Mittwoch, Juli 20, 2005

Life has to go on...

Deswegen wird es hier langsam mit den Einträgen auch weitergehen (grade habe ich es übrigens geschafft, den ersten Absatz, der mir echt so schwer wie selten was gefallen ist, mit einer wilden Tastenkombination zu löschen.......ganz toll).

Mir fällt es unglaublich schwer, hierüber zu schreiben, weil der Rest der Blogs ja nicht immer superernst ist. Andererseits würde ich mich auch nicht gut dabei fühlen, das Thema einfach zu übergehen, weil es mich ja doch sehr beschäftigt und ich auch nicht will, dass irgendjemand (ich z.B., wenn ich das Ganze später noch mal lese) den Eindruck bekomme, dass mir meine Alltagsprobleme wichtiger waren, als die entschiedenen Ereignisse im Leben.

Die Woche, vor der ich seit ein paar Monaten unglaubliche Angst gehabt habe, liegt also hinter uns. Es klingt vielleicht blöd, aber ehrlich gesagt, war es nicht so schlimm, wie erwartet. Die Wochen bzw. Monate, in denen immer klarer wurde, dass der beste aller Schwiegerväter uns verlassen würde, in denen auch immer deutlicher wurde, dass er seinen ersten Enkel nicht mehr sehen würde, waren eigentlich viel schlimmer.
Jeder Anruf daheim mit neuen medizinischen Hiobsbotschaften, die bei mir zu einer, wie es in Büchern so oft heisst, „namenlosen Angst“ geführt haben, die harten letzten Tage, als es klar wurde, dass es nur noch um Tage bzw. Stunden gehen wird, dabei aber immer das Gefühl „ Dieser Mensch kann doch nicht einfach sterben“....tja, da war der letzte Anruf Freitag abend dann doch fast eine Erlösung.
Auf einmal wurde klar, dass die ganzen Gedanken wie „Soll ich mitfahren? Mache ich dann der Familie noch mehr Stress, schwanger wie ich bin? Dränge ich mich auf? Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich daheim bleibe?“, waren auf einmal nichtig, es war sonnenklar, dass ich in dieser Situation bei meinem Mann sein will.

Dementsprechend sind wir dann mit Sack und Pack (heisst Maxi-Cosi und Krankenhauspapiere für den Notfall und Katze) am Samstag nach Hause gefahren.
Die ersten Tage waren so gespickt mit administrativem Zeug, dass man sowieso nicht zum Nachdenken kam. Erstaunlicherweise ist es auch in dieser Situation möglich, über die üblichen Kalauer zu lachen (immer mit einem weinenden Auge), sich Gedanken über die profansten Dinge zu machen, sich am Abend Sitcoms anzusehen.... vermutlich braucht man das, um nicht durchzudrehen.
Tja, der Beerdigungstag am Mittwoch war dann natürlich sehr hart für alle Beteiligten, aber trotzdem auch schön, wenn so was schön sein kann. Es waren so viele alte Bekannte, Freunde, Nachbarn, Verwandte da und es war so eine grosse Anteilnahme v.a. natürlich für meine Schwiegermutter zu spüren, dass ich wirklich hoffe , dass ihr dieses Netz auch weiter helfen wird.
An diesem Abend hatte ich dann ein bisschen Angst, dass Little Q. doch ein Münchner Kindl werden wird, weil ich ziemlich starke Senkwehen hatte, aber Gottseidank ist der kleine Mann da geblieben, wo er hingehört (auch während der Heimfahrt am Montag dann, die C.’s Mutter wohl mehr mitgenommen hat als uns, weil sie wohl irgendwie fest damit gerechnet hat, dass der Kleine im Auto kommt...).

Die Tage nach der Beerdigung haben wir dann einerseits ein bisschen zur Erholung genutzt (hier in Basel haben wir ja keine Badeweiher, so war der Eichenauer Weiher mal wieder was richtig Besonderes), andererseits hat es einfach gut getan, nach dem ganzen organisatorischen Stress zusammen ein bisschen wieder runterzukommen.

Richtig realisiert, was passiert ist, hat wohl noch keiner von den Betroffenen. Herzzerreissend waren für mich die Momente, in denen bei den banalsten Dingen klar wurde, dass aus den SchwiegerELTERN nun eine SchwiegerMUTTER geworden ist, so zB beim Reservieren im Restaurant oder beim Tischdecken, wo automatisch für eine Person mehr gerechnet wird...

Nach einer vor allem für meinen Hübschen anstrengenden Heimfahrt (wieder was für mein „Schlechtesgewissenkonto“: er ist die ganze Strecke allein gefahren, das Ganze mit heulender Katze im Fond, dank derer wir ja mittlerweile jeden einzelnen Rastplatz zwischen Basel und München kennen) sind wir nun wieder heil daheim.

Als symbolische Geste wird unser Little Q. nun doch einen zweiten Namen bekommen, nämlich den seines Grossvaters, den er ja leider nicht mehr kennengelernt hat. (Was mir persönlich ein bisschen unrecht an der Geschichte ist, ist, dass der Hübsche die Frage danach mit der Konfessionsfrage verbunden hat, so als ob er sich durch die Zustimmung zum evangelischen Little Q. meine Zustimmung zum zweiten Namen hätte erkaufen müssen, wo ich doch eh nicht nein gesagt hätte. Naja, ich finde die Idee auf jeden Fall wunderschön und bin auch nicht traurig, dass ich ganz ohne grossen Kampf ein evangelisches Kind bekomme, aber mein Hübscher, ich hätte das mit der Taufe auch getrennt von dem Namen ausgewartelt!)

All das hier gibt natürlich meine Gefühlslage nur ganz rudimentär wieder, aber für mich war es wichtig, es immerhin so aufzuschreiben, auch wenn ich den Eindruck habe, der Situation mit diesem Text überhaupt nicht gerecht geworden zu sein.
Wer weiss, vielleicht kommt mit etwas Abstand noch etwas nach. Für mich hat es diese Pause und diesen langen Eintrag erstmal gebraucht, um wieder über alltägliche Dinge schreiben zu können, ohne dabei das Gefühl zu haben, jemanden zu verraten....

Kommentare:

invivo hat gesagt…

Liebe Karin,

ich hab in den letzten Tagen oft an euch denken müssen - und weil ich sonst nicht weiß, wie ich das sagen soll, was mir durch den Kopf geht, schick ich Dir einfach eine virtuelle Umarmung.

Sei behütet,
Barbara

heupferd hat gesagt…

liebe karin,

was man in der situation fühlt ist unaussprechlich und unschreibbar, aber ich habe es ähnlich erlebt, als vor 11 monaten meine mutter starb. wir haben am abend ihres sterbetages gelacht und das tat so weh, weil man sich respektlos vorkommt...aber es dauert einfach bis man alles überhaupt kapiert, verarbeitet und richtig trauern kann. für little q. und den grossvater ist es wirklich schade, dass sie sich nicht mehr kennen lernen konnten, aber du wirst little q einfach von ihm erzählen und er wusste ja, dass little q unterwegs ist - ist das nicht auch schön? es ist unverständlich, dass das leben sich rundherum einfach weiterdreht und der kreislauf wird einem erst so richtig bewusst, wenn ein naher angehöriger gestorben ist und in einem selbst regt sich junges leben. mich erschreckt und beruhigt der gedanke an diesen kreislauf abwechselnd. aber wie gerne hätte ich gehabt, dass meine mutter von unserem e.t. gewusst hätte...und die namensgebung finde ich eine supertolle idee!
ich glaube auch nicht, dass wen jemand stirbt, er wirklich weg ist. der körper ist weg, aber die seele lebt weiter und nimmt an unserem leben teil. ich bin mir sicher, dass der grossvater ein auge auf little q. gerichtet haben wird und bei euch sein wird!

alles liebe
heupferd