Donnerstag, September 21, 2017

Wort mit O

Mir wird ja manchmal (nicht nur in meinem Internetleben) vorgeworfen, ich wäre zu direkt und zu wenig empathisch und eher so Team Holzhammer.
Das mag sein, dass das so ankommt, seien Sie jedoch versichert, dass ich (zumindest im realen Leben) durchaus lang drüber nachdenke, was ich sage und wie das vielleicht bei jemandem ankommt.

Bis ich halt dann mal so drin bin, dann denke ich eine Zeitlang nicht mehr, sondern rede nur noch und danach irgendwann, in dem manchmal unangenehmen Schweigen, da denke ich dann wieder drüber nach, wie man das, was ich gerade gesagt habe, hätte auch noch verstehen können und dann ist es mir schon auch manchmal unangenehm (So heute zB kurz, als mir nach einem echt saublöden Kommentar eines Kollegen in der grossen Runde rausrutschte: "Oh, someone just got himself signed up for one of the "How to overcome everyday-sexism"-trainings!". Das war mir aber auch nach längerem Überlegen nicht unangenehm.)

Genug der Vorrede. Heute allerdings hatte ich bei der Arbeit ein Erlebnis, das mich darin bestärkt hat, dass es Leute gibt, die damit durchaus gut umgehen können, und das kam so: In meinem Produktportfolie sind zwei Wirkstoffe, die beide mit O anfangen und ja, vermutlich auch sonst ein bisschen ähnlich klingen. Ungefähr so ähnlich wie ... Paracetamol und Pantoprazol. Sie sind für total unterschiedliche Krankheiten, chemisch total unterschiedlich, werden an unterschiedlichen Standorten produziert, sie haben nichts gemeinsam ausser den „ähnlichen“ Namen.

Seit ca drei Wochen geistern nun Emails durch das Netzwerk, weil zunächst nur Informationen, mittlerweile auch Wirkstoff- und Medikamentenmuster von einem dieser O-Medikamente an eine Gesundheitsbehörde weitweitweg geschickt werden müssen und „Wer kann das beschaffen?“.

Ich war erst nur am Rande involviert und habe darauf hingewiesen, dass der Wirkstoff, für den die Daten verlangt wurden, der falsche wäre, zwar auch mit O, aber eben der andere. Das wurde korrigiert und heute kam die Anfrage über andere Kanäle an mich zurück, man bräuchte jetzt Muster und man hätte gehört man müsse sich dafür an Werk C und D wenden und ob denn die Adressen stimmen würden.

Ich habe darauf hin geantwortet, dass ich gerne Muster organisiere, allerdings hätte Werk C noch nie diesen Wirkstoff produziert, nur den anderen mit O, und Werk D hätten wir mittlerweile verkauft, und die produzieren das auch nicht mehr, aber wir hätten noch was an Lager, aus Werk A und dem früheren Werk D, und wohin ich wieviel schicken lassen soll.

Als Antwort kam: „Danke, du musst gar nix machen, da kümmert sich da Team drum, das jetzt Werk D als externen Lieferanten betreut, die kriegen da ein Muster her, alles gut.“

Ich habe echt eine Zeitlang überlegt, was ich tun soll und war kurz versucht, den Dingen ihren Lauf zu lassen und dann halt in zwei, drei Wochen, wenn das Team für D rausgefunden hat, dass D gar nix hat, die Muster zu organisieren, aber was weiss ich denn, wieviel Zeit ich in zwei, drei Wochen habe, also mache ich das lieber gleich, und ich kenn das, hinterher sind alle beleidigt, weil ich so ein Klugscheisser war, aber dann ist es wenigstens erledigt.

Ich habe also die A, C, D und O-Geschichte nochmal in einer Mail erklärt und nochmal angeboten, Muster zu organisieren.

10 Minuten später klingelt das Telefon (ah, vergessen: erst habe ich versucht, den Typ anzurufen, er war aber nicht erreichbar) und der erste Satz (noch bevor ich wusste, wer überhaupt am Apparat ist) war: „Mann, mann, mann, da rede ich seit drei Wochen mit den Leuten in Werk C und die sind zu höflich, mir zu sagen: „Du Narr, du bist am falschen Ort, da haben wir nix mit zu tun“. Danke, dass Du nicht solche Hemmungen hattest!“. Ganz so hatte ich das zwar nicht formuliert, aber hui, nochmal gut gegangen.