Mittwoch, Februar 10, 2016

Frau Brüllen wird reich. Vielleicht. Erster Akt

Für den Freundeskreis „Spannungsbogen“ habe ich eine Fortsetzungsgeschichte mit ungewissem Ausgang.
Lassen Sie mich zunächst die Vorgeschichte erzählen:
 
Im September 1999 bin ich mit meinem damaligen Freund (Sie kennen ihn, wir sind seit 12.5 Jahren verheiratet) zusammengezogen, aus dem kleinen bayerischen Dorf, in dem ich gross wurde in die Landeshauptstadt.
Weil ich ja auch damals schon gern alles sauber gelöst habe, habe ich damals auch den Friseur, alle Ärzte und, Achtung, die Bank gewechselt. Ich gab der Dorfsparkasse den Auftrag, sämtliche Konten etc. auf die Stadtsparkasse München zu übertragen.
 
Im Jahr 2002 sind der Hübsche und ich damals noch unverheiratet in die Schweiz gezogen. Auch hier: die saubere Lösung, wir haben uns in Deutschland abgemeldet, was nach ungefähr drei Jahren Schweiz dann auch das Finanzamt München 2 Aussenstelle Deggendorf eingesehen hat, allerdings haben wir unsere beiden Konten bei der Stadtsparkasse München behalten, weil wir so nah an der deutschen Grenze leben und immer noch zB Geburtstagsgeschenke online nach Deutschland bestellen und das ist mit einem deutschen Konto viel einfacher.
 
Im Jahr 2003 haben wir geheiratet, auch hier die saubere Lösung: wir haben in Basel im Zivilstandsamt geheiratet, auf dem Landratsamt Lörrach die „Erklärung zur Namensführung“ beim Standesamt 1 in Berlin beantragt, bestätigt bekommen, die Pässe bei der Deutschen Botschaft in Bern ändern lassen, die Stadtsparkasse München über die Namensänderung und die Änderung des Familienstands informiert und die beiden Konten zu einem zusammengelegt.
 
Im Jahr 2007 sind wir dann aus der Stadt in die Vorstadt zwei Kantone weiter gezogen, haben das Haus gekauft, unsere Schweizer Bankgeschäfte auf die Hausfinanzierungsbank transferiert, die Stadtsparkasse in München über unsren Umzug informiert.
 
So weit, so gut. Das Ganze läuft relativ reibungslos, manchmal muss man mit den Münchnern ein bisschen schimpfen, wenn sie zB beschliessen, den Dispo zu streichen oder uns zu verpflichtenden Terminen in der Geschäftsstelle Bonner Platz aufbieten wollen, aber so alles in allem haben sie sich daran gewöhnt, dass sie jetzt zwei Kunden ausserhalb der EU haben.
 
So. Letzte Woche hat mir meine Mutter, die immer noch in dem kleinen oberbayerischen Dorf lebt, erzählt, die Leute aus der Dorfsparkasse hätten mich gesucht und ich würde ja anscheinend gar nicht mehr in München wohnen und ob sie ihnen meine Adresse geben könne. Diesen Montag bekam ich dann ein sehr skurriles Schreiben der Dorfsparkasse, mit der ich sämtliche Geschäftbeziehungen seit September 1999 beendet wähnte. Man hätte mir aus gesetzlichen Gründen dringend nötige Unterlagen zur Unterschrift zustellen wollen, unter anderem eine Änderung der AGBs und ich wäre unbekannt verzogen. Mein Lieblingssatz ist „Eine Adressanfrage bei der Landeshauptstadt München und Ihrer Mutter machte es uns endlich möglich, Ihre Adresse ausfindig zu machen.“
Anscheinend hat man ein Sparbuch auf meinen Namen gefunden und bräuchte jetzt von mir Erklärungen, wo ich steuerpflichtig ansässig wäre, Belege, falls das nicht in Deutschland wäre und allen Kladderadatsch zur Eheschliessung vor über 12 Jahren. (ach ja: und falls ich das Sparbuch nicht mehr bräuchte, solle ich es einschicken und man könne mir den Betrag überweisen).

Und ja, auch die Dorfsparkasse kann Spannungsbogen, sie haben nämlich nicht geschrieben, wieviel Geld auf dem Sparbuch ist, von dem ich nichts wusste (und das ich physisch natürlich auch gar nicht mehr habe, aber darum kümmere ich mich erst, wenn ich mehr weiss).

Ich hege im Prinzip und aus beruflicher Prägung natürlich allergrösstes Verständnis für Formalismen und Formulare jeder Art, aber ganz ehrlich regt sich in mir ob der ganzen Angelegenheit eine gewisse Renitenz.
  1. Seit 1999 sollte da nichts mehr sein.
  2. Ich habe meine Bewegungen und Änderungen jederzeit transparent mitgeteilt, allen Leuten und Stellen, die es betrifft. Da muss man nicht meine Mutter verrückt machen (grade, dass sie sie die Dokumente nicht haben unterschreiben lassen).
  3. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass sich die AGBs der Dorfsparkasse seit über 16 Jahren nicht geändert haben, und frage mich jetzt, warum sie mich so lange nicht gesucht haben.
  4. Ich wüsste gerne, ob ich diesen Aufwand jetzt für zweimarkfuffzig betreiben soll oder für einen Betrag, für den es sich lohnt (ich arbeite im Moment noch an der Grenze, die mir sinnvoll erscheint. Aktuell denke ich, für einen zweistelligen Betrag mache ich grad mal gar nix.)

Also: ich werde diese Dokumente erstmal nicht ausfüllen und mit beglaubigten Kopien von alles und jedem versehen zurückschicken, ich möchte erstmal mit den Leuten sprechen.
 
Auch das ist erstaunlich kompliziert. Aus meinen 24 ersten Lebensjahren in Bayern weiss ich, dass weder Rosenmontag noch Faschingsdienstag noch Aschermittwoch da Feiertage sind, also habe ich nach einem Check der Öffnungszeiten online gestern morgen mal angerufen. Es ging auch jemand hin, der mir sagte, sie hätten geschlossen und ich solle morgen nochmal anrufen.
 
Heute morgen habe ich also nochmal angerufen und die gleiche Dame nochmal erreicht. Sie sagte mir, dass auch heute die Filiale geschlossen sei und ich solle wann anders anrufen. Nachdem ich jetzt ehrlich gesagt keine Lust habe, jeden Tag da anzurufen, um rauszufinden, wann offen ist, habe ich also um einen Rückruf der Sachbearbeiterin gebeten, die mir den Brief geschrieben hat. Dafür braucht die Vermittlungsfrau aber anscheinend eine Kontonummer, die ich nicht habe, weil ich ja seit 1999 kein Konto mehr dort habe. Oder nicht zu haben glaubte. Bis auf dieses komische Sparbuch, was irgendwie unter irgendeinem Schrank vorkam. Ausserdem war ich mittlerweile schon sehr auf Krawall gebürstet und hatte keine Lust mehr nett und kooperativ zu sein. Es wurde also eine Mail von der Vermittlungsfrau an die Sachbearbeiterin geschrieben, in der vielleicht steht, dass eine Frau aus der Schweiz mit kompliziertem Namen unbedingt zurückgerufen werden möchte, auch wenn sie keine Kontonummer hat und dass sie sonst die Dokumente nicht unterschreibt und wenn die Finanzaufsicht die Sparkasse schliesst, wäre ihr das auch egal.
Man wird sehen, was jetzt passiert. Im Notfall schicke ich da meine Mutter vorbei, die kennt die Leute in der Sparkasse noch aus der Zeit, als sie mit meinen Schwestern und mir im Kindergarten waren.
 
Soweit also der aktuelle Stand, ich halte Sie natürlich zeitnah über weitere Entwicklungen auf dem laufenden.