Dienstag, April 13, 2010

Wie jetzt?

Heute aktuell ein Interview mit Frau Brüllen, die ja theoretisch George Clooney hätte treffen können:

Zuallererst Frau Brüllen, wie geht es Ihnen?
Danke, ging schon besser.
Haben Sie damit gerechnet?
Ganz ehrlich? Neverever. Sonst hätte ich hier keine Witzchen drüber gemacht. Und ich war insgeheim vor dem Gespräch fast ein wenig traurig, dass ich diesen Eintrag, den ich im Geiste spasseshalber vorformuliert hatte, nicht verwenden könnte. Hat also doch direkt was Gutes gehabt.
Und, wie wars so?
Naja, ich dachte, ich bin im falschen Film. Und ich habe mich sehr über die einleitenden Worte meiner Chefin gewundert, die doch so gar nicht zu dem von mir erwarteten: "Aber dich betriffts nicht, wir werden hier in Zukunft megaviel Arbeit haben und freuen uns, dass wir dich weiterhin an Bord haben" passen wollten. Zu "Deine Stelle wird es ab Jahresende nicht mehr geben." aber ziemlich gut.
Da hake ich mal nach: Jahresende? Was heisst das? Wie geht es weiter?
Tja. Ich habe eine Gnadenfrist bekommen (wenn ich fies wäre, würde ich sagen, mein Schreibtisch quillt über, vorher lassen sie mich nicht weg, vermutlich hat aber meine Chefin mir ein halbes Jahr extra herausgeschlagen), d.h. wenn ich bis Ende des Jahres nichs neues gefunden habe, dann wird die Kündigung ausgesprochen und dann greift der Sozialplan und dann weiss ich nicht genau, weil da konnte ich nicht mehr nachfragen, weil ich eh schon so am Rumheulen war und die Taschentücher alle und dann bin ich gegangen.
Da darf ich nochmal nachhaken: Rumheulen? Sie haben wirklich....
Ja. Ich bin nicht stolz drauf, aber meine Rolle in diesem Gespräch hatte nicht viel Text: ein bisschen Schniefen, mhmmm, mhmmmm, okay, bis Montag, viel mehr nicht. Ich habe aber mit keiner einzigen Tür geknallt.
Wie, auch kein blöder Spruch? Wirklich nicht?
Doch, ich habe zur Personalfrau gesagt, dass sie froh sein soll, dass sie sonst nur Männer feuern, sonst hätte das halbe Päckchen Taschentücher, dass sie irgendwoher vorgekramt hat, nie gereicht. Gelacht hat keiner.
Und jetzt? Zukunftspläne?
Klar. Ich werde mit handgesiedeter Seife und Nähprojekten megareich, dann kaufe ich die Firma die unsere Firma gekauft hat und entlasse alle, die fies zu mir waren.
Das klingt ja schon wieder ganz aufgestellt.
Ja. Ich bin halt hoffnungsloser Optimist. Ich werde sicher was finden. Irgendwie, irgendwo. Wir sind ja mit Absicht in diese chemie- und pharmaverseuchte Gegend gezogen. Es ist sicher nicht leicht, eine Teilzeitstelle zu finden, die so passt, wie mein alter Job (btw: es ist/war wirklich ein Traumjob. Und ich wirklich gut darin.), aber das wird schon werden. Ich habe ja Zeit. Ein bisschen Angst habe ich schon davor, am Montag als einzige von den Gegangenen wieder dort aufzukreuzen und weitermachen zu sollen wie vorher, aber das wird schon.
Irgendein Schlusswort für unsere Leser?
Ja. Es soll wohl nicht sein, mit dem George Clooney und mir...