Dienstag, Juni 15, 2021

150621 Immer noch eins mehr als wie du

 Good news first: Q. ist perfekt verschraubt und es geht ihm gut, sogar viel besser.

Lange Version:

Ich war heute morgen ein biiiiiisschen unentspannt, besonders ab 09:30h. Der Anästhesist hatte abgeschätzt, dass die OP ungefähr so lang dauern würde und der Operateur IMMER SOFORT DIREKT anrufen würde. Naja. Um halb 11 habe ich dann in der Zentrale angerufen, die mich weitervermittelt haben auf die Station und da hatten sie ganz frisch die Info bekommen, dass Q. abholbereit im Aufwachraum wäre. Dieser nicht passierte Telefonanruf war aber das einzige, was heute nicht perfekt funktioniert hat und eigentlich auch das Unwesentlichste.

Als ich um viertel vor 12 im Zimmer stand, war Q. noch ein bisschen blass, aber scherzte schon wieder mit der Pflege (er ist ja das absolute Küken auf der Station und sehr neugierig und kommunikativ und wird dementsprechend verhätschelt.)

Ich hatte ja irgendwie damit gerechnet, ein dasiges, dahindämmerndes Kind, das vielleicht auch ein bisschen kotzt, vorzufinden und heute als Hintergrund für mein Teammeeting zu haben (just kidding, die Kamera hatte ich schön aufs Fenster ausgerichtet), aber nein: um 12 kam das Mittagessen und Q. hat nur zweieinhalb Stunden nach Ende der OP ein Dreigangmenü verdrückt. (Er hatte sich Lamm-irgendwas ausgesucht und hätte danach am liebsten dem Koch persönlich zu seinen Kochkünsten beglückwünscht. Bezeichnender Ausschnitt aus dem Freundechat:

"Boah lueget amol, mega Ässe, Lamm isch so fein!"

"Hey, weisch du eigtl, was (ok ich lass das mit dem Dialektschreiben) das für Deinen ökologischen Fussabruck bedeutet, Fleisch zu essen?!"

"Ich mach im Fall im Moment maximal einen halben und eigentlich gar keinen Fussabdruck, weil ich mir einen gebrochen hab, ich denke, einmal Lamm ist ok."

 Ich würde sagen, the kids are ok. (Am Donnerstag kommen zwei seiner Freunde direkt nach der Schule mit dem Rad vorbei "Die werden schwitzen, aber hier ist es ja eh heiss", d.h. der Hübsche und ich müssen heim, und dann wird Risiko gespielt. Ich bin mal gespannt, wieviel Verlängerung der Besuchszeit sie der Station aus dem Kreuz leiern. Oder ob die beiden dann einfach auch da schlafen.)

Ich hatte aus gestern gelernt und mir Mittagessen (aka Salat und Falafel) mitgebracht, ausserdem musste ich mir ja keine Sorgen mehr machen, und so war der Tag viel besser. Das Extra-Jöbli-Meeting heute lief sehr gut und ich denke, trotz der sehr unerwarteten Hürden in dem Projekt kommt das gut.

Kurz bevor der Hübsche zum Abklatschen kam, rauschte die Arzttruppe herein (ich hatte gestern abend btw noch ein wenig zum Thema Fusschirurgie und Center of Excellence und so recherchiert, ein bisschen Fleisch an den Knochen der hausinternen Lobpreisungen bringen. Scheint, da ist was dran, und ich weiss jetzt, dass in Baselland und Basel Stadt eine massive Überversorgung an Fusschirurgie herrscht und es sozusagen eine Art Battle unter den verschiedenen Krankenhäusern gibt, bloss nicht nachzugeben und vielleicht nicht das Beste dadrin zu sein. Wenn Sie mal was mit Fuss haben: kommen Sie ruhig hierher!) und erklärte, wie es gelaufen war. 

Es hat geklappt, das alles arthroskopisch (heisst das so? Sie wissen, was ich meine) zu erledigen, d.h. Q. hat einen minifuzziklaanen Schnitt, der mit 3 Stichen genäht wurde, anstatt einen 20cm langen (ich wusste gar nicht, dass das zur Debatte stand. Besser so). Er hat 3 Titanschrauben drin, alle Fitzel sind zusammengeschraubt, ich bin enorm beeindruckt von der Präzision und dem räumlichen Vorstellungsvermögen, das da dahinter steckt. Am meisten beruhigt hat mich allerdings, dass der Fuss-Oberguru ganz offensichtlich Q.s Fuss nicht mehr interessant fand, sondern mit mehr oder weniger "alles super, kein Problem" und ein bisschen Stolz auf eben den winzigen Schnitt wieder verschwand. Das mag für ihn jetzt nicht so befriedigend sein, aber mir ist es lieber, Q. hat einen langweiligen unspektakulär heilenden Fuss als irgendetwas wissenschaftlich sehr interessantes, Spannendes.

Schmerzmitteltechnisch reichen jetzt Ibuprofen und Dafalgan, das ist viel, viel weniger als auch schon. Alles in allem: HALLELUJA. (die nächsten Tage werden wir erfahren, was wie wo weiter gehen wird und auch, was Q. doch noch machen können wird. Meine Prognose: Klassenabschlusslager (auch mit Rollstuhl): nope, Pfadi-Sola: könnte gehen in reduzierter Variante. zB Anreise mit dem Mat-Transport anstatt Zug/Anwanderung und vor dem tatsächlichen Start mit den anderen Pios auf eine einsame Insel im Sursee (?) zu paddeln und dort zu übernachten. Und zB ganz sicher ohne OP (nicht wie Operation, sondern keine Ahnung, auf jeden Fall ist das ein 100km -Marsch in 36 Stunden.). Wir werden sehen.

Ich war nach dem Heimradeln eigentlich bereit, mich mit einem Eiskaffee auf die Terrasse zu setzen, zu bloggen, bis L. heimkommt und ganz laut zu seufzen: "JETZT wäre ich bereit für echt mal langweilig, danke." Ich war aber nicht schnell genug und so brummelte mein Whats-App schon auf dem Heimweg warm mit der nächsten Herausforderung, die alles andere als langweilig wird und unsere Sommerferienplanung, die ja vor allem auch auf langweilig Erholung ausgelegt war, ganz schön über den Haufen wirft. Naja. Ist dann so, besser so als notfallmässig.

Hier noch die Vorher-Nachher-Bilder von Q.s Knöchel:

Vorher:








Und für die KAtzenfreunde: Sansa ist für untertags wieder in ihre Sommerresidenz unter dem Pampasgras auf dem Kreisverkehr (keine Sorge, nur die Zu/Abfahrt von zwei Tiefgaragen, nicht irgendeine echte Strasse) gezogen.