Mittwoch, Januar 17, 2018

Ich wil doch nur arbeiten!

Heute war ein einfach irrer Tag.
Ich hatte eigentlich den Plan, meine Präsentation für Indien fertigzustellen, dafür brauche ich aus Gründen Informationen, die ich nur auf Papier habe. Auf sehr viel Papier. Genauer gesagt. in vier Ordnern. Eigentlich wollte ich das also an meinem Schreibtisch im Elfenbeiturm machen, in dem ich immerhin bis Mittag sein sollte. Aber dann kam eine Kollegin mit einem dringenden Problem ("Die weigern sich, das zu unterschreiben, erklär du denen das mal, mir glauben sie nicht!), dann kam die TC mit 50 shades of quality (ich habe ja eine Zeitlang mit dem Gednken gespielt, eine Job rotation in eine quality function zu machen, aber das würde nicht gut ausgehen), dann kam Messengerdiskussion mit den Leuten, die das nicht unterschreiben wollen und dann war schon Mittagessen.
Der Nachmittag war mit Meetings im andren Standort verplant, also packte ich in der Hoffnung, dort noch eine ruhige Stunde zu finden, die 4 Ordner in meinen Rucksack und war fortan mit dem Rucksack voller Ordner, dem Wintermantel und meiner normalen Tasche mit Laptop und alle anderen Trallalala unterwegs. Selbstbild Packesel sozusagen.


Meeting hier, Meeting da (immer mit allem Gepäck), Huddle dort, Klärung mit denen, die nicht unterschreiben, jetzt aber doch, das aber lieber mir sagen als der, deren Dokument sie unterschrieben sollen, der Oberchef fragt, ob ich jetzt mit der Projektverzögerung wegen Feuer "free time for other stuff" hätte, könnte sein, dass ich ein bisschen hysterisch gelacht habe, aber das hat er vermutlich unter dem Stapel Ordner, Rucksack, Mantel, Schal, Laptop unterm Arm gar nicht gesehen, auf dem Flur kriege ich nicht so schöne Neuigkeiten (für mich, für ihn schon) von einem sehr geschätzten Kollegen, dann dringender Anruf, ob diese und jede Anfrage von Regulatory mit dem Risk Assessment, das ich vor 8 Monaten erstellt habe, in Einklang zu bringen ist, und die Antwort bräuchten wir heute, und dann ist da noch der Report, der den finalen Review braucht und zu meinen Korrekturen wurde einfach gesagt: "Ja, wir haben die Diskrepanz gesehen, aber wir nehmen jetzt einfach mal die andere Zahl, weil halt." und jetzt muss ich entweder sagen: "Okay, mir wurscht," oder wegen der Wurschtigkeit anderer Leute nachbohren und nachhaken und ich hab doch keine Zeit.


Irgendwann stand ich da, leicht verschwitzt, weil ich ja immer noch im Mantel meine vier Ordner und alles andere durch die Gegend schleppte, und mein Exil-Schreibtisch war besetzt, da machte ich was ganz Verrücktes: ich warf alle meine Habseligkeiten in die hinterste Quiet booth, die sogar Vorhänge und ein Sofa hat und weisses Rauschen, holte mir aus der Cafeteria einen Cappuccino (normal trinke ich den Nespresso-Gratiskaffee, aber die Situation erforderte Trost in Form von Barista-Kunst und einem netten Lächeln, da sind 3.40 gut investiert), zog dann die Vorhänge an der quiet booth zu und arbeitete immerhin eine halbe Stunde für die Indienpräsentation.


Zwangsentschleunigung: der Bus steht auf dem Heimweg im Stau und braucht eine Stunde statt 20 Minuten. Zeit zum Bloggen!




Ansonsten:


Sehr netter Moment heute: eine Kollegin muss aktuell mit einem Leihlaptop arbeiten, weil ihres den Geist aufgegeben hat. Deswegen fehlen ihr alle Favoriten, Shortcuts, tralalala, die das Leben einfacher machen. Im Meeting bat sie also, ob ihr jemand den Link zum sicheren Login in die Firmensysteme von ausserhalb schicken könnte. Ein Kollege holte also aus und erklärte und erklärte, wie sie den total logisch auch selber finden würde und wie man überhaupt seine Links auch in der Cloud ablegen könnte und blablablaberrhabarber  In der Zwischenzeit habe ich ihr den Link via Messenger geschickt und musste ein bisschen grinsen, als sie den schwadronierenden Kollegen mitten in seinem Monolog unterbrach mit "Thanks, I got it, let's move on".




Noch ein netter Moment: ich war (wie den ganzen Tag heute) mit Sack und Pack auf der Suche nach einem Kollegen in einem anderen Gebäudeteil, da sprach mich jemand, den ich noch nie gesehen hatte an: "Bist Du Frau Brüllen? Weil, ich habe heute mit jemand Mittag gegessen, der hat von dir erzählt, und ich hab dich anhand von dem Profilbild erkannt." Das wird langsam ein bisschen weird.






Selbstbeweihräucherung: Ich hab niemand angezündet Ich habe nicht viel mehr auf meiner To-Do-Liste als heute morgen, auch wenn heute drölfzig dringende Dinge aufkamen. Und nur zu einer Sache, von deren Relevanz ich nicht 100% überzeugt bin, und die mehr Arbeit für mich bedeutet, ja gesagt, um des lieben Friedens willen, für ganz viele andere Punkte habe ich die mühsame Diskussion geführt und durchgehalten. Future me sagt danke.






Helikopterstatus: Hui, hat es da viel Schnee in Elm! Aber ich hab nur ein, zwei, dreimal geschaut.