Sonntag, Juli 12, 2026

120726

Eigentlich ist einer der australischen Austauschschüler an L.s Austauschschule in Kyoto schuld oder wir haben ihm zu danken. Die zwei sind nämlich nach wie vor via Insta in Kontakt und der Australier hat ihm das eine oder andere Mal Instareels aus Lauterbrunnen oder Wengen oder Interlaken oder so geschickt, L. hat gemeint: "No clue, never been there" (wie 99.5% aller Schweizer, die nicht in Lauterbrunnen oder Wengen leben oder arbeiten, weil: dort sind sonst nur Touristen, das ist nicht auszuhalten), woraufhin der Australier meinte "How can you live in Switzerland and not know this?", was natürlich Quatsch ist, aber L. meinte: "Warum gehen wir nicht in die Berge?" und ich meinte "Weil ich euch in meiner freien Zeit nicht mehr irgendwo raufbettle" "OK, cool, ich kümmere mich drum".
Und so habe ich vor ein paar Monaten recherchiert, welche Hütten noch an den Wochenenden Übernachtungsplätze frei haben, weil: von uns aus in die Berge ist es halt ein Stück und superfrüh aufstehen, dann wandern, dann ewigs heimfahren, das macht keinen Spass, und ausserdem sind Hüttenübernachtungen grossartige Abenteuer. Stellte sich raus: nicht so viele. Dementsprechend habe ich für zwei Wochenenden am Saisonrand rund um den Oeschinensee reserviert (das erste Mal fiel wegen Schnee aus, mal sehen, wie es im September aussieht), einmal dieses Wochenende auf der Geltenhütte im Saanerland. Der Weg wurde als 4-5h Rundweg, familientauglich, angepriesen, das schien mir für zwei Tage arg wenig. Deswegen habe ich uns noch den Weg ab Lauenen und um den Lauenensee mit dazu rausgesucht.
Los ging es bei uns um sieben, ich war sehr nervös, wie die Parksituation in Lauenen sein würde. Ab der Autobahn waren es noch über eine Stunde, wir haben eine Zeitlang gebraucht, bis wir aus all den handgesprayten (noch kein AI Slop im Saanerland) Plakaten und Transparenten schlau wurden: wir befanden uns tief im Franjo van Allmen-Land, Abfahrtsski still a thing there. Ich dachte mir noch: "Ja, also viel los ist da vermutlich nicht, in Lauenen, da kommt man ja praktisch nicht hin." und dann war die Strasse gesperrt wegen Radrennen, auf einmal waren wir in Gstaad, da ist gerade "Menuhin-Festival" und "Swiss Open" und ich dachte mir: "Oder aber: voll viel los mit lauter posh-Touristen". Und dann waren wir in Lauenen und ..... parkten am menschenleeren Dorfplatz und die einzigen zwei, die uns begegneten, als wir uns auf den Weg zum See machten, waren ein Vater und ein winziges Kind auf einem Rad mit ohne Gangschaltung in einem mintfarbenen Mbappe-Trikot, das sehr süss sehr viel klingelte.


Ziel: kurz unterhalb von den Schnee

L. schwadronierte noch viel über wetted perimeter und flow velocity, das Geography-IA sitzt noch tief.
 

Überraschend steiler 200Höhenmeter-Anstieg zum See, versüsst durch Tierfiguren aus Holt


Der See. Sehr moorig (trotzdem haben Leute drin gebadet), wir haben ihn umrundet und bevor es richtig rauf ging, eine Mittagspause eingelegt. Aufgrund unserer "grossen Rucksäcke" wurden wir von einem alten Ranger auf dem Ebike gefragt, ob wir planen würden zu biwakieren. Unsere Antwort "nein, es ist noch hellichter Tag" "Nein, wir gehen zur Geltenhütte rauf" wurde nickend goutiert

Grosse Begeisterung über einen zweiameisengrossen winzigen Frosch (der dunkle Punkt neben L.s Händen), bis wir realisierten, dass der ganze Weg über etwa 100m vor lauter Minifröschen wimmelte.

Dann: rauf. Am Geltenbach entlamg. der mit malerischen Wasserfällen alles gab. Wir wussten: der "Geltenschuss" würde ungefähr die Hälfte des Weges markieren, mussten immer wieder schauen, ob er das schon ist.




Als wir ihn dann aber weit, weit hinten im Tal sahen, war es klar.

Es war zwar verglichen zum Unterland echt frisch (die Wetterapp sagte 23 Grad), wir schwitzten aber dank der insgesamt 900 Höhenmeter gottlos und auch die Kühe vor Ort hatten keine Lust mehr.

Q. mit schneller Feuerwehrausstatterbrille und Schmetterling vorne drauf



Hier dachten wir, wir hätten unser Ziel (die Hütte zwischen dem zweiten und dem dritten Gipfel) gesehen. War es aber nicht.


 

Meine Wetterapp zeigte Regen ab 20:00h und ein Gewitter ab 16h an, des Hübschen App sagte "Starke Gewitter ab 14h", die Sonne knallte und als wir noch einmal Rast machten und ich gerade die Kaffeemaschine auspackte, meinte L. "Wir haben zwei Tropfen auf den Kopf gekriegt und sind uns nicht sicher, ob es Schweiss ist". Also: Kaffeemaschine eingepackt, weiter gings, ich hielt mich an der von mir ausgegebenen Maxime "Nass werden wir zu 100% nicht" fest.


Stilsicher mit der Rennkappe von meinem Arbeitgeber

Wir machten dann im Schatten nochmal eine Pause, diesmal gab es Kaffee und kurz nachdem wir diesen Helikopter fotografiert hatten, machten die Wolken das, nach das sie aussehen. Es begann, richtig zu schütten! Wir sassen unter dem ersten Überhang der ganzen Wanderung und schauten uns das mal so ein bisschen an. Irgendwann zogen wir die Regenjacken (ich bin ja bergsozialisiert und habe IMMER Kleider für einen Wetterumschwung dabei) an und machten uns, nachdem der Donner ein bisschen abgeflaut war, auf den restlichen Weg nach oben.



ich meine: Regen. Kennt man ja kaum noch.

Die Islandcrew natürlich sehr, sehr happy

Das hier ist der Geltenschuss von oben.












EINHUNDERT PROZENT, ICH SCHWÖR!!!

Statt den Ameisenfröschen kamen jetzt Unmengen Alpensalamander raus und liessen sich beregnen, wir mussten wirklich aufpassen, nicht auf einen draufzutreten.



Und dann waren wir auch schon am Ziel: der Geltenhütte



Wir hatten Glück und ein Fünferzimmer für uns, das war super. Wir hatten Platz für unsere Rucksäcke, mussten nur aufeinander Rücksicht nehmen und nicht Fremde beschnarchen.

 Bis zum Abendessen haben wir in etwa fünf Runden Uno Flip gespielt (die GenZ rechnet bei Uno die Punkte nicht mehr zusammen?!), Radler getrunken, GEDUSCHT!!!. 

Zum Abendessen gab es Nudelsuppe, Salat, Randenrisotte und Himbeerkuchen und man darf es gar nicht sagen: wir lagen um 9 im Bett (draussen hat es die ganze Zeit gewittert, geschüttet und gehagelt.)
Heute morgen dann: Kein Regen, nahezu wolkenloser Himmel (keine Sonne, die Sonne kommt irgendwann mittags über die Berge)


Aussicht ins Tal

Die Wasserfälle, die gestern abend noch braun und dreimal so gross waren



Nach dem Frühstück ging es los (erst daheim stellte sich raus: wir haben eine Regenjacke von uns auf der Hütte gelassen und eine falsche mitgenommen. Alles getan, um das zu sortieren, mal sehen, ob es klappt. Sorry)

Perfekte Wanderbedingungen: ungefähr 15 Grad, keine direkte Sonne. Und laut bimmelnde Kühe






Von denen eine dann irgendwann unsere Gruppe trennte :-)





Nocmal einen Blick zurück auf den Geltenschuss



und auf dem deutlich ausgesetzteren, aber deutlich angenehmeren, weil fast graden Weg Richtung See zurück

Es wurde noch gescherzt: so lang wie das grad geht, geht es irgendwann senkrecht eine Leiter runter. Well.



Nicht ganz senkrecht





Richtig schön war das. Bevor wir uns die wirklich steilen Serpentinen nach unten antaten, gab es noch eine Brotzeitpause mit Kaffee (Power aus der Powerbank, das vorgekochte Wasser vom Vortag war nur noch laurwarm)

Ich hatte für die Zuckerfraktion keinen Löffel dabei, Karottensticks waren auch aus, deshalb: Stöckchen




Man sieht nicht ganz, wie steil es links runtergeht. Aber das Seil rechts zeigt es schon ein bisschen.

Am Ende der Brücke haben wir die Runde zum Start geschlossen

Bisschen andere Route zurück nach Lauenen



Zum Abschluss der schweizerischste Wegweiser, den es gibt, aber dafür war es selbst uns zu heiss.

Das war ein tolles Wochenende, die Waschmaschine rotiert, mein eines kaputtes Knie jammert ein bisschen, aber TOLL WARS! (Grosser Vorteil grosser Kinder: jeder trägt, was er braucht, selber. Keiner heult. Und nur die, die wollen, kommen mit. Diesmal: alle.)

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