Donnerstag, Dezember 21, 2017

Alle Jahre wieder

Freude mit Paketen. Ich muss, um hier keine Erwartungen zu schüren, dazusagen: es hat nix mit dem Lottomann 2.0 zu tun (das ist bisher eine ganz probemlose Beziehung), auch nicht mit dem Paketshop des Grauens, nein, es ist der Hübsche, der sich auf dem „Wir bestellen Dinge aus aller Welt zu uns in die Schweiz“ versucht. Kurz * vor Weihnachten eine gewagte Sache, aber lassen Sie mich das doch anhand eines anfangs recht simpel erscheinenden Falls darstellen: das Geschenk für den Superburschi (ich muss das verlinken, sie wissen ja eh, was er bekommt, weil sie es sich gewünscht haben, und ich beömmel mich innerlich immer noch bei dem Shopnamen, weil ... ach. Und Werbung ist es auch keine, weil ... ich kenne den Laden nicht, ich kenne das Produkt nicht, ich kann nur sagen: wenn Sie da bestellen, bitte nicht in die Schweiz. Nun ja. Zurück zum Thema), bestellt aus Deutschland in die Schweiz, ein Versand, der so auch vom Verkäufer angeboten wird. **

Irgendwann, man kennt das, kommt eine Versandbestellung mit einem Trackinglink, der nicht funktioniert „Trackingnummer unbekannt“. Das stört einen erfahrenen Onlineshopper natürlich erstmal nicht, man weiss ja, dass das schon mal ein paar Stunden oder auch einen Tag gehen kann, bis das funktioniert. Wenn es aber nach einer Woche immer noch nicht geht und auch kein Paket da ist, dann hört sogar der Hübsche mal auf mich und mailt dem Verkäufer. Der Little Hipstear ist entspannt, sagt: Paket ist unterwegs, sollte die Tage dann mal ankommen.
Am nächsten Tag finden wir eine Benachrichtigungskarte von DHL bei uns zu Hause, die darauf hinweist, dass wir 11.10CHF für ein Paket aus Zürich zahlen müssen. Die Putzfrau, die da war, als der Paketbote kam, wollte (zu Recht) das Geld nicht auslegen, deshalb hat er es wieder mitgenommen und uns einen handschriftlichen Link auf der Karte hinterlassen, unter dem man dann weitere Schritte definieren kann.
Wir waren etwas überrascht, weil aus Zürich erwarten wir ja gar kein Paket. Aber nun gut, es ist Weihnachten, wer weiss, ob uns nicht jemand aus Zürich ein unterfrankiertes Paket schickt. Also: dem Link gefolgt, mit Kreditkarte 11.10 bezahlt, und dann hatte der Hübsche die Möglichkeit, entweder eine Neulieferung am nächsten Tag zwischen 08:00 und 13:00 zu ordern (wo keiner zu Hause wäre) oder das Paket nicht, wie man annehmen würde, in der Postfiliale im Dorf abgeben zu lassen, sondern in einer Paketstation zwei Dörfer weiter. Nun ja, dann halt Paketfiliale.
Bestätigung gab es dafür keine,
Die Trackingnummer von Little Hipstear funktionierte immer noch nicht, auf Nachfrage bekam er eine neue, die funktionierte, und zwar stand da folgendes: „Erfolgloser Zustellversuch: 10.13h“, Erneuter Zustellversuch: 12: 16, erfolgreich zugestellt, Empfänger: Herr Brüllen.“ Soweit, so gut, nur hatte weder Herr Brüllen ein Paket bekommen, noch die Personen, die um 12:16 zu Hause waren, noch unsere Nachbarn, noch stand es bei den Briefkästen, vor der Tür, im Garten oder in irgendeiner Mülltonne. Karte war selbstredend auch keine da, kein Link, wo man das Paket zu dem anderen mysteriösen Paket an den Arsch der Welt dazuliefern hätte lassen können, nur eine deutsche Hotlinenummer. Der Hübsche rief also total geladen an und ich war mir zwischendrin nicht sicher, wie viel länger er „Bestellen Sie mit DHL. Zuverlässig, einfach, kompetent“ noch ertragen hätte, ohne das Telefon an die Wand zu pfeffern.
Nach 15 Minuten dann hatte er jemand dran, schilderte das Problem und hörte „Ja, das ist jetzt doof, dass das Paket nicht da ist, ich seh hier auch keine eingescannte Unterschrift, das macht die Schweizer Post oft so, dass sie angeben, es wäre ausgeliefert worden und dann lagern sie es in der Postfiliale. Da kann ich Ihnen leider auch nicht weiterhelfen, da müssen Sie bei der Schweizer Post anrufen, hier die Nummer.“
Die Schweizer Post arbeitet natürlich nur bis 18:00h.
Heute morgen also hat der Hübsche dann bei der Schweizer Post angerufen und sein Problem geschildert. Als Antwort bekam er eine neue Trackingnummer („Die andere ist von DHL Deutschland. Wir sind hier in der Schweiz.“), und damit konnt e er dann bei der Sendungsverfolgung von DHL Schweiz rausfinden, dass das deutsche: „Zugestellt an Herrn Brüllen“ auf schweizerisch „liegt in einer Abholzentrale am Arsch der Welt.“ heisst.
Das war ja insofern ganz praktisch, weil er da ja eh hinmusste, um das mysteriöse Paket aus Zürich abzuholen.
Langer Rede kurzer Sinn: das mysteriöse Paket aus Zürich WAR der Little Hipstear, es hatte also auf seiner Reise, die voll und ganz von DHL organisiert war, 4 verschiedene Trackingnummern und keine Auskunft entsprach der Wahrheit. Aber: Ende gut, alles gut, der Kreuzberger Little Hipster bekommt sein HipsterTipi zu Weihnachten und wir haben hier noch mehr Spannung, weil in der Zwischenzeit Amazon schon das Geld für eins der Geschenke für mich zurückerstattet hat, weil es nicht durch den Zoll gekommen wäre, die Trackingnummer sagt allerdings etwas anders.

Wenn Sie eine Message aus dieser Geschichte mitnehmen: bestellen Sie nicht aus dem Ausland in die Schweiz. Suchen Sie sich einen Lottomann, das ist all die skurrilen Gespräche zillionenfach wert.



*kurz ist relativ. Das eine Paket, das AWOL ist, wurde Anfang November bestellt.


** Nach 15 Jahren Erfahrung Onlineshopping in die Schweiz kann ich, sofern eine deutsche Versandadresse verfügbar ist, nur empfehlen, die zu nutzen. Klar behaupten die Versender, das wäre binnen zwei Tagen in der Schweiz. Physisch. Vielleicht. Meist nicht. Es geht IMMER ewig. Aber gut, jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen.


Selbstbeweihräucherung: mein Schreibtisch ist leer und aufgeräumt, die Inbox auf 0, ich habe jetzt Urlaub.