Donnerstag, Juni 02, 2016

Amtsanmassung

Einen Nachtrag zum Radlthema von gestern habe ich noch: aus Gründen bin ich zusätzlich zu dem spannenden Hinweg insgesamt dreimal quer durch die Stadt geradelt, weil ach, es ist kompliziert, wenn man an zweieinhalb Standorten arbeitet und dann davon ausgeht, dass alle vereinbarte Termine so ernst meinen wie man selber.
Auf dem letzten Rückweg dann bin ich mit Schwung die Wettsteinbrücke Richtung Kleinbasel runter geradelt und vermutlich nicht ganz korrekt nach der Baustelle oben am Kunstmuseum, wo einen der Verkehrsregler jedesmal anders um den heissen Teer herumwinkt, nicht mehr auf den erhöhten Radweg gefahren (es gab definitiv keine Rampe geschweige denn ein abgesenktes Trottoir, die Strasse ist breit genug, dass die Autofahrer an mir vorbeikommen, wenn ich die paar Meter auf der Strasse fahre und ausserdem sind es eh nur ungefähr 200Meter, dann ist der Radweg wieder auf gleicher Ebene mit der Strasse und ich logischerweise drauf), es war eh kaum Verkehr mitten am Nachmittag und ich genoss die frische Luft um die Nase. Als ich dann unten am Kreisverkehr anhielt und auf eine Einfädelmöglichkeit wartete, gestikulierte die Frau im Auto neben mir wütend und machte irgendwelchen kryptischen Handbewegungen. Ich weiss nicht, ob sie sauer war, weil ich 200Meter nicht ganz regelkonform auf der Strasse gefahren war, ob sie fand, es wäre blöd, dass ich den Radweg nutzen würde anstatt den Fussweg durch den Park, ich verstand ehrlich gesagt überhaupt nicht, was ein Problem sein sollte. Ich schaute sie also fragend an, sie liess wutentbrannt das Fenster runter (Tipp vom Radfahrer: solange das Fenster zu ist, hört man Euer Fluchen und Krakeelen aussen nicht. Wenn ihr das Fenster runterlasst, empfiehlt es sich, den Sermon nochmal von vorne zu starten), ich kam vor lauter wütendem Gezeter nicht mit, was sie wollte (und ja, innerlich hoffte ich, das Herz voll Sonnenschein und frischer Luft, auf einen #allebekloppt-Dialog a la Frau Novemberregen.), beugte mich freundlich lächelnd zum Fenster und meinte: "Gibt es irgendein Problem?"
Die Frau holte tief Luft, ihr Blick fiel, dachte ich erst, in meinen Ausschnitt, sie klappte den Mund zu, meinte kurz und knapp: "Nein, gar nicht." und düste mehr oder weniger mit quietschenden Reifen ab.
Das irritierte mich erst etwas ("Ist mir ein Knopf abgeplatzt? Habe ich die Unterwäsche vergessen? Ist mir beim Mittagessen irgendwas ekliges in den Ausschnitt gefallen und klebt da jetzt?"), aber ein Kontrollblick löste das Rätsel: ich hatte, schönes Wetter und so, keine Jacke an und um den Hals baumelte mein Firmenausweis an dem Ersatzband von der Kantonspolizei, das mir immer noch gute Dienste leistet. Ich werde aufpassen wie ein Haftlmacher auf die restlichen, die ich noch davon habe, die sind Gold wert!