Montag, Mai 18, 2026

180526

 Ich weiss tatsächlich nicht, ob ich mit all der Klassenüberspringerei jemals ein Buch von Kafka gelesen habe. (Ich weiss, dass ich in die 11. Klasse kam, als sie mit der Kafka-Lektüre schon fertig waren und alles, was bei der Klasse hängen geblieben ist: der Deutschlehrer hat mehrere Stunden lang von “Alfred Kafka” geredet.. Naja.). Aber: ich weiss, wie man “kafkaesk” benutzt und auch, dass es sich v.a auf den “Prozess” bezieht (vllt auch noch auf die “Verwandlung”, aber damit bin ich wirklich am Ende).
Ich habe das Gefühl, bei der Arbeit in so einer kafkaesken Schleife gefangen zu sein.
Wir müssen als Produktteam eine Entscheidung treffen (lassen), meine Aufgabe dabei ist, zu sagen “Ja, technisch passt das, alles überprüft”. Dafür fehlen mir aber Inputs und zwar entscheidende. Stellen Sie sich vor, Sie planen die Versorgung der Welt mit einer neuen Joghurtsorte. Die Herstellung ist überhaupt nicht trivial, es gibt dröflzig verschiedene Schritte, es wird eher ein Spartenjoghurt, man wird nicht unendlich viel davon brauchen. Das Rührvolumen in den Kessel ist zwischendrin sehr, sehr niedrig. Aus Gründen müssen Sie aus der Molkerei, in der Sie bisher produzieren, raus, das ist ein bisschen sowas wie eine Versuchskäserei, da ist kein Platz für Marktproduktion. Sie suchen also eine neue Molkerei, mit der haben sie vor einem Jahr mal richtig en detail diskutiert, was für Spezialequipment es braucht, wie weit der Rührer runtergehen muss, wie man das Aloe-Vera-Aroma am besten dosiert, damit es nicht verklumpt und wie man die Dinkelspelzen mahlt, damit sie nicht im Hals kratzen. Es kam raus: hm, die Rührkessel sind bei der neuen Molkerei schon signifikant grösser als in der Versuchskäserei, aber der Joghurt wird ja schon ein richtig guter Joghurt, also, wenn wir pro Ansatz 1 Tonne Joghurt herstellen, geht sich das alles grad noch gut aus mit den Rührern und der Aloe Vera und den Spelzen. Dann wurde auf Businessseite weiterdiskutiert, man lernte über Zölle für Aloeverajoghurt, über neue Studien zu anderen, ähnlich schmeckenden Joghurts, die Disponenten fanden, sie würden lieber gerne 500kg Ansätze haben, und redeten mit dem Chef der anderen MOlkerei direkt, ganz ohne die Technik zu involvieren. Jetzt arbeiten wir als Aloevera-Joghurtteam auf einmal unter Hochdruck daran, die Entscheidung, zu dieser MOlkerei zu gehen, absegnen zu lassen und ich soll sagen, “Technisch ist alles ok, ich hab das überprüft”. Und zwar die 500kg Jopghurtproduktion. Ich habe allerdings nur die Info für 1000kg gesehen und das war grenzwertig wenig in den vorgeschlagenen Kesseln.
Seit sage und schreibe 3 Wochen versuche ich, herauszufinden, in welchen Anlagen die neue Molkerei nun die 500kg produzieren will. Weil: in denen für die 1000kg geht das nicht.
Als Antwort bekomme ich: “Keine Sorge, der Preis ist super”. Und “500kg passt richtig gut in unsere Spezialjoghurtstrategie, wir haben das abgeklärt” Und jedes Mal sage ich wieder: “Ok, schön und gut, aber in welchen Anlagen wollen sie das produzieren? Ich muss das vorher sehen, sonst kann ich keine Aussage dazu treffen.” und dann bekomme ich wieder Antworten wie “Vielen Dank für dein Summary” (ich habe kein fcking Summary geschrieben, ich habe gesagt, ich habe keine Ahnung, wie das klappen soll!!!) und “Die Preise sind super” (Mag sein, aber wenn man Preise offeriert, muss man doch angeben, wie man gedenkt, die zu erzielen, kann mir das mal endlich einer sagen?) und “Lad doch deine SMEs zu unserem nächsten Meeting ein” (das ändert nix, wenn die SMEs dabei sind, wenn ihr uns nicht sagt, wie sie die 500kg Joghurt rühren wollen).
Naja.
Immerhin wachsen mir noch keine Käferbeine.



Naaaaja.
Sonst: der Hübsche ist in Seoul angekommen, ging ein bisschen, weil in Kopenhagen das eingechekte Gepäck nochmal auf der Suche nach einem fälschlich dort gepackten iPad gefilzt werden musste (wie kann das sein? Ich gehe davon aus, dass nicht wirklich ALLE iPads jemals immer im Handgepäck sind. Wie stellt man fest, dass eines im Aufgabegepäck ist? Hat sich jemand hingestellt und gesagt" "Ups, mein Kind möchte Peppa Wutz schauen und jetzt ist das iPad im Frachtraum, könnte jemand bitte schauen gehen?" Oder wie? Und was ist dann mit dem iPad passiert? Und ist man irgendwie haftbar dafür, dass man drölfzig 100 Leute warten lässt und Anschlussflüge verpassen und den Flugplan durcheinanderwirft? Hat Kopenhagen überhaupt ein Nachtflugverbot? Offensichtlich nicht, weil das iPad war sicher kein medizinischer Notfall, wegen dem man eine Stunde NACH Mitternacht starten darf.
Ich bin einerseits erleichtert, dass ich Japan jetzt gebucht habe, aber andererseits ist das ja nur der Anfang und ich merke, wie sehr mich das aus meiner Komfortzone kickt. Ohne L. hätte ich vermutlich nie Asien gebucht, das reizt mich nicht so wirklich (Japan noch am ehesten), das Herz zieht mich da nicht wirklich hin, auf der anderen Seite habe ich ddie Sorge, alles falsch zu machen und die richtigen Sachen nicht zu sehen und überhaupt... naja.
Dann: heute die LT-Präsentation der Roadmap für mein eines Produkt. Als dritte überhaupt, da steckt viel Arbeit drin, das ganze ist sozusagen DAS Herzstück unserer ROlle, das muss schon gut sein. Ich hatte das als grossen Block auf meiner Jahresagenda, und dem Hübschen auch immer gesagt. "Ja, erst der Portfolio REview, das wird crazy, dann das mit der Taskforce, dann noch die Roadmap, aber dann wird es erstmal ein bisschen ruhiger, vielleicht". Und dann: war ich heute überhaupt nicht nervös (ich hatte das mit eh viel Vorarbeit, aber dann final in der Woche vor Auffahrt fertig gemacht), heute noch einmal die Storyline grad gebügelt, gegoogelt wie ich gleichzeitig online präsentieren kann UND meine Speakernotes sehen ("Presenter view", das war ja einfach), und dann war das Präsentieren tatsächlich einfach ein Genuss! (Trotzdem hat mich das Lob meines Chefs danach sehr gefreut). Wäre das also auch abgehakt.

Grösste Überraschung heute übrigens: dieses Wochenende ist Pfingsten. Ich hatte das für in drei, vier Wochen auf dem Radar, aber doch nicht JETt?! Naja, dann ist das so.

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