Montag, September 25, 2017

Alles wie immer. Oder so

Ich bin totalen Erledigrrrrl-Modus, einfach, weil eine sehr, sehr wichtige Deadline immer näher rückt und noch irre viel zu tun ist (ich nehme an, die italienischen Partner verfluchen gerade, dass sie mit einem Pünktlichkeitsfetischisten und Düpflischisser wie mir zusammenarbeiten müssen, aber meine Nerven möchte ich im Moment auch nicht haben), dazu noch ein anderes wegen Aussenwahrnehmung extreme wichtiges anderes Projekt und eines, das politisch kompliziert, aber sehr spannend ist, und halt der alltägliche Kleinscheiss.
Und dazu kommt, dass ich nächste Woche frei habe und dementsprechend alles noch ein bisschen dringender wird.
Da passt es mir gar nicht in den Kram, wenn dann auf einmal jemand mir noch Gedankenfutter vor die Kaffeetasse wirft, weil "Ich könnte mir dich sehr gut in dieser Rolle vorstellen, das täte der Organisation sehr gut." Ich habe doch gar keine Zeit, über sowas nachzudenken, ich habe schon das Resilienzseminar abgesagt, weil ich keine Zeit habe, darüber nachzudenken, wie ich im Stress fokussierter und entspannter bleiben kann. Aber dann frage ich mich natürlich, ob ich zu sehr Erledigrrrl und zu wenig Karrieregrrrrl bin, um das grosse Ganze zu sehen.
Nach einem Mittagessen mit dem Lieblingskollegen und einem Chat und Telefonat mit dem Hübschen sind mir aber zwei Sachen klar: Mag sein, dass es der Organisation gut tun würde, mir sicher nicht. Und, kurz vergessen, Erledigrrrrl hat einen Karriereplan und da gehört diese Station weder rein, noch führt sie wohin, wo ich hinmöchte. Ich arbeite noch am Wording.

Ansonsten: ganz normaler Montag. Ich hole L. von der Dorfturnhalle ab und wie jeden Montag muss ich um 17:03h beim Überqueren der letzten Strasse warten, weil von links ein Pferd mit Kind drauf angeführt wird.
Zwischenstop beim Tierarzt für Trockenfutter und Nierenmittel, Schwätzchen, L. streichelt den Praxiskater, daheim packe ich die vom Hübschen kopierten Impfausweise der Kinder zu den Anmeldungen furs Pfadiherbstlager (aus skurrilen Gründen gehen jetzt doch beide Kinder statt keins und wir haben die zweite Herbstferienwoche kinderfrei. Wie praktisch, dass da ein dreitägier Offsiteworkshop meiner Gruppe und ein Teamdinnder des Hübschen drin liegen, da sehen wir uns praktisch gar nicht, wir wüssten vermutlich eh nicht, was wir mit der vielen Redezeit ohne Kinder anfangen sollten.) und schicke Q. zum Einwerfen im Pfadihaus.
Ich amüsiere mich köstlich über einen zu unterschreibenden Test, bei dem auf der letzten Seite Feedback zum Schwierigkeitsempfinden und der Vorbereitung und Selbsteinschätzung gefragt war. )"Ich fand den Test leicht und glaube, ich kriege eine Sechs". Unter Impostersyndrom leidet er schon mal nicht. Recht hatte er auch.)

Q. erzählt, dass sie furs nächste Referat Powerpoint können müssen und schon fleissig am Üben wären. Er kann schon animierte blinkende Regenbogenschrift und ich denke, ich werde ihn in die Geheimnisse animierter .gifs in der Präsentation einweihen.

Geburtstagseinladung in den Kalender töckeln, Limango-Retoure fertig machen, Staubsauger durchs Haus schicken, Wäscheständer abräumen, Crosstrainerrunde, Spülmaschine, Lagerbeitrag bezahlen, Znüni-zmittag-zvieri für den Schulausflug morgen packen, Klamotten und das passende Makeup für morgen rauslegen.
Alles wie immer.
Im Hinterkopf allerdings rumort die Frage, wie es sein kann, dass in "meinem" Wahlkreis, einem beschaulichen Landkreis im Münchner Umland ohne offensichtliche wirtschaftliche und sonstige  Probleme, mitten im Speckgürtel, die AFD die zweitstärkste Partei nach der CSU ist. Das geht einfach nicht in meinen Kopf (Q. wurde heute von seinem deutschen Lehrer gefragt, ob er auch gewählt hätte. Oder wir. Und ob dann wenigstens nicht die AFD. Immerhin.)