Donnerstag, März 29, 2018

Reisereise

Als heute morgen um drei der Wecker läutete, war die Euphorie für "Hey, wir fahren nach Berlin" gar nicht so unendlich gross. Aber: schon nach dem ersten Kaffee sah die Welt anders aus (immer) und es war schon eine gute Idee, dem Osterreiseverkehr davonzufahren.
Der Hübsche fuhr das erste Stück noch im Dunkeln, hinten die Kinder mit Kuscheltieren und -decken engemummelt, vorne konnte sogar ich noch eine Runde dösen.
Nach dem ersten Laden dann Fahrerwechsel und ich fuhr gefühlt EWIG und drei Tage durch Franken (Nürnberg hier, Nürnberg da, Nürnberg doch nochmal) und das letzte Stück (tatsächlich das erste Mal, dass ich/wir mit dem Auto in Eigenregie in die überhaupt nicht mehr neue Bundesländer fuhren. Bisher waren das eher immer Bus (mit der Schule), Zug oder Flugzeug direkt nach Berlin, ich habe allerdings nicht viel mitbekommen, weil ich nochmal eingeschlafen bin)
Am letzten Supercharger vor Berlin haben wir das Auto nochmal vollgeladen und zwar an eine Ort, an den wir sonst vermutlich nie gekommen wären: die "Heilstätten Beelitz". Ich kannte Beelitz bisher nur als Spargelangbaugebiet, wo angeblich der beste Spargel der Welt wächst, was natürlich nicht wahr ist, weil der beste aus Schrobenhausen und der zweitbeste aus dem Markgräflerland kommt, aber tja nun.
Also. Wir standen da an dem niegelnagelneuen Supercharger vor einer schick renovierten Klinik im Wald und um uns rum nur Bäume und echt verfallene gruslige Gebäude.
Es stellte sich raus: das ist ein ehemaliges Lungenklinikum, das verfällt, das im zweiten Weltkrieg in Brand gebombt wurde und das jetzt mit einem Baumwipfelpfad und Erlebnisgastronomie wieder ... naja, einen zweiten Frühling verpasst bekommt? Anyway, wir sind, während das Auto ganz voll lud, auf das Gelände gestiefelt, sind den Baumwipfelpfad (ja, vermutlich gibt es kaum eine weniger spannende Jahreszeit dafür als Ende Winter, wo .... jeder Baum wie der nächste aussieht. Kahl. Graubraun.) entlanggelaufen, haben uns über irre viel Deko gewundert (danach dann gemerkt: es ist wohl ein Osternachtevent geplant), und die Ruinen bestaunt.
Mal was anderes als McDonalds beim Laden!
Danach ging es weiter nach Berlin, wir haben im Hotel eingecheckt und uns auf den Weg zu Schwager und Familie nach Kreuzberg gemacht. Die S-Bahn- und Busfahrt war für mich ... bayerische und Schweizer Standards gewohntes Näschen und meinen ausgedehnten Tanzbereich ... eine echte Herausforderung und ich hatte echt zu kämpfen. Die drückende Enge zum Streetfoodabend in der Markthalle Neun half dann auch nicht unbedingt, aber dann kamen Schwager, Freundin und Superburschi, es gab Essen, Trinken, Wiedersehensfreude, und hey: das wird schon alles hier!

Jetzt sind die Kinder im Nachbarzimmer im Bett, der Hübsche und ich haben den Abend mit eine Berliner Gin mit Hibiscus Tonic beschlssen und hui, bin ich müde.


Selbstbeweihräucherung: die Fahrt voll gut hingekriegt, nicht unglaublich superhangry geworden, nur so ein bisschen