Freitag, September 30, 2016

Zeitenwende

Heute hatte Little Q. mit einem Klassenkameraden abgemacht, der bisher noch nie bei uns zu Hause gewesen war. Alles war wunderbar, die Jungs verabredeten sich selber, machten Zeit- und Treffpunkt aus, haben friedlich miteinander und Little L. gespielt, aber irgendwas war anders. Beim Verabschieden fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen: der Junge hat praktisch überhaupt nicht mit mir gesprochen. Also klar, das Übliche, wie "Hallo", "Ja, gern ein Stück Kuchen.", "Ja, eine kleine Schwester.", "Ne, lieber nur Wasser.", das schon. Das ist jetzt vermutlich für einen Zwölfjährigen ganz normal, ausserdem war er ja nicht mein Gast, sondern der von Little Q. und mit dem hat er durchaus mehr gesprochen :-).
Mir wurde bewusst, dass ich die meisten Freunde meiner Kinder kenne, seitdem sie zusammen in der Krippe oder spätestens, seitdem sie zusammen im Kindergarten waren, also zum Teil seit 9 Jahren. Und dementsprechend die ganze Phase, in der freimütig alles geteilt wird, ich nehme an, die Eltern der meisten Freunde von Q. und L. wissen mehr über unser Familienleben, als wir glauben bzw. hoffen und andersrum ist es genauso. "Möchtest Du Wasser?", "Ja, aber nur einein halben Becher, meine Mama sagt, mehr darf man mir nicht eingiessen, sonst gibts eine Überschwemmung. Letztes Mal übrigens, da ist ihr selber die Flasche umgefallen und da hat die Fluchwörter gesagt, ganz schlimm. Ich darf das nie." Und so. Diese Vertrautheit hat sich mit den meisten auch in die gegenüber Erwachsenen gar nicht mehr so offenherzige Pre-Teen-Phase hinübergerettet, so dass ich kein Problem habe, mit den meisten lange, ausführliche Gespräche zu führen, ohne das Gefühl zu haben, ihnen alles aus der Nase ziehen zu müssen bzw. dass sie eigentlich überhaupt nicht mit mir reden wollen.
Mit den Freunden, die aber neu dazukommen, ist das natürlich anders. Da fehlt uns die ganze "Weisst Du noch, wie Du mitten in der Weihnachtsaufführung laut erklärt hast, dass Du jetzt Gaggi machen musst?"-Vorgeschichte.
Aber ich bin optimistisch: bisher wird auch mit den neuen Freunde in ganzen Sätzen gesprochen, ich bin am Kaffeetisch willkommen, es wird nicht gegrunzt und Türen genervt zugemacht. Ich denke, das wird schon! Ich muss nur genau drauf achten, welche Freunde ich wie lange kenne, damit ich die richtige Platte auflege :-).