Donnerstag, April 26, 2018

Essensalgorithmus

Heute morgen nur mit dem grossen Kind gefrühstückt. Es ist schon irgendwie schön, wenn beide mit Kindle am Frühstückstisch sitzen und über gerade gelesenes reden.


Dann (immerhin zusammen mit eiem Kollegen) morgens in ein Trainingsmodul gegangen und schon anhand der Ausschilderung gedacht: "Hm, ob wir da wirklich richtig sind?" und beim ersten Silde dann gemerkt, dass das definitiv spezifisch für die Large Molecule Kollegen ist. Es ging noch mehreren so und es war wohl ein bisschen ungeschickt angekündigt. Wir "kleinen" waren erst am Nachmittag dran und so hatte ich einen produktiveren Vormittag als gedacht.


Ich musste noch schnell bei der Apotheke gegenüber vorbei (es ist ein wenig skurril, dass die, die gegenüber dem Techops-Headquarter eines Pharmariesen liegt, die totale hippiedippieanthroposophischhandmadehomöopathische Eso-Apotheke ist), weil Little L. sein Warzentüpfelzeug * verloren hat. Unwiderbringlich weg und ich weiss nicht mehr, wie es heisst. Aber gut, dafür sind ja Apotheker ausgebildet. Denkt man so naiv.
Ich habe also erklärt, dass ich "Warzentüpfelzeug, durchsichtige Flasche, Etikett mit einem halb gelben, halb roten Kreis, wenn Sie das nicht haben, dann irgendein anderes  frei verkäufliches mit Tricholoressig- oder Salicylsäure" haben möchte. Es war dann erstaunlich kompliziert und zeitaufwändig, zu klären, dass ich nicht die anthroposophische Thuja-Tinktur gemeint habe und auch nein, danke, aber echt nicht möchte, via Google Bildersuche dann rauszufinden, dass ich "Clabin" meinte (ich fand meine Beschreibung jetzt nicht so schlecht), dass das aber grad nicht lieferbar ware und die anderen hätten alle blaue Flaschen, nur die mit dem Thuja-Extrakt, die wäre ja immerhin rot, vielleicht... und dann mit einem zwar rezeptpflichtigen, aber "Sie hatten das schon mal? Dann geht das" und blauen Tüpfelzeug (naja, das Etikett halt) wieder zurück ins Büro zu sausen.$


Mittags dann Salatbuffet statt normalem Essen; ich Optimierungsfetischist habe ja meinen festen Kantinenessensauswahlalgorithmus um unnötige Zeitverschwendung bei der Essensauswahl zu vermeiden und auch um durch akute Unterzuckerung ausgelöste Spontanentscheidungen, die man erfahrungsgemäss bereut, zu vermeiden, d.h. die lessons learned sind in den best practice guide schon eingebaut:


1. Ich nehme das vegetarische Menü. (Wenn es zwei gibt, das leckerere. Oder, wenn beide gleich lecker, das günstigere.)
2. Ausnahme: wenn es was bekanntermassen echt unleckeres gibt (Pfannkuchen mit Gemüsefüllung, Pastetli mit Gemüsefüllung, Gemüsestrudel, Bohnenlauchmandeltaler und das wars auch schon mit mehrfach getestetem, immer unglaublich fadem Essen aus dem Kantinenangebot), nehme ich Salat vom Buffet. Mit entweder einem kohlehydrathaltigen Anteil (Couscoussalat oder so) oder, wenn es da nur Mayo-Kartoffelsalat hat, dann mit Brot dazu.
3. NIEMALS Röstipizza, Röstimitbergkäseundspiegelei, Appenzellerkäsespätzli. Das ist mit Absicht von den unleckeren Dingen getrennt, weil lecker ist das schon, aber danach versinke ich in einem komatösen Käsekartoffelspätzleverdauungszustand und das mag ich nicht. Risotto: hängt davon ab, und immer weniger, als man glaubt, dass genug ware, weil die Schüsseln sind riesig und ich kenne mich: ich esse so schnell, ich esse dann alles auf, auch wenn ich eigentlich nicht möchte. Und auch wenn nicht: wegschmeissen muss man es ja nicht, da sage ich lieber gleich, dass ich nicht die "Seit 6 Uhr morgens auf Frühschicht körperlich anstrengend arbeitender Chemikant"-Portion brauche.


Heute war RöstimitBergkäseundSpiegelei-Tag, deshalb: Salat. (Mit Couscousteil). Lecker wars und genau die richtige Grundlage für das halt dann am Nachmittag stattfindende Training zu "Control Strategy and Manufacturability".


Danach: TC mit Italien mit endlich mal wieder guten Nachrichten (und Kuchen, weil jemand Geburtstag hatte. War auch super, weil ich nach einem Salatmittag ja dann doch eher nicht bis zum Abendessen durchhalte.


Daheim habe ich eine wunderbar dazu passende Karte von meiner Schwester für Little L und mich (ich habe erst den Text hintendraufh gelesen und mich sehr gewundert, warum sie nur uns zwei ausgewählt hat, aber die Vorderseite erklärt das dann)




Stressleveldurchschnitt gestern: 38


Selbstbeweihräucherung: auf eine Anfrage einer Kollegin "Kannst Du Dir das mal anschauen? Passt das so?" zu einem Lieferantendokument ganz ohne Nachschauen (naja, zum Überprüfen schon) eine 8 Punkteliste  mit den passenden Verweisen "according to guideline xy" erstellt, warum das NICHT ICHQ3D-compliant ist. Wo ich vor .... anderthalb Jahren noch nicht mal wusste, was ICH Q3D überhaupt ist.


*Sie kennen mich mittlerweile, oder? Und wenn da nicht steht, dass ich gerne wissen würde, welche Warzen Sie oder die Katze der Schwiegermutter der Nachbarn von schräg gegenüber hatte und wie die weggegangen sind, als Sie eine in einer Vollmondnacht mit Feenstaub beglitzerte Nacktschnecke drüber haben kriechen lassen, oder dass Ihnen oder jemand, den Sie kaum kennen, die Finger oder Zehen abgefallen sind, als Sie die Warzen mit Säure behandelt haben, oder der Hautarzt damals ohne Betäubung bis auf den Knochen runtergeschnitten hat, oder dass man gegen Warzen eh nix machen kann, weil sie ein Zeichen inneren Ungleichgewichts sind, dann heisst das ziemlich genau, dass ich das nicht wissen möchte.