Samstag, Januar 21, 2017

Samstag

Ich wusste ja gestern schon: so müde ich auch bin, das Wochenende wird es nicht wirklich was mit Ausschlafen, eben Samstag morgen Q. zum Unihockey parat machen, dann früh Grosseinkauf mit dem Rest der Familie, weil ja gestern keine Zeit war und Samstag eh schon immer die Hölle und im Schweizer Grenzgebiet erst recht ist, Sonntag dann früh zum Skifahren in den Schwarzwald, weil das bestimmt auch alle machen und dann hat man wenigstens morgens bei Liftöffnung noch ein paar Abfahrten ohne unendliche Drängelei. Aber eben: nicht fahren ist auch keine Option, wenn es schon mal so grossartiges Winterwetter hat und alle gesund sind und keiner einen Termin hat.

Es hätte aber trotzdem nicht sein müssen, dass ich ab morgens um kurz vor sechs bis eben halb acht todmüde, aber schlaflos im Bett lag. Das ist eine sehr unbefriedigende Situation. In dieser unausgeschlafenen Stimmung habe ich dann entdeckt, dass bei Swiss noch meine Passagierdaten fehlen, die eingegeben und dann gesehen, dass da steht "Für diesen Flug ist online Check-in nicht möglich". Und dann wegen latenter Umsteigepanik vergessen, dass ich deswegen schon mal ausgeflippt bin, als wir im Sommer mit Swiss nach USA geflogen sind, weil ich dachte, das hiesse "überhaupt nicht", dabei heisst das nur "noch nicht", weil man erst 23h vorher einchecken kann. Das hat mir dann die freundliche Dame am Kundenservicetelefon nochmal gesagt.

In der Stadt haben wir neben Essen (die Kinder sind beide im letzten halben Jahr je 5cm gewachsen, da weiss man, wo die Kalorien hinverschwinden) noch Drogieriegedöns (ich habe im Müller den letzten "sweet tart" erwischt, der sonst überall ausverkauft war) gekauft, Pakete abgeholt (mit Bloggerpost aus Paris via Frankfurt, DANKE!), ein Päckchen abgeschickt, L. hat sich wie immer darum gekümmert, dass alle Bettler und die Zirkusleute, die in der Fussgängerzone für ihre Tiere gesammelt haben, etwas Geld in ihre Sammelbecher bekamen (es ist so blöd irgendwie, ich merke, wie ich selber mich bemühe, den Blicken von Bettlern, Obdachlosenzeitungsverkäufern etc. auszuweichen, innerlich mir selber begründe, warum ich genau jetzt meinen Geldbeutel nicht rausnehmen kann, oder dass es ja doof wäre, wenn ich grad vom Geldautomaten komme, die Scheine einpacke und dann nur eine Münze in den Becher werfe, oder andere krude Gedanken dieser Art, und dann fühle ich mich ewig danach noch schlecht, weil so schwer wäre das ja doch wohl nicht gewesen, und eine Münze ist besser als nix und vermutlich wäre sogar ein Lächeln ohne Mènze besser gewesen als wegschauen und soll ich jetzt zurückgehen? L. hingegen schaut ganz offen, lächelt oder schaut besorgt wegen der Kälte oder wegen des Hundes, der daneben sitzt oder wegen des Ponies, von dem auf dem Schild steht, dass es Hunger hat. Er registriert, dass der Mann vor dem Supermarkt schon vor zwei Wochen da war, und auch damals schon auf dem Schild stand "Ich habe Hunger" und dass das ganz schlimm ist, wenn man zwei Wochen lang und vielleicht noch länger Hunger hat. Und für ihn ist es ganz selbstverständlich, dass er mir seine kleine Hand hinstreckt und eine Münze aus dem Geldbeutel holt und dann geht er ganz offen auf den Mann vor dem Supermarkt oder die Frau vor der Bank zu und legt die Münze behutsam in den Becher. Er sagt "Hallo", sucht Augenkontakt, streichelt vielleicht sogar den Hund oder das Pony. Er hört jedesmal ein "Danke" und verabschiedet sich mit "Bitte, gern geschehen." und einem Lächeln. Und dann denke ich wieder, so schwer ist es doch eigentlich nicht.)

Daheim dann: Pakete auspacken, Skifahrsuppe kochen, Krustenbraten, Zopf backen. Im Warmen. Dankbar sein.

Freitag, Januar 20, 2017

Hoch die Hände...

Heute war kein normaler Freitag aka Homeoffice aka unter der Woche liegengebliebenes wegen drölfzigtausend Meetings und so weiter aufarbeiten, Arbeitssozialkontakte runterfahren und sozusagen entspannt ins Wochenende grooven, sondern ein ganztägiger Team-Charter-Mission-Vision-Alignment-Teambuildings-Workshop. Deswegen habe ich Liegengebliebenes VOR dem Workshopbeginn um acht erledigt, dann 9 Stunden in World Cafes verbracht (das klingt entspannter als es war), die ganze Zeit wenigstens ein lustiges Teambuildingsspiel erhofft (es war als "Teambuildingevent" angekündigt und als Workshopprofi rechnet man da natürlich mit "Wir bauen ein Boot", "Wir klettern aussen am Elfenbeinturm hoch", "Wir schnitzen den Elfenbeinturm aus Gemüse" oder irgendwie so was.), aber nein, wir haben bis zum Einsetzen massiver Buzzword-Fatigue und weit darüber hinaus diskutiert, aligned, value streams gemapped, Teamcharters gecrafted und getweeked, über die Unterschiede von "ensure", "assure" und "make sure", von "provide", "support" und "lead", über den Unterschied von "Lessons learned" und "learnings" gesprochen und, das erfüllt mich mit tiefer Zufriedenheit, ich habe niemanden gebissen dabei fiel nur ein einziges Mal das Wort "achtsam" bzw "mindful", und das erst nach über acht Stunden, da kann das ja mal passieren.



Jetzt ist mein Kopf leer, ich kann und mag nicht mehr reden, ich werde die Mail mit einer Präsentation, auf die ich seit Mitte Dezember fast schon verzweifelt warte, nicht mehr lesen (also: gelesen habe ich sie schon, aber genau durchackern, was nötig ist, mache ich am Montag. Am Flughafen), ich werde mir jetzt zu der noch vorzubereitenden Freitagspizza ein wunderbares Glas Rotwein gönnen, danach geht es in die Badewanne und ich bin unglaublich bereit für ein entspanntes Wochenende (das morgen um 8 mit Abfahrt zum Unihockey-Spiel beginnt.)

Aber bevor ich mich in ebendieses Wochenende verabschiede, möchte ich Ihnen einen grossartigen Text von Christian Fischer ans Herz legen. Allein die letzten beiden Worte sind es wert, den zu lesen, aber auch alles zwischendrin ist grossartig.

Donnerstag, Januar 19, 2017

Betreutes Shoppen

Über die Weihnachtsferien kamen zwei Sachen zusammen: wir haben die 7. und letzte Staffel von "The Good Wife" (Affiliatelink) angeschaut (ich kann die Serie uneingeschränkt empfehlen. Die 6. Staffel fand ich alles in allem mittel, die 7. wieder super und ich freue mich auf den Start des SpinOffs) und ich habe mich wieder einmal in die Kleidung von Alicia und noch viel mehr in die von Lucca Quinn verliebt. Ein (klitzekleiner, aber doch immer wieder für Freude sorgender) positiver Aspekt meines gar nicht mehr so neuen Jobs ist, dass ich nicht mehr jeden Tag lange Hosen tragen muss und jederzeit bereit sein muss, in Sicherheitsschuhen in den Produktionsbetrieb zu stiefeln, sondern Röcke, Kleider und unpraktisches Schuhwerk tragen kann, wann und wie ich mag.
Ich habe Strickkleider und mittelkurze Röcke für mich entdeckt, trage gern hohe Schuhe und mittlerweile auch (es hilft ja nix, ich hoffe, meine innere Anpassung an Modetrends macht vor Schulterpolstern und Highwaist-Hosen Halt) gerne skinny-Hosen mit lockeren Oberteilen drüber.

Das zweite, was passiert ist: Frau Ringelmiez und Shelynx haben beide ihre Zalon-Bestellungen vorgestellt.

Und als drittes kam dazu: es waren Ferien und ich hatte Zeit.

Also habe ich Silverster beschlossen, das auch mal zu probieren (und damit meine ich auch probieren, nicht "sich dafür bezahlen lassen oder es kostenlos probieren und dann Werbung dafür machen" Nur falls Sie sich das gerade fragten).

Zalon ist ein Service von Zalando (und funktioniert in allen Ländern, wo Zalando funktioniert) und so etwas wie betreutes Einkaufen. Ich erinnere mich an früher, als meine Mutter mit mir Kleider kaufen ging, da ging man in einen Laden, hat der Verkäuferin, die einen im Zweifelsfalle schon kannte, seit sich bei der Mutter eine Rundung des Bauches gezeigt hatte, gesagt, was man ungefähr möchte („Ein Kleid für das Schulkonzert“ oder (traumatisches Erlebnis) „was Flottes für die Konfirmation“), die Dame schätzte die Grösse ab, wieselte los und brachte eine Auswahl an mehr oder weniger guten Sachen, empfahl mehr oder weniger gute andere Ideen („Oversized Blazer mit aufgekrempelten Ärmeln und kontrastfarbigem Futter: das wäre was Freches.“) und so ging man dann gut versorgt nach Hause.

Wenn ich heute für mich Kleider einkaufe, mache ich das heutzutage meistens online, ich kaufe fast alles bei Esprit oder via Aktionen bei Limango. Das praktische ist: ich kenne da meine Grössen, ich weiss, welche Schnitte mir wie gut passen, welche Materialien ich mag etc.. Das Langweilige daran ist: ich kaufe eigentlich immer das Gleiche. Blau, dunkelblau, graublau, türkis, petrol, dunkelrot und rose. Klassische Schnitte, die Kleider nicht zu kurz, die Ausschnitte nicht zu tief. Und dann sehe ich in einem Projektmeeting die Finanzkollegin in einem knallroten Etuikleid oder die Qualitätskollegin mit einem glitzrigen Dingens und denke mir: „Warum trägst Du so was eigentlich nicht?!“ (Und ja, manchmal bestelle ich dann was in feuerrot, kurz oder glitzerig und dann probiere ich es an, lache herzhaft und schicke es wieder zurück. Oder behalte es sogar und ziehe es nie an.). Sie sehen das Dilemma?

Also. Ich habe bei Zalon brav eingegeben, was ich gerne mag (Blau, dunkelblau, graublau, türkis, petrol, dunkelrot und rose, Baumwolle, Viskose), was ich gar nicht mag (Peeptoes, Wedges, Plateauschuhe, Animal Print, Ballerinas mit Schleifchen, wilde Muster, Empire-Stil, Highwaist)), welche Styles mir gefallen (Ich habe Bilder mitgeschickt von Claire Underwood, Alicia Florrick und Lucca Quinn), Fotos von mir hochgeladen, meine Grösse, bevorzugte Rocklänge (Knie) angegeben, und Bildchen von zwei Paar Schuhen, zu denen ich gerne was kombinieren würde (die silbernen Pumps habe ich für meine Geburtstagsfeier gedacht und mit dem Rest vom Outfit sahen die total beknackt aus).
Dann habe ich, meine kleine Schwester ist Zeugin, wie ein Rohrspatz geflucht, weil mein Zalando-Login für Zalon nicht funktionierte, obwohl der das sollte und man auch keine Chance hatte, einen reinen Zalon-Account zu eröffnen. Nach 4mal Passwort-Neuanfordern, Aufstampfen und Wutgebrüll ging es dann doch und tadaaaa, all die in mühsamer Kleinarbeit hochgeladenen Dinge waren alle noch da. Phew.

Nach den allgemeinen Daten konnte man dann noch eingeben, ob man für einen speziellen Anlass oder Dresscode eine Kiste zusammengestellt haben möchte und sich eben einen Stylisten aussuchen. Da muss ich sagen, setzt bei mir ein wenig die Verwunderung ein. Sie haben da Steckbriefe und Pinterestaccounts von zig verschiedenen Personen mit Hintergrund und Tralalala (und nur Vornamen) angegeben und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. Ist das ein echter Job für dieses Leute? Arbeiten die Verkäuferinnen, die im Einzelhandel früher die „frechen Blazer“ vorgeschlagen haben jetzt als Zalon-Stylisten, weil eh alle online bestellen? Und wie werden diese Leute bezahlt, weil der Zalon Service an sich ist ja kostenlos (d.h. man bstellt die Kiste auf Rechnung und bezahlt nur das, was man behalten möchte und dafür die normalen Zalandopreise, also nicht mehr, als wenn man sich das selber rausgesucht hätte)? Oder sind das Stockfotos von Stylisten und die eigentliche Auswahl wird von ein oder zwei Praktikanten erledigt? Oder einem Bot oder Algorithmus, der aus den Vorlieben die entsprechend verschlagworteten Kleider raussucht? Ich fände das übrigens nicht mal schlimm. Nun ja. Ich habe mir eine Frau aus Hamburg ausgesucht, weil ... einfach halt.

Kurz vor Abschlicken kann man dann noch anklicken, ob man mit dem ausgewählten Stylisten noch ein Telefongespräch führen möchte (spricht gegen den Bot oder Praktikanten, bzw. dann müssten sie wenigstens männliche UND weibliche Praktikanten/Bot-Stimmen haben oder aber das wählt eh niemand jemals aus), was ich natürlich nicht möchte, ich habe ja erst stundenlang alles eingegeben, was ich möchte, da muss ich das nicht nochmal erklären und wenn ich mit jemand sprechen hätte wollen, wäre ich gleich in einen Laden gegangen.

Nach zwei Wochen in etwa (meine Stylistin/Praktikantin/Bot war eine sehr beliebte und deshalb sehr beschäftigt. Angeblich.) bekomme ich per Mail eine Vorschau der Teile, die in meiner Kiste drin sein werden und kann 24h auswählen, ob mir davon etwas nicht gefällt und bei den anderen Sachen angeben, was und warum es mir gut gefällt. Ich habe meine Vorlieben wohl recht gut beschrieben, denn in der Kiste finden sich ein Rock und eine Jeans, die genau so schon in meinem Kleiderschrank hängen. Allerdings war die Aussage: „Ich trage nichts quietschbunt gemustertes und gerne uni“ wohl nicht ganz so klar, es ist nämlich eine Desigual-Strickjacke drin, die sich in einem Disneyfilm als fliegender Teppich in allen Regenbogenfarben hervorragend machen würde und ein Hoodie (yay, aber nicht für den angegebenen Zweck: Office/Kostüm) in grossem Blumenprint (nay never). Diese beiden Sachen lasse ich rausnehmen und harre der Dinge.

Gestern dann kam meine Zalon-Box an, nett mit Henkel und gar nicht mal so einfach zu öffnen.
Innen drin waren zwei Stapel mit Band versschnürte Kleider, eine Mappe mit Fotos aller Teile und Kombinationsvorschlägen und einer Notiz, die sinngemäss sagte: "Die silbernen Schuhe passen ja praktisch zu allem, was man eh in seinem Schrank hat, dafür habe ich Dir keine Vorschläge geschickt." Das finde ich jetzt schon ein bisschen seltsam, weil ich ja immerhin ein Outfit rausgefunden habe, wo sie überhaupt nicht passen, obwohl ich das dachte. Aber gut. Konnte sich die Praktikantenbotstylistin scheints nicht vorstellen.

Bei der Anprobe zeigt sich folgendes:

„Ich trage nichts aus Polyester“ kann man anscheinend unterschiedlich interpretieren. Anscheinend auch den Dresscode „Office“, weil das eigentlich auf der Vorschau nett aussehende weisse Oberteil ist eben nicht nur aus 100% Polyester, sondern auch noch ca 75% durchsichtig. Das geht also zurück.


Die dunkelrote Strickjacke, die auf dem Foto total raffiniert aussah, sah angezogen total komisch aus --> zurück.

Die "Stylist's Choice" Bluse, die mir als Petrol-Fan empfohlen wurde, sah auf dem Papier super aus, angezogen sah ich aus wie schwanger im 6. Monat. Das hatte ich zweimal, war nett, aber ist vorbei ---> zurück.

Der Bleistiftrock, der auf der Vorschau pastellrosadunkelrot gemustert aussah und damit wunderbar zu dem hellrosa und weinroten Oberteil, die auch dabei waren, passen hätte sollen, hat in echt ein Omateppichmuster und einen wenig vertrauenserweckenden Reissverschluss. Und ist vom Schnitt her eher high waist. Also: auf den Zurück-Stapel.

Ansonsten habe ich drei Oberteile in verschiedener Wickeloptik eben in dunkelblau, dunkelrot und hellrosa, die perfekt passen. Das Dunkelblaue hat eine Kragen/Ausschnittlösung, bei der ich tatsächlich Claire Underwood vor mir sehe. Sie passen super zu schmalen Hosen, die ich habe oder auch zur Röcken, die schon in meinem Schrank hängen. Die sind super. Alle drei.






Anders als in der Vorschau war noch ein gemusterter Strickrock in der Kiste, den ich erst sehr skeptisch beäugte, weil: Strickrock? Das fand ich zu Teeniezeiten super, habe aber nie einen bekommen, weil.. ach, kompliziert. Dann: Muster! (Was ich nicht trage: "Bunt gemustertes"). Angezogen passt er aber super und sieht echt, echt gut aus (sagt der Mann und der hat auch die Rosen auf dem berockten Hinterteil gesehen.)

Besonders gespannt war ich dann auf die drei Kleider, die in der Kiste waren. Schon beim ersten Blick erkannte ich, welche Bilder sich die Praktikantenbotstylistin sich als Vorlage ausgewählt hatte, nämlich das rote Kleid von Alicia und das bunte Kleid und das Sternenflottenkleid von Lucca Quinn.

Das bunte Strickkleid war DIE positive Überraschung in dem Ganzen, Sie erinnern sich: "Was ich nicht trage: bunt", aber dieses Muster und der Schnitt passen wie eine zweite Haut. Das bleibt auf jeden Fall.

Das grüne Kleid war leider nix, die sehr praktisch erscheinenden Taschen und die hoch angesetzte Taille ("Was ich nicht trage: Empire-Stil") lassen mich sehr unvorteilhaft aussehen.

Das rote Kleid hat zwar auch eine recht hoch angesetzte Taille, aber durch den Fall des Stoffs wirkt es nicht ganz so schwangerschaftsvortäuschend, das bleibt auch!


Besonders interessant finde ich, dass die Kleider für mich auf den Bildern an den Models eher so mittellang wirken, und wenn ich sie dann anhabe, enden sie in der Mitte des Oberschenkels und ich habe das Gefühl, ich muss die ganze Zeit nach unten zuppeln. Ich frage mich wirklich, ob ich so viel grösser bin als die Frauen auf den Bildern oder aber ob das eine reine Wahrnehmungssache ist. Der Hübsche ist nun nicht wirklich eine supergrosse Hilfe, der fragt schon bei Longshirts, ob ich mir sicher bin, dass das kein Kleid wäre und das würde super gehen :-). Ich probier das jetzt mal und mit den Stiefeln und blickdichter Strumpfhose geht das schon.

Alles in allem geht ungefähr die Hälfte zurück (was ganz gut ist, weil eigentlich brauche ich ja nix Neues :-)), das blaue Shirt habe ich heute grad angezogen und ungefragtes Lob dafür eingeheimst.
Ich finde es alles in allem eine nette Spielerei, das Eintöckeln braucht schon einiges an Zeit und wenn dann einige der Ausschlusskriterien und Anfragen überhaupt nicht beachtet werden (BUNT! POLYESTER! DIE SILBERNEN SCHUHE!), dann ist das natürlich schon ein bisschen schade. Ich habe zwei Teile, die ich sonst niemals gekauft oder auch nur probiert hätte (den Wollrock und das bunte Kleid) und einige, die perfekt in mein normales Beuteschema fallen, aber immerhin mal von anderen Marken sind :-). Vielleicht habe ich einfach meinen Stil gefunden. Blau, petrol, türkis, rosa, einfarbig. (und jetzt manchmal ein bisschen bunt)
Da ich jetzt ja alles schon eingegeben habe, könnte ich mir durchaus vorstellen, das nochmal zu probieren und zB für einen speziellen Anlass zu bestellen. Man vergibt sich ja nix, weil man weder mehr noch im Voraus zahlt.

Falls Sie das auch mal probieren wollen,klicken Sie doch einfach hier, dann bekommen Sie einen "Freundschaftslink" und wir beide bekommen dann 25€ Rabatt auf unsere nächste Box.

Sibylle hat übrigens gerade gestern auch über ihre Zalon-Erfahrungen gebloggt, die Erfolgsquote entspricht etwa der meinen :-).

Mittwoch, Januar 18, 2017

Perspektive

Ich arbeite ja nun schon lange in einem hochspezialisierten technischen Umfeld. Wie in jeder Filterblase ist es auch da so, dass man eine gemeinsame Sprache und Erfahrungswelt hat und für die Aussenwelt, die bei uns manchmal nur ein Stockwerk weiter sitzt, klingen unsere Unterhaltungen wie Suaheli. Da wir aber nicht für uns allein leben und arbeiten, müssen wir eine Möglichkeit finden, unsere Projekte, Probleme, Erfolge und Arbeit überhaupt so vorstellen zu können, dass es auch jemand versteht, der nicht seit drölfzigtausend Jahren in einem chemischen Produktionsbetrieb im GMP-Umfeld arbeitet. Eine gern verwendete Technik ist, das dem berühmt berüchtigten Vierjährigen, manchmal auch Fünfjährigen oder auch der 75jährigen Grosstante (interessanterweise wurden die fiktiven Grosstanten eher zu Unizeiten in Prüfungen herangezogen. So ändert sich dasfiktive Publikum also mit der Zeit) zu erklären. Gefühlt. Das ist einerseits gar nicht so leicht, weil man sich ja von den vielen Details und Nuancen und Unmengen Daten und Fakten, die man gesammelt und generiert hat und auf die man ja unglaublich stolz ist, lösen muss und sich nur auf das Wesentliche konzentrieren muss. Andererseits gewinnt man dadurch schon in der Vorbereitung manchmal erstaunliche Erkenntnisse, die einem tief vergraben im Detailmodus vielleicht entgangen wären.

Diese Technik funktioniert übrigens auch mit nicht wissenschaftlich-technisch basierten Themen. Wenn man zB Befindlichkeiten oder Streit im Internet jemandem erklärt, der nicht mit drinsteckt, und wenn man bei dieser Erklärung dann noch das Schulz-von-Thunsche Vier-Seiten-Modell im Kopf behält und sich nur auf das tatsächlich Gesagte/Geschriebene und weniger auf das potentiell Gemeinte und eben das Ankommene und Reininterpretierte bezieht, dann sitzt man irgendwann auf dem Sofa und das Gegenüber sagt: „Ok, und das war jetzt alles? Und deswegen so ein Aufriss?“ und man muss sich eingestehen: „Ja, das war alles. Viel Lärm um nichts.“ Und dann lacht man ein bisschen hilflos, wundert sich, wie man mal denken konnte, dass es viel mehr sein könnte und macht weiter. Mit dem echten Leben und den wirklich wichtigen Dingen.

Dienstag, Januar 17, 2017

Schneeschneeschnee

Es ist so wunderschön: es ist knackig kalt, ich kann (MUSS) meine kuschelige Mütze (wenn mir als Kind jemand gesagt hat, dass es sehr wohl Strickmützen gibt, die nicht kratzen, sondern mit kuscheligem Fleece gefüttert sind…) tragen, meine Schal- und Halstuchsammlung (alle dunkelblau) in wilden Kombinationen tragen, meine Stiefel ausführen. Und noch besser: es liegt Schnee! Auch bei uns in den Niederungen des Rheintals, wo es immer gern mal 5-10 Grad wärmer ist als sonst überall. Ich kann das immer gar nicht verstehen, wenn die Leute sagen: „Schnee in den Bergen ist ja toll, aber ich brauche ihn nicht vor der Haustür.“. Ich fahre doch nicht in die Berge zum Iglubauen oder Schneemanbauen oder Schneeballschlachten. Okay, die von uns zu räumende Strecke Weg ist sehr übersichtlich und meistens haben sich die Kinder (unsere und die der Nachbarn) den Schnee schon unter den Nagel gerissen, bevor wir überhaupt räumen können. Am Sonntag haben Little L. und die Nachbarsbuben dann die Schneemengen zusammengelegt und ein gemeinschaftliches Iglu auf der Grundstücksgrenze gebaut. Mit Tunneln und Türen aus Eisblöcken und wenn man stopft, passen drei Kinder rein. Ich hatte das Kunstwerk gar nicht richtig gesehen, es war nämlich schon dunkel, als L. durchgefroren vom Bauen ins Haus und in die Badewanne kam. Erst Montagmorgen konnte ich es bewundern, als ich morgens auf dem Weg zur Arbeit aus der Tür trat und mich erst mal langlegte, weil das Iglu …. sagen wir so…. direkt vor unserer Tür steht.
Little L. konnte mich überhaupt nicht verstehen, als ich abends meinte: „Du, das hättet ihr ja schon ein Stückchen weiter vorn machen können, so kommt man ja fast nicht zur Tür raus.“, weil „Boah, Mami, das ist extra so, damit einem nicht kalt wird auf dem Weg ins Iglu. Du bist doch nicht so dick, du solltest locker durch den Tunnel krabbeln können. Der Ausgang zum Weg ist dann auf der anderen Seite.“

Montag, Januar 16, 2017

„An so an Schmarrn ignorier I ned amol.“

An diese Weisheit meiner Oma musste ich heute morgen mal eine Zeitlang denken. Überhaupt lernt man ja erst so mit der Zeit solche Sprüche schätzen. Ich weiss noch, wie mein allererster Chef (aber der war auch speziell. Ich bin fest davon überzeugt, dass er mich zwar schon auch wegen meiner unglaublichen Fachkenntnis eingestellt hat, aber auch weil ich nicht nur ein grosses Latinum, sondern auch ein Graecum im Portfolio hatte und im Bewerbungsgespräch Ilias UND Odysse im Original zitieren konnte.) sich kaputt gelacht hat, als ich das erste Mal „Wo Gwoid ned huift, huift mehr Gwoid“ als Begründung für einen Versuchsaufbau / Experimentdesign anführte.

„Schau mer amol, na seng ma’s scho.“ ist zwar eher nicht meine Geisteshaltung, aber wenn man sowas sagt, kann man wenigstens so wirken, als wäre man abgeklärt und nicht unendlich zwanghaft.

„Was wahr is, derf ma sog’n“ klingt zwar nach „Wird man doch noch sagen dürfen“, ist dank des ursprünglichen Zusammenhangs (es ging irgendwie …. Gehwege im Dorf, die man nicht bauen könne, weil sie die Strasse so verschmälern würde, dass dann im Winter, wenn auch noch Schneehaufen am Rand wären, keine zwei Mähdrescher mehr aneinander vorbeikommen würden. Was ja so nie passieren wird, weil im Winter keine Mähdrescher fahren, aber, s. Zitat) eher als Bankrotterklärung und Eingeständnis, dass man sich veragumentiert hat, zu verstehen.

„Du hast Recht und i mei Ruah.“ ist ein Spruch, bei dem ich mir ehrlich gesagt schwer tue, ihn über die Lippen zu bringen, weil es zwar eben impliziert, dass der andere alles andere als Recht hat, aber da stehe ich zu selten weit genug über den Dingen, um dem anderen auch nur scheinbar recht zu geben. Meine Ruhe habe ich halt dann auch selten.

„Aufg’stellter Mausdreck“ ist auch noch so ein Oma-Ausdruck, der mir heute wieder in den Sinn kam. (Ein Bild, das ich grossartig finde: ein objektiv gesehen winziges Köttel, das sich, um noch grösser und gefährlicher zu wirken, sich nicht querlegt, wie Mausedreck halt normal so rumliegt, sondern sich auf seine ganze imposante Länge von 1.2mm senkrecht aufrichtet.

"so a kaschperl-theater" als ausdruck des unwillens, ein thema genauso dramatisch zu sehen wie das gegenüber, kann (muss nicht, glauben sie mir, ich habs probiert und beides erlebt) die situation als comic relief entspannen und trifft den aufreger des tages wohl am besten.
Nun ja.

Sonntag, Januar 15, 2017

Serienstaffelendeblues

Gestern abend haben der Hübsche und ich die zweite Staffel "The Man in the High Castle" zu Ende geschaut.
Fazit vorab: dickste Empfehlung, auch (und gerade wenn) Sie wie ich nach der ersten Staffel etwas ratlos, indifferent bis wtf? zurückgeblieben sind. Die zweite Staffel schafft es, erstens die einzelnen Personen viel besser zu porträtieren, die Handlung bekommt deutlich mehr Hand und Fuss.

Die Bildersprache ist unglaublich, die Szenerie in Berlin, San Francisco und New York der 60er, aber jeweils unter der Herrschaft entweder Japans oder eben Nazi-Deutschlands ist so gut gemacht, dass es mir wirklich körperliches Unbehagen bereitete. (Das einzige, was ich zu monieren habe, und das wird natürlich Nichtmuttersprachlern oder denen, die die Serie synchronisiert anschauen, nicht aufstossen: man hört beim ersten Wort auf Deutsch, ob die Filmdeutschen auch im realen Leben deutsch sprechen.).

Es war ein sehr seltsames Gefühl, nach der vorletzten Folge Little Q., der durchfroren von der Pfadinachtübung zurückkam, zuzusehen, wie er sich aus den Winterklamotten schälte und dabei dann das beige Pfadfinderhemd und die rot-weisse Krawatte zu Vorschein kamen..... Immerhin so ungebügelt und kreuz und quer mit Abzeichen und Lageraufdrucken verziert, dass der militärische Anklang schnell wieder weg ist.

Little L. tat dann noch einen weisen Spruch, als ich meinte: "So, Jungs, jetzt ist Schlafenszeit, ich muss die Serie fertigschauen." Q. meinte dann: "Ja, da ist dann immer Happy End, bleib doch einfach bei uns beim Kuscheln!" Und nein, keine Sorge, ich spoilere sicher nicht, meinte ich "Du, aktuell sieht da alles gar nicht so nach Happy End aus." Und Little L., der alte Binger, meinte trocken: "Mami, du schaust doch nicht erst seit gestern Serien, oder? In der vorletzten Folge schaut es immer ganz schlecht aus, bis ca zur Hälfte der letzten Folge, dann zack, Happy End."

Er hat nicht ganz unrecht, wobei bei einer Grundprämisse "Nazideutschland und Japan haben den zweiten Weltkrieg gewonnen und die Welt unter sich aufgeteilt" eh fraglich ist, was genau ein Happy End wäre.