Donnerstag, Dezember 02, 2010

Optimiere, optimiere

Ich bin ein extrem ungeduldiger Mensch. Ich warte total ungern, ich bin auch praktisch immer pünktlich (damit niemand auf mich warten muss) oder zu früh (und ärgere mich dann, dass ich warten muss).
Ich hasse Leerlauf, ich versuche "Totzeiten" immer irgendwie auszufüllen. (Der Hübsche kriegt immer die Krise, wenn ich zB beim Fernsehabend in Werbepausen mal schnell die Spülmaschine ausräume oder so)
Das passt alles wunderbar zu meinem Job, erst in der Verfahrensentwicklung ("Wie, die brauchen da insgesamt 18 Stunden für diesen Reaktionsschritt? Das muss doch in 12 gehen!!), dann in der Produktion ("Wie, die in der Verfahrensentwicklung denken, wir brauchen 3 Stunden, um 1 Tonne Cyanurchlorid zu laden? Da geht doch auch in zwei, oder Jungs?") und jetzt im Marketing ("Hmmmm, das Verfahren hier ist nur 3%ig, ich gehe mal davon aus, das klappt auch mit 20%")

Wozu das nicht so gut passt, sind meine Kinder. Klassisches Beispiel heute morgen: Little L. war um halb sechs hellwach, Little Q. auch (Adventskalenderbettflucht), ich eigentlich nicht. Aber man ist ja optimistisch und so dachte ich mir: okay, eigentlich hätte der Wecker erst um sieben geklingelt, das hätte für Aufstehen, Frühstücken, Kinder parat machen und zum Kindergarten bringen gereicht. Jetzt haben wir anderthalb Stunden extra, da kann ich ja vorher noch zwei Maschinen Wäsche machen, die Betten frisch beziehen, 3 Ladungen Wäsche zusammenlegen und wir schaffen es immer noch püntklich. Und wenn ich mir so was in den Kopf gesetzt habe, dann will ich das natürlich auch durchziehen. Von irgendwem müssen die Jungs ihre Sturschädel ja haben. Tja. Die Begeisterung der Jungs über das frühe Aufstehen war ca. gegen 5:45h verpufft, da war die erste Runde Parkhaus gespielt und die Schmiedewerkstatt aus dem Legoadventskalender zusammengebaut. Ich allerdings war da schon am Herumwirbeln mit Spiegelputztuch und frischer Bettwäsche. Und alles in allem war es dann um kurz vor acht doch superknapp mit alle in Schneeklamotten stecken, weil Little Q. kein Zeitoptimierer ist und nichts dagegen hat, sich gelangweilt auf dem Boden rumzurollen, während ich noch schnell das obere Bad nass wische, anstatt sich schon mal in aller Ruhe unten anzuziehen ("Ach, Mami, ich wart lieber, bis du auch fertig bist......")
Nun ja. Vermutlich wäre es einfacher gewesen, sich um viertel vor sechs noch einmal gemütlich mit Vorlesebuch und Kaffee gemeinsam ins Bett zu kuscheln. Wenn das eben noch nicht abgezogen gewesen wäre.
(Mein Optimiererhirn entwirft ja gerade eine OEE-Datenbank, um die Zeitfallen eines ganz normalen Morgens aufzuspüren und uns dem "golden batch" anzunähern. Ich gebs zu, ich habe mich zu lange mit LEAN und so beschäftigt.)