Mittwoch, April 06, 2011

Protokoll eines ganz normalen Tags

Der Hübsche ist schon seit gestern morgen 4:15h geschäftlich unterwegs.

6:00h: Wecker klingelt
6:40h: Katze gefüttert, Katzenklo saubergemacht,mich selber bürofein gemacht, Little L. Morgenmilch kredenzt, gefrühstückt, Little Q. gesundes Znüni eingepackt, zwei Kaffees getrunken
7:03h: zwei verschlafene (immer nur unter der Woche) Kinder in Kleider komplementiert, Kinderzähne geputzt, Schuhe an, Kindergartentasche, Lüchzgi, Regenjacken eingepackt, ab ins Auto
7:12h: Kinder in der Krippe an den Frühstückstisch gesetzt, mich selber ins Auto, ab ins Büro
7:21h: Ich starte meinen Computer, normalerweise Zeit für den dritten Kaffee, heute wird die Zeit aber für Projektbesprechung mit meinem Bürokollegen genutzt.
8:12h: mir fällt auf, dass ich Little Q. keine Sportsachen für den Nachmittagssport mitgegeben habe.
11:39h: Projektbesprechung mit Chef vereinbart, bis dahin hatte ich immerhin Zeit, einmal aufs Klo zu gehen
11:40h - 12:15h: Mittagspause sieht heute so aus: heimdüsen, Little Q.s Turnzeug packen, währenddessen schnell Kaffee rauslassen, Turnzeug in die Krippe bringen, Little Q., der dort gerade aufs Mittagessen wartet, ein schnelles Bussi geben, zurück ins Büro und während Zwischenstandbesprechung und warten auf diverse Rückrufe schnell den Salat runterschlingen, der im Kühlschrank auf michg ewartet hat.
16:58h: nach ebenso stressigem Nachmittag (eine Pinkelpause war noch drin, während der Drucker mal kurz spann) habe ich alles fertig, für meinen Chef gut zu finden und ordentlich beschriftet auf meinem Tisch angerichtet für meine beiden freien Tage, ich bin eigentlich bereit, zu gehen.
16:59h: Mein Chef ruft zu einer dringenden Projektbesprechung für ein Projekt, von dem noch nie jemand gehört hat, für das aber morgen Resultate in einer Telecon besprochen werden sollen.
17:19h: ich habe alle relevanten Daten aus vorhergehenden Projekten vorgetragen, ordentlich beschriftet und leicht zu finden auf meinem Schreibtisch angerichtet, den Computer runtergefahren und bin tatsächlich auf dem Heimweg
17:35: kein Stau, die Kinder sind noch nicht die letzten in der Krippe. Kurzes Update der Erzieherinnen, Einsammeln der Kindergartensachen (Little Q. hat ein Sonnenblumenprojekt für die Ferien zum Hüten nach Hause bekommen. Super. Note to myself: Ersatzblumen ansäen, die Postrolle quillt über)
17:45h: Wir stellen das Auto in der Tiefgarage ab, ich habe meine Arbeitssachen und drei grosse Taschen voller Sportzeug, Kindergartenzeug und Jacken, Little L. möchte gerne die Treppe hochgetragen werden, Little Q. schafft es, das Sonnenblumenprojekt heil bis heim zu bringen. Auf dem Weg von der Tiefgarage ins Haus haut mir Little L. ab, ich schaffe es auf 10cm Absätzen und mit den besagten drei Taschen nur, ihn am T-Shirtzipfel zu erwischen, er stolpert spektakulär, Hörnchen, ganz furchtbar schlechtes Gewissen.
17:46h: Das Handy bimmelt, der Hübsche verkündet, dass die Bahn schon wieder unbestimmte Verspätung hat und er noch später als spät heimkommen wird.
18:15h: Die Kinder durften eine Folge "Urmel aus dem Eis" anschauen, in der Zwischenzeit habe ich die Postrolle geleert, Reste des Znünis entsorgt, meine Mittagessenbox verräumt, Abendessen gekocht, Little L.s Betablocker angemischt und verabreicht, die Katze gefüttert, die hohen Hacken und den Seidenrock (btw: TRAUMHAFT!!!!) gegen Jeans uns T-Shirt und keine Schuhe getauscht, alle Jacken verräumt, im Kopf unseren Osterurlaub in der alten Heimat unter Berücksichtigung aller schon fixen Termine so umgeplant, dass Little Q. vielleicht doch noch zur Geburtstagsfeier seines Kindergartenkollegen gehen kann, Tisch gedeckt: Essenszeit.
18:40h: die Kinder geniessen als Nachtisch gemeinsam einen Joghurt, ich einen dringend nötigen Espresso.
19:05h: Nach den Nachrichten geht es für die beiden Jungs gemeinsam in die Badewanne, für mich in die Dusche. Danach schwimmt das Bad und Little L. tut beim Rausholen immer so, als ob er in der Wanne schon eingeschlafen wäre, aber sie haben ein Bad nötig und es macht ihnen einen Höllenspass.
19:40h: Alle sind wieder angezogen, eingecremt, im Pyjama und im Bett. Es gibt für Little L. eine Abendmilch, für Little Q. ein Kapitel "Spinatvampir", dann wird noch eine Runde gekuschelt und dann heisst es Licht aus.
20:45h: Ich habe noch eine Waschmaschine angeworfen, die trockene Wäsche zusammengelegt, dabei fünfmal Little L. vom Bücherregal zurück ins Bett verfrachtet, dabei einen halben Bus, ein Auto, einen Duplo-BuzzLightyear konfisziert, jedesmal ein Gespräch mit Little Q. über "Heute auf dem Spielplatz war jemand voll ungerecht, in Rumänien wissen die Leute nicht, wie man Wasserhähne baut, wann wackelt bei mir endlich mal ein Zahn" abgewürgt, das Internet und meinen Fundus nach Stickdateien zum Thema Ägypten durchsucht (die kleinen Bedienungen im Kinderrestaurant sollen schicke bestickte Kappen bekommen) und sitze jetzt mit einem Glas Weissweinschorle da und übertrage die Millionen Daten aus dem Semesterplan des Kindergartens in den Familien- und meinen Handykalender, kreuze mit ganz schlechtem Gewissen auf dem "Wir brauchen noch Hilfe für das Sommerfest"-Zetterl an, dass wir mit den Vorbereitungen und zwei Schichten auf dem Fest, für die wir uns im Kindergarten eingetragen haben, schon ausgelastet sind und dementsprechend nicht beim Aufbauen etc. helfen werden. Danach werde ich noch einen Einkaufszettel für den Wochengrosseinkauf morgen schreiben und dann kommt wahrscheinlich auch schon bald der Hübsche nach Hause.

Und wissen Sie, worauf ich stolz bin? Ich habe die Kinder kein einziges Mal angeschrien, obwohl es für meine Ohren und Nerven schon sehr anstrengend war, dass Little Q. seit dem Zeitpunkt, als er mich auf dem Krippenparkplatz erblickt hat, ohne Punkt und Komma von seinem Tag erzählt hat und Little L.s frühpubertäre Einstellung "Ich laufe immer genau in die entgegesetzte Richtung, in die Mami möchte" auch nicht zur Entspannung beigetragen hat... und geheult habe ich auch nur einmal ganz kurz fast.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

und ich erwische mich immer öffter bei dem Gedanken warum ich früher nicht bemerkt habe wie viel Zeit ich mal hatte! :-)

Liebe Grüße
Katja

katharina hat gesagt…

Boooooaaaaah. Wie schaffst du das nur? Hm? So. Meine tiefe Bewunderung und Hochachtung hast du jedenfalls heute. Vor allem für das Nicht-Anmotzen der Kinder und nur EINE Folge Urmel aus dem Eis. ;-)

Ruhigen Abend jetzt noch und liebe Grüße!
Katharina

Anonym hat gesagt…

Wow. Hier ähnliche Tage, nur ohne Kinder. Wenn ich mal Kinder habe, dann nehme ich Sie mir als Vorbild.

Wie historisch korrekt müssen die Ägyptenstickereien sein? Von Anja Rieger gibt es sonst zB Mumien als Stickdatei.

LG, Lalobe

P.S. Sicherheitsabfrage "chill", also dann, Imperativ, Frau Brüllen: chill! :-)

huntjeblöm hat gesagt…

"Respekt" kann ich da nur sagen...

Ich lese gerne in deinem Blog!

LG,
Britta alias huntjeblöm

Juniwelt hat gesagt…

RESPEKT!!!
Ich könnte das glaub ich nicht.
Liebe Grüße & allzeit gute Nerven
Juniwelt

Stoni hat gesagt…

... und geheult habe ich auch nur einmal ganz kurz fast.

das ist echt süß ;-)))

sewme hat gesagt…

*two big thumbs up*
und laß dir nicht von dummen Anonymen Kommentaren in die Suppe spucken!

lg
luna

Na hat gesagt…

Wow, Frau Brüllen! Das ist echt stramm.
Haben Sie das jeden Tag? Und tut es Ihnen nicht manchmal weh, die Kinder bis abends nicht zu sehen? (Nein, ich möchte keine Grundsatzdiskussion. Bin selbst berufstätige Mama von zwei Jungs. Frage nur deshalb weil es bei mir solche Tage gibt, an denen ich heulen könnte, wenn ich sie abgebe. Und manchmal Wochen an mir vorbeiziehen, in denen ich gefühlt gar nichts richtig von meinen Kindern mitbekomme)

Beste Grüße!
Na

Frau Hiltrud hat gesagt…

Wow, über das "nicht schreien" bin ich schwer beeindruckt. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich mich in dieser Beziehung nicht immer so gut im Griff habe...
Und bei dem Tagespensum hätten meine Nerven sicherlich blank gelegen...
Ich beruhige mich an solchen Tagen immer, daß auch wieder ruhigere Zeiten kommen... spätestens wenn die Jungs aus dem Haus sind... oder?!
Liebe Grüße aus dem HArz,
Martina

Das kleine Brüllen hat gesagt…

So oder so ähnlich ist es Montag bis Mittwoch. Je nach Pensum des Hübschen mit oder ohne ihn, Do/Fr habe ich ganz frei, Q. geht am Donnerstag noch in den Kindergarten, Freitag haben wir ganz für uns. In der Arbeit ist es normalerweise ein bisschen ruhiger, so dass ich mehr Kaffee kriege und öfter mal aufs Klo darf ;-). AUsserdem vergesse ich normalerweise keinen Kinderkram ;-).
Die Kinder lieben die Krippe, normalerweise wollen beide nicht heim. Die Arbeit macht solchen Spass und ist so fordernd, dass ich ehrlich gesagt gar nicht dazu komme, die beiden zu vermissen, besonders mit der Aussicht darauf, dass wir die Hälfte der Woche eh für uns haben. (Und ich schaffe es nicht immer ohne Schreien, zugegeben)

tadellos hat gesagt…

ich hab da mal völlig kontraproduktiv meinen tagesablauf notiert ..... :)

hut ab, frau brüllen, dass ist straffstes pensum was sie da leisten!

signorina hat gesagt…

Wow!
Sie sind eine Heldin! Und ich bin schwer beeindruckt... Ob ich das in 3-4 Jahren mit zwei Kindern auch so gut hinbekomme? Hoffentlich! Ich nehme mir Sie als grosses Vorbild! :)

Anonym hat gesagt…

Liebe Frau Brüllen! Verraten sie mir bitte, wie sie es schaffen, von 18:15 Uhr bis 18:40 Uhr ein Mittagessen zu kochen? Faszienierend auch die kurze Badezeit. Hier nicht unter 1,5 Stunden...Lieben Gruß von einer langjährigen Leserin

féizào hat gesagt…

Uff. 7:21 Uhr. Da stehe ich grade auf. Ich sollte es genießen, solange wir kinderlos sind...

Ansonsten: Respekt!

Ach ja, was ist denn mit Postrolle gemeint? Irgendwie steh ich da aufm Schlauch.

julia hat gesagt…

So ähnlich sahen meine Tage auch aus, bis ich den Krankenhausjob geschmissen habe . Und zwar 4 Tage die Woche, plus die eine oder andere Nachtschicht dazu - komischerweise habe ich an den arbeitstagen die Kinder nie in den Senkel gestellt, wohl aber an den freien Tagen, vermutlich war ich da soo erholungsbedürftig, daß ich nervenaufreibende Situationen einfach nicht ab konnte.
An den Arbeitstagen war das vordringliche Ziel, den tag irgendwie harmonisch über die Bühne zu kriegen und an den anderen Tagen war mein Bedürfnis nach Familie so groß.

Tagpflückerin hat gesagt…

Momentan habe ich ja paradiesische Zustände: 1 kleines Kind und 25% Berufstätigkeit. Aber ich erinnere mich gut: 2 Kleine und 50% Arbeit, da habe ich mich manchmal selbst verflucht, dass ich keine reine Hausfrau sein konnte/wollte.
lg Tagpflückerin

tilema hat gesagt…

And the Award goes to...:)
Ganz, ganz toll, wie du das alles meisterst. Du bist def. mein Ich-schaffe-das Vorbild. Weiter so!
:-)

Ubakel hat gesagt…

Hallo,

ich brauche morgens mehr Zeit. Die Kinder essen zu Hause und in der Kita Frühstück. Dort wird erst gegen 9 Uhr gegessen - deshalb.
Das Essen vorbereiten nimmt morgens Zeit in Anspruch. Für beide Kinder packe ich je 2 Mahlzeiten. Wird bei euch die Vesper gestellt?

(Ich notiere mir meinen Tagesablauf zeitnah auch mal. Das ist interessant.)

Anonym hat gesagt…

wenn ich groß bin, will ich werden sie sie frau brüllen!

MonikaZH hat gesagt…

Hut ab, wirklich reife Leistung!

Die man aber garnicht so mitbekommt, wenn man drinsteckt, oder? Erst wenn man sich hinterher mal fragt (und aufschreibt) was zum Teufel einem so verdammt müde sein lässt... (auch von hier: bitte keine Grundsatzdiskussion!)

Und Hörchen und andere Malheurs: was solls, das passiert nun mal. Wenn Sie Lil'L nicht gegriffen hätten wäre anderes, womöglich und wahrscheinlich schlimmeres passiert.

(und 10 cm Absatz? Ohne Plateaus, also 10 ehrliche cm? - Nicht wirklich oder? Weil sonst müsste ich Stunden bei Ihnen nehmen im "wie laufe ich auf High Heels" - bei mir ist für bequem bei 7 cm Schluss, 9 cm trage ich nur wenn ich weiss dass es ein sehr sitzender Tag wird.)

Anonym hat gesagt…

Liebe Autorin,
warum müssen Sie weinen?