Mittwoch, November 12, 2014

Ein Tag, man glaubt es nicht.

Heute Nacht habe ich total schlecht geschlafen, ich habe nämlich gestern abend kurz vor Feierabend noch einen Task mit in den nächsten tag genommen, von dem ich annahm, dass er sehr kompliziert werden würde, nämlich anzuleiern, dass die Fahrzeughalle der Werksfeuerwehr für morgen in einen Vortragssaal verwandelt werden würde. Ich dachte, ich müsste unglaublich viel Überzeugungsarbeit und Bittstellerdings beim Feuerwehrkommandanten leisten, von Pontius zu Pilatus laufen und mich auslachen lassen, dass 24h vorher ja schon viel zu spät sei, um Stühle und Leinwand zu organisieren, kurz: ich habe die ganze Nacht davon geträumt.

Erstaunlicherweise war dieser Task dann heute morgen noch vor acht binnen 10 Minuten erledigt:
Feuerwehrkommandant: "Klar, ich lasse die Fahrzeuge rausfahren, um Stühle und so kümmern Sie sich aber selber."
Mobiliarbeauftragter des Standorts: "Klar, machen Sie einen Auftrag, morgen um 8:00h ist alles da."

Ich war platt, dachte, der Tag könne mir gar nix mehr, nicht mal mein Kollege konnte mich desillusionieren. Ich jubelte nämlich: "Ich habe den weltcoolsten Vortragssaal organisiert" und er meinte: "Woah, krass, man kann echt das Kühllager für die Kryovessel reservieren?", aber eben: was ist das gegen eine Feuerwehrhalle?

Also, so weit, so gut. Ich plante, nach der Morgensitzung im Betrieb das fertig zu machen, was die beiden Werksstudenten die letzten zweieinhalb Monate hätten machen sollen (vielleicht kommt dazu nochmal ein Blogpost), sah mich auf der Zielgeraden und war sehr guter Dinge.
Tja. kurz nach der Morgensitzung wurde ich in den Betrieb gerufen, ein technisches ... äh... Problem zeichnete sich ab, hatten wir früher schon mal, also: wie das letzte Mal beheben. Ich war noch nicht wieder ganz an meinem Schreibtisch, da wurde ich zurückgerufen, weil das Problem diesmal doch ein bisher noch nicht erlebtes, schwierigeres war (Sie wissen ja: geheimgeheim, ich müsste sie blitzdingsen, wenn ich Ihnen das sagen würde, lassen wir es dabei: es war eine technische Sache). Und dieses Problem erforderte dann mal nach langer Zeit wieder, dass ich mich in einen fremdbelüfteten Vollschutzanzug packte. Also: Laborkittel mit normaler Brille im Etui ausziehen, Schutzbrille auflassen, Anstosskappe ab, rein in den Anzug, Latexhandschuhe an, Ärmel abkleben, dicke Handschuhe drüber, Kapuze mit Gesichtsschild überstülpen, Atemluftanschluss dran, Reissverschluss zu, rein in die Kabine, Luftschlauch dran, nachschauen, was das Problem ist.
Ich bin also ein bisschen wie ein Michelin-Männchen rumgestiefelt, dann bin ich wieder raus und musste mich wieder abziehen. Und soviel Geduld, wie ich beim Anziehen habe, so hektisch werde ich beim Abziehen. Mich macht das irre, wenn das Klebband an den Ärmeln nicht sofort runtergeht, ich muss dann einfach nur noch raus. Weil ich da schon zweimal den Atemluftanschluss am Anzug vergessen und versehentlich weggeschmissen habe, habe ich die Kollegen vor Ort schon gebeten, drauf zu achten, dass ich diesmal nicht alles gesammelt in den Sondermüll werfe.

Nun denn, zurück im Büro war das Problem eher noch grösser geworden, ich wollte gerade meine Schutzbrille gegen meine normale Brille tauschen, da merkte ich, dass bei der der Bügel ab war. Gnaaaaaaaah! Erstens: ich mag meine Brille sehr gern. Zweitens: ich war eh schon hinten dran mit meiner Arbeit, jetzt auch noch mittags in die Stadt und die Brille reparieren lassen? Also habe ich sie erst mal Harry-Potter-mässig mit Klebeband geflickt, bin dann den restlichen Vormittag fast irre geworden von dem Klebeband im linken Winkel meines Sichtfeldes und habe dann beschlossen, dass das jetzt halt sein müsse und habe mich auf den Weg in die Stadt gemacht. Glücklicherweise kam ich beim lokalen Fielmann sofort dran, unglücklicherweise war nicht, wie gehofft, nur eine kleine Schraube rausgefallen oder so, nein die Feder in dem Bügel war abgebrochen und das wäre nicht mehr zu reparieren. Und weil ich jetzt ja eh schon mal da war, beschloss ich, mir die Brille zwar behelfsmässig kleben zu lassen, aber dann auch gleich eine neue auszusuchen. Das geht natürlich nur mit Sehtest, aber in der Wartezeit darauf habe ich Gestelle gescreent, den Hübschen per Whatsapp und meine Timeline per Instagram befragt, beim Seh-Vor-test bestätigt bekommen, dass die alte Sehstärke doch superst wäre, mich dann spontan auf Instagram weniger beliebte Modell entschieden (in real passt es besser), und alles mit Gläsern etc. bestellen lassen. Vom Betreten des Ladens bis "Ich könnte Ihnen auch einen Übernachtservice anbieten" ging es 50 Minuten, das ist echt nicht schlecht.

Zurück im Büro hatte ich den Studentenjob immer noch nicht fertig, aber das technische Problem war um noch eine Nuance komplizierter geworden. Als ich mich kurz ein wenig frustriert nach vorne beugte, um den Kopf auf die Tischplatte sinken zu lassen, da piekste mich auf einmal etwas sehr unangenehm in die Leistengegend: die leere Halterung des Piepsers. Gnaaaaaaaah! Ich hatte keine Idee, wann ich den das letzte Mal hatte. Ein Kontrollanruf ergab: im Büro war er nicht. Im Labor auch nicht. In der Garderobe auch nicht. Im Kopf überlegte ich schon, wo ich beichten gehen müsse, dass ich das Ding verloren hätte, wen ich alles über eine neue Piepsernummer informieren müsste, da fiel mir ein, dass ich mich ja morgens im Betrieb mehr als sonst an- und ausgezogen hatte.
Ich bin also wieder rübermarschiert, habe mir ein ex-sicheres Telefon geholt und bin erst mal so den Piepser anrufend durch den Bau geschlendert. Nix. Dann liess ich mir alle Sondermüllfässer zeigen, die seit dem Morgen befüllt worden waren, und ja, die Betriebsmitarbeiter hatten wirklich Spass, als ich intensiv an jedem auf ein bekanntes Klingeln lauschte. Ich hatte dann insofern richtig Glück, dass das einzige, das noch nicht für den Transport in die Verbrennung plombiert war, läutete. In den zusammengekrumpelten Resten "meines" Vollschutzanzugs lag, leicht staubig und lösungsmittelfeucht mein Piepser und piepste vor sich hin. Ich bekam ihn sogar noch geputzt ;-).

Ab dann liefs dann eigentlich, die Fertigstellung des Studentenjobs, der Wochengrosseinkauf, Hausaaufgabenkontrolle, Sporteln, Wäschewaschen, all das war jetzt wirklich ein Klacks.
Jetzt hoffe ich nur noch, dass der eigentliche Angstgegner von heute morgen, der Vortrag in der Feuerwehrhalle morgen gut läuft, dann hat sich das alles wenigstens gelohnt.

Ach ja: Brillenbilder: wer sie noch nicht gesehen hat, hier nochmal die engere Auswahl, Sie dürfen gerne rätseln, wenn Sie noch nicht mitgetippt haben heute auf Instagram ;-):