Montag, Dezember 20, 2010

Back to normal. Oder so

Vielen lieben Dank für Ihre lieben Wünsche, Gedanken und Ihr Mitgefühl. Oberflächlich gesehen läuft hier alles normal:

Während Little L und ich im UKBB auf die Elektrokonversion gewartet haben, hat Little Q. sein Chorkonzert mit Bravour gemeistert. (Klar, dass sowas immer zusammentrifft, oder?) Und der Hübsche und ich sind nach wie vor ein astreines Krisenteam. Er hat es sogar geschafft, ganz unverwackelt, obwohl er wusste, was Little L. blüht, die versprochenen Foto- und Videoaufnahmen für das Krippenarchiv zu machen.


Little Q. und der Hübsche haben eigenhändig einen Christbaum erlegt:

Meine Schwestern hat sich hier heiser vorgelesen (selber schuld, wenn man zu fast Weihnachten einem büchernarrischen Kind ein Adventskalendergeschichtenbuch mitbringt, da muss aufgeholt werden...)


Ich habe 15 Plätzchensäcke mit Sticksternen für alles und Jedi ;-) gepackt, festgestellt, dass die übrigen Plätzchen definitiv nicht mehr für "Ja, wir bringen gerne Weihnachtsbäckerei zum Adventssingen in den Kindergarten mit" reichen, geschweige denn für unsere eigenen Weihnachten. Also wurden Plätzchen nachgebacken.


Geschenke wurden verpackt, verschickt (Juhuuu, globalisierte Welt. Um mit Expresspost ein Paket rechtzeitig für Weihnachten nach Kanada zu bringen, hätte ich es am 7. Dezember aufgeben müssen. Gibt es halt ein Silvesterpaket.), fertiggenäht, ein neues Video produziert....


Die Kinder lieben sich, streiten sich, machen die Nacht zum Tag, sind zuckersüss und nervenaufreibend.... alles ganz normal.


Aber in mir drin flackern immer wieder die Bilder von letztem Freitag hoch: Little L. eingewickelt in 20 Kabel, die Defi-Paddle-Aufkleber auf Brust und Rücken, mit der Rieseninfusion in der Hand. Sein ängstliches Weinen beim Zuganglegen, sein kurzer Mittagsschlaf auf der Liege im selben Zimmer in der Notfallstation wie vor gut einem Jahr, seine Panik beim Auftritt der 15 Kardio-Assistenzärzte, beim Auftritt der Sanitäter, beim Festschnallen auf der Trage, seine Begeisterung für das "Tüda-Auto-Fahren" mit "TüdaBär", das endlose Warten auf die Prozedur in der IPS, die anderen beiden Kinder im Zimmer, denen es wirklich elendiglich schlecht ging, dann wieder gefühlte Millionen Ärzte und Schwestern, die ein ganzes DIN A 4 Blatt mit Notfallmedikamenten parat machten, immer wieder die Versicherungen: "Er ist ja soweit stabil, sehen Sie, wir sind ganz cool und wollen nur vorbereitet sein. Wir werden das alles nicht brauchen", was wenig hilft, wenn parallel zwei Schwestern drüber diskutieren, welche Grösse Ambubeutel für ein Kind mit 13.6. kg geeignet ist, dann die Stellwände um das Bett mit MEINEM Kind, Little L., der zwar todmüde ist, aber trotzdem zeigt die erste Spritze keinerlei Wirkung, erst nach der zweiten werden die Augen langsam glasig, während ich ihm immer wieder die verschwitzten Haare aus der Stirn streiche. Draussen im Kellerflur würge ich eine belegte Semmel runter, weil ich seit dem Frühstück ausser 2 L Cola Light und ein paar Keksen nichts gegessen habe, sage dem Hübschen aus dem Funkloch Bescheid und schon werde ich wieder reingeholt. Little L.s Puls ist von 220 - 240 wieder bei fiebrigen, aber normalen 140 angelangt, ein Schock hat gereicht. Und dann die Erinnerung an die Schwester die gemeint hat: "Der schläft jetzt selig bis morgens um fünf." und sehr erstaunt, war dass Little L. nur eine Stunde später wieder putzmunter war. Die höllischen Nachwirkungen der Narkose und die absolut schlaflose Nacht auf dem Feldbett..... das war dann aber alles nciht mehr schlimm, weil da ging es meinem Baby ja schon wieder gut. Ich kann sehr gut verstehen, das sie uns am näcshten Morgen schnell loswerden wollten, weil ein nur erkälteter Little L. ist definitiv kein Patient für eine Intensivstation.

Nun ja. Alles ein bisschen surreal. Nachtdem Little L. gestern abend noch Fieber hatte, haben wir beide heute noch einen Schontag zuhause verbracht, dabei das Okay vom Kinderarzt eingeholt (ich hatte den Eindruck, er war selber ein wenig überrascht, was die zweite Meinung ergeben hatte... wir müssen in sechs Monaten nochmal zur Kontrolle in die Kardiologie, bis dahin vermuten die Pofis, dass es vom Infekt kam und das UKBB hat einen neuen Lehrfall...), bevor es morgen und übermorgen nochmal in Krippe und Büro geht, den Schreibtisch neujahrsfein machen. Little L. hat bis auf die Klebereste von Zugang und Paddles keine sichtbaren zeichen davon getragen. Er ist noch ein wenig anhänglicher als sonst, was ich durchaus geniesse, also meistens, das Ein- und überhaupt Schlafen geht zäh, aber ich hoffe, in nicht allzuferner Zukunft ist diese Geschichte nur noch Stoff für Little L.s Schulaufsätze to come ("Wie ich einmal Glück hatte")
Foto habe ich übrigens mit Absicht kein einziges gemacht. Aber es sah ungefähr so aus:

Hier übrigens beim Frühstück VOR demKinderarztbesuch. Ich finde, man sieht ihm den Puls von mehr als 200 nicht an.

Und hier heute nachmitttag: ganz der alte Quatschkopf.