Freitag, November 20, 2020

201120 Alibi, Kolibri

 Ich habe aus letzter Woche gelernt und mir den Nachmittag heute frei eingetragen (und mich allergrösstenteils dran gehalten). Als Arbeitstagsabschluss habe ich eine Kollegin, die in Brasilien heute Feiertag hat, bei einem Notfallmeeting vertreten, was erst alle gefreut hat, weil es dann auf Deutsch abgehalten werden konnte. Das Problem lässt sich schon lösen, denke ich, es ist nur (noch) diese ungute Stimmung, wo sehr empfindlich auf alles, was eine Schuldzuweisung sein könnte, reagiert wird. (Ich mache das bei sowas ja gern so, dass ich, wenn immer halbwegs realistisch, die Schuld/Verantwortung relativ plakativ auf mich nehme, letztendlich ist es ja eigentlich egal in diesem Stadium, aber man bekommt das Team so aus der Verteidigungshaltung, in der nur der eigene Gartenhag bewacht und verteidignt wird, heraus in einen hoffentlich konstruktiven, manchmal auch nur pragmatischen, aber das ist ja egal, Lösungsmodus. Heute ging das nicht, weil ich ja nur Vertretung war und gestern nacht das erste Mal von dem Problem gehört hatte.) Dementsprechend gereizt war die Stimmung, einer der Kollegen hatte ausserdem gerade erfahren, dass seine Frau und Tochter beide COVID-positiv sind, es war also alles etwas angestrengt. Und dann sagt einer in dem Meeting "Ja, und dann wurde das halt in xy verkackt, also verpackt.." und ich bin sehr stolz auf mich, dass ich nicht spontan geplatzt bin vor Lachen. Ich sass also vor offener Kamera, habe mit aller Gewalt meine Mundwinkel unter Kontrolle gehalten und das hat tatsächlich dazu geführt, dass mir die Tränen in die Augen gestiegen sind vor lauter Lachdruck. Kannte ich so auch nicht. Gsd reichte zu diesem Zeitpunkt bedächtiges Nicken mit dem Kopf, wann immer ich den Mund aufgemacht hätte, wäre nur "Hahahahahaha, VERKACKT!!!" rausgekommen. (Doch ja, ich glaube, ich bin dem Kindergartenalter eigentlich entwachsen. Rein körperlich.)

Sonst so:

Wocheneinkauf erledigt, dabei ein Paket abgeholt, das mich mit erstaunlicher Wucht in die Vergangenheit katapultiert hat. Spannend, was alte Fotos mit einem machen. Also, mittelalte und ganz alte. Und wie lange Leni-Riefenstahl-Optik auf Bildern anscheinend immer noch "a thing" war.

Meine kurzfristige Erleichterung über die schweizweit dann doch mal sinkenden Neuansteckungszahlen ist btw beim Teufel, weil ich jetzt gelernt habe, dass der Blick aufs im Schweizer Fall nicht ganz so grosse Ganze verschleiert, dass es aktuell in den bisher nicht so stark betroffenen Kantonen (wie: Basel-Stadt, Basel-Land. Also: bei uns vor der Tür) nicht wirklich besser wird, sondern schlechter. (Zur Einordnung: heute wurden schweizweit 4946 Neuansteckungen gemeldet, das sind umgerechnet auf Deutschland ca 50 000. Die 7 Tage Inzidenz ist damit schweizweit bei 389, das ist viel besser als auch schon. Basel-Stadt hingegen ist bei 407, das sind  67 MEHR als letzte Woche, Basel-Land hat mit 319 50 mehr als letzte Woche. Und ja, das ist immer noch viel weniger als die Westschweizer Kantone, die aktuell knapp unter 600 liegen, aber diese 600 sind mehr als die Hälfte weniger als auch schon, während es bei uns eben munter nach oben steigt. Basel Stadt hat Konsequenzen gezogen und für 3 Wochen die Massnahmen in Richtung deutsches Beispiel verstärkt, mal sehen)

Eine sehr breit recherchierte Zusammenfassung der Entscheide (respektive der fehlenden Entscheide) und Hintergründe, die vom sehr souveränen Meistern der ersten Welle zum aktuellen Desaster geführt haben, findet sich hier mit dem bitteren Fazit:

Ein Handeln, das sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert, ist genau das, was die Schweiz des 21. Jahrhunderts von einem von der Pest heimgesuchten Venedig des Mittelalters unterscheidet, dem nichts blieb ausser blindes Beten und Hoffen. Oder unterscheiden sollte.

Das andere: Wir wählen unsere Regierungen. Und wir messen sie an ihren Taten.

Oder, wie der Bundesratssprecher es heute mit fast schon beeindruckender ...  Überzeugung twittert:



Ich bin sehr bereit für Eskapismus in Form von Chemie-Trivia mit Q. zum Pizzaessen und einer Stunde Flucht in die Zukunft mit "Star Trek Discovery".