Mittwoch, Dezember 07, 2016

40: Antworten (und Fragen)

Heute ist es also soweit: ich verlasse die mir eigentlich sehr lieb gewordenen 30er und betrete das Reich der gesetzteren älteren Damen jenseits der 40 (das ist doch so da, oder? Ich habe auf jeden Fall schon mal geschaut, welche lila Haartönung ich mir anschaffen sollte).
Und weil so ein runder Geburtstag ja immer auch eine Gelegenheit ist, mal hemmungslos Nabelschau einen sentimentalen Rückblick zu betreiben, habe ich mir eine Idee von DailyPia geklaut („Steal with Pride“ klingt ehrlicher als „inspired by“), die ich jetzt leider nicht mehr finde (EDIT: einfach mal fragen. Hier war es). Und zwar: Briefe an mein jüngeres Ich.

Der erste geht ins Jahr 1981


Liebe 5jährige K.,
Du wünschst Du sehnsüchtig ein Meerschweinchen und leider, leider wird auch heute keines auf deinem Gabentisch sitzen. Deine Eltern versprechen Dir, dass Du mit 6 Jahren aber sicher alt genug sein wirst, um Dich um ein Tier zu kümmern und Du müsstest nur noch ein wenig Geduld haben. Ich bin ungern der Überbringer schlechter Nachrichten, aber das wird nicht passieren. Statt eines Meerschweinchen bekommst Du mit fast 6 eine kleine Schwester. Das wirkt auf den ersten Blick ein bisschen doof, aber glaub mir, so toll sind Meerschweinchen auch nicht. Ausserdem versprechen Deine Eltern Dir, dass Du mit 10 dann aber sicher eines bekommst.
Ansonsten warten spannende und auch leider nicht immer nur schöne Zeiten auf Dich. Du kannst ja schon länger lesen, aber leider, leider hättest Du mal lieber Apfelbaummalen üben sollen, weil so darfst Du nächstes Jahr noch nicht in die Schule. Das ist aber ehrlich gesagt nicht wirklich schlimm, weil so bekommst Du die allerbeste Erstklasslehrerin, die es gibt. Die erkennt sehr bald, dass Du kein Krawallkind bist, sondern unterfordert und so kommst Du dann doch in die Klasse, in die Du erst nicht durftest. Das wird dann leider ein sehr scheussliches halbes Jahr, wo Du die negativen Seiten des Dorflebens alle auf einmal erfahren wirst, wo Du lernen wirst, dass es Lehrer gibt, die diesen Beruf besser nicht ergriffen hätten. Lass Dir davon den Spass an der Schule nicht verderben, das wird alles! Du wirst auch lernen, dass, auch wenn es sich im Alltag nicht immer so anfühlt, Deine Eltern, wenn es darauf ankommt, wie Löwen für Dich kämpfen.
Alles Liebe
K.

Der nächste Brief geht ins Jahr 1986:

Liebe 10jährige K.,
Na, bist Du mir beleidigt, weil ich Dir nicht im letzten Brief schon verraten habe, dass es auch mit 10 nichts mit dem Meerschweinchen wird? Aber lass Dir gesagt sein, die dritte kleine Schwester, die Du jetzt immer mal wieder in den  Mittagsschlaf spazierenfahren musst/darfst, die wird irgendwann mal eine ganz tolle junge Frau und auch wenn Du Dir das jetzt kaum vorstellen kannst, mal sowas wie Deine allerbeste Freundin. Und ja, das Meerschweinchen kommt auch noch irgendwann.
Du bist frisch am Gymnasium und geniesst die weite Welt der Kleinstadt nach der Dorfschule sehr. Ausserdem hast Du das Gefühl, unendlich viel lernen zu können und zu dürfen und bist im Paradies. Die Schulbücher hast Du in der ersten Woche schon durchgelesen. Diese Begeisterung und Neugier für Lernen und Wissen lass Dir bitte nicht nehmen oder als "Streber!" kleinreden. Die wird Dich durch die Schule, durch die Uni und das Leben tragen. Deine Sonderstellung als Jüngste und Klassenbeste und überhaupt wird es Dir nicht leicht machen, Freundschaften zu schliessen. Das ist so. Das ist der nicht ganz so tolle Teil an der Schulzeit, der auf  Dich wartet. Aber glaub mir: das wird. In der 11. Klasse wird es dann besser. Viel besser.
Ich weiss, dass Du beschlossen hast, Dir die Haare wachsen zu lassen, weil am ersten Schultag keiner neben Dir sitzen wollte, weil die Mädchen dachten, du wärst ein Bub mit den kurzen Haaren und die Buben merkten, dass Du ein Mädchen bist. Nun ja. Ich sags mal so: die Idee mit den langen Haaren ist eigentlich nicht so schlimm, aber der Schnitt, den Dir der Friseur nächstes Jahr verpassen wird, der wird traumatisch. Sehr. Und vielleicht beruhigt es Dich zu wissen, dass Du viel später irgendwann mit dem Foto aus dem April zum Friseur gehen wirst und sagen: Bitte wieder so.
Ach ja: Du wirst merken, dass Du in den nächsten Monaten immer mehr und immer öfter Kopfschmerzen bekommen wirst. Kein Drama, du brauchst einfach eine Brille. Auch hier: Deine Eltern lassen Dich aussuchen, was Du möchtest. Das garantiert später wenigstens viel Spass beim Fotoalben anschauen :-).
Ich weiss, dass Du nicht total davon überzeugt bist, dass Klarinette DEIN Instrument ist. Du wirst Dir immer heimlich wünschen, dass Du doch Querflöte oder ein Streichinstrument hättest lernen dürfen. Aber glaub mir: Du wirst auch mit der Klarinette richtig gut und es geht gar nicht mehr so lang, dann hast Du Deinen festen Platz im Schulorchester.
Ach ja: Orchester. Das und die Theatergruppe, in der Du jetzt noch zu den Winzlingen gehörst, die sich für einen Auftritt mit nur 4 Zeilen die Haare auftoupieren und hellblau sprayen lassen müssen, werden Dich bis zum Abitur begleiten. Geniess die Zeit!
Alles Liebe
K.

Der nächste Brief geht ins Jahr 1991:

Liebe 15jährige K.,
na, hatte ich nicht recht mit der allgemeinen Überschätzung von Meerschweinchen? Kudos übrigens, wie Du die pädagogische wertvollen Ansätze Deiner Eltern ("Wart mal drei Monate, wenn Du dann immer noch möchtest, ist es von uns aus okay.") zu den Themen "Ich hätte gern eine Ratte und Ohrlöcher" ausgesessen hast.
Ich habe gute Neuigkeiten für Dich: ab jetzt wird es besser. So unwohl wie jetzt wirst Du Dich nie wieder in Deinem Körper oder in Deinem "Sozialgefüge" fühlen. Du wirst zum Halbjahr die Klasse wechseln und deinen Status als bunter Hund weiter zementieren. Aber keine Angst, nach jahrelang die Jüngste ist jetzt "Mit Abstand die allerallerjüngste" ehrlich gesagt besser. Du wirst von Deinen Klassenkameraden nicht mhr als Konkurrenz angesehen, eher als Maskottchen. Du wirst eine Clique finden, in der Liebe zu Theater, Musik, Naturwissenschaften und alten Sprachen nicht seltsam, sondern einfach nur normal ist. Du geniesst dein volles Programm aus Musik, Orchester, Theatergruppe, Tanzsportverein, Trampolinverein. Und mach Dir keine Sorgen, ich weiss, dass Du das Gefühl hast, alle um Dich rum haben einen festen Freund oder Freundin, Deine Zeit kommt auch noch. Nächstes Jahr dann. Und nein, es ist nicht der hübsche Trompeter mit den Locken. (Leider.).
Was leider nicht leichter werden wird, ist die Sache mit Deinen Eltern. Sie werden es nicht verstehen, dass Du zwar immer zwei, drei, vier Jahre jünger sein wirst als Deine Freunde, aber eben auch nicht ewig 12 bleiben wirst. Es wird viel Streit, Tränen, zugeknallte Türen geben und es wird innerlich viel zu Bruch gehen, was sich nicht mehr richtig kitten lassen wird. Was Du immerhin mitnehmen wirst, ist eine sehr klare Vorstellung, welche Art von Elter Du später sein bzw. auf gar keinen Fall sein möchtest.
Alles Liebe
K.

Der nächste Brief geht ins Jahr 1996:

Liebe 20jährige K.,
na, da ist einiges passiert in den letzten 5 Jahren, hm? Erste Liebe, Abitur, erster Urlaub ohne Eltern, Studienbeginn und aktuell planst Du den grossen USA-Aufenthalt nächstes Jahr. Darf ich Dir was verraten? Bis dahin wird noch sehr viel passieren. Schönes wie Schreckliches. Es wird mit dem scheusslichsten Silvesterfest beginnen, das Du jemals erlebt hast. Ich weiss, Du hast eigentlich gar keine Lust mitzufahren, aber vermutlich ist es gar nicht so schlecht. Es wird Dir die Augen öffnen, dass Du längstens aus Deiner ersten Liebe rausgewachsen bist und das keine Zukunft hat. Du wirst mir jetzt nicht glauben, aber Du kennst den Mann schon, mit dem Du (soweit ich das im Jahr 2016 beurteilen kann) den Rest Deines Lebens verbringen wirst. Und zwar schon seit ein paar Jahren. Ich weiss, das klingt jetzt komisch und kaum vorstellbar, aber das Füchsle aus der ersten Reihe, der langhaarige Typ, der immer nur im Dreierpack mit seinen zwei Freunden auftrat, der den Laborplatz Dir gegenüber hatte, der wird der Vater Deiner Kinder werden. Ja, glaubs mir ruhig.
Zeitgleich mit diesem Gefühlskarussell werden sich Deine Eltern nächstes Jahr trennen. Das ist jetzt vermutlich nicht die allergrösste Überraschung der Welt, genau wie die Tatsache, dass auch 20 Jahre später die Wunden noch nicht geheilt sind.
Die Zeit auf der anderen Seite der Welt wird Dir gut tun, der physische Abstand helfen. Du wirst dort zwar einerseits so allein sein wie noch nie zuvor, aber auch das wirst Du schaffen. Ausserdem wirst Du Freunde fürs Leben kennenlernen und dich für immer in eine Stadt verlieben. Ich überlege heute noch, was wäre gewesen, wenn ich dortgeblieben oder dauerhaft dorthin zurückgegangen wäre...
Alles Liebe
K.

Der nächste Brief geht ins Jahr 2001:


Liebe 25jährige K.,
na, wieder einiges passiert, hm? Fertigstudiert, von daheim ausgezogen, direkt mit dem Mann deiner Träume zusammen (ich habs dir doch gesagt!), mit der Doktorarbeit angefangen, Katze angeschafft (die gibt es übrigens immer noch, es geht ihr immer noch sehr gut bei uns), eingetaucht ins Grossstadtleben. Klar, einige der vielen Interessen sind leider auf der Strecke geblieben und so ganz geht das Pieksen, das Du eben nicht mehr tanzt, nicht mehr in enem Orchester spielst, nicht mehr im Trampolinverein turnst, bis heute nicht weg. Aber das ist so, dafür liebst Du Dein Leben in der grossen Stadt mit Deinem allerbesten Freund an Deiner Seite, Ihr habt das Klettern für Euch entdeckt und seid auch in der Uni nach wie vor unzertrennlich. All denen, die Euch "maximal einen Monat, die sind so unterschiedlich und dauern aufeinanderkleben, das geht nicht gut" gegeben haben, habt ihr mal schön eine lange Nase gedreht :-).
Nächstes Jahr steht der nächste grosse Schritt an, Du weisst, dass sich Eure Zeit an der Uni dem Ende zuneigt. Ich weiss, die Einstellungssituation für Chemiker ist nicht die allerbeste, aber trau Deinem Instinkt, der Dir sagt, dass Du Dich aus dem Dunstkreis Deines Doktorvaters lösen solltest. Du bist nicht für die akademische Welt gemacht (übrigens auch nicht für die Unternehmensberaterwelt. Ich weiss, dass Dich das "Sie sind einfach zu nett, das muss sich ändern" der McKinsey-Leute nach dem Diplom sehr geärgert hat. Ehrlicherweise war das aber ein Satz, der Dir einerseits sehr viel über Dich sagt. Du bist nicht ZU nett, einfach nett, wenn auch nicht immer. Wenn diese Art für eine Unternehmensberatung ein Ausschlusskriterium ist, dann wärst Du dort auch nicht glücklich geworden.
Eure mittelspontane Idee, der EU den Rücken zu kehren und in die Schweiz zu gehen, wird super funktionieren. Ihr werdet das seltsamste Vorstellungsgespräch eures Lebens haben und es wird erfolgreich sein. Ihr werdet mit Sack und Pack und Katze umziehen in eine Gegend, wo es kaum mal schneit und die Euch auf einer Exkursion mit der Uni damals ganz gut gefallen hat. Irgendwann werdet ihr übrigens in genau den Anlagen arbeiten, in denen ihr damals mit grossen Augen rumgewandert seid und wo ihr Papierflieger vom Wasserturm geworfen habt.
Was Du übrigens vor lauter "Wie geht es weiter, wo wollen wir hin, wo werden wir mal einen Job finden und arbeiten und überhaupt, irgendwer muss diese Dissertation zusammenschreiben" überhaupt nicht auf dem Radar hast: es geht nicht mehr lang, und dann wird Dich Dein allerbester Freund fragen, ob Du ihn heiraten möchtest. Ja, ernsthaft! (Und Dir Jahre später noch erzählen, dass Du ihn nicht mal hast ausreden lassen, bevor Du vor lauter "Ja klar" das Champagnerglas umgeschmissen hast).
Alles Liebe
K.

Der nächste Brief geht ins Jahr 2006:


Liebe 30jährige K.,
na, wieder einiges passiert, hm? Ich weiss, das mit dem Baby hätte ich Dir auch im letzten Brief sagen können. Nach einem guten Jahr Babypause hast Du wieder angefangen zu arbeiten. Du hattest nicht erwartet, dass das erste Jahr mit Baby so .... intensiv sein würde, oder? Ich glaube, zu einem Gutteil lag es auch daran, dass der Hübsche und Du, die ihr so lange immer genau das Gleiche gemacht habt, auf einmal unterschiedliche Tagesabläufe hattet. Das wird sich ab jetzt ändern und auch wenn Du mit Deiner "Meine Mutter blieb zu Hause, bis ich 21 war"-Sozialisation erst daran zu knabbern hattest, Dein Baby in FREMDE Hände zu geben, das wird sich alles einspielen. Es wird Dir unglaublich gut tun, wieder das zu tun, was Du gelernt hast, und auch Q. wird sehr davon profitieren.
Ach: und ich sags Dir lieber gleich, weil ich weiss, dass Du Dir jede Nacht wieder Hoffnungen machst: das mit dem Durchschlafen geht noch eine Zeitlang. Also: Jahre. Viele. Aber das Gute ist: irgendwann gewöhnt man sich an unglaublich wenig Schlaf :-).
Ich kann übrigens immer noch nachvollziehen, warum Du Q. Ende des Jahres auf kalten Entzug in Sachen Schnuller setzen wirst, aber es war vielleicht nicht die beste Idee. Auch heute noch hat er immer irgendwas im Mund, Stifte, Finger, Schnürsenkel, Reissverschlüsse.... vielleicht hätte ein bisschen länger nuckeln lassen das geändert. Aber wer weiss.
Ha, einen Teaser habe ich noch für Dich: Du kannst es Dir jetzt auch noch nicht vorstellen, aber ihr werdet Ende des Jahre spontan beschliessen, dass Ihr ein Haus kaufen wollt und am 31. Januar den Hypothekenvertrag unterschreiben. Im Mai werdet ihr umziehen und  ich kann Euch soviel verraten: Auch wenn Eure Kollegen und Freunde zum Teil über 10 Jahre nach dem perfekten Haus suchen: Eure schnell getroffenen Entscheidung stimmt auch 10 Jahre später noch für Euch.
Alles Liebe
K.

Der nächste Brief geht ins Jahr 2011:


Liebe 35jährige K.,
ich habe im Nachhinein das Gefühl, diese 5 Jahre waren besonders lang oder besonders voll. Das Angebot für den neuen Job in der alten Firma am selben Tag wie der positive Schwangerschaftstest, die grossartige neue Chefin, die mysteriösen Nierenprobleme in der Schwangerchaft (good news: es geht noch ein paar Jahre, aber dann wird sich rausstellen, was es ist. Keine Steine auf jeden Fall.
Die zweite Schwangerschaft, die wie die erste schon aus 40 Wochen Dauerübelkeit mit allem Tralalala incl. Spital besteht, das wunderbare Baby, das es zur Belohnung gab.
Dazu dann die Übernahme der Firma, in der der Hübsche und Du gemeinsam angefangen hattet, durch das gefühlt einzige Chemieunternehmen in der ganzen Welt, bei der Ihr Euch mit Absicht nict beworben hattet, all die Unsicherheiten danach, die Pendelei des Hübschen an den neuen Hauptsitz (die Nacht allein daheim, wo Du mit zwei magendarmkranken Kindern nachts um drei vor einem vollgekotzten Wäscheberg mit einem spuckenden Baby auf dem Arm unter der Dusche standest, wird dein Massstab für "Stressiger wirds nicht" bleiben.).
Dein Wechsel zu einem kleinen Lohnhersteller und die Erkenntnis, dass dieses Geschäft nichts für Dich ist und dass Du doch nicht mit allen Menschen dieser Welt zusammenarbeiten kannst (Du wirst die Person wenigstens auf dem Papier wiedertreffen. Dann sind die Vorzeichen aber andere. Freu Dich drauf.) und  dann vor kurzem endlich die Zusage für den Wechsel zu Big Pharma. Ich weiss, dass Du ein bisschen Bammel vor der eigenen Courage hast, ob du das aufgestockte Pensum und alles drumrum packst, aber keine Sorge: das wird alles wunderbar, Du wirst Dich dort so zu Hause fühlen, wie nie zuvor.
Dann kam da ja noch Little L.s Krankheitsgeschichte, erst die Lungenentzündungen, dann das Herzflattern, das Euch an ungeahnte Grenzen gebracht hat. Ich weiss, Du kannst es dir jetzt nicht vorstellen, aber in absehbarer Zeit werdet Ihr die Betablocker absetzen können und zwei Jahre später wird er als geheilt von den Kardiologen verabschiedet.
Was übrigens eine ganz blöde Idee sein wird, ist wegen "ach, das ist mir jetzt zu stressig" die Grippeimpfung dieses Jahr ausgelassen zu haben. Es wird euch alle vier flachlegen und zwar so richtig. Das wird Dir so im Gedächtnis bleiben, dass Du das nie wieder verschlampern wirst!
Ansonsten wird der Schulstart zuerst für Little Q., dann für Little L. viel einfacher als erwartet ablaufen, die neue Routine wird sich perfekt einspielen, als ob nie etwas anderes gewesen wäre.
Der grosse USA-Urlaub incl erstem Transatlantikflug für die Jungs wird ganz, ganz grossartig werden. (Einziger Tipp wäre: Little L. vor dem Runterspülen der Flugzeugtoilette warnen oder vor die Tür stellen, er wird die ganze Zeit in Amerika panisch aus den Klos flüchten, weil er Angst haben wird, reingesaugt zu werden).
Alles Liebe,
K.


So im Nachhinein weiss ich nicht, ob ich gerne vorher gewusst hätte, was alles auf mich zukommt. Ich glaube, eigentlich nicht. Bei den grossen Entscheidungen hätte ich vielleicht gerne eine Idee davon gehabt, dass das scho richtig so ist. Aber andererseits...

Wenn ich mein Ich in 10 Jahren, dann wenn ich mit 50 ernsthaft an der lila Haarfarbe arbeiten muss, etwas fragen könnte, wäre es vermutlich ....

Sind wir immer noch so glücklich?
Sind wir immer noch so gesund? (Ist meine Niere mittlerweile repariert?)
Hat der Wechsel auf die weiterführenden Schulen so easy geklappt, wie ich mir das in meinen Träumen vorstelle?
War der Teslakauf eine gute Idee oder eine verrückte? Oder eine verrückt gute?

Und ich bin eigentlich froh, dass ich darauf heute keine Antwort bekomme.

Dienstag, Dezember 06, 2016

Oh happy day

Was was das für eine Nacht!
Ich habe nur in Miniportiönchen geschlafen, bei jedem Geräusch von Q. bin ich hochgeschossen, ich habe Haare gehalten, zig Mal die Toilette geputzt und desinfiziert (ich habe keine Zeit, dass hier noch irgendjemand krank wird, hier wird ab morgen gefeiert!), und dementsprechend gerädert waren Q., die Katze und ich dann heute morgen.
Wir haben L. und den Hübschen aus dem Haus geschickt, dann habe ich mich mit VIEL KAFFEE an den Computer gesetzt, Q. lag auf dem Sofa und las, die Katze war beleidigt und schlief einfach den ganzen Morgen.
Ich muss gestehen, ich bin solche Nächte nicht mehr gewohnt. Ich habe eine Präsentation für den Business Trip nach Italien nächste Woche zusammengebastelt und muss da unbedingt nochmal wach drüber schauen. Ich erinnere mich, dass ich früher in der Naturstoffvorlesung, die immer schon um 8:00h losging (ja, damals als Student dachte man "SCHON um acht."), gerne mal während des Mitschreibens eingenickt bin und das sah man dann meinen Notizen deutlich an. So etwas möchte ich vermeiden an die Wand zu werfen :-).
Ansonsten: Q. ist wieder fit, ich wurde heute nachmittag in die Schule geschickt, seine Bruchrechen-Hausaufgabe zu holen, weil ihm langweilig war. Ich habe leichte Magenschmerzen, aber das kann auch vom vor lauter Solidarität nix essen kommen, L. und der Hübsche waren eh im Quarantänekinderzimmer.
Ich gehe also mal grenzenlos optimistisch davon aus, dass die Feierlichkeiten zum kugelrunden Geburtstag wie geplant stattfinden werden können.

Montag, Dezember 05, 2016

WMDEDGT 12/16

Es ist kaum zu glauben, heute ist das letzte WMDEDGT? für dieses Jahr.
Der Dezember ist ja mein Lieblingsmonat, wegen Winter, kalt, Advent, Weihnachten, GEBURTSTAG!
Wer mitmachen möchte und aufschreiben "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?", herzlich willkommen! Die Liste findet sich unten, mal sehen, ob wir das mysteriöse Zeitzonenproblem mittlerweile geklärt haben (Inlinkz sah mich in Abidjan, aber das erklärt nur eine Stunde Zeitverschiebung....).
 
Mein Tag sah so aus:
 
Ich habe ja oft das Gefühl, dass ich viel zu wenig schlafe (ich gehe selten vor Mitternacht ins Bett und der Wecker läutet immer um sechs. Und das heisst hier auch: aufstehen um sechs). Allerdings bin ich regelmässig ab fünf, spätestens halb sechs wach. Wenn ich dann mal früher ins Bett gehe, wache ich entsprechend noch früher auf. Gestern zB sind wir, ausgepowert nach einem kinderfreien Wochenende, um halb elf schlafen gegangen, was dazu geführt hat, dass ich ab halb drei im Zehnminutentakt wach war. Hm.
 
Wie immer dann aufstehen, fertigmachen, schminken, Kaffee trinken, Frühstück einpacken (zur Zeit bekomme ich ausser Kaffee direkt nach dem Aufstehen nichts runter. Im Büro brauche ich dann aber dringend was. Also packe ich am Abend zuvor den Kindern ihre Brotzeitboxen und mir geschnippeltes Obst, das zusammen mit Joghurt und Müsli mein Frühstück mit Bürokaffee ergibt), Adventskalender aufmachen, durchs Stockfinstere zum Bus laufen, 7:20h sitze ich am Schreibtisch.
 
Allerdings nur relativ kurz, ich muss nämlich (und das lag mir das ganze Wochenende ein bisschen auf der Seele) ein Missverständnis bzw. unterschiedliche Sichtweisen zwischen meiner alten (lokalen) und meiner neuen (globalen) Abteilung klären. Ist dann aber erstaunlich einfach: meine Taktik, immer zu erklären, warum etwas nötig ist, funktioniert wie immer gut, gepaart mit einer offenen Kommunikation, in dem Fall: „Sorry, ich habe den total verworrenen Email-Strang von Freitag nicht in voller Länge gelesen oder verstanden, wer jetzt genau warum sich von wem auf die Füsse getreten fühlt.“. Hoffe ich.

Dann: arbeiten, vorbereiten für den Italien-Trip nächste Woche.

Noch vor dem Mittagessen muss ich einmal quer durch die Stadt zum anderen Standort, weil ich bis abends dort Meetings habe.
Telefonkonferenz mit den Kollegen in Irland
Mittagessen mit, Achtung, jetzt wird es echt international: dem westschweizer-irischen Kollegen, einer italienischen und einer lettisch-israelischen Kollegin, die frisch aus England in die Schweiz gekommen ist.
Ich sause noch schnell Nikolausbücher für die Jungs besorgen (zweiter Band der "Drachenreiter" (Affiliate Link) für Q., "Finn und das gelbe Unterseeboot" (Affiliatelink) für L.) und Wichtelgeschenke für die Pfadi-Waldweihnacht.

Um eins treffe ich mich mit zwei Kollegen, um mir ein Update für ein anstehendes Umbauprojekt bei einem Lohnhersteller zu holen. In der hochregulierten Pharmawelt kann man nicht einfach sagen: „Oh, wir haben jetzt eine Idee, wie wir den Prozess besser machen, das machen wir jetzt mal“, da muss man erst mal abklären, ob so eine Änderung die Qualität des Produkts verändert (besser nicht), ob man die Gesundheitsbehörden, bei denen man das Produkt registriert hat, informieren muss, bevor man diesen Change implementiert, oder ob es reicht, ihnen danach Bescheid zu geben, oder ob man das gar nicht machen muss, man muss die Kollegen von der Galenik fragen, ob sie Bedenken haben, und all diese Abklärungen muss man wasserdicht dokumentieren.

Dieses Meeting geht nahtlos in eine Telefonkonferenz mit dem Lohnhersteller über, an der ich ausnahmsweise auch teilnehme. Irgendwie fällt mir die Rolle des Bad Cop zu und es könnte sein, dass ich etwas übertrieben habe, am anderen Ende heisst es auf einmal „Sorry, we need a little break here, it looks like our manufacturing guy is collapsing“. Ja nu. Ich würde sagen, da ist die Nachricht nach monatelangem Drumrumgeeier angekommen….

Zum Tagesabschluss schreibe ich noch ein Kapitel für einen „E2E-APQR“. In diesem Zusammenhang nett: es wurde vor einiger Zeit eine Chrome-App firmenintern gelauncht, in der man alle intern verwendeten Akronyme findet. Das ist die sinnvollste App, die jemals entwickelt wurde.

Um kurz vor fünf packe ich meine Siebensachen incl Einkäufen zusammen und sause zum Zug, Little L. rechtzeitig beim Geräteturnen abholen. Er zeigt mir stolz seine neue Vereinsjacke mit dem neuen Logo.  Auf dem Rückweg zu Fuss durchs weihnachtlich erleuchtete Dorf gehen wir noch bei unserer Tierärztin vorbei, Little L. streichelt den Praxishund, ich hole zwei Flaschen Nierenmedikament für die Katze ab.
 
Um viertel vor sechs sind wir zu Hause. Der Hübsche hat mit der Nanny schon den Tagesverlauf besprochen und ist schon wieder auf dem Sprung zum Sport. Little L. muss noch Hausaufgaben machen, weil er direkt nach dem Nachtmittagsunterricht zum Turnen gegangen ist. Ich heize den Ofen für die Montagspizza vor und laufe noch während eine Folge „Gilmore Girls“ (ich bin immer noch erst bei der 5. Staffel. Irgendwann werde ich die gar nicht mehr so neuen Folgen wohl auch noch sehen.) auf dem Crosstrainier, während die Jungs es sich mit „King Julian“ gemütlich machen.

Nach einer schnellen Dusche wollen wir wir drei gemeinsam zu Abend essen, Q. hat allerdings Bauchschmerzen und fühlt sich nicht gut. Er will allerdings trotzdem Pizza essen, wenigstens zwei Stück. Gemeinsam überprüfen wir, was morgen in der Schule gebraucht wird, dann räume ich die Küche auf, packe Brotdosen und meine Früchtebox für morgen, die Jungs bürsten einmal über ihre Stiefel, stellen sie vor die Tür und machen sich bettfertig.

Während ich oben die ausgelüfteten Schlafsäcke vom Pfadiwochenende aufräume, ruft Little L. auf einmal um Hilfe: Q. geht es unter der Dusche gar nicht gut. Ich pflücke also ein käseweisses nasses Kind aus der Dusche, trockne es einigermassen ab, halte die Haare zurück und zusammen mit dem Abendessen gehen alle Pläne für den Abend und den Folgetag dahin.

Ich hole die Notfallmatratze (Etagenbett ist der natürliche Feind von Magendarmerkrankungen) hervor, quartiere Q. im Elternzimmer ein, melde ihn für den nächsten Tag von der Schule ab, sage der Nanny ab, stelle der Putzfrau frei, auf einen anderen Tag als morgen zu verschieben, checke meinen Terminkalender: sehr praktisch: ich muss nur einen Abteilungsnikolauskaffee absagen. Den Rest kann ich von zu Hause erledigen. Ich informiere also meinen Chef, lese ein Kapitel Dr. Proktor vor, halte nochmal Haare, hänge eine Ladung Wäsche auf (seit der Solaranlageninstallation läuft die Waschmaschine untertags statt nachts) und packe ein Geschenk für Little Q.s besten Freund ein, der am Mittwoch Geburtstag feiert, und natürlich die Nikolauspäckchen. Ich halte nochmal Haare, bade meine Hände immer wieder in Sterilium, räume die Spülmaschine ein und aus, halte Haare, Sterilium, schicke den Staubsaugerroboter durchs Haus, halte Haare, Sterilium, mache die Dezemberseite im Fotobuch für die Verwandtschaft fertig und freue mich drauf, wenn der Hübsche um 10 heimkommt. Mal sehen, ob wir noch eine Folge „The Expanse“ anschauen, oder ob er lieber die neue Folge "The Walking Dead" anschauen will, das kann ich leider nicht mitansehen. Dann schon lieber echte Zombiegeräusche vom Kind mit den langen Haaren....

Ein fast ganz normaler Montag also.









http://bruellen.blogspot.com/2016/08/binichbillichdranjekommen.html

Sonntag, Dezember 04, 2016

Service

Heute nur ganz kurz, weil: kinderfrei, das heisst natürlich To-Do-Liste von hier bis Timbuktu und ich hab nur noch eine Stunde bis Abholen :-):

Die Gewinner der Kosmobitskästen sind gezogen, informiert und haben sich zurückgemeldet. Dementsprechend wird es auch keine Nachzüglerverlosung geben. Ich freue mich, dass Sie so zahlreich mitgemacht haben, ich bin mir sicher, irgendwann können wir so etwas in ähnlicher Art und Weise wiederholen.
Falls Sie leider Pech hatten und nochmal Ihr Glück versuchen möchten: auf dem Blog "Grosse Köpfe" von Alu und Konsti wird bis zum 9. Dezember auch ein Kosmobits-Kasten verlost!

Und nun bleibt mir nur noch, darauf hinzuweisen, dass morgen der letzte "WMDEDGT?"-Termin im Jahr 2016 ist. Wenn Sie mitmachen wollen, schreiben Sie doch auf, was Sie den ganzen Tag so machen und verlinken hier.
Ich freu mich drauf!

Samstag, Dezember 03, 2016

28 hours

So lange haben der Hübsche und ich kinderfrei. Die beiden Jungs sind nämlich auf SaWe aka Samichlaus-Weekend aka Nikolauswochenende mit den Pfadfindern.
Alle gemeinsam haben wir heute mittag noch den Tesla zurückgegeben (ich habe erstens ohne Kratzer aus dem recht schmalen Tiefgaragenplatz ausgeparkt, zweitens rückwärt am Supercharger eingeparkt und drittens auf der Autobahn nicht nur den Autopiloten angemacht, sondern auch per automatischen Spurwechselassistent die Spur gewechselt (nicht bevor ich drölfzigmal geschaut habe, ob wirklich frei ist und mich vor lauter Nervosität fast in die Bewusstlosikeit hyperventiliert habe) und sind dann mit dem normalen Auto zu Bahnhof gefahren, Kinder verabschieden. Sie werden viel Spass in einer grossen Turnhalle haben, sind jetzt grad vermutlich im Wald, den Samichlaus am Lagerfeuer begrüssen (wir haben gestern noch Versli rausgesucht und geübt, die Kinder haben sich totgelacht, als ich auf Schweizerdeutsch dilettiert habe).
Der Hübsche und ich haben total seriös erstmal Kaffee getrunken, Wäsche gewaschen, das Haus gesaugt und dann überlegt, was wir so unternehmen können. Meine erste Idee war: daheimbleiben und Netflix schauen, aber das wäre ja irgendwie auch lahm gewesen. Wir modifizierten dann zu: nach Basel fahren, bummeln, auf den Weihnachtsmarkt Raclette essen, Kino. Ein Blick ins Kinoprogramm war etwas ernüchternd, aber immerhin wurde um viertel vor fünf "Snowden" in einem kleinen alternativen Kino gezeigt (vermutlich, weil der schon seit ungefähr 10000 Wochen läuft), damit wäre es aber mit dem Bummeln, Weihnachtsmarkt etc davor eng geworden und danach hätten zumindest alle Geschäfte schon zu gehabt. Nun denn, richtig Einkaufen kann ich ja auch in der Mittagspause, also: Indie-Kino. Auf dem Weg mit der Tram durch die volle Stadt (es war nicht nur Adventssamstag, Weihnachtsmarkt und Traumewetter, sondern auch noch "Nikoläuse auf Harleys"-Treff reichte es mir auch schon mit Leuten, Weihnachtsgedöns und Glühweingeruch. In dem winzigen Kino um 2. UG war es dann bis auf uns und fellow Bildungsbürger (was erwartet man auch in einem Atelierkino an einem Adventsamstagsnachmittag.....) sehr leer, die Vorschauen von "Lebensgeschichte von Che Guevaras Chauffeur", "Arbeitsloser in England nach Herzinfarkt freundet sich mit Flüchtlingsfamilie an", "Irgendein Film von Jim Jarmusch mit dem Schauspieler von Kyle O`Ren, Hund und ohne Handlung" liessen mich das Schlimmste befürchten, aber dann: ich würde Ihnen "Snowden" ja echt empfehlen, aber vermutlich läuft der nirgends mehr. Falls doch: kann man sich sehr gut anschauen!
Anschliessend waren wir dann sehr verweichlicht im Warmen asiatisch essen anstatt im Kalten Raclette, aber morgen gibts auf Kinderwunsch eh Käsefondue, das ist genug heisser Käse für ein Wochenende. Der Hübsche und ich haben übrigens den Status in der Beziehung erreicht, in dem er sagt: "Cool, hier waren wir aber noch nie, oder?" Und ich sage: "Doch, wir kamen aber zur anderen Tür rein, sassen an dem Tisch da drüben, Du hast den Salat hier gegessen, den fandest Du super, mein Essen klang toll, war aber echt Mist und ich weiss nicht mehr, wie es hiess." Immerhin habe ich nicht für ihn bestellt.

So. Jetzt Netflix.

Freitag, Dezember 02, 2016

Hui!

So eine weitreichende Kaufentscheidung wie zB für ein sauteures neues Auto trifft  man am besten so, dass man so schnell wie möglich bestellt und erst dann das Wunschauto erstmal einem ausführlichen Praxistest unterzieht. Und so ist unsere Online-Bestellung auf dem Weg zu einem "Delivery Expert" (MORGEN BEKOMMEN WIR DAS LIEFERDATUM!!!!111!!), der Elektriker ist informiert, dass wir in der Tiefgarage einen Ladeanschluss und W-LAN brauchen und wir haben uns heute für einen Tag ziemlich genau den Tesla ausgeliehen, den wir ab März etwa unser eigen nennen werden (Jaja, andere Sitzfarbe, mit Luftfederung, aber so ungefähr.), und sind ... rumgefahren.


Man kann seinem Auto einen Namen geben. Wir überlegen schon mal.

Praktischerweise hatten wir unsere klassischen Herbstferien To-Dos, nämlich Zahnarzt und Kinderskiausrüstung auffrischen, noch nicht erledigt, so dass wir ein bisschen Fahrtstrecke vor uns hatten.


Anders als bei den beiden ersten Probefahrten (Sie haben ja nicht wirklich geglaubt, dass wir ein Auto ohne Probefahrt bestellen würden, oder?) sass heute kein Tesla-Mensch neben uns, sondern wir waren auf uns und den Autopilot gestellt.
Ich finde es ja schon lustig, es gibt ungefähr fünf verschiedene Reaktionen auf die Tatsache, dass wir uns einen kaufen, 2. - 4. gern auch in Kombination:
  1. Boah, cool, ich hätte auch gern einen!
  2. OMG, habt ihr den neuesten Bericht von vor zwei Stunden gesehen, wo wieder ein Tesla einfach so ohne irgendwas ein Kind überfahren hat, einfach explodiert ist, sich mit Absicht in ein Hafenbecken gestürzt hat ... irgendwie sowas.
  3. Das mit den Elektroautos ist ein Riesenbeschiss. Solange der Strom aus Kohlekraftwerken kommt und die Batterien nicht richtig entsorgt werden können, ist das überhaupt nicht besser. Ausserdem kann man die Autos nirgends aufladen und kommt auch nur ungefähr 30 km mit einer Akkuladung.
  4. Der Autopilot ist ein unglaublich komplexes ethisches Thema. Ich möchte nicht, dass überall nur Autos rumfahren, wo irgendjemand am Schreibtisch programmiert hat, was in dem Fall "Ich fahre auf einen Zebrastreifen zu, auf der Gegenfahrbahn kommt ein Schwertransport mit durchgerosteten Atommüllfässern, von rechts kommt eine Entenfamilie, von links eine Kindergartengruppe und von oben verliert ein Heissluftballon dramatisch an Höhe." passiert.
Ich muss gestehen, bis auf Antwort 1 beantworte ich alle Punkte bisher mit einem milden Lächeln, ich arbeite noch an einer schlagfertigen Antwort, die endlose Diskussionen, die ich nicht führen möchte, zu verhindern. Es wird vermutlich was mit dem Beginn des Eisenbahnzeitalters, Postkutschen und Verlust der Seele beim Fotografieren zu tun haben.

Nun denn. Heute also: Check. Auch das erste Mal mit den Kindern. Die fanden alles super: insgesamt 6 Getränkehalter, 4 USB-Anschlüsse für Ladekabel, Sitzheizung auch hinten, kleine Lampen und Lichter überall, man kann Wunschmusik über Spotify und überall sonst wählen, das Auto filmt nach hinten und überall und "WOHOOOOOOOOOOO, können wir bitte nochmal Vollgas geben!"
Falls Sie also ein Auto gesehen haben, das heute auf graden Strecken (und keinem Verkehr) immer mal wieder fast zum Stehen kam, nur um kurz danach mit "Warp speed, Mr. Sulu!" davonzuschiessen, das waren wir.
Man beachte die nahezu entspannte Haltung. 


Ich bin dann nach dem Skizeug -Abholen (wir haben neben passenden Helmen, Skiern, Schuhen und so für die Kinder jetzt endlich auch Rückenprotektoren für alle) zurückgefahren.
Persönlich finde ich das nahezu lautlose Anrollen fast am allerbesten! Das ganze Autopilotautonom-Tralala habe ich dann beim Rausfummeln aus dem Ort noch nicht genutzt, erst dann auf der Landstrasse den "adaptiven Tempomat" (ich war so konzentriert und nervös, dass ich die ganze Zeit "Thermostat" sagte), auf der Autobahn dann auch den Autopilot. Und ja, ich finde es (noch) sehr schwer, dem Auto die Kontrolle zu überlassen und habe mit dem Autopiloten ungefähr so gesprochen wie meine Mutter mit mir, als sie nach meiner Führerscheinprüfung das erste Mal Beifahrer bei mir war: "Oh Gott, da vorn steht einer, brems, brems BREMS!!!!!! Oh, da vorn kommt ein Kreisel, brems, brems, BREMS!!!!!! Nicht so schnell, nicht so schnell, LANGSAMMM!". Gottseidank ist der Autopilot viel gelassener als ich damals, sonst hätte er mir nach 10 Minuten gesagt: "Jetzt bist Du still oder Du läufst!"
Es zwingt einen natürlich keiner, all diese Funktionen zu nutzen, das ist ja logisch. Menschliches Eingreifen beendet sämtliche Autonomie des Autos sofort. Und wenn ich dran denke, wie lange ich brauchte, mich an den simplen Tempomaten unseres Audis zu gewöhnen und wie sehr ich ihn jetzt mag, dann wird das alles werden!

Ha: richtig stolz bin ich drauf, dass diese Fahrt so ziemlich die erste mit einem Automatik- bzw Elektroauto (also halt ohne Kupplungspedal) war, bei der ich nicht mal kurz kuppeln wollte und sozusagen die Vollbremsungsfunktion getestet habe.

Jetzt erstmal Muskelentspannungsbad für die Ganzkörperverkrampfung. Und den durchgeschleuderten Nacken wegen drölfzigmal Vollgas geben
Grössenvergleich mit Kind und Tiefgaragenplatz. Es wird eng. Für unsre Nachbarn.


Donnerstag, Dezember 01, 2016

Puls!

Heute ist ein verrückter Tag. Der Morgen war ... anstrengend, v.a. weil ich unglaublich nervös war und wenn ich nervös bin, kann ich nichts essen, aber wenn ich weiss, dass ich den ganzen Vormittag ohne Pause konzentriert sein muss, dass muss ich was essen, weil ich sonst irgendwann vom Stuhl falle. Irgendwie hat es funktioniert, ich hoffe, Sie haben mir alle brav die Daumen gedrückt, mal sehen, was dabei rauskommt.
Zum Hirnauslüften bin ich durch die klirrende Kälte und den strahlenden Sonnenschein zurück durch die Stadt gelaufen, was zusammen mit Adrenalinabbauprodukten, nicht viel ausser Kaffee im Bauch, einem leerkonzentrierten Hirn und einem müdegestrahlendlächelten Mund zu einem sehr seltsamen Gefühl für den Rest des Tages sorgte. Durchgefroren und von aussen trotzdem aufgeheizt mit glühenden Ohren und heissen Wangen.
Ich habe den Nachmittag mit müdem Hirn dazu genutzt, liegengebliebene Routinesachen im Akkord abzuarbeiten und habe um drei beschlossen, dass ich eine 10minütige Kaffeepause mit Kollegen und bewusst ohne Handy verdient hätte. Nach 5 Minuten kam mein Büroplatznachbar an, mit meinem Handy in der Hand und meinte: "Du, da sucht dich jemand echt dringend".
Auf dem Display 10 entgangene Anrufe einer Festnetznummer mit der Vorwahl unserers Wohnorts und bei mir klingelten alle Alarmglocken. SCHULE, UNFALL, BLUT, DRAMA, POLIZEI!!!111!! Ein Rückruf war sehr schwierig, weil die Leitung dauerbelegt war. Das Kopfkino schrie EREIGNISDIENST, TRIAGE, EINSATZKRÄFTE. Meine Kollegen räumten behutsam meine Kaffeetasse beiseite, signalisierten mir, dass sie im Notfall mein restliches Tagesgeschäft übernehmen könnten, da endlich kam ich durch.
Am anderen Ende mitnichten eine aufgelöste Lehrperson oder ein Notarzt oder ein Polizist mit geschult ruhiger Stimme, nein, eine piepsige Kinderstimme, die meinte: "Hallo, da ist *irgendein Freund von Little L.*, wir wollten heute eigentlich abmachen."
Mir fiel erst ein Riesenstein vom Herzen, dann versuchte ich, ihm in ruhigen Worten zu erklären, dass er mich auf meinem Arbeitshandy angerufen habe, dass ich Little L. nicht im Büro dabei hätte und er bitte bei der Nummern anrufen solle, bei der auf der Kontaktliste "Festnetz" steht. Für den Fall wollte ich sie ihm noch diktieren, aber nach den ersten drei Zahlen hat er grusslos aufgelegt.
Ich finde es ja auch gut, wenn man Kindern Selbstständigkeit erlaubt und sie ihre Verabredungen selber treffen und sie mit dem Medium Telefon umgehen lernen. Ich finde es sehr süss und toll, wenn Little L.s Freundin anruft und sich mit Flüsterstimme meldet und ich immer das Gefühl habe, auch flüstern zu müssen, weil wir ganz konspirativ irgendwas vereinbaren. Das ist alles wunderbarstens.  Aber ganz ehrlich? Ein paar Basics wie "Nicht 13mal in 3 Minuten anrufen" oder "Welche Nummer bedeutet was?" oder "ICH LEGE NICHT EINFACH AUF!" wären schon ein tolles Rüstzeug für solche Experimente. Und meine Nerven.


Ach: noch was: bis morgen abend, 19:30h können Sie noch bei der Kosmobitsverlosung mitmachen!