Dienstag, April 24, 2018

Uniform

Ich lerne jetzt ja lauter neue Sachen, nach dem "Sounding Board" heute also ein "Skip Level Event". Worums da ging, ist eigentlich egal, es war nur so, dass wir als Gruppe mal wieder auf unsere Pendants von den Large Molecules gestossen sind.*


Das ist zwischen uns ein bisschen so, wie in jeder Familie: Geschwisterrivalität, man will sich abgrenzen, den Eltern zeigen, dass man es mindestens so gut drauf hat wie der Bruder oder die Schwester, und man mag sich dann doch irgendwie.


Auf jeden Fall dachte ich mir so beim Reinkommen: schau sie dir an, die Herren** Bio-Irgendwas. Alle ein Förmchen: Jeans oder Chinos, kariertes Langarmhemd, lässig hchgekrempelte Ärmel, akkurater Haarschnitt an den Seiten, verwegener Surfertouch oben drauf, kantige Kinnpartie, "gesunde" Bräune, und alle irre von sich überzeugt, einer wie der andere!


WIR hingegen, wir sind da ganz anders, wir sind eine total diverse, bunt durchmischte Gruppe: Wir haben Y., der aus China kommt, lang in USA gearbeitet hat und jetzt hier ist, wir haben D., der aus Schottland kommt und früher in einem mittelständischen Unternehmen gearbeitet hat und richtig gut schweizerdeutsch kann, wir haben J., der aus Kanada kommt und mit seiner Familie in Frankreich lebt, W., der aus Neuseeland kommt, auf einer Weltreise in Irland hängen blieb, eine Französin geheiratet hat und jetzt bei uns in der Schweiz arbeitet und mit dem ich Oompaloompa-Witze ohne Ende machen kann, wir haben E., der aus seiner alten Firma ganz viele meiner Kommilitonen aus der Uni kennt, N., die aus Ungarn kommt, nach Schweden ausgewandert ist und jetzt in der Schweiz lebt und ihren Wohnort anhand optimierter Fahrzeit zur nächsten Autobahnauffahrt ausgewählt hat, C. aus Indien, der via Slowakei in die Schweiz gekommen ist, alle total unterschiedlich. Und überhaupt nicht einheitlich!


Und während ich mir so innerlich ob unserer Diversity auf die Schulter klopfen wollte, schaute ich mich im Raum um und mir fiel auf: J., W., E., C., und alle anderen meiner Kollegen trugen ..... hochgekrempelte Karohemden und Chinos, die Frauen ausnahmslos Skinny Jeans und Flatterblusen (hochgekrempelt), man stand in einer grossen, offensichtlich (zu Recht natürlich) sehr von sich selbst überzeugten Gruppe zusammen.  Man kann offensichtlich die"Familienähnlichkeit" doch nicht verleugnen und "Globale Technische Hansl" sind dann doch irgendwie ein Schlag. (Oder aber ganz divers, wenn man mal hinter die aufgekrempelte Uniform geschaut hat).


Nur in Sachen Haarschnitt, da hinken wir ein bisschen hinter den LM-Kollegen hinterher. (Und bei der Gesichtsfarbe, aber das liegt dran, dass die dauernd in Kalifornien sind).


Stressleveldurchschnitt gestern: 38. Geht eigentlich.


Selbstbeweihräucherung: Heute im Face to Face-Meeeting mit dem Chef erstens ganz unaufgeregt mitgeteilt, dass ich, egal, was Italien macht, die Auffahrtsbrücke NICHT in Süditalien, sondern im Garten verbringen werde. War auch gar keine Diskussion, vor allem, weil der Chef einen Verdacht hatte: "Du, ich habe gesehen, du hast die letzten zwei Freitage JAZ eingezogen. Hast du schon wieder soviele Überstunden, dass ich von der Personalabteilung eins aufs Dach kriege?" "Nö, ich wollte nur die letzten zwei Freitage frei haben." "Ah. Phew."




* Diese Unterteilung in "Small Molecules" (= Chemisch hergestellte Wirkstoffe) und "Large Molecules" (Biologisch hergestellte Wirkstoffe, oft Antikörper) hat mich am Anfang meiner Pharmakarriere ziemlich irritiert. "Small Molecules" waren in meinem Kopf so was wie Wasser, Kohlendioxid, Aceton, Ethanol, Ethylacetat, kelin halt. Pharmazeutische Wirkstoffe, zum Beispiel Granisetron, Vismodegib, Alectinib oder Midazolam, finde ich eigentlich ziemlich gross. Aber natürlich winzig im Vergleich zu einem Antikörper, das stimmt schon.


** Generisches Maskulinum mit Absicht :-)