Samstag, August 06, 2022

060822 roots

Gestern abend war es dann soweit und ich habe den Hübschen (btw: wir haben Jonny gefunden UND haben den ÖV genommen UND die Weinbegleitung und all das war super) anlässlich seines Geburtstags ins Roots ausgeführt. Dort schreibt man sich auf die Fahnen, das Gemüse in den Mittelpunkt zu stellen und Fleisch und Fisch zur krönenden Beilage zu machen (oder halt auch direkt vegetarisch oder vegan zu sein oder als Alternative anzubieten). Dementsprechend war die Bearbeitung dieses Plakats in der Bahnhofsunterführung schon irgendwie eine passende Einleitung :-)

Als wir los sind, war es noch irre heiss, es war zwar potentiell Regen und Gewitter angesagt, aber wir konnten uns nicht vorstellen, mehr mitzunehmen als wir am Leib hatten. Und das sah halt auch schon sehr gut aus :-)
Das Roots wirkt ein bisschen wie der Gegenentwurf zum Stucki: das eine auf dem Bruderholz im Villenviertel mit grünem Park etc, das andere zwischen Novartis und Ciba BASF-Areal, zwischen öffentlichem Park und Autobahnbrücke, direkt am Rhein in einem schmucklosen Konferenzraumgebäude. Aber: es ist unglaublich stimmig, das Essen und die Aussicht (die zweistöckige Autobahnbrücke bei Nacht ist zB sehr hübsch) ist einfach wunderbar.
Als wir ankamen, war es schon ein wenig zugezogen und windig, so dass das draussen sitzen perfekt war. Über den Hügeln zuckten schon die Blitze. Wir wurden mit einer handgeschriebenen Karte begrüsst und mussten uns zwischen 5-10 Gängen entscheiden. Wir nahmen den Mittelweg, nämlich 7, (in echt waren es mindestens 10), der Hübschen nahm Käse und 1x Dessert, ich 2x Dessert (am Ende gab es dann NOCH ein Dessert).

Los ging es mit einer kalten Tomatenessenz mit Kräuteröl (vergessen, welches. Verbene?) und "Burrata" (als Schaum auf getrockneten Tomaten in einem knusprigen Körbchen.

Danach gab es frisches Sauerteigbrot (ein ganzer kleiner Laib in der Grösse einer Männerfaust. Sehr niedlich) mit Kräuterfrischkäse. Das haben wir mindestens dreimal nachbekommen :-)
Irgendwann hier stiegen wir vom Aperitiv-Cava auf den ersten Wein um:"Elisa", ein Pouilly Fume von Jonathan Didier Pabiot. Ich schmecke und rieche ja nun selten besonders viel heraus, aber der hier roch so sehr nach frischen grünen Kräutern (Dill/Kerbel) und das passte einfach hervorragend!


Der nächste Gang unterschied sich erstmals für den Hübschen und mich (vegi): Es gab "Gurke" (in feinen Streifen aufgerolt, mit eingelegten Zwiebeln und Blüten), vergessen, welche Kräutersosse und einmal angebratenes Felchenfilet oder eben geräucherten Kräuterseitling in Erdnuss-Yuzu-Kruste. Hammer! Ich wäre nie auf die Idee gekommen, einen Pilz zu räuchern!
Wir hatten das schon am Nebentisch gehört und waren sehr neugierig auf den Klassiker "Roots garden", bestehend aus 25 Gemüsepositionen in allen möglichen Aggregatszuständen (roh, frittiert, fermentiert, püriert, getrocknet etc) mit einem See aus Erbsenschalensosse. Wir haben nicht gezählt, nicht alles identifizieren können, aber es war nicht nur optisch ein Genuss, sondern auch bei jedem der winzigen Bissen, wo wir nachspürten "Was ist das, was war das, was haben sie damit gemacht?" (ich bewundere die Geduld und das Fingerspitzengefühl beim Anrichten, mengenmässig war das nämlich insgesamt nicht mehr als ein recht grosser Esslöffel voll)
Mit dem nächsten Wein wechselten wir in die sehr nahe Nachbarschaft, es gab einen Magdener Kerner, eine autochthone Traubensorte und sicher etwas, was ich nicht nur aus Lokalpatriotismus (AOC Aargau :-)) nachkaufen muss.
Nächste Runde war wieder unterschiedlich: wir hatten beide Kohlrabistreifen an Estragonveloute, ich allerdings mit einer Eigelbpraline, der Hübsche auf leicht angeräuchertem Saibling und Erbsen. 
Dazu einen "Nounat" aus Mallorca (vielleicht war auch der das mit der autochtonen Rebsorte), der uns als "viele Gäste finden den schwierig, ich aber gar nicht, deshalb probieren Sie einfach und wenn er ihnen nicht taugt, dann holen wir was anderes. Aber allein das Etikett macht ihn besonders, finde ich" vorgestellt wurde. Und naja, erstens hat er grossartig geschmeckt und zweitens sind Weinetiketten ja genau meins. Also: keeine Ahnung, was daran "schwierig" sein soll.


Wieder unterschiedlich: für mich Artischocke mit geräuchertem Ziegenricotta in Safranessenz, für den Hübschen Lamm mit Kräutersalat und Zwiebelsosse.
Dafür wechselte er zum Rotwein (Emilio Primo aus Bolgheri, praktisch um die Ecke von unserem diesjährigen Urlaubsdomizil), ich bekam einen sehr, sehr faszinirenden Chablis Premier Cru von Alain Geoffroy, der (in einem, zumindest sah das für mich so aus) Rotweinglas serviert) tatsächlich Whisky-Anklänge hatte.


Wirsing gefüllt mit "Pilzli" und Räuchertofuwürfelchen in vegetarischem Jus (die Räuchertofuwürfelchen waren das einzige, was ich persönlich nicht gebraucht hätte in der ganzen Menüfolge)

Für den Nichtvegetarier: Duroc-Schwein mit gefüllter Zucchini, Zucchiniblütentempura, Peperonicreme und Ratatouillesosse (von den begeisterten Kommentaren besonders, was das Fleisch angehe, nehme ich an, dass war der Lieblingsgang)
Dazu bekamen wir beiden einen Rotwein aus der Toskana, den ich aber offensichtlich nicht fotografiert habe.


Mein erstes Dessert: "Aubergine und Miso". Ich mag beides, hätte es niemals in der Dessertecke verortet, aber es war grossartig. Dazu eine karamellige Creme und ein Meringue, ein wahres Feuerwerk an Geschmäckern und Konsistenzen

Des Hübschen Käsegang sah erst recht puristisch aus, aber die Kombination aus frisch geröstetem Früchtebrot, Ingwerhutney und ich habe überhört, welcher Käse es war, war einfach sensationell! (nachdem er vorher bei jede meinere Extrawürschte probiert hatte, ich aber nicht bei seinen, konnte ich hier endlich mal aufholen)
Das zweite Dessert hatten wir wieder beide: Nashi, Salbei und ganz viel anderes, was ich mir nicht mehr merken konnte (hallo, Overload, hallo, Wein)

Und als wir schon gar nicht mehr mit NOCH MEHR rechneten, bekamen wir zum Kaffee noch Romanow (also Erdbeeren mit Vanilleeis), Sauerkirschfruchtgummi und Pistazien-Zitronenküchlein.

Was ein Fest das war! Ich bin sehr froh, dass wir uns das gegönnt haben. (und jetzt muss ich meine Weinbestellung erledigen :-))