Donnerstag, September 22, 2022

220922 Lost

 Meine Güte, wie aus Zeit und Raum kann man sich gefallen fühlen? Ich bin so ein Gewohnheitstier, mir fehlt die Alltagsstruktur (an welchen Tagen mache ich morgens Sport? Wann gehe ich ins Büro? Wann ist der Hübsche abends beim Sport?) total und ich muss ernsthaft überlegen, welcher Wochentag, welcher Monat, vor / nach welchem Geburtstag, was ist für eine Jahreszeit, was kommt, was fehlt noch?

Also: Donnerstag, heute nochmal daheim, weil ich zwar negativ teste seit WE, aber eben noch total verrotzt bin und rumhuste undnicht möchte, dass sich irgendwer in meiner Gegenwart unwohl fühlt. Ausserdem habe ich so viel zu tun und so lange Arbeitstage, dass ich froh um nicht verlorene Pendelzeit bin. Dafür habe ich heute mal wieder mit Sport gestartet (Bauchmuskeltraining, Liegestützen, vor Corona war ich bei 20 am Stück und zwar NICHT auf den Knien, dann Crosstrainergestrampel). Lief nicht ganz so gut wie gedacht, trotz niedriger Intensität habe ich mir die ersten 10 Minuten die Lunge aus dem Leib gehustet. Könnte sein, dass frische Luft zwar toll, aber kalte Luft beim Strampeln in der Früh noch suboptimal ist.

Dann echt, echt arbeitsamer Vormittag. Ich war bereit, mich vor meinem Chef im F2F zu verteidigen, warum ich IMMER NOCH NICHT wieder im Büro bin (er hätt gern mehr seiner Schäfchen öfter vor Ort), aber: stattdessen sass er selber bei sich im Keller daheim.

Mittagessen gab es für unsere Verhältnisse recht spät, weil Q. dazustiess und das halt erst um viertel nach eins (um halb zwei musste ich zum nächsten Meeting).

Nachmittag: Mischung aus Abarbeiten geplanter Themen, mich reinfuchsen in neue Themen und ultradringender Einwürfe von der Seitenlinie ("Unangekündigte HA-Inspection JETZT, wir bräuchten in den nächsten 2h bitte eine Justification für Tatsache xyz") respektive der anderen Seite der Erde.

Weil es auf der nochmal anderen Seite der Erde auch ein bisschen brennt, wird das heute ein langer Arbeitstag. Mhm.

(Wenn ich mich selber beobachte, merke ich, dass ich es zwar immer öfter schaffe, Sachen, die suboptimal laufen oder von wem auch immer versemmelt wurden und nun von mir korrigiert werden müssen, nicht als Angriff oder Störung oder Versagen zu sehen, sondern halt das Aufräumen als meinen Job --> gestern habe ich gemerkt, dass ich mich für einen Fehler, der 2010 gemacht wurde, verantwortlich und schuldig fühlte, obwohl ich 2010 noch nicht mal in der Firma war, geschweige denn in der Rolle / Position, in der ich jetzt bin....<-- und auch als Chance, schnell etwas neues zu lernen (von dem ich manchmal gar nicht wusste, dass ich es nicht weiss, oder was mich halt bisher nicht so sehr interessiert hat, aber jetzt interessieren muss). Was mich aber echt unglaublich stresst, ist: wenn dann andere nicht mitaufräumen, sondern total nutzlos und kontraproduktiv (und letztendlich chancenlos, weil ... naja, Compliance und Supply sind unverhandelbar) rumzetern und, wie man hier so schön sagt, blöd tun. Immerhin habe ich keine Angst mehr vor der Aussage "Dafür bräuchten wir aber upper management approval, deshalb geht das nicht", weil: natürlich geht das, ich sag nur "servant leadership", nech?)

Alle anderen haben auch lange Tage (L. Schule und Theater bis viertel vor sechs, der Hübsche Sport, Q. Vortrag vorbereiten und dann Hock und Material fürs PFaditechnik-WE vorbereiten), wird also ein Abend, am dem wir alle aneinander vorbei wurschteln. Schade irgendwie, ich habe mich in den letzten Wochen dran gewöhnt, dass wir alle sehr viel Zeit füreinander haben, weil wir ja sonst nix machen können.)