Montag, Januar 18, 2021

180121: Von wegen nix los

 Da mokiert man sich ewig, dass vor lauter Homeoffice und Pandemie überhaupt nichts passiert, und dann ist Montag und alles passiert auf einmal.

Neben Montag, den üblichen Hiobsbotschaften (St. Moritz hat mehrere Hotels und Schulen unter Quarantäne gestellt wegen UK-Mutations-Outbreak, in Bremgarten (gar nicht soooo weit weg von uns) sind zwei Schulen incl angehörigen Familien unter Quarantäne, weil zwei Klassen in Wengen im Skilager waren und zwei Kinder positiv zurückkamen. Wengen ist der Ort, dessen Inzidenz für die Lastminute Absage (also wirklich: last minute) des FIS-Worldcup-Rennens letzte Woche zuständig war. Naja. Alles wie immer, Skifahren ist ja was, was man draussen macht, nach wie vor kein Grund, die Skigebiete zu schliessen.) kam dann heute morgen die Meldung, dass man sich im Aargau zentralisiert für eine Impfung anmelden kann. Die Menüführung ist, finde ich, userfreundlicher als die in Bayern, ich brauche keinen Account, keine Emailadresse, "nur" ein HAndy und meine Krankenkassenkarte. Und, das wäre doch auch was für Bayern / D: Leute ohne Handy/Internetzugang können sich in der Apotheke anmelden lassen. Grad mal erledigt. Ich vertraue dem Ganzen so mittelgut, werde also nach wie vor ein Auge drauf haben, wann man dran sein müsste/könnte und sich evtl direkt anmelden kann.

Also: zur Impfung angemeldet.

Kurzer Ärger über unsere Krankenkasse, die in ihrer App heute "Detox" zum Entschlacken und Entgiften anpries, wo es doch im Körper keine Schlacken gibt und die Niere brav entgiftet, auch ohne dass man nur Säfte für zig Geld, nur von 7:30 bis 8:20h grüne Lebensmittel, die mit "h" anfangen, isst, oder pegan oder ohne Paleo oder rohvegan. Dem Ärger machte ich als guter Internetmensch auf Twitter Luft und zack, so schnell habe ich noch keine Reaktion auf so etwas gesehen, in no time wurde das Thema behandelt, die Challenge und der Text gelöscht sowie dder Begriff "Entschlacken" auch aus anderen Texten entfernt. Kudos!

Vor lauter Begeisterung (und weil ich seit 100 Jahren zum ersten Mal wieder auf der Homepage der Krankenkasse war) grad noch das Telemedizingerät bestellt, so dass wir bald daheim abhören, filmen, Fotos, Temperaturmessen, etc können und das von Ärzten online beurteilen lassen können. In meinem Kopf ist es natürlich das Doktorhologramm von der Voyager, in Wirklichkeit nur ein Kistchen mit verschiedenen Adaptern, aber das wird trotzdem toll. (Bitte sparen Sie sich alle Kommentare, gehen Sie einfach davon aus, dass wir durchaus vernünftig handelnde und abwägende Menschen sind, danke.)

Arbeit wie immer, zum Mittagessen kam L. jedoch käsebleich nach Hause: er war beim Sportunterricht vom Trampolin aus nicht auf den Füssen auf der Matte gelandet, sondern auf dem Bauch und hat sich dabei ordentlich die Wirbelsäule in die falsche Richtung gebogen, man stelle sich einen Skorpion vor, und hatte ordentlich Rückenschmerzen. Ich bin bei genau diesem Unfall ein bisschen empfindlich, so habe ich mir nämlich beim (ok, nicht Schulsport) Vereinstrampolintraining auf dem grossen Trampolin (ok, nicht dem kleinen schrägen) bei einer Bruchlandung aus einem geplanen 1,75fachen Salto vorwärts (ok, kein Bauchklatscher aus dem Stand) mit einer Bauch- statt Rückenlandung, aber genug Schwung für eben die 1.75fache Rotation in die Sicherheitsmatte (ok, nicht.. doch, in die Matte) zwei Wirbelfortsätze , das war nicht so ohne.

Also: hektische Aktivitäten über Mittag: Abklären mit der Versicherungshotline (ja, bitte abklären, bei Gelegenheit Unfallbericht ausfüllen), mit den Nachmittagslehrern (L. kommt nicht), mit dem Nachbarsmädchen (Hausaufgaben), mit den Kollegen (Muss Kinderarzt anrufen grad zu Meetingbeginn), mit dem Kinderarzt (können wir heute noch kommen?), dann kurz Schnaufen und weiterarbeiten. Dachte ich, aber dann passierten zwei Dinge gleichzeitig:

L.s Schulfreund läutete, um ihn zum Nachmittagsunterricht abzuholen und 

Jonny kam mit einem noch sehr lebendigen Vogel durchs Katzentörchen. 

Tierpolicy ist ja: was noch zu retten ist, wird gerettet und der Vogel sah noch gut aus. Also nahm ich Jonny hoch (knurrend, voller Krallen, mit Vogel im Maul) und öffnete die Tür, vor der L.s Freund stand, leicht verstört über die Aggrokatze auf Gesichtshöhe.

Wir konnten klären, dass er allein geht, ich setzte Jonny ab, der wollte sich den Vogel nochmal zurechtlegen, was der zum Wegfliegen nutzte, ich nahm Jonny grad wieder mit rein und entschädigte ihn mit einer Handvoll Snacks, und puh, das war einiges.

Nachmittagsarbeit bis Zeit für Kinderarzt (ich rechne es der Praxisorganisation sehr hoch an, dass wir L.s Termin mit Q.s eh schon abgemachtem Kontrolltermin für Zeh kombinieren konnten).

Sehr süss war, dass L. bei der Beschreibung des Unfalls erst fragte, ob er auf Hochdeutsch wechseln könne. Es ist echt spannend, wie unflüssig ihm das aber in Kontakt mit anderen Menschen als Familienmitgliedern über die Lippen kommt, und so wechselte er ganz, ganz schnell wieder zu Mundart.

Fazit: alles ganz höchstwahrscheinlich, "nur" ordentlich gestaucht, er soll sich wenig bewegen und wenn es schlimmer oder irgendwie komisch wird, sollen wir wieder kommen. Auch der Zeh scheint auf dem richtigen Weg (höhöhö).

Puh.

Alles in allem sehr gesundheitslastig heute, ich würde sagen, dieses Thema haben wir für die Woche in einem Schwung abgehakt!

Gegessen:

Joghurt, Früchte, Granola

frischgebackenes Brot, Salat mit karamellisiertem Ziegenkäse

Montagspizza


Gesehen: "Disenchantment" und "Valhalla Murders"

Gelesen: Ich muss schauen, was ich anfange, gestern abend habe ich nach dem .... 5.? Nicci French-Thriller in Serie beschlossen, dass ich durch bin mit durchschaubaren, immer gleich gestrickten Fliessbandkrimis, wo immer eine Frau von allen verkannt wird, total verplant und verängstigt ist, aber überzeugt, dass sie als einzige recht hat, immer als einzige recht hat, die Polizei keine Ahnung hat, der Inbegriff von Verwahrlosung ein gesprungenes Fenster ist, der Inbegriff von "keine Zeit für Haushalt" ein nicht heizender Boiler (ohne Witz: in jedem einzelnen Buch. Als ob irgendjemand für Wochen oder Monate ohne kaltes Wasser leben würde, nur weil man "keine Zeit hat". Als ob Spülmaschinen, Waschmaschinen und Trockner nicht viel öfter kaputt gehen würden!) ist, das ist alles ein bisschen arg einfallslos.

Stressleveldurchschnitt gestern: 16

Selbstbeweihräucherung: ich denke, der Vogel fand mich ok.