Freitag, März 11, 2016

Kalle Blomquist

Meine lieben LeserInnen mit Sherlock-Ambitionen,
ich hoffe, Sie sind mir nicht gram, dass ich Ihre Kommentare zum gestrigen Post nicht freigeschalten habe, wo Sie mir schön erklärt haben, mit welchen Suchbegriffen und anderen Tricks Sie ganz schnell rausgefunden haben, wo ich wohne und wie ich heisse und wo ich arbeite und dass ich in Wirklichkeit ein alter Mann bin, der mit 3 Gürteltieren in einem Schuppen in einem Schrebergarten lebt. Ich finde, das haben Sie alle sehr gut gemacht (ehrlich, ich bin beeindruckt!), ich habe beschlossen, dass ich das nicht wirklich creepy finde, sondern mich geehrt fühle, dass Sie hier so gut aufpassen und mitlesen und kombinieren (Aber mal ehrlich: ein bisschen gruselig ist es schon. Wirklich.)
Es mag Sie vielleicht erstaunen, aber ich finde es gar nicht so schlimm, wenn Sie das alles durch ein bisschen (und geben Sie zu: ein bisschen knobeln mussten Sie schon oder wenigstens länger als eine Woche mitlesen) Gehirnarbeit und lustiges Googlen heruasfinden können. Wenn ich hier wirklich voll und ganz anonym sein wollte, würde ich ja zB keine Fotos von uns der Familie, der der Schrebergarten neben meinem gehört hier posten oder Dinge über meine Arbeit erzählen, die durch Kombinieren von keine Ahnung, Stadt, Baulichkeiten, Favs und Retweets, Tweets des Hübschen, der meinen aktuellen Jobtitel twittert, es ziemlich klar machen, wo diese stattfindet.
Warum ich aber trotzdem nicht unter Klarnamen blogge, hat den einfachen Grund, dass ich nicht möchte, dass man durch Googlen meines echten Namens (wie man das mit Bewerbern, Kollegen, Eltern von Schülern und so halt macht) im Nullkommanichts (auch hier: danke für die Tipps, wie man es tortzdem schafft, ich habe einiges gelernt heute) hier landet. Deswegen sind auch die Kindernamen nicht ausgeschrieben. Dass man mit ein bisschen Suchen etc. das hier trotzdem finden kann, zeigen zB der Kollege, Nachbarn oder Kindergärtnerinnen und Verlobte von Sportkollegen des Hübschen (Gruss nach Luzern ;-)). Das finde ich jetzt per se auch nicht schlimm, weil ich durch meine Schweigeaversion den meisten Leuten eh all das, was hier steht, freiwillig erzähle oder schon erzählt habe (ist halt ein bisschen doof, wenn man zum Schweigenbrechen eine Geschichte rauskramt und dann heisst es: "Kenn ich schon vom Blog" und schon ist wieder Stille). Ich habe nur keine Lust, schon vor dem ersten Treffen als "Die, die alles über sich ins Internet schreibt, obwohl man ja weiss, dass einem dann die Kinder entführt werden oder man in den Selbstmord gemobbt wird" abgestempelt zu werden und in einem Bewerbungsgespräch zB möchte ich auch lieber über meine Begeisterungsfähigkeit, meine Projektmanagementfähigkeiten und meine technische Expertise sprechen als darüber, dass ich damals mit 6 keinen gescheiten Apfelbaum zeichnen konnte oder dass ich Rollkragenpanik habe.
In diesem Sinne, ich muss jetzt mein Gürteltier ins Bett bringen.
Immer die Ihre.