Montag, Juni 14, 2021

140621 Läuft. Auf Reserve

 Was für ein Tag. 

Ich habe mich frühmorgens aufs Rad geschwungen, um rechzeitig zur Visite im 7:30h im Krankenhaus zu sein. Q. ist zwar gross, aber nicht ausgewachsen, deswegen ist es ja so ein Drama, und vor allem nicht volljährig, deshalb: Einverständniserklärung, Aufklärungsbögen tralalala, muss ein Erwachsener unterschreiben.

Die Radstrecke ist super, viel besser als die Autostrecke, die total nervig ist, alles hintenrum über Hügel und durch den Wald und an der Kläranlage einem Flüsschen entlang, mit Turbomodus eine Sache von 10, 15 MInuten.

Visite war dann wie in den einschlägigen Krankenhausserien: Der "Fussgott" vornedran, hinter ihm eine aufgeregte Herde an jungen Ärzten in blütenweissen Kitteln, die alle in der ersten Reihe stehen wollten und alle was sagen wollten. Das wichtigste für uns: Q. wird morgen operiert, deshalb musste er doch nicht nüchtern bleiben und bekam direkt Frühstück.

Für die ausführliche Erklärung kam dann einer der jungen Ärzte zurück und erklärte mit ausgedruckten Röntgenbildern zum Behalten alle Details des Bruchs (Buhuhuhuhu. Die Standardfrage ist: "Und wie genau ist das um alles in der Welt passiert?!", weil: mit bisschen Umknicken den unteren Teil des Schienbeins an den strategisch blödsten Punkten in drei Teile zu brechen, das ist schon echt gnaaaaaah!).

Es wurde angekündigt, dass für die Zeitplanung und die Narkoseaufklärung noch ein Anästhesist vorbeikommen würde und auch der würde noch Unterschriften brauchen. Wir hatten an sich geplant, dass ich einen Teil des Vormittags dableiben würde, der Hübsche am späteren Nachmittag bis zum Abendessen kommen würde, tja, aber daraus wurde nichts, weil es keinen klaren Termin für das Gesrpäch gab und ich natürlich nicht riskieren wollte, dass es irgendeine Verzögerung gibt. Also habe ich mein Homeoffice im Krankenzimmer eingerichtet. Sehr schöne Neuigkeiten kamen dann von unserer Krankenkasse, die sich beim Krankenhaus gemeldet hatte, weil Q. (wie wir alle, das hatte ich so nicht auf dem Radar) für Unfälle privat versichert ist.

Kurzer Exkurs: in  der Schweiz gibt es die gesetzliche Grundversicherung, die muss jeder Schweizer haben, die kostet auch bei allen Krankenkassen dasselbe und leistet genau dasselbe. Wenn man mehr möchte (sei es Privat/Halbprivat bei Krankenhausaufenthalt, Chefarztbehandlung, verschiedene erweiterte Erstattungen und Zuschüsse für weiss der Geier was), gibt es verschieden Zusatzversicherungen, aus denen man dann halt die Kombination raussucht, die am besten passt. Fürs Krankenhaus haben der Hübsche und ich zB halbprivat (glaube ich), für die Kinder "nur" allgemein, und zwar aus dem einfachen Grund, dass es in allen Schweizer Kinderspitälern eh nur allgemeine Abteilungen gibt. Die Unfallversicherung ist dann nochmal separat, der Hübsche und ich sind jeweils über die Arbeit tippitppi versichert, deshalb brauchen wir nichts extra, für die Kinder haben wir die bei der gleichen Versicherung abgeschlossen wie gesetzlich und Zusatz, und anscheinend beinhaltet die für Spitalbehandlung nach Unfall eben Privatbehandlung auf der ganzen Welt. (Wie Q. so schön meinte: wenn du also krankenhauskrank wirst, solltest du dir noch schnell bisschen was brechen, dann kommst du auf die Privatabteilung. Nicht dass ich deswegen seinerzeit mitten in der Nierenstory mit dem Rad gegen den Laternenpfahl gefahren wäre...)

Ich habe den Hübschen gebeten, das nochmal mit der Krankenkasse zu bestätigen und dann, zack, sind wir mit Sack und Pack ins oberste Stockwerk in ein riesiges Einzelzimmer mit Aussicht und Balkon und allen Schikanen gezogen.

Ich gönne es Q. sehr, sehr, dass er in diesem ganzen Mist noch das Positive findet und diesen Hotelservice geniesst. (Auch für mich war es ein bisschen bequemer, an einem echten Tisch bei offener Balkontür zu arbeiten).

Lustig ist: dadurch, dass das so ein Sportler-Fuss-Chirurgie-Zentrum ist und in Q.s Akte steht: "Beim Fussballspielen passiert" (und vielleicht auch wegen der Privatabteilung?), denken jetzt alle, er wäre ein ernsthafter Vereinsfussballer ("Wo spielst du denn? Kann ich Du sagen? Welcher Verein, welche Position?") und Q. antwortet dann treuherzg und wahrheitsgemäss: "Haha, gar nicht. Das war nur aus Spass mit 6 Freunden nach einer Party. Barfuss. Im nassen Gras".

Mittlerweile ist alles geklärt, Q. ist morgen der allererste auf dem OP-Plan, d.h. wir werden ihn vorher auch nicht mehr sehen, weil er halt schon um halb sieben die erste Kostbarkeit aus dem Portfolio meines Arbeitgebers verabreicht bekommt.

ALLE Ärzte sind bei der Aufklärung und Erklärung und dem letzten Pep-Talk am Abend sowohl auf die anwesenden Eltern mit allen Elternfragen als auch auf Q.s Fragen und Kenntnisstand eingegangen ("Hattest Du schon mal eine Vollnarkose? Nein? Also, das wird so ablaufen..."), wir könnten uns nicht besser vorbereitet fühlen.

Wird schon werden. (Meine Kollegen haben nur an dem zeitweiligen Maskentragen gemerkt, dass ich woanders war, anscheinend sass ich im gleichen Winkel zum Fenster wie sonst auch und auf die Details der Aussicht haben sie wohl nicht so geachtet).

Ich bin btw nullkommanull so cool, wie es hier klingt, all das Zusammenreissen kostet ganz schön viel Kraft. Das habe ich gemerkt, als ich tränenspritzend den Hübschen wütend für einen flapsigen Kommentar am Radständer zusammengefaltet habe. (Und danke an all die, die meinen EBike-Computer während 9 Stunden nicht vom Rad geklaut haben).

Wir würden also morgen gedrückte Daumen für eine gut verlaufende OP und erfolgreiches Reponieren nehmen (Q. dachte, der erklärende Arzt würde "Reparieren" falsch aussprechen, Gottseidank hat er es ihm nicht gesagt)

Impfung nur der Vollständigkeit halber: bei mir genau gar nix mehr, beim Hübschen sind die nächsten Lymphknoten zur Einstichstelle massiv angeschwollen. Fühlt sich komisch an, sonst nix.