Mittwoch, April 27, 2016

Was lange währt

Heute war ich den ganzen Tag einem "Risk Management Training: FMEA, PHA, FTA". So weit, so unspannend (wobei der Kurs echt, echt gut war. Nichts wirklich Neues, aber es ging ja auch eher um Alignment und wie benutze ich wann welche Systeme und wie sprechen die miteinander. Und wir hatten wirklich Spass. Und ich habe jetzt den Ruf "Die mit der ausschweifenden Fantasie und den irren Ideen.")

Das Spannende kam eigentlich vorneweg, ich war zu ebendiesem Kurs nämlich in den letzten vier Jahren schon fünfmal angemeldet und es hat nienienie geklappt teilzunehmen.

  • Der erste Termin wurde nach einer Doodle-Terminumfrage auf einen Freitag gelegt, das war damals mein freier Tag, ich sagte dankend ab, anstatt einen Extrakrippentag zu zahlen, schliesslich gab es im System ja noch Ersatztermine und soooo dringend schien mir das alles nicht.
  • Der zweite Termin (der Ersatztermin, nicht speziell für unsere Abteilung, zu dem ich mich nach dem ersten angemeldet hatte) wurde wegen zu weniger Anmeldungen eine Woche vorher abgesagt. Wahrscheinlich war es nur ich.
  • Der dritte Versuch fiel in die Zeit, in der ich mit 80% Pensum 180+% Job machte und meinen Kollegen einarbeitete, den habe ich freiwillig abgesagt (oder an eben den Kollegen abgetreten?).
  • Beim vierten Termin war auf einmal internes Audit und anstatt eben zu üben, wie man einen Fault Tree aufbaut und rechnet, diskutierte ich mit einem Auditor über Semantik.
  • Beim fünften Termin war ich schon fast auf dem Weg zum Schulungsraum, als mein Ereignispiepser gleichzeitig mit dem Handy losbimmelte, es gab Feuerwehreinsatz im Produktionsbau, weil mittelgrosse Mengen Lösungsmittel aus einem undichten Flansch gelaufen waren und es nun aus den Deckenlampen und überall tropfte.

In der Zwischenzeit hatte ich an unzähligen Risikoanalysen teilgenommen (vorher auch schon, aber in meinem ganz alten Job ging es in den Risikoanalysen vor allem um Sicherheit und Umweltschutz, eher weniger um Qualität. "Ah, das ist NUR ein Qualitätsrisiko, da brauchen wir uns nicht drum kümmern.", das war was, was ich mir beim Start in der Pharma ganz schnell abgewöhnen musste ;-)), den Facilitatoranfragen aus anderen Gruppen konnte ich immer mit Verweis auf "Ich war noch nicht bei dem Training" entkommen, aber nun hatte ein Kollege aus der neuen Gruppe für interessierte Kollegen genau dieses Training organisiert. Ich meldete mich an, im Hinterkopf, dass sicher eh was dazwischen kommen würde. Als die Woche mit dem Training näher rückte, kein Audit und keine Inspektion anstand, bei allen Produktionen alles verdächtig ruhig lief, ich ja für die tatsächlichen Feuerwehreinsätze eh nicht mehr zuständig bin, bereitete ich mich mental schon darauf vor, dass irgendwas total Abgefahrenes passieren würde, es könnte noch nicht möglich sein, dass es tatsächlich endlich klappen würde, an diesem Training teilzunehmen? Gestern dann: einige dringende Anfragen, die sich aber sehr schnell lösen liesen, heute morgen: der Bus stand zwar im Stau, aber ich hatte ja extra eine Stunde Spielraum eingeplant. An der Ampel fing es an zu hageln, aber eben: Extrazeit war eingeplant. Eine Stunde vor Kursbeginn setzte ich mich vorsichtig optimistisch auf meinen Platz im Kursraum, holte mir einen Kaffee und loggte mich vorsichtig ein: immer noch keine dringenden Notfalldinge. Immer mehr Kollegen tauchten auf, die Trainerin, es wurden Schulungsunterlagen verteilt und ENDLICH: 5 Minuten vor Kursbeginn heulten draussen die Feuerwehrsirenen. Ich hatte ja schon fast am Schicksal gezweifelt ;-). Praktischerweise hatte der Einsatz aber nix mit uns zu tun und wir konnten trotz wildester Wetterkapriolen (Hagel, Sonne, Schneesturm im wilden Wechsel) den ganzen Kurs durchziehen. Dass ich das noch erleben durfte!