Freitag, Mai 18, 2018

Meow

Habe ich hier irgendwann mal erzählt, wie wir unsere erste (und bisher einzige Katze)bekommen haben? Ich habe es mit den einschlägigen Suchbegriffen im Archiv nicht gefunden, was eine wunderbare Gelegenheit ist, um das heute zu erzählen. Die Suche nach neuen pelzigen Mitbewohnern seit ein paar Wochen treibt so skurrile Blüten (ich habe heute in einem unglaublich ätzenden Telefongespräch mit einem Tierheim irgendwann tatsächlich gesagt: "Wenn Sie mich einen einzigen Satz ausreden lassen würden, dann wüssten Sie auch, dass ich nicht total beknackt bin und glaube, dass Sie drei Tage alte Katzen abgeben. Aber das scheint ja zu viel verlangt."), da tut es vielleicht gut, dran zu denken, dass das damals auch eher strange (wenn auch unkompliziert) war.
Also:
Der Hübsche und ich sind im September 1999 gegen Ende der Diplomarbeit (oder Anfang der Doktorarbeit, man weiss es nicht, es ist lange her) zusammengezogen und schon im Oktober hatten wir das Gefühl, da fehlt was. Das war eine relative spontane Entscheidung beim Radeln durch den englischen Garten ("Du, was meinst? Sollten wir uns eine Katze anschaffen?" "Ok" Entscheidungen konnten wir immer schon ziemlich gut), am Abend waren wir bei den Eltern des Hübschen zum Essen eingeladen und oben auf dem Altpapierstapel lag noch die Wochenendausgabe des Münchner Merkur. In den Kleinanzeigen fanden wir dann "Junge Katzen abzugeben, Tel."
Am nächsten Morgen haben wir da also angerufen, einen Termin abgemacht, im Karstadt an der Münchner Freiheit im Untergeschoss einen Katzenkorb (gross und aus Korbgeflecht) und ein Katzenklo, im DM nebendran ein bischen Babykatzenfutter gekauft und los gings im Twingo der Eltern des Hübschen, mitdem Katzenkorb, der fast so gross war wie der ganze Twingo in den Münchner Süden.
Ich kannte Baldham als ... leicht versnobten Nobelvorort (mein Vertrauensdozent der Studienstiftung wohnte dort) und rechnete also mit .. einem Wurf Kätzchen in einer Villa bei einem leicht zerstreuten Professor, vielleicht würde die Ehefrau oder die Kinder oder sogar der Professor ein Tränchen verdrücken, wenn wir mit dem allersüssesten ihrer Kätzchen, die eh nicht geplant waren, aber irgendwie war der Kastrationstermin der Katze, die die Nachbarin den Kindern geschenkt hatte, hintenübergekippt, und hm, einmal kann man ja und niedlich sind sie ja schon und was studieren Sie?
Tja.
Es war eine Villa.
Der Bewohner war .... keine Ahnung, ob er zerstreut war, als erstes fiel uns auf, dass alle Möbel in der ganzen Villa von Bettlaken bedeckt waren, der ganze Boden war mit Zeitungspapier bedeckt und .... überall waren Katzen. Wirklich ÜBERALL!
Der Mann, der dort wohnte (ich kann nicht "allein" schreiben, das ganze Haus war voller Leben. Und Katzenhaare. Und Katzengeruch), erklärte uns, dass er jeden Sommer mit dem Wohnwagen für drei Monate nach Spanien fahren würde und dort herrenlose Katzen einsammeln würde und die dann nach Deutschland bringen und manche auch vermitteln würde. (ich bildete mir ein, etwas wie kastrieren und impfen gehört zu haben, aber das war wohl ein Verhörer)
Und jetzt wäre er grad frisch zurück und wir hätten praktisch die freie Auswahl. Wir hätten zwar am Telefon gesagt, wir hätten gerne ein ganz junges Weibchen, das hätte er jetzt halt nicht, aber hier, diese alte Dame da in silbergrau wäre sicher noch keine 10 Jahre alt und wenn wir was richtig junges suchen würden, dann hätte er da einen roten Kater, der wäre auch noch kein Jahr.


Der Hübsche und ich standen mehr als nur ein wenig unbehaglich auf der Zeitung und zwischen den Bettlaken. Wir waren uns ziemlich sicher, dass wir halt "ein Babykatzenmädchen" wollten und weder die silbergraue Dame noch der rote Halbstarke waren .... ein Babykatzenmädchen. Allerdings hatten wir natürlich auch genug Filme und Bücher gelesen, um zu wissen, dass das jetzt vielleicht der falsche Zeitpunkt war, um über Spitzfindigkeiten zu diskutieren, wenn man nicht in 30 Jahren abgenagt von alten Katzendamen verscharrt in der Rosenrabatte des Villengartens ausgegraben werden wollte. Wir sahen uns also etwas unbehaglich an, versuchten uns mit dem Gedanken an einen roten Halbstarken anzufreunden, da sauste auf einmal ein kleiner Knubbel wie ein Irrwisch unter dem Zeitungspapier durch die Räume. Der Katzenmann meinte: "Ach. Ja. Und die habe ich auch noch. Aber an der ist halt echt nix dran!" und griff sich den Bollen unter dem Zeitungspapier und hielt ein kleines, braunweissgetigertes Katzenbaby hoch.
Der Hübsche und ich ergriffen die Möglichkeit, ein Katzenmädchen zu bekommen UND nicht verscharrt und abgenagt zu werden und meinten nur "Okay, super, nehmen wir, tschüss!"


Die erste Lektion über "Hahahaha, ihr dachtet, das wäre so einfach?!" erteilte uns Dax übrigens noch auf dem Heimweg, als sie, nachdem sie den niegelnagelneuen Katzenkorb und das rote Kuschelkisssen inspiziert und für langweilig erachtet achte, ohne sich auch nur im geringsten anzustrengen, zwischen den Gitterstäben des Katzenkorbes hindurchspazierte und den Rest der Rückfahrt erst mit einer Erkundung des Twingo und dann UNANGESCHNALLT auf meinem Schoss verbrachte.


Dieser creepy Anfang, der fast in einem Doppelgrab im Gemüsebeet geendet hatte, war der Anfang einer über 18jährigen wundervollen Freundschaft, ich hoffe, das bekommen wir nochmal hin.
Thommy war der Hund meiner Schwiegereltern. Er liebte Dax (und alle Katzen), aber das war eher einseitig

Sagen Sie nichts. Ich war auch noch sehr jung damals

Und hatte mehr Spass am Leben, als man hier vermuten möchte.








Fazit von dem Ganzen:
Wir suchen folgendes:
zwei Geschwisterkatzen (am liebsten zwei Weibchen), die Mitte Juni - Mitte Juli alt genug sind, von ihrer Mutter getrennt zu werden.
Suchradius: Raum Basel, den ich mal grosszügig bis ... Zürich, Aarau, Bern, Luzern, Lörrach ausweite (praktisch wäre natürlich auf der Schweizer Seite der Grenze).
Sonderwünsche: keine (ausser Fell an den Katzen)
Was wir bieten: viel, viel Liebe, > 18 Jahre Erfahrung mit Katzen (okay, einer.), viel Platz im Haus und Freigang in einer autofreien Überbauung.

Wenn Sie also jemanden kennen oder selber junge Katzen haben: bitte, bitte, melden Sie sich doch! (Tipps, wo ich suchen sollte oder könnte, brauche ich keine mehr, danke schön!)