Mittwoch, März 21, 2018

Preventive Maintenance und Continuous Improvement

Man kennt das im Produktionsumfeld: man muss sein Equipment pflegen und vorbeugend Instandhaltungszyklen etablieren, dann läuft auch altes Equipment lang und zuverlässig, bis es dann irgendwann verschrottet und als Sondermüll entsorgt wird in Rente gehen darf und mit all den anderen ausgemusterten Reaktoren und Trocknern und Zentrifugen auf einem Bauernhof auf dem Land nur noch Eiscreme produzieren oder als Kinderspielplatz fungieren darf. Durch solche vorbeugenden Massnahmen kann man die Unterbrüche planen und wird nicht dann, wenn eh schon die Hütte brennt, von einem ... Emaille-Schaden oder einer undichten Gleitringdichtung überrascht.


Aber keine Sorge, das wird jetzt nicht zu einem flammenden Plädoyer über "Operator Asset Care" und "Lean Six Sigma", nein, das ist die geschickte Überleitung zu mehr Beautycontent.
Nach den Klackernägeln (immer noch glücklich damit, immer noch "ohne Farbe, ohne Glitzer, nein, auch kein French"), die ich mittlerweile alle 3-4 Wochen neu machen lasse und auf denen endlich der Nagellack eine Woche lang (und länger, aber dann möchte ich eine andere Farbe sehen) hält, hatte ich als mehr oder weniger einziges* offenes Thema meine Augenbrauen.


Ich habe an denen bisher nix gemacht, von der Farbe her sind sie dunkel genug, dass man sie sieht, sie sind keine Theo Waigel-Augenbrauen, ich war eher irritiert, als beim Hochzeitsmakeover damals die resolute oberbayerische Friseurin ("Frau D., mit Eahnam linken Ohr, da miass ma wos macha") zu Rasiermesser griff und (nein, nicht das Ohr abschnitt, das wurde mit steifgesprayten Haarsträhnen verdeckt) mir ohne zu Fragen die Brauen stutzte. Wenn jemand allerdings mit einem Rasiermesser in der Nähe meiner Augen rumfummelt, dann frage ich nicht viel und halte mich vor alle ganz still.


Als ich mich dann in den letzten Jahren immer mehr mit Makeup und so beschäftigte, las und hörte ich überall "Brows on fleek", "Erst mit richtigen Brauen bekommt das Gesicht einen Rahmen", "Brauen machen soooooo viel aus", Brauenprodukte jenseits des kratzigen Kajals, mit dem uns Kindern früher im Fasching neben den Katzenschnurrhaaren auch noch spitze Katzenbrauen aufgemalt wurden, überfluteten die Kosmetikregale ("Brow Gel", Brauenmascara, Brauenpuder im Ombre-Look, Brauenstifte, Brauenlack, Brauenschablonen) und ich schaute in den Spiegel und fand meine Brauen eigentlich ganz okay. Aus Pflichtgefühl zupfte ich ein paar Haare aus, hörte gsd rechtzeitig auf, bevor ich mir vor lauter "tut gar nicht sooooo weh, wie ich dachte" Löcher in die Brauen gerupft habe, malte ich mir mal mit so einer Schablone eine "Supernatural"-Form auf die Stirn, symmetrisch habe ich es nicht hinbekommen und so sah ich ein bisschen aus wie ein skeptisches Picassoporträt. Nicht überzeugend.


Die einhellige Meinung von der statistisch nicht relevanten Gruppe an Menschen, die ich befragt habe oder die ungefragt ihre Erfahrungen zu dem Thema teilten, war: "Mit der Benefits-Browbar kann man nix falsch machen."


Und so habe ich mir irgendwann letztes Jahr ein Herz gefasst und in der lokalen Sephora-Filiale nach einem Termin ebendort gefragt. Wie sich herausstellte, eine Woche, nachdem die Brauenfrau gekündigt hatte und es sehr unklar war, ob überhaupt jemand das übernehmen würde.
Tja, nun, Schicksal, ich fand meine Brauen ja eh ok. Also habe ich immer wieder mal ein bisschen gezupft, gestrichelt, fertig.


Als ich aber gestern mal wieder im Manor war, weil Little L. jetzt Tagebuch schreiben möchte (andere Geschichte), sah ich beim Durchlaufen, dass die Browbar doch wieder besetzt ist und habe nicht lange überlegt und einen Termin für heute in der Mittagspause gemacht.


Ich war dann ein bisschen nervös, weil, Sie wissen ja, ich mags nicht so, wenn man an mir rumfummelt, und dann noch an den Augen, und am Ende siehts schief aus und total beknackt und ich muss mir da übrig gebliebene Mario-Schnurrbärte aufkleben und "Wie, mit WACHS? Das tut bestimmt voll weh!" und all das habe ich (wenn ich nervös bin, rede ich. Viel.) der Browbar-Frau erzählt und sie ist so unglaublich ruhig geblieben, habt mir alles erklärt, auch dass strichdünne Brauen nicht die Benefits-Philosophie wären, und sie würde das eher alles so natural machen und dünner geht immer noch, keine Panik, ich muss da das Makeup wegwischen, aber keine Sorge, das decken wir nachher wieder ab, passt die Temperatur so? Und zack, zack, zack wurde nach Ausmessen mit einem fast optikerähnlichen Gerät meine optimale Brauenform bestimmt (in der Mitte fehlen mir pro Seite ca 5 mm zum OPTIMALEN Anfang, höchster Punkt sitzt am richtigen Ort und aussen, tja, da fehlt auch ein bisschen, aber keine Panik, das kriegen wir hin (ich wusste bis dahin gar nicht, WIE ernst man das Brauenbusiness nehmen kann)) mit warmem Wachs und halt den üblichen Streifchen da alles begradigt und angeglichen, dann ein wenig gekürzt, eingecremt, Makeup repariert und ich muss sagen: doch, doch, das gefällt mir sehr.
Ich bin immer noch nicht der Meinung, dass in meinem Gesicht ohne Brauen "der Rahmen fehlt", dafür habe ich durch die Brille unendlich viel Rahmen im Gesicht, aber es ist schon echt viel schooner als vorher.


Und so war ich dann fast ein wenig geknickt, nachdem meine Kollegin am Nachmittag nicht wie vereinbart per Hangout Meet diskutieren wollte und ich so schön meine neuen Augenbrauen mit definiertem Knick hätte an den richtigen Stellen elegant hätte hochziehen können (naja, habe ich natürlich trotzdem gemacht, aber keiner hats gesehen), sondern halt nur am Telefon.


Anyway: mir gefällts, das kann man wieder machen.
Und weil ich ja für den Fall, dass es beknackt aussieht, ein Erinnerungsfoto an meine normalen Brauen haben wollte, und der Hübsche, der ja noch mehr Bedenken hat, dass das doof aussieht, beruhigende Nachherbilder sehen wollte, habe ich hier zwei wunderbare Vorher- und Nachhercollagen in "Fifty Shades of glotz" bzw "Hm, mit der Brille sieht man das gar nicht..."


Vorher. Für den Fall, dass Sie sich nicht sicher sind

Dementsprechend: nachher.



Und, um den Bogen zur Maintenance zu schlagen: mit den kurzen Haaren (max 6 Wochen) und den Nägeln gibt das jetzt einen fast schon stressigen Zeitplan, um das alles a jour zu halten. Tja nun.


Selbstbeweihräucherung: Befindlichkeiten erkannt und hoffentlich geklärt und ausgeräumt (auf jeden Fall sehr klar meinen Standpunkt erläutert und den anderen verstanden).


*bringen Sie mich nicht auf dumme Gedanken!