Sonntag, September 06, 2026

060926

Vor genau 23 Jahren haben der Hübsche und ich kirchlich geheiratet. Was waren wir für Babies! Muss immer wieder dran denken, dass ein guter Freund damals, als unser "Wir sind jetzt btw doch nicht mehr nur Freunde" in unserer Clique für kurzzeitige Verstimmung gesorgt hat, wütend gesagt hat "Ich gebe euch maximal drei Monate, dann ist das vorbei!" Naja.

Anyway, unsere Hochzeit war ein grossartiges Fest und wie jemand Kluges im Internet, der am selben Tag Hochzeitstag feiert, immer so schön sagt: "Grossartiger Ehemann, jederzeit wieder"

Weil wir aber 23 Jahre älter sind  als auch schon, haben wir gestern schon in unserem Lieblingsrestaurant "roots" in Basel geschlemmt. Die sind ja umgezogen aus der schon eher schraddeligen Umgebung an der Dreisrosenbrücke, allerdings mit spektakulärem Seating am Rheinbord, in das alte "Olive" im Bachlettenquartier. Ich bin mir noch nicht socher ob ich die Räumlichkeiten dort tatsächlich besser finde (ich fand das im Rhypark halt schon einfach perfekt), aber die Lage ist deutlich besser und für uns als Bahnfahrer, weil Weinbegleitung, halt schon einfach perfekt, 10min  zu Fuss oder 2 Tramstationen vom SBB weg anstatt durch die ganze Stadt zu gondeln.

Wir haben mit einem Champagner gestartet, der des Hübschen hiess "Shaman", meiner war .... keine Ahnung, ein farbigerer, habe vergessen zu dokumentieren.

Die "Snacks" zum Beginn waren wie immer spektakulär:


kalte Tomatenessenz mit Basilikumöl. So konzentriert, so perfekt!

Ein kleines Knusperschälchen gefüllt mit irgendwas mit Trüffel, Artischocke und Artischockenchips (ich habe heimlich die Trüffelcreme, mit der das Törtchen auf dem Porzellan angeklebt war, mit dem Finger aufgeschleckt)

Gurke, mariniert, eingelegt, Kräuteressenz und bunte Hübschigkeiten obendrauf

Ein Tartelett mit "Meerrettichbuttermilchbubble" ("Am besten in einem Haps", das war ein wichtiger Hinweis, sonst hätte es eine enorme Sauerei gegeben. Die kühle, überhaupt nicht scharfe, aber trotzdem meerrettige Füllung war richtig grossartig!) 


Klassiker: Sauerteigbrot und Kräuterfrischkäse. Diesmal haben wir das Brot (und das Nachfolgebrot) auch dazu genutzt, wirklich jeden einzelnen Tropfen Sosse restlos aufzutunken.

Wein zum ersten Gang: ein österreichischer Sauvignon Blanc, der mich sehr überrascht hat: nix von der manchmal anstrengenden Fruchtlastigkeit, sondern sehr mineralisch und kühl, ich habe vergessen warum.


Perfekt passend zum "gebrannten Rettich", der in kleinen Würfelchen in einer Art Tartartürmchen unter leicht gegarten Kräuterseitlingscheiben (für den Hübschen Forelle und Forellenkaviar) versteckt war. Obendrauf 50 shades of andere Rettichgewächse, dazu eine perfekte Radieschensosse

Wein zum Signaturegericht: "kein Terrassenwein" und ganz anders, als man einen Riesling aus  Rheinhessen vermuten würde (531 ist der Kilometerstand des Rheins am Weingut): es ist ein Orange Wein und tatsächlich in der Komplexität nix für einfach so, aber zu dme "Roots garden", wo jeder Bissen anders schmeckt, passt er perfekt

Tadaa, der gestrige Roots Garden. Ich habe gefragt, wie sie es machen, wenn sie wie wir jede Woche den Gemüsekorb kriegen, und ja so nicht planen können. Aufklärung: sie haben pro Woche 2 grosse Körbe, da kriegen sie tatsächlich das, was alle anderen auch bekommen. Zusätzliche wird aber beim Birsmattenhof seit einem Jahr in etwa noch Extra Gemüse bestellt und was man dort nicht bekommt, holen sie von woanders. Aber der Roots garden ändert sich täglich, je nachdem, was im Korb war. Wie immer haben wir versucht, in Kleinstportionen rauszuschmecken, was was ist, aber bei vielen Sachen haben wir einfach versagt (Sosse diesmal aus Kopfsalat und Kräutern)


Mein Endgegner: rote und gelbe Randen, einmal in Salz gebacken und dann als Tartar, darauf einen nochmal geräucherten Tofu aus Basel, obendrauf eine Nocke aus gelben Randen, in einer Sauerrahm-Dill-öl-Sosse. Der Hübsche hatte stattdessen ein Stück Felchenfilet. Als ich ihm ein Stück von meinem Tofu zum Probieren gab und meinte: "Ich kann mir total gut vorstellen, dass der Fisch ganz ähnlich schmeckt, so mit geräuchert", meinte er trocken "Ne, gar nicht". Aber: super war es (trotzdem keine Verwertung für die Unmengen Randen, die bestimmt bald wieder kommen)
 

Wein dazu ein Grand Chasselas (merken für grossartige Schweizer Weine, Chasselas kann mehr als "Halt zum Käsefondue dazu). Der Wein hat einen Etikettenwettbewerb gewonnen für sein minimalistisches Schwarz auf Schwarz Etikett, das ich aber nicht fotografiert habe, weil man genau gar nichts, was Nachkauf ermöglicht, darauf erkennen konnte. Aber schön sah es aus!

Nächster Gang: Sellerieröllchen mit, ich habe es nicht genau verstanden, irgendwas aus Kichererbsen für mich mit einer ganz leichten Sosse. Für den Hübschen gab es stattdessen ein Stück Rehrücken und natürlich eine andere Sosse.


Als Wein dazu einen autochthonen zypriotischen (zypriakischen? zyprischen?) Rotwein aus den Höhen von, naja, Zypern halt. Er war erstaunlich leicht, passte aber sehr gut!


Optisch das am ... naja, unspektakulärste Gericht, aber meine Güte, war das lecker! Mais gegart wie Risotto, mit altem Sbrinz und hauchfein gehobelten Steinpilzen. Ein Gedicht!

Dazu einen ungarischen Formint (wo habe ich schon mal Formint getrunken?) aus der ungarischen Tokay-Region von, tadaaaa, 2011 in einer Magnumflasche. Geschichte zum Etikett: der Sommer 2011 war sehr, sehr heiss, die Maische, die man aus den Trauben bekam, war sehr wenig. Deshalb hat der Weinbauer seine historische Presse vorgenommen und ganz langsa,m gepresst, alle paar Stunden eine Umdrehung. Das, was da neben der Presse liegt, ist der Weinbauer und sein Hund, die schlafen bis zu nächsten Umdrehung, niemand ist tot, wie ich dachte. Wein: WAHNSINN! Wie Sherry, perfekt zu dem cremigen, pilzigen Maisrisotto. Ich glaube, ich würde fast soweit gehen, dass das mein Lieblingsgang war



Hier wurde es ein bisschen lustig: uns ist in der neue Location erstmals aufgefallen, dass beide Teller jeweils parallel von 2 Personen vorbereitet werden, ich glaube, das war im Rhypark noch anders. Und je nachdem, ob es eine Vegivariante oder eben nicht ist, sieht es auch unterschiedlich aus, es kommen unterschiedliche Sossentöpfchen etc. Dieser Gang hier (es gab Rotwein dazu, ich ahtte aus der Erfahrung der letzten Male das Gefühl, dass es noch einen Rind- oder Schwein-Fleischgang geben würde) wurde uns von Pascal Steffen, dem Sternekoch himself, am Tisch angerichtet und es war halt  beide Male dasselbe, Sosse aus demselben Topf alles. Und ich konnte nur denken "Oh ne, jetzt haben sie last minute verpennt, dass wir einmal vegi haben, wie machen wir das? Kriege ich meinen Vegigang später,? Kriegt der Hübshe beide Fleischteller?", so dass ich nicht supergenau zugehört hatte. Wäre mal besser gewesen, es war nämlich überhaupt kein Fleisch, sondern Aubergine, mit Kräutersabayon und irgendeinem total einreduzierten Jus, Zwiebelgemüse, und what not. Es hat göttlich geschmeckt und ich glaube, wenn ich Aubergine in Zukunft so zubereite, wäre der Hübsche von seiner Phobie kuriert.



Wein dazu ein ungefilterter, sehr leichter Rotwein aus drei mallorquinischen Traubensorten. Die ungefilterte Farbe sah abenteuerlich aus, wir beide hatten beim ersten Riechen relativ (für mich) unangenehme Assoziationen: ich rohes Fleisch, der Hübsche "Stall". Es klingt total skurril, wenn ich sage, dass es auch ein bisschen so geschmeckt hat, aber wirklich perfekt passend zur Aubergine.
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Erster Dessertwein: ein Apfeleiswein aus dem Fricktal (skurril: das ist ja "unser" Tal, der Ort, wo die Jungs ihre Apfelweine machen, ist so klein, dass ich den Ort gar nicht kannte. Die Website ist... naja, mittel, aber ich bin committed, diesen "Iis-Ciider" als Geschenk für essesnaffine Menschen zu besorgen

Predessert: Ein Missgeschick, wir haben beide das Foto vergessen. Es war vermutlich mein Zweitlieblingsgang: "Estragon, Sonnenblumenkerne, Biogerste". Fast nicht süss, ein Estragon-Eis, Estragonsosse, dazu ein Schiffchen aus keine Ahnung was (vermutlich: Sonnenblumenkerne und Biogerste), WAHNSINN!


Dessertwein zum Abschluss: perfekt aus unsere Hochzeitsjahr (sonst das, was ich bei Dessertweinen schwierig finde: er war so süss, dass er fast in der Kehle brannte, das war ein bisschen arg viel)

Dazu: Lorbeer, Aprikose, Mandel, ein Törtchen mit Mascarponecreme, Aprikosten drauf, Lorbeereis, eine Lorbeermandelaprikosensosse und das Gitter aus keine Ahnun gwas

Naja, und dann noch die kleinen Köstlichkeiten für danach zu Kaffee und/oder Whiskey (auch der Digestiv-Wagen hätte eine akoholfreie Variante gehabt, aber ich war viel weniger betrunken, als ich gedacht hätte, deswegen bin ich das ganze Menü beim Wein geblieben, aber hier auf Kaffee umgestiegen): Schokoladenmacarons mit Holunderfüllung, Rhabarber-WeissnichtmehrwasTörtchen, Erdbeer-Thaibasilikum-Geleekugeln und Windbeutel mit Zitrusfrüchten. WOW!



Alles in allem war das ein Traumabend, ich freue mich sehr, dass ich dank INternet die Aktivierungsenergie, mich in solce Restaurants zu trauen, überwunden habe, dass wir im roots ein Restaurant gefunden haben, in dem wir uns einfach auch am richtigen Ort fühlen, und dass wir das beide gleichermassen wertschätzen können.

Heute dann erstaunlicherweise überhaupt keinen Kater, Frühstück auf der Terrasse, ein bisschen Geshichte der Sowjetunion, Wäscheaufhängen, T-Shirt-Schublade ausmisten, Hochzeitstagsfotos machen (das Beste daraus gemacht, dass beide Jungs heute versetzt zueinander die ganze Zeit nach Basel und zurück fahren, und die Fotos auf der Bahnhofstreppe gemacht. Ein Dorfbahnhof kann cooler wirken, als man glauben würde. Passend zu den eigentlichen Hochzeitsbildern an der Amper, wo eine Bisamratte im HIntergrund vorbeischwamm, hat es da heute je nach Windrichtung bahnhosunterführungstypisch nach Pisse gerochen, aber das sieht man ja auf den Bildern nicht.)

I mean:
Dschi-As-Tea Clan


Dann: Taschen für morgen parat machen, Kalendercheck, zwischendrin schnelle SPaghetti Agio e olio für mich allein, weil ich halt anders als alle anderen einfach Hunger hatte, für den Abend Flammkuchen für alle, die da sind.

Wir hatten ja in den letzten Jahren so Pech an Hochzeitstagen, dass wir letztes Jahr mal genau gar nix gemacht haben, dieses Jahr immerhin vorher reingefeiert und das lief doch schon mal ganz schön gut.
 Auf die nächsten 23 Jahre!

1 Kommentar:

Petra hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch! (und ich geh dann mal Essen machen)