Donnerstag, Oktober 28, 2010

Offener Kindergarten

Damit hier niemandem angst und bang wird, ist es wohl Zeit für ein bisschen harmlosen Kindercontent. Heute: wie wir mal im offenen Kindergarten waren.
Little Q.s Kindergarten ist ein offener, will heissen, man kann als Eltern jederzeit auf Besuch kommen. (Man wird nur heimgeschickt, wenn gerade für Weihnachten oder Muttertag gebastelt wird.) Ich habe extra gefragt: man kann auch mit kleinem Bruder kommen (O-Ton: "Dann nimmt uns der halt in der Zwischenzeit alles auseinander, das macht doch nix.")
Mir impliziert sowas ja immer schon im Vorhinein ein ganz schlechtes Gewissen, dass ich nicht einplane, mindestens einmal wöchentlich auf einem wizigen Stuhl Platz zu nehmen und mir anzuschauen, was die da so machen. Jetzt, wo ich drei von vier Kindergartentagen arbeite, bleibt eh nur der Donnerstag als Möglichkeit, logischerweise der Vormittag, weil am Nachmittag schläft Little L. Nun ist es so, dass ich ebendiesen Donnerstagvormittag normalerweise zum Wochengrosseinkauf nutze, da sich der Stressfaktor umgekehrt proportional zur Anzahl der mitgenommenen Kinder verhält. Heute also war durch den Besuch des neuen Monteurs (btw: ich finde eine defekte Lötstelle, die jetzt repariert wird, klingt deutlich besser, als eine gesamte auszutauschende Steuerung, die anscheinend seit Monaten nicht lieferbar ist), eh alles anders, d.h. ich habe Little Q. angekündigt, dass Little L. und ich auf Besuch kommen, sobald der Monteur fertig ist.
Vegen zwanzig nach neun sind wir also im Kindergarten aufgeschlagen. Schon beim Reinkommen wurde mir bewusst, dass wir einen denkbar ungünstigen Termin gewählt hatten: es war nämlich die Schulleitung zur Beobachtung der Lehrkraft zu Besuch. Da aber erstens Little Q. sehr uncool auf gebrochene Versprechen reagiert, zweitens Little L. schon begeistert auf seinen Bruder zustürmte und drittens überhaupt, hiess es Augen zu und durch. Die Kindergärtnerin meinte auch "Kein Problem, kommen Sie rein."
Nun war es aber so, dass Little Q. nicht bewusst war, dass so ein Elternbesuch was ganz andrees ist, als der offizielle Besuchsmorgen. Die Eltern dürfen Mäuschen spielen, ansonsten soll alles so laufen wie sonst auch. Keine Führung durch die Legoecke, kein Plausch bei Muffins und Kaffee, Little Q. sollte brav im Kreis sitzen und mitmachen. Erster grosser Flunsch.
Das zweite Problem war das Mäuschenspielen. Ich bin dazu ja schon in der Lage. An sich. Little L. .... nicht so. Er stürzte sich auf die Puppenküche und begann scheppernd Kaffee für alle zu kochen. Und logischerweise fanden das alle Kinder interessanter, als der Geschichte vom Riesen mit dem Herz aus Stein zu lauschen. Die Kindergärtnerin wurde leicht unentspannt und bat uns, etwas weniger Klapperndes zu spielen. Kein Problem, Little L. war auch mit den Magneten an der grossen Weltkarte zu beschäftigen. Sogar alleine, weil Little Q. fand es nicht witzig, dass seine Mami, die ja IHN besucht, am anderen Ende des Kindergartens an der Weltkarte rumpfuscht, während er im Kreis Steine befühlen soll. Little L. kam dann aber relativ bald in Richtung Stuhlkreis zurück und verkündete lautstark, dass er jetzt pupsen würde. Gesagt, getan, ein Riesenlacher. Nun ja, kein Rauch ohne Feuer, es blieb nicht bei den angekündigten pupsen, als nächstes wurde "Gagga" angekündigt. Laut. Deutlich. Und sagen Sie das mal in Hörweite einer Horde 5-6-Jähriger..... Ich entfernte Little L. also Richtung Toilette zum Wickeln, es wurde weiter mit Steinen und Herzen "gearbeitet". Während wir also kurz weg waren, kam eine zweite Mutter zu Besuch (ich habe echt das Gefühl, sonst kommt da niemand, die Kindergärtnerin wirkte nämlich leicht verzweifelt, während die Schulleiterin ganz wild auf ihren Block schrieb.) Frisch duftend kehrte Little L. zur Weltkarte zurück, alles war kurz friedlich, bis im Kreis auf einmal das Rumoren begann, weil sich die nichtbesuchten Kinder zu fragen begannen, wann ihre Mamis denn kämen.... Juppidu, da fühlt man sich wohl..... Als Little L. dann auf einmal die zum Trocknen ausgelegten Salzteigkunstwerke entdeckte und abzuschlecken begann, versuchte ich, einen geordneten Rückzug anzutreten. Little Q. fand das gar nicht toll, bekam einen mittleren Trotzanfall, weil "ich nur so superkurz dagewesen" wäre.... Little L. war auch motzig, weil er von dem ganzen Blech Salzteig nur einen Bruchteil probiert hatte, ich begann zu hyperventilieren.
Nachdem mir von Little Qs. Kindergartenkollegen beim Abholen ganz vorwurfsvoll mitgeteilt wurde: "Du, der Litte W. war heute beim Klassenrat voll wütig. Wegen DIR. Weil du gegangen bist.", denke ich, das Konzept offener Kindergarten wird überschätzt.