Mittwoch, November 04, 2015

Was Du nicht willst, das man Dir tut...

Was ich eines der spannendsten Learnings aus dem Workshop letzte Woche fand, war, dass der Satz „Behandle andere so, wie Du selber gern behandelt werden möchtest“ zwar für die Grundlagen der Höflichkeit und der sozialen Interaktion vielleicht gilt (wobei: nicht mal da.), aber sobald es um zB Kommunikation von Bedürfnissen im Arbeitsalltag geht, läuft man da normalerweise gegen die Wand oder ins Leere.
 
Mein Beispiel war: Kommunikation von Deadlines. Wenn ich von jemand etwas brauche, formuliere ich das normalerweise so „Liebe xy, ich bräuchte für die Zusammenstellung von KeineAhnungwas deinen Input zum Thema Egal. Es wäre toll, wenn Du mir bis Freitag ein Assessment dazu schicken könntest.“
 
Wenn ich so eine Mail o.ä. bekomme, kommuniziere ich erstens sofort, dass ich das natürlich gerne mache und mich spätestens am Mittwoch melden würde, falls ich sähe, dass das zeitlich eng wird, und allerspätestens Donnerstag abend ist das Assessment an Ort und Stelle.
 
Andere Leute (und von denen gibt es viele) reagieren überhaupt nicht auf die Mail, es kommt Mittwoch nichts, Donnerstag nichts, Freitag nichts (am Donnerstag abend habe ich angefangen, das Ganze selber zu machen), am Montag kommt dann vielleicht eine Rückfrage, ob das noch benötigt würde, im Prinzip könne man ja schon mal da drüber nachdenken. In der Zwischenzeit habe ich es natürlich erstens schon selber erledigt, zweitens bin ich innerlich siebzehnmal an die Decke gegangen, habe seit Donnerstag schwer mit mir gerungen, ob ich da mal nachfragen soll…. sehr unbefriedigend.
 
Wenn man sich aber meine Anfrage so anschaut und nicht weiss, wie ich so eine Anfrage verstehen würde und was ich dementsprechend damit meine, kann man theoretisch natürlich auch rauslesen: „Es wäre toll“ = „Wenn nicht, ist es auch nicht so schlimm“, „bis Freitag“ = „Mhmmm. Freitag. Da macht sie eh nichts mehr damit, reicht sicher auch Montag. Wenn überhaupt.“
 
Und ja, mir widerstrebt es innerlich, zu schreiben „Dein Input ist nötig für Irgendwas, bitte schick mir Dein Assessment bis spätestens Freitag 13:00h, weil sonst der Himmel einstürzen wird und ich Deinem Chef petzen werde, dass Du dran schuld bist“, weil ich da rauslesen würde „Die traut mir kein Stück, was denkt sie denn? Dass ich das gar nicht mache, dass ich nicht weiss, wie wichtig das ist? Warum muss sie grad die Peitsche rausholen? HAT SIE GESAGT, ICH WÄRE FAUL UND UNZUVERLÄSSIG?!“
Nun denn.
 
 
Leute, die mich besser kennen (und das ist echt nicht so schwer, das mich kennenlernen), verstehen mich aber auch ohne (echte) Worte. Ich sass heute konzentriert an einem Assessment (fällig morgen mittag ;-)), da streckte jemand den Kopf zur Tür rein und sagte „HalloFrauBrüllenwiegehtsallesklarhastDujetztmalgradzeit?“ Meine Antwort war ein langes „Äääääääääääääähhhmmm“, das mein Büronachbar trocken mit „Das heisst im Fall „Nein““ übersetzte ;-).