese Tabletten, die sind so gross, die kann man kaum schlucken" oder "Dieser Sirup schmeckt so scheusslich, warum gibt es den nur mit Erdbeeraroma und nicht auch mit Kaugummi- oder Orangengeschmack?". Das hat nun nichts mit Sadismus oder mangelnden Geschmacksnerven des Pharmakartells zu tun, es ist ....kompliziert.


Bevor ein Medikament erstmals auf den Markt kommt*, muss es bei den Gesundheitsbehörden eingereicht werden. Da geht es nicht nur darum, dass das Medikament wirkt, besser wirkt als die bereits auf dem Markt bestehenden, dass das Medikament sicher ist, dass seine Stabilität in der entsprechenden Klimazone überprüft wurde, nein, es wird auch offengelegt, wie man das Medikament (also: Wirkstoff und die Darreichungsform an sich dann) herstellt. Es wird überprüft, über welchen Syntheseweg man zum Wirkstoff kommt, was die Strategie für Starting Materials ist (d.h. wie weit ich in der Synthese zurückgehen muss mit GMP*-Anforderungen), welche Nebenprodukte entstehen, wie man die kontrolliert, ob potentiell genotoxische Verunreinigungen enthalten sein könnten, wie man die kontrolliert oder noch besser ausschliesst, wo man produziert, in welchem Massstab man produziert, welcher Spezifikation der Wirkstoff, alle Zwischenstufen und auch alle Reagenzien erfüllen müssen und warum oder warum nicht, und noch viel, viel mehr.


Man kann ein Medikament erst verkaufen, wenn die Gesundheitsbehörde eines Landes das überprüft und abgesegnet hat, und das kann .... dauern. Wenn sie nicht auf Anhieb mit den Daten zufrieden sind, gibt es Frage-Antwort-Runden, eventuell muss man noch etwas ändern oder nachliefern. Natürlich sind die Anforderungen nicht für alle Länder gleich und da man (also, ich spreche da nur für meinen Arbeitgeber) ein Medikament ja nie nur in einem Land verkaufen möchte, sondern weltweit, kann sich das ganz schön ziehen.


Für ein neues Medikament läuft der Patentschutz (also die Zeit, in der kein anderer dieses Medikament herstellen und verkaufen darf) allerdings ab dem Zeitpunkt, wo man das Patent auf den Wirkstoff eingereicht hat und das ist sehr, sehr früh in der Entwicklung, da kennt man das Molekül und vermutet einen Wirkmechanismus, aber weder der Prozess noch die galenische Form sind da ansatzweise definiert. Ab diesem Zeitpunkt tickt sozusagen die Uhr, einerseits weil die Zeit, die einem Unternehmen bleibt, mit einem Medikament ohne Generikakonkurrenz Geld zu verdienen, eben immer kürzer wird, je länger man braucht, um von der Patenteinreichung bis zur Markteinführung zu kommen, andererseits (und diesen Aspekt lassen die, die immer auf die böse, gierige Pharmaindustrie schimpfen, gerne elegant unter den Tisch fallen) steht das Medikament in der Zeit, in der es in der Entwicklung steckt, natürlich Patienten, die es dringend brauchen, nicht zur Verfügung. Zumindest in den Sparten, in denen mein Arbeitgeber tätig ist, geht es dort tatsächlich um Menschenleben.


Und da ist es dann auch verständlich, wenn der Prozess von der Medizinalchemie über Syntheselabor über Kilolabor über Pilotanlagen in die kommerziellen Volumina nicht auf den letzten Rappen hin optimiert wird, sondern nach bestem Wissen und Gewissen machbar so gut man es eben in der kurzen Zeit hinbekommt.
Dieser Prozess wird dann bei den Behörden eingereicht und ... ist dann das Mass aller Dinge.


Und ja, insofern hat mein erster Chef recht: durchoptimiert werden die Prozesse nicht, dafür ist keine Zeit. Scale-Up-Effekte gibt es natürlich, normalerweise werden die aber nicht unbedingt mehr nachjustiert oder nur in begrenztem Rahmen, weil: der Prozess ist ja registriert.


Natürlich kann man auch nachträglich noch etwas ändern, aber ... das ist ist so kompliziert, dass es sich für 1.20CHF/kg oder aber "Orange und Kaugummigeschmack wäre doch auch nett"  einfach nicht lohnt. So eine Änderung (oder, wie wir es nennen: ein "Technical Change"), die entweder jemand gut findet, weil sie den Prozess verbessern würde, oder die man machen muss, weil .. ein Zusatzstoff für die Tabletten oder den Sirup nicht mehr lieferbar ist, oder ein Produktionsstandort schliesst, oder oder oder, wird also daraufhin überprüft, ob er "regulatory relevant" ist, d.h., ob in den Dossiers, die man in den verschiedenen Ländern (und das sind vielevieleviele, die fast alle unterschiedliche Anforderungen haben) eingereicht hat, etwas drinsteht, das man ändern müsste. Wenn nicht, ist das recht einfach, man macht einfach dokumentiert alle Änderungen, die man macht, im Technical Change Management System, überprüft den Einfluss auf die Produktqualität (wäre gut, wenn es keinen hätte) und macht.
Wenn schon, dann wird es kompliziert. Man muss also die Behörden über diesen Change informieren ***, mit Daten beweisen, dass das Produkt nach dem Change genauso gut wie vorher ist, und die müssen dann überprüfen, ob sie das so akzeptieren können. Das ..... dauert. Einerseits das Generieren der Daten (wir erinnern uns: global, jedes Land hat andere Anforderungen, wir müssen ALLE erfüllen), andererseits die Überprüfung von Behördenseite. Nicht selten liegt das .... Wochen, Monate, Jahre auf einem Stapel, bevor sich das mal jemand anschaut und nicht selten kommen dann gefühlt endlose Fragerunden zurück. Gerne nicht nur zum veränderten Prozess, sondern auch zum Originalprozess, den man zB 10 Jahre vorher eingereicht (und aktzeptiert bekommen hat), als die Behördenanforderungen noch ganz andere waren.


Bis man so einen Change also global akzeptiert bekommen hat, vergehen Jahre. Und in dieser Zeit muss man natürlich **** das Produkt, das gemäss des Herstellungsprozesses VOR dem Change liefern. Das heisst, man muss nach dem alten Prozess weiterproduzieren und parallel nach dem neuen, weil: oft ist es ja so, dass man den Change nicht als Alternative, sondern als Ersatz einreicht und sobald ein Land sagt: "So, super, den Change, den ihr uns vor 24 Monaten geschickt habt, den finden wir gut. Macht mal.", muss man ab sofort Material nach dem neuen Prozess liefern. Und weil alle unterschiedlich lang brauchen, ist das alles sehr, sehr komplex. Darum kümmern sich bei uns die "Supply Chain Manager" *****


Und weil das eben alles Geld kostet (jede Behördeneinreichung kostet Geld, dann muss man eben einen bridging stock von "altem Material" an Lager legen, den man vielleicht irgendwann abschreiben muss, wenn die Länder doch schneller akzeptieren) und unglaublich viel Zeit, ist es eben nicht so einfach, mal eine schluckfreundlichere Tablette oder Orangengeschmack anzubieten. Da muss dann schon ein grösserer Patientennutzen****** oder ein starker business case dahinter stecken. Viel stärker als 1.20CHF Einsparung pro Kilo.




Mein Projekt, das jetzt in die heisse Phase kommt, hat mit genau so einem Change zu tun. Es wurde entschieden, einen Produktionsstandort zu schliessen und den Wirkstoff in Zukunft bei einem Lohnhersteller nach unserem Prozess produzieren zu lassen. Dafür mussten wir dem Lohnhersteller sozusagen beibringen, wie das geht, und er muss zeigen, dass er das kann. Zuerst im Labor, dann im Kilolabor und dann in den grossen Anlagen. Dort muss der Prozess validiert werden (in a nutshell: 3 aufeinanderfolgenden Ansätze entsprechen nicht nur der Spezifikation, sondern auch den vorher festgelegten Aktzepanzkriterien, die u.a. auf historischen Vergleichsdaten beruhen) und das passiert eben demnächst. Dem Ganzen vorausgegangen sind unendlich lange Abklärungen, weil natürlich die Anlage dort nicht zu 100% der bisherigen Anlage entspricht, wir haben jeden kleinen Unterschied auf möglichen Einfluss auf die Produktqualität überprüft (ohne Witz: wir haben das Material jeder einzelne kleine Schraube auf Produktkontakt und Kompatibilität zu Reaktionsmischung oder Produkt überprüft), wir haben hunderte Seiten an (italienischen und englischen) Master Batch Records überprüft und angepasst, auf der Analyitikseite natürlich das Gleiche, wir mussten die Sicherheits- und Arbeitshygienestandards beim Lohnhersteller auf unsere Standards anpassen (lassen), und jetzt (also: ab nächster Woche) gehts dann um die Wurscht und wir müssen sehen, ob wir an alles gedacht haben und ob wirklich das rauskommt, was rauskommen soll.


Wenn das dann erledigt ist (und der ganze Papierkram dafür erledigt), wird der Wirkstoff dann an verschiedene Galenik-Sites geschickt (praktischerweise ist das ein Wirkstoff, der in ganz vielen verschiedenen Formulierungen und Darreichungsformen auf dem Markt ist), die das dann zu Tabletten/Kapseln/Vials/Sirup etc. umsetzen. All diese fertigen Medikamente (und der Wirkstoff natürlich) werden dann "auf Stab" gelegt, d.h. in ihren fertigen Verpackungen in verschiedenen Klimakammern gelagert und nach einem vorher festgelegten Programm immer wieder bemustert, und wenn sie auch nach eben dieser Zeit bei 25, 30, 45 °C und verschieden hoher Luftfeuchtigkeit den Spezifikationen noch entsprechen, dann kann man all die Daten bündeln und an die Behörden weltweit verschicken.


Ab dem Zeitpunkt, wo das ganze an die Galenik weitergeht, bin ich eigentlich raus und kann nur noch Daumendrücken, und ja, ich freue mich schon sehr darauf!








* Ich kenne mich nullkommanull mit der Generikasparte aus, die sind der Feind das ist ein anderes Geschäftsmodell und ich weiss nicht 100%, wie das da alles geregelt ist. Ich vermute und hoffe allerdings: auch sehr streng.


** GMP = Good Manufacturing Practice. Klingt harmlos, ist aber ein unglaublicher Riesenaufwand an Dokumentation und erfordert ein gerüttelt Mass an Düpflischisser-Attitüde.


*** Da gibt es verschiedene Varianten, zB "Do and tell", "Tell and do" oder "Prior Approval". Das ist das, womit sich die Kollegen in der technischen Registrierung auskennen.


**** Natürlich, weil: ein Stockout ist nach einem Recall das Horrorszenario schlechthin für ein Pharmaunternehmen. Nicht nur finanziell, sondern auch ethisch, wir erinnern uns: Menschenleben.


***** Wenn dann  bei einem Produkt noch mehrere Changes gleichzeitig laufen, sei es zB "Änderung des Produktionsstandortes des Wirkstoffs" und "Schriftgrösse der Beschriftung auf den Kapseln" und natürlich alles länderspezifisch verpackt wird, dann wird das sportlich. Vielleicht hat die EU den Produktionsstandort aktzeptiert, aber noch nicht die Schriftgrösse, dann können Sie für Europa zwar schon neuen Wirkstoff abfüllen, müssen aber noch die alten Kapseln verwenden, Russland hat die Schriftgrösse akzeptiert (und gleichzeitig angefragt, ob man die nicht in kyrillischen Buchstaben haben könnte), hat aber Mühe mit dem Produktionsstandortwechsel, die Türkei findet die Kapselschrift okay, der Wirkstoffproduktionsstandort ware an sich auch okay, aber sie müssen erst noch eine Inspektion ihrer Gesundheitsbehörde durchführen, und sie merken ausserdem an, dass man langfristig nur in der Türkei verkaufen darf, wenn man auch in der Türkei produziert, d.h. die Kapseln sollen bitte danke in der Türkei abgefüllt werden, Madagaskar meldet sich und sagt: "Ups, ihr ändert die Schriftgrösse? Uns hat niemand gesagt oder wir haben es übersehen, dass die Kapseln überhaupt beschriftet sind, hättet ihr bitte die toxikologischen Daten für die Tinte und ein Haram- und Kosher-Statement für die Kapseln?"


****** Ein Beispiel: ein(ige) "unserer" Onkologieprodukte wurden von "iV" auf "subQ" umgestellt, d.h. der Patient muss nicht mehr stundenlang im Krankenhaus sitzen, während die Infusion tröpfelt, sondern kann das subkutan gespritzt bekommen, das geht viel schneller.

Freitag, November 03, 2017

*bibber*

Die Oberproduktverantwortliche meinte gestern auf dem Flur: "Sags keinem aber ich habe i Urlaub übrigens eine Kerze in Lourdes für Euch angezündet. Nicht, dass ich dran glaube, aber mein Mann ist katholisch und dann mussten wir da eh hin."


Meine Kollegin meinte: "Mir ist gestern mein Lieblingssprossenglas aus der Hand gerutscht und erst habe ich geflucht, und dann dachte ich: "Ha, Scherben bringen Gluck, da können wir echt brauchen."


Ich in so nervös, dass ich es fast nicht mehr erwarten kann, in den Flieger nach Rom und das Auto noch viel weiter zu steigen, allerdings geht das noch so lang, dass ich bis dahin vermutlich verschwunden bin (Team "Nervöse Flitzekacke" oder, wie man es weniger explizit nennt: "Team Lochzange"). Heute Nacht habe ich davon geträumt, dass beim nächsten grossen Townhallmeeting, das wir leider verpassen, weil wir eben in Süditalien Fingernägel kauen werden und auf Heatkicks und Phase splits warten werden, auf dem grossen Screen ein Live-Feed aus dem Produktionsgebäude geschalten wurde. (das wird gar nicht gehen, aus Explosionsschutzgründen, aber interessieren würde es vermutlich doch einige).


Ich habe mich in den letzten zwei Jahren sehr daran gewöhnt, für Millionenbeträge nur als Zahlen in Excelsheets verantwortlich zu sein, nicht mehr so in Form von .... unmittelbar Material vor der Nase.


Auf der einen Seite überlege ich schon, wie wir den erfolgreichen Ausgang des Ganzen gebührend feiern können, auf der anderen Seite weiss ich, dass wir keinen Plan B haben, wenn es in die Hose geht.

Donnerstag, November 02, 2017

Feiertag. Kind of

Gestern war hier ja Feiertag. Hier, also wie hier, wo wir wohnen. Ca 500m weiter schon nicht mehr, da ist nämlich die Kantonsgrenze zwischen dem Aargau und Baselland.
In Basel-Stadt war natürlich auch kein Feiertag und so hatten die Kollegen, die an dem Aussenstandort in unserem Dorf arbeiten, frei und deswegen fuhr auch der Shuttlebus von unserem Dorf zum Hauptsitz und zurück nicht. Ich erinnerte mich bei der Ankündigung, dass ich schonmal umsonst an der Haltestelle gestanden hatte, und schrieb mir deshalb heute dick und fett in den Arbeitskalender "KEIN SHUTTLE!". Sogar mit Erinnerungsmail um 6:00h, die ich beim Zähneputzen registrierte und wegschubste.
Beim Frühstück überlegte ich dann, dass ich mein Brot unterwegs essen könnte und den Shuttle um 6:55h erreichen könnte oder im Sitzen mit Buch und den Shuttle um 7:10h nehmen könnte. Um 7:02, als ich schon fast an der Haltestelle war und überlegte, dass ich ja noch einen kleinen Schlenker laufen könnte, um eine PokemonArena zu besetzen, und trotzdem noch den Shuttle erwischen könnte, da fiel mir dann auf, dass das Areal (bis auf die 24/7 arbeitenden Produktions- und Verpackungsbetriebe) stockfinster war und überhaupt niemand unterwegs. Und dann fiel mir die Mail wieder ein. Und der keine Shuttle. Ich drehte also um, wanderte durchs Dorf zurück zum Bahnhof und war dann deutlich später und mit deutlich mehr Bewegung als angedacht im Büro.

Mittags habe ich mich mit meiner Schwester (das war schon lang geplant) und den drei Jungs, die ja alle frei hatten, zum Mittagessen in der Markthalle getroffen (Note to myself: wenn L sagt, er hätte am liebsten nur was vom Bäcker: kauf ihm was vom Bäcker. Sonst sitzt Du hinterher mit einem Burger da, den Du zB auch nicht wirklich magst, aber Du bist gross und reisst Dich zusammen und hast ausserdem das Geld verdient, mit dem der sauteure Burger bezahlt wurde und jetzt isst du das blöde Teil halt und Pommes sind das sicher nicht, sondern halbe Kartoffeln und eigentlich hättest Du auch lieber was vom Bäcker als das), dann sind sie auf die Herbstmäss gegangen, haben mir das obligatorische Bild geschickt, dabei ist auch die eherne Regel: "WIR KAUFEN NIENIENIENIE ÜBERTEUERTE HELIUMBALLONS!" gefallen, die der Hübsche dummerweise nicht kannte*, danach kamen sie dann (wie alle anderen significant others mit significant little ones, die auch frei hatten, in den Elfenbeinturm und wir haben den Tag bei Kaffee, heisser Schokolade und ein bisschen Kuchen ausklingen lassen, bevor wir uns in den Feierabend-ÖV gemischt mit Einkaufs-Heimfahr-ÖV und Mäss-Heimfahr-ÖV quetschten.

Traumwetter!

Riesenrad auf dem Münsterplatz ist Pflichtprogramm!

Im Riesenrad meint man, man wäre voll weit oben :-)

Es sieht aus wie aus der Basler Tourismus-Broschüre, aber so ist es da halt!



Der FreeFall-Tower sieht von unten elendiglich hoch aus!

Blick von ganz oben in Richtung Heimatkanton

Little L. und ich sind uns einig: die Pfeiler am Kraftwerk in Birsfelden sehen aus wie Eulen.

Von oben sieht der Freefalltower dann gar nicht mehr soooo gross aus. Der Messeturm auch nicht.


Pingu!



Alles in allem wurde das noch viel besser als es am Morgen ausgesehen hatte.




*Kudos an L., der ihm den Riesenpinguinballon aus dem Kreuz geleiert hat, und bei seinem entgeisterten Blick über den stolzen Preis von 15CHF meinte: "Ja, Du und die Mami, ihr sagt immer: Wer billig kauft, kauft zweimal. Also."

Mittwoch, November 01, 2017

Hallo, November!

Hui, November. Passenderweise ist es hier auf einmal knackig kalt geworden. Vorgestern hatte es das erste Mal Nachtfrost.
Ich bin ja grosser Herbst- und Winterfan und mag es sehr, mich bei gerne auch usseligem Wetter draussen richtig durchpusten und -frieren zu lassen, um danach drinnen gemütlich bei Tee, Kaffee, Glühwein und so wieder aufzutauen. Eigentlich. Uneigentlich wird dieser November alles andere als gemütlich.
Unter anderem stehen auf dem Plan:

  • mehrere Unihockey-Meisterschaftsspiele für Q.
  • Pfadiznacht für beide Kinder
  • Sportseminar für den Hübschen
  • Behördeninspektion (bei der Arbeit, nicht daheim :-))
  • Drei-Tages-Trip des Hübschen nach Amsterdam
  • Lesenacht in der Schule (L. hat sich freiwillig zum Vorlesen gemeldet)
  • Nationaler Zukunftstag (Q. kommt wieder mit mir mit wegen s. oben)
  • MFM-Seminar für Q. incl. Elternvortrag für mich, nicht den Hübschen wegen s. oben
  • Swiss-Blog-Family, wo ich ja an der Podiumsdiskussion teilnehme
  • mindestens eine Kindergeburtstagseinladung
  • mindestens ein mehrtägiger Italientrip für mich (vielleicht sogar übers Wochenende) für die Validierungskampagne bei unserem Lieferanten
  • ein Zahnarzttermin für Little L.
  • ein Michelin-Stern-Dinner und eins einfach so für den Hübschen mit Kollegen
  • Elternrat der Pfadfinder
  • Nachtübung der Pfadfinder
Und ansonsten natürlich der ganz normale Alltag. Ich muss sagen, ich bin gar nicht so wirklich unglücklich drüber, dass ich die Freitage aktuell frei haben (also: bis auf da, wo ich dann nach Italien muss :-)). Immerhin haben der Hübsche und ich uns heute wegen der Weihnachtsferien abgesprochen und es sieht super aus für gut zwei Wochen Pause! (Auch in Italien, deshalb nicht in Gefahr :-))


(Die Idee für die Monatsvorschau habe ich mir bei Frische Brise abgeschaut)