Freitag, September 22, 2017

Topf und Deckel.

Vor … 18 Jahren (glaube ich. Es war auf jeden Fall das Jahr, in dem Hoechst zu Aventis wurde und der kleine Junge in Hoechst ermordet wurde, direkt vor dem Hoechster Mädchenlehrlingswohnheim, wesewegen ich dann mit dem Hübschen nach Kriftel ins Jungslehrlingswohnheim gezogen bin) haben der Hübsche und ich (und noch ein paar andere Kommilitonen) in Frankfurt ein 4 wöchiges Industriepraktikum gemacht.
Ich wollte erst schreiben, das wäre das erste Mal gewesen, dass wir allein auf uns gestellt von daheim weg waren, also, nicht im Urlaub, aber das stimmt gar nicht, 1997 war ich ja für die 3 Monate in San Diego, aber da wurde ich vermutlich von der Familie meines Chefs unter die Fittiche genommen.
Wir sind also im Lehrlingswohnheim aufgeschlagen, haben uns beim Hausmeister die Wehrmachtsdecken Wolldecken mit „Farbwerke Hoechst“ eingewebt abgeholt und das Zimmer bezogen (ich so ein bisschen unter dem Radar, weil ich ja nicht bei den Mädchen wohnen wollte, ganz allein bei dem Abflussgraben, deswegen hat der Hübsche so getan, als wäre er sehr verfroren und bräuchte bittedanke zwei Decken).
Das Lehrlingswohnheim war ... interessant. Es gab Stockwerksküchen mit Backöfen, bei denen gab es aber keine Bleche, weil die immer wieder verschwinden würden, und so lernten wir fürs Leben: Wenn man statt eines Backblechs für eine Tiefkühlpizza den Pappkarton nimmt und den halt auf den Boden des Ofens legt, dann fängt das alles recht schnell Feuer.
Wenn jemand vor dir ein Brathähnchen in dem Backofen gemacht hat (auch ohne Blech oder Rost, halt einfach so reingelegt), dann solltest du den Ofen nicht mehr benutzen. Und auch lieber gar nicht aufmachen, der Fettglibberschlotz läuft dir nämlich einfach über die Füsse.
Geschirr gab es auch keines, also mussten wir einkaufen gehen. Besteck haben wir uns aus der Kantine (die, in der wir waren, hiess: „Die gelbe Hölle“) geliehen, und an unserem ersten Wochenende on Frankfurt sind der Hübsche und ich gemeinsam zum Kaufhof gegangen und haben einen Topf gekauft. In mehr wollten wir nicht investieren, weil man muss das Zeug ja wieder mitheimnehmen, unser ganzes Praktikumsgehalt ging für die Zimmer drauf und ausserdem wohnten wir ja eigentlich noch daheim und da hatte es genug Töpfe. Wir standen also in der glitzernden, funkelnden Küchenabteilung und hatten einfach keine Ahnung. Weil: Töpfe, das ist was, das kam in unserer Einkaufsrealität überhaupt nicht vor. Die Töpfe bei uns daheim in der Küche waren einfach da, die haben sich meine Eltern, ich glaube, zur Hochzeit gekauft oder geschenkt bekommen und die Töpfe sind übrigens auch heute noch da.
Wir hatten also überhaupt keine Auswahlkriterien für unsern geplanten Topfkauf, also gingen wir, wie ich finde, sehr pragmatisch vor: wir überlegten, was wir denn in dem Topf überhaupt kochen wollen würden. Das war, aufgrund unserer sehr limitierten Kocherfahrung (ich hatte es damals eher mit Backen und das war ja, wie oben geschildert, eher schwierig) einfach, nämlich: Teewasser fürs Frühstück und Nudeln. Und zwar, weil wir nur einen Topf kaufen wollten, Nudeln aus so Fertigpäckchen, wo das Pulver, aus dem dann zB Käsesauce wird, schon mit dabei ist.
Wir sind also in den nächsten Supermarkt und haben mal so ein Beispielpäckchen „Bandnudeln in Käsesahnesauce, 2 Portionen“ gekauft, die Anleitung studiert, gesehen, dass man da 350mL Wasser zugeben muss, dann noch das Volumen der Nudeln dazu, ein bisschen für da Pulver, ein bisschen für den Löffel zum Umrühren, ach, schau an, es gibt einen Topf, der ist sogar mikrowellengeeignet, für den Fall, dass wir das mal brauchen und in irgendeiner Stockwerksküche eine Mikrowelle finden, und da passen 450mL rein. Das reicht für die Nudeln und für zwei Tassen Tee. Und so haben wir zwei zusammen einen winzigen weissen Porzellantopf mit Glasdeckel als unseren ersten gemeinsamen Besitz erstanden.
Sie können sich vorstellen, dass die Pulvernudeln erstens gar nicht mal so lecker waren (aber gut, Studenten, es ging nur um ein paar Wochen und mittags gab es ja das gute Kantinenessen), dass die 450mL etwas knapp kalkuliert waren (die Jobs in der Verfahrensentwicklung haben uns später gelehrt, dass man einen Reaktor NIE zu 100% füllt wegen Rühren, Schäumen, Kotzen) und auch, dass sich das Teewasser nicht wirklich gut daraus portionieren liess.
Wir haben unseren ersten gemeinsamen Topf aber sehr geliebt und er hat uns über alle Umzüge von Frankfurt zurück nach Hause, dann nach München, nach Basel und nach Suburbia begleitet. Irgendwann ist er uns leider zerbrochen. (Pulvernudeln haben wir nach Frankfurt nie wieder gegessen), aber ich versuche, an unseren Topfkauf zu denken, wenn ich innerlich die Augen rolle über scheinbar lebensuntüchtige Studenten im Supermarkt oder so :-)

Kommentare:

frau zwerg hat gesagt…

Der Topf mit abnehmbarem Griff? :)
Ich habe genau so einen zum 18. Geburtstag bekommen und er steht auch nach mittlerweile 24 Jahren noch in meiner Küche...

Caramelia hat gesagt…

Ich musste gerade ein bisschen sehr schmunzeln und auch ein bisschen bewundern: Sie sind den Topfkauf SEHR systematisch und pragmatisch (wenn auch letztlich nicht super praktisch) angegangen. Sehr lobenswert.

Meine Erfahrungen mit "lebensuntüchtigen" Studenten sind sehr beschränkt, aber ich muss immer extrem an mich halten um nicht breit zu grinsen, wenn der neue, 20jährige Nachbar zu uns kommt und nach Rat und Tat in Haushaltsdingen fragt. Er macht das super und ich bin jedesmal ein kleines bisschen stolz auf ihn, wenn er berichtet, was ihm Neues gelungen ist ;-)