Montag, Februar 22, 2021

220221 Armer schwarzer Kater

 Was für ein Tag, wir sind ja aufregungstechnisch eh nix mehr gewohnt, aber heute, holla!

1. Wir haben unsere Steuererklärung gemacht. Ok, nicht sooooo spannend, ich habe dazu gelernt aus den letzten Jahren (ich fand das dokumentierterweise mehrfach witzig, der Hübsche nie) und nicht mehr "Date night" in den Kalender dafür eingetragen (wäre dieses Jahr eh ein bisschen unglaubwürdig gewesen). Spannend war es kurz, als ich bemerkte, dass ich im Lohnausweis unserer Nanny einen Zahlendreher gemacht hatte. Wir haben immer noch keine Kunstwerke, Schmuck oder Rennpferde oder "Sammlungen" zu versteuern, können erstmals tatsächlich nur noch für EIN Kind Kinderbetreuungskosten geltend machen (nächstes Jahr ist das nicht altersmässig, aber trotzdem vorbei). 

2. Q. hatte Besuch und hat mit seinem Vortragsbuddy am "Kreativteil" für den Vortrag zu Goethes "Totentanz" gearbeitet. Sie haben sich recht schnell auf eine Lego-Stop-Motion-Film eingeschossen (Skelette aus den dröflzig Piratensets, der Turm des Glöckners ist der "Turm von Isengard" und den Friedhof haben sie halt so gebaut. Ich war noch nie so froh, einfach mal meine Klappe gehalten zu haben, in mir haben sich nämlich jede Menge Bedenken, die sich in "WAS FÜR EINE SCHEISSARBEIT!" summierten, gesammelt. Letzte Woche haben die beiden geplant, heute hat Q. einen Friedhof gebaut und dann haben sie fotografiert. Das einzige, was sie von mir gebraucht haben, war schwarzer Faden und ein paar Stunden später ist ein professioneller Film fertig. Ich bin deeply impressed!

3. Jonny bekam Dresche. Und das kam so: Es gibt hier ja noch die eine oder andere schwarze Katze und mittlerweile sind wir ganz gut darin, sie alle von Jonny zu unterscheiden. Hauptunterscheidungsmerkmal: wenn sie nicht auf "Jonny!!!" hören. Ansonsten: er hat ein rotes Halsband, ein paar weisse Haare in den Ohren und am Bauch, gefleckte Ballen, ein sehr "niedliches" Gesicht, einen langen Schwanz, der sehr gleichmässig dick ist und einen pantherartigen Gang. Damit kann man ihn von den anderen ganz gut unterscheiden und wir lassen unter den Tisch fallen, dass L. und ich seinerzeit mal heulend Leckerli den Abhang zum Kieswerk runtergeworfen hatten, weil wir dachten, dass unser Babyjonny über die Landstrasse ins Kieswerk gelaufen wäre. Und dass ich vermutlich eben diesen "Kieswerkjonny" mal heimgetragen habe (er hat ein bisschen auf "Jonny" gehört und auch unser Jonny hat schon mal sein Halsband verloren) und am Katzentörchen gecheckt habe, ob der Chip gelesen wird. Nun ja. Gestern haben L. und ich den "Kieswerkjonny" auf einer Brachfläche getroffen und durften ihn streicheln und konnten genau sehen, wo die Unterschiede zu unserem sind: kein Halsband, andere Stimme, eine Art "weissen Bart" auf der Brust, weisse Schnurrhaare und ein eher hundeartiges Gesicht (wie Anubis). 

Also, jetzt aber zu heute: der Hübsche, Sansa und ich hatten uns bei Sonnenschein auf die Suche nach unserem Jonny gemacht und dafür auf der Bank vor dem Extennisplatz Pause gemacht. Sansa rannte über die Wiese und auf einmal kam eine schwarze Katze aufs Feld. Wir alle drei hielten sie für einen sehr müden Jonny, er lief sehr langsam, hörte nicht richtig (das macht Jonny nicht immer auf dem Feld, wenn er da grad auf der Jagd ist), naja, und dann guckte er in ein Mauseloch. Wir sassen da alle drei in der Sonne, aber ungefähr gleichzeitig waren wir drei uns unsicher, ob das nicht vielleicht der Kieswerkjonny ist. Sansa schlich erst auf ihn zu, dann kam sie schnell rausgeflitzt und versteckte sich unter einem Auto. Der vermeintliche Jonny kam hinterher und setzte sich laut manzend davor. Wir schauten ihn genauer an und Tatsache: Kieswerkjonny! Sansa machte ihm sehr deutlich, dass sie an keinerlei Kontaktaufnahme interessiert war und kam immer wieder fauchend an den Autorand, er sass davor und miaute jämmerlich. Wir hatten irgendwann genug und machten uns auf den Heimweg, wo uns der echte Jonny über den Weg lief. Wir dachten, es wäre doch eine nette Idee, seiner Schwester Geleitschutz beim Heimweg zu geben und kamen nochmal zurück. Der echte Jonny lief also direkt auf das Auto mit Sansa zu und merkte gar nicht, dass er an seinem Doppelgänger vorbeigelaufen war, bis er ihn hörte. Das war ... ihm nicht so geheuer und er ging auf Sicherheitsabstand. Sie starrten sich da also an, der echte Jonny machte gar nichts, bis auf so ein bisschen Bürstenrücken. Als wir uns für einen endgültigen Aufbruch Richtung daheim bewegten, lief er ein paar Schritte mit uns Richtung heim, was der Kieswerkjonny ausnutzte, um ganz nah an ihn heranzukommen. Jonny war in einer sehr unguten Position, als er das merkte, weil halb an einem Pfosten, und irgendwie nicht in bester Kampfposition, ausserdem ist er eh kein Kämpfer und findet ja, alle könnten ihn mögen, dann gäbe es überhaupt kein Problem. Und der Kieswerkjonny? Tja. Der hat ihn angegriffen und ich mag den jetzt nicht mehr. Gar nicht. (Niemandem ist was passiert, unserer hat verloren, wir haben ihn gesucht, aber er ist einfach heimgegangen und hat dann sein zerrupftes Fell und sein geknicktes Ego gepflegt.) Sansa ist den beiden erst hinterhergerannt ("HAST DU MEINEN BRUDI GEBISSEN?!!! DAS DARF NUR ICH!"), kam dann aber mit mir nach Hause.

Wir Tiger Parents haben das natürlich auf  Video (der echte Jonny ist der anfangs linke), ich empfehle Ihnen allerdings, das mit Ton nur ausser Hörweite von Katzen abzuspielen, unsere sind grad nochmal durchgedreht, als wir das daheim nochmal rekapitulierten.


Auf diesen Stress eine Montagspizza.