Donnerstag, November 16, 2017

Rettende Routine

"Embracing Ambiguity", das muss man jetzt ja können in der Arbeitswelt, weil alles ändert sich und nix ist fix und so. Nun ja, das ist mal sicher keine Kernkompetenz von mir, ich bin ever "developing plan a-z, to cope with this f*****ing ambiguity" und so war ich ja schon sehr froh, dass der Termin für Italien jetzt endlich feststeht. Später als gedacht, geplant, gewünscht, aber ich habe endlich gebucht und kann aufhören, als Übersprungshandlung bei jedem Hüsterchen sofort den Flugplan Basel-Rom, Zürich-Rom, Dublin-Rom oder Shannon-Heathrow-Rom abzugleichen.
"See you Monday in Rome" ist auch eine schöne Art, eine Mail zu beenden, finde ich.
Ganz, ganz vielleicht habe ich nächste Woche dann noch ein minifuzziklaanes bisschen Zeit im Rom (bisher war das ja immer: "Ankunft im Hotel kurz vor Mitternacht, schnell noch was Essen, bevor die Küche um Mitternacht zu macht, schlafen, halb 7 aufstehen, heimfliegen") und meine Kollegin hat mir Ostia Antica empfohlen. Das wäre wirklich toll, wenn das klappen würde. Und alles andere natürlich auch.


Ich habe also um 7:50h den Reiseantrag abgeschickt, um 8:02h ("Phone hours: 8:00 - 18:00h") bei der Reisezentrale angerufen und mitgeteilt, dass das schon unglaublich dringend wäre, weil MONTAG!!!!! und, und das fand ich sehr schön, statt "Wir wissen, wie unser Job geht!" ein hörbares mildes Lächeln durchs Telefon und die Versicherung, dass ich bis mittags all meine Tickets und Reservierungen hätte. Auch ohne Anruf, weil die Aufträge nach Abreisedatum sortiert würden. Automatisch. War dann auch so. Phew.


Um 9:00h dann war das zweite Meeting des Tages, in dem ich sozusagen für meinen Kohlendioxidfootprint vorplante, es zeichnet sich nämlich ab, dass ich mit zwei Kollegen im Januar nach Indien fliegen werde. In einer "Nur noch schnell die Welt retten"-Mission mit jeder Menge Visibility, wie man so schön sagt, deswegen wird das noch spannend, wer wie begeistert das Reisebudget approved. Hui, und ich brauche einen Einladungsbrief und einen Entsendungsbrief und das gibt dann ein Business-Visum. Sehr, sehr spannend, das alles.


Unnötig spannend wurde es dann am Nachmittag, als ich einen Anruf aus dem Lehrerzimmer verpasste, dann war dort belegt, der Hübsche wusste von nix, Q. war schon daheim, meinte, er hätte L. auf dem Pausenhof mit einem Coolpack auf dem Auge gesehen, aber er wollte nicht sagen, was passiert wäre. Im Sekretariat wusste man von nichts, also war ich teilberuhigt, weil sooooo hochdramatisch konnte es ja dann wohl nicht sein.
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Trotz allem machte ich einen früheren Feierabend (ich habe sogar drangedacht, für Italien meine Sichrheitsschuhe und die geschliffene Schutzbrille einzupacken!) und kurz vor daheim rief mich L. an: er hatte sich mit seinem besten Freund um einen harten Tonklumpen gestritten und der Streit endete damit, dass der Freund L. den Klumpen ins Gesicht warf und ihn voll im Auge erwischte. Hmpf. Schon am Telefon war mir klar, dass auch wenn vllt gar nix wäre, ich das gerne abgeklärt hätte. Ich war also um viertel vor fünf nach Hause, hatte um 5 Minuten später einen Termin für halb sechs beim Kinderarzt bekommen, aus dem Wartezimmer rief ich bei der Krankenkasse an (wir haben so einen Telmed-Vertrag, bekam den Hinweis auf den bittedanke auszufüllenden Unfallbericht) und um 10 vor sechs war klar: riesiges Glück gehabt, keine Brösel mehr im Auge, keine Kratzer auf der Hornhaut, keine Verletzungen ausser einem beginnenden Veilchen und Sehtest ist auch super (mit dem Tonauge besser als ich mit Brille und beiden Augen).
Nach 12 Jahre Elternschaft kann ich also sagen, dass mich sowas nicht total kalt lässt, aber ich verfalle auch nicht mehr in Panik. Es hat perfekt gepasst, dass der Hübsche heute für sein Michelin-Stern-Essen eh mit Kollegen mitfährt und das Auto bereitstand und die Organisiertheit unserer Kinderarztpraxis ist eh zum Niederknien.
Little L. hat sich übrigens direkt nach dem Klumpenstreit mit seinem besten Freund wieder vertragen, die Welt ist also wieder in Ordnung.
Phew.