Mittwoch, September 17, 2008

Neues von der Niere

Ich stell hier mal einen Bericht des Brüllens über den gestrigen Tag rein; offline erstellt, da kein Internetanschluss für halbprivate Patienten in der Klinik: SKANDAL! ;-)

Dienstag, 16.9.
So, hier bin ich also wieder.
Gestern abend kam ich mir beim Warten auf die Schmerzen fast so vor, wie man sich wohl vorkommt, wenn man das Gefühl hat, die Wehen kommen immer öfter (hatte ich bei Little Q. damals ja nicht): ein erster Anruf im Krankenhaus, die mir zwei Stunden Wartezeit in Aussicht stellen. Der Hübsche und ich schauen also noch gemütlich mit einem leckeren alkoholfreien Erdinger (man muss sich ja informieren, wo es hingeht) „GA“ und „Dr. House“ an (habe ich schon erwähnt, dass der Hübsche beim ersten Einliefern nach meiner Kotzattacke ganz house-like sagte: „Das Erbrechen ist aber kein neues Symptom.“?), danach die Berichterstattung über unsere „neue Heimat“. Währenddessen begannen schon ganz ordentliche Nierenschmerzen, die sich aber durch wildes Fluchen in Grenzen halten liessen. Gegen 22:00h packte ich meine Tasche fertig (diesmal vergessen: Zahnpasta, Rasierer, Hausschlappen, Bademantel gegen die rückwärtige Offenheit meines Hemdchens hier, dafür ausreichend dabei: neues Wollknäuel, alle Bücher, die ich irgendwie immer schon mal lesen wollte, aber dann doch immer akut spannendere dazwischen kamen, Laptop mit DVD-Laufwerk und leider ohne Player…, die erste Staffel „Gilmore Girls“).
Little Q. liess sich anstandslos ins Auto packen und verschlief Hin- und Rückfahrt sowie das wieder ins Bett Bringen.
Aufnahme bei den Gynäkologen wie gehabt: Murray ist topfit, wieder zwei Tage grösser (ich bilde mir sogar ein, ihn mal gespürt zu haben), Urin extrem blutig, Niere ordentlich gestaut, Schmerzen auf der beliebten Skala von 1 bis 10 bei mittlerweile ordentlichen 6 – 7 (Freitag nacht hätte ich ihnen eine 8-9 gegeben, das heisst dann wimmernd auf dem Boden wälzen), d.h. Petidin ins Bein (diesmal habeich nur die halbe Dosis gekriegt), eine (schmerzhaft) geplatzte Vene beim Zugang legen, Blutabnehmen vor Infusion wurde vergessen, d.h. neues Venengestocher im anderen Arm, ordentliche Übelkeit, die ich aber standhaft unterdrückte, als ich sah, dass sich eine dicke schwarze Spinne in den Stapel Nierenschalen abgeseilt hatte (ich hab gar nicht so viel gegen Spinnen, aber die Schwester war vom Blutabnehmen eh so nervös, der hätte eine Spinne am falschen Ort vermutlich den Rest gegeben).
Nun bin ich also mit Tropf praktisch mitten auf dem linken Handrücken wieder allein in einem Zimmer, bekomme regelmässig meine Schmerzmittel (die Urologen haben nur mitleidig den Kopf geschüttelt, als sie hörten, dass ich „nur“ Paracetamol bekomme), die ich diesmal auch wirklich brauche (ich komme mir schon vor wie die aus ER bekannten Schmerzmitteljunkies…).
Bei meinem Ausflug in die Urologie bin ich heute auf einen (vermutlich) recht jungen Assistenzarzt geraten, der mir jeden einzelnen seiner Gedankengänge von „vielleicht kein Nierenstein, weil soviel Blut ist untypisch“ bis zu „wahrscheinlich nicht, aber sein könnte es schon, Nierentumor“ in aller epischer Breite mitteilte, dann noch ein „Abortrisiko von 3 – 7%“ bei der Schlauchgeschichte in den Raum warf, danach mit seinem Oberarzt telefonierte und mir dann lapidar mitteilte: „Ist wohl doch ein Stein.“
Ich nehme an, er hat das alles nur gut gemeint, es hat allerdings dazu geführt, dass ich als heulendes Elend wieder auf meinem Zimmer ankam.
Die Au-el-Eltern haben dann praktischerweise ihre Mittagspause in mein Zimmer verlegt, mich aufgemuntert, eigene Recherchen zu den 3 – 7% sowie Unterstützung bei der Betreuung von Little Q. versprochen (Gott sei Dank hat sich meine Schwiegermutter bereit erklärt, runterzufahren und Little Q. zu übernehmen.).
Die gynäkologische Oberärztin hatte übrigens auch noch nie etwas von den 3-7% gehört, wird sich aber noch informieren.
Meine Kollegen haben in meiner Abwesenheit meinen dringenden Job erledigt, so dass auch dieses letzte bisschen schlechtes Gewissen verschwunden ist.
Der Hübsche ist selber krank und kommt dank der Hilfe seiner Mutter hoffentlich ein bisschen zur Ruhe.
Mein Auftrag für heute lautet: brav Schmerzmittel nehmen, Urin sieben (yeah, lecker) und auf und ab hüpfen, damit der Stein vielleicht wieder ein Stück weiter rutscht.


Seitdem ist nicht viel passiert. Seit heute gibt es noch zusätzlich Eisenpräparate um das ganze Blut herstellen zu können, welches da immer mal wieder kommt. Seit heute sind die Schmerzen und das Bluten mal wieder vorbei aber solange ich keine Steine sehe heisst das in meinen Augen nichts. Wir müssen jetzt mal abklären wie lange so ein Dreck nomralerweise dauert bzw. dauern kann.