Montag, April 23, 2018

Warten reloaded

Ach ja, ich dachte heute morgen noch: was grummelt mein Bauch denn so? Ich habe doch voll vernünftig gegessen am Wochenende? Und warum bin ich so flipsig? Und ja, es ging ein bisschen, bis auch der Kopf verstanden hatte, dass Bauch und Nervositätszentrum dann doch Muffensausen vor dem OP-Besprechungstermin hatten. Und zwar mehr als dem Termin (bestätigtermassen harmloses Fibroadenom, das raus soll, in einer zu klärenden, vermutlich ambulanten und undramatischen Operation) angemessen schien.
Und so war ich dann beim Warten im Brustzentrum zwischen lauter „Krebs-Wie weiter?“-Broschüren eigentlich nicht nervös, es war dann zwischendrin sehr skurril, weil ein Mann, der einerseits nur sehr schlecht Deutsch (und alle anderen Sprachen, die Wartezimmer-, Anmeldungs- und Mammographie-Belegschaft im Angebot hatte, und das waren einige) verstand, oder/und nicht verstand, dass man nur dann geröntgt wird, wenn ein Arzt einen vorher gesehen hat (Also: überhaupt mal. Und man das mit einer Überweisung belegen kann. Und ob man dann als Mann eine Mammographie bekommt, weiss ich jetzt auch nicht, aber so weit kam es in der Diskussion nicht) seit Stunden im Wartebereich sass und nicht ins Erdgeschoss in die Polykliniksprechstunde für eine Überweisung oder überhaupt irgendwo hin gehen wollte. Es stellte sich heraus: seit Freitag jeden Tag. Sämtliche vom Krankenhaus aufgebotenen DolmetscherInnen, PflegerInnen, SeelsorgerInnen bekamen nur „Ich brauch Röntgen“ zu hören. Die Situation eskalierte dann kurz, als er einfach in das Röntgenzimmer reinmarschierte und das wohl vor Ort direkt in Angriff nehmen wollte. Ich habe den Einsatz des Sicherheitsdienstes dann verpasst, weil ich war dran.


Und. Hm. Der Plan war ja: OP-Besprechung, Schneiden wo, wann, wie lang dauert es, bis es nicht mehr weh tut? Schauen wir mal in den Kalender.


Was dann aber passierte war: „Ich möchte mir das im Ultraschall nochmal anschauen“ und dann „Wurde die andere Seite damals auch überprüft?“ (Ich weiss es einfach nicht mehr. Ich war ... nicht ganz auf der Höhe damals) und „Dann machen wir das jetzt noch, ich mag keine halben Sachen“. Soweit so gut, aber als dann der Schallkopf immer langsamer über dieselbe Stelle bewegt wurde, da ahnte ich schon, was ich hören würde: „Da ist noch so was, sieht eigentlich harmlos aus, aber Sie sind über 40, bisher ist es nicht aufgefallen, ich würde eine Biopsie empfehlen und dann erst die OP, für den unwahrscheinlichen Fall, dass wir beidseitig was machen müssen.“
Also: nächste Woche Biopsie reloaded und dann wieder warten. Ich möchte das nicht, ich möchte mir keine Sorgen machen, ich möchte nicht nervös sein und edgy und ungerecht und ungeduldig und dünnhäutig, aber es ist keine Frage fon mögen oder nicht, sondern das ist jetzt halt so. Und ich komme mir dabei total pienzig und überdramatisch vor, weil: „Es ist ja höchstwahrscheinlich nix“ und das ist viel besser, als was ganz viele andere Menschen (auch die, mit denen ich heute zusammen im Wartezimmer sass) zu höre bekommen.

Nun denn. Ich plane mich in „Kein Whatifism“ zu üben.



Stressleveldurchschnitt gestern: 38 (hat sich nach mehr angefühlt)



Selbstbeweihräucherung: Erst cool geblieben. Dann mit dem Hübschen telefoniert und nicht mehr cool gewesen Aber: ich hatte ein stilles Eckchen zum Heulen und der Makeup-Profi heult natürlich so, dass die Tränen möglichst wenig verschmieren und so musste optisch nix repariert werden vor dem Weiterarbeiten, nur ein strammer leicht wütender Fussmarsch zwischen Unispital und Arbeitsort war nötig, um die Gesichtszüge wieder auf Gleis zu bringen und den Rest des Tages nahezu stoisch Zeug wegzuarbeiten.