Dienstag, Juli 04, 2017

Vorsicht, aber mit Vorsicht zu geniessen

Seit unsre Kinder in Kindergarten und Schule gehen, laufen sie alleine dorthin. Das klingt nach entspannteren Eltern, als wir es vermutlich sind, der Weg ist nämlich, wenn es hochkommt, 700m, dabei muss eine kleine mit Zebrastreifen) und eine grosse (die mit Fussgängerbrücke) überqueren, und sie laufen nie allein, sondern immer in einer grossen Gruppe.
Wenn aber Kinder allein unterwegs sind, bleibt es natürlich nie aus, dass sich Eltern Sorgen machen, der Verkehr ist das eine, Entführungen oder ähnliches sind das andere. In den7 Jahren, die wir das jetzt hier mitmachen, gab es einmal einen Brief von der Schule, dass eine verdächtige Person gesichtet wurde und das ganze an die Polizei übergeben wurde, und ich schätze, jedes Jahr einmal ein "Der Bruder vom Cousin von der Schayenne hat im Fall einen gesehen, der hat komisch geschaut, das war sicher ein Perverser"-Gerücht via den Kinderfunk und einmal im Jahr ungefähr eine WhatsAppWellle über bekannte Eltern, dass entweder jemand angesprochen wurde, oder komisch rumstand, oder im Nachbardorf jemand festgenommen wurde.
Ich versuche, das so pragmatisch wie möglich zu halten: meine Jungs wissen, dass sie mit niemandem mitgehen dürfen. Wir haben sämtliche Szenarien, die mein Hirn hergab (ich lese viele Thriller, also, da geht einiges) durchgesprochen (junge HundeHasenKatzenmäuse, kaputtes Auto, verletzte Tiere, krankes Kind, Eure Eltern sind verletzt, hatten einen Unfall, bei euch wurde eingebrochen, wir haben eure Eltern entführt, ihr must mitkommen, dein Bruder wurde angefahren, ich habe Eure Katze gefunden, you name it) und immer wieder erklärt, erklärt, erklärt, dass sie in dem Fall nicht einmal antworten müssen, sondern einfach gehen. Wenn sie nicht in Ruhe gelassen werden, sollen sie schreien, andere Erwachsene holen, immer in der Gruppe bleiben.
Klar habe ich ein mulmiges Gefühl, aber ich vertraue meinen Kindern und dem safe space Dorf so weit, dass ich mir (vom Kopf her) sicher bin, dass da nichts passieren wird. Ich selber hatte als Kind so unglaubliche Angst, entführt zu werden (ich bin mit RAF Fahndungsplakaten und den Fahndungsplakaten für das Kind in dem Erdloch gross geworden), ich möchte nicht, dass meine Kinder diese irrationale Angst auch haben.
Andererseits: vom Bauch her ist das eine ganz andere Sache.


Gestern war es dann wieder einmal wieder soweit: dismal wurde nicht "Der Bruder von der Schayenne ihrem Cousin schief angeschaut", sondern ein Mädchen aus einer Klasse unter Q. angesprochen, ob sie nicht die jungen Hunde im Auto anschauen wollen würde. Wollte sie nicht, das ganze wurde an die Polizei gemeldet und hat sich natürlich wie ein Lauffeuer unter den Eltern verbreitet.
Ich habe also das Thema mit Q. und L. nochmal aufgenommen, sie darum gebeten, doch bitte beide die Woche noch miteinander von der Schule heimzulaufen (L. ist meist so ein Träumer, dass er für den gleichen Weg doppelt so lang braucht), so weit so gut.
Das haben wohl auch alle anderen Eltern mit ihren Kindern besprochen, auf dem Pausenplatz gab es wohl kein anderes Thema als die Hundesache.


Tja. Und heute nachmittag klingeln dann auf einmal die zwei besten Freunde von Little L. ganz panisch bei uns und kriegen kaum einen graden Satz raus, weil "Der xy hat im Fall gesehen, dass der Little L. von einem fremden Mann in ein Auto voller Hunde gezogen worden ist und dann ist er ganz schnell weggefahren und wir müssen jetzt schnell zu Polizei!" Ja. Little L. war zu dem Zeitpunkt safe and sound in seinem Zimmer am Lego spielen (ohne Hunde) und dementsprechen hat sich das alles schnell geklärt. Also: von der Entführungsseite. Nicht so sehr von der Panikseite, weil die Mutter von xy, der ich ein "Heads up, L. gehts gut" geschickt habe, ist unglaublich stolz auf die Aufmerksamkeit ihres Sohnes, der ja praktisch eine Entführung verhindert hat. Oder so.


Gottseidank sind bald Ferien.