Mittwoch, November 06, 2013

Jetzt mal ernsthaft

Jetzt mal ganz ernsthaft, meine Lieben: Edward Snowden und Whistleblowing in allen Ehren, tolle Sache, mutiger Mann, etc.
Aber ich verstand und verstehe die ganze Aufregung jetzt ehrlich nicht. Wobei: die Aufregung vielleicht schon, aber nicht die Überraschung und die Entrüstung. Für was sind denn Geheimdienste da, wenn nicht zum Spionieren? Hat denn keiner von Ihnen je einen Agententhriller gesehen? Homeland? Die Bourne-Tri- oder Tetralogie? Die Phantasie der Hollywood-Grössen ist bestimmt grossartig und ich glaube jetzt auch nicht, dass Mis Moneypenny in der englischen Botschaft sitzt oder alle NSA-Agenten annähernd solche Schnuckel wie Daniel Craig sind, aber haben Sie ernsthaft geglaubt, dass Geheimdienste
erstens vorher sagen, was sie tun oder am besten noch vorher fragen, ob das jetzt okay wäre, wenn sie das jetzt mal ausspionieren würden,
zweitens, nur weil man vorne rum vielleicht grad mal halbwegs befreundet tut (ich erinnere nur an die "Old Europe"-Schlammschlacht), auf einmal sämtliche mühsam installierte Spionageausrüstung wieder abbaut, anstatt weiter Daten zu sammeln, wer weiss, wofür man das mal brauchen kann (Little Q. kann auch keine Schraube liegen lassen, obwohl wir genug daheim haben) und
drittens, dass sie damit aufhören, weil man ein Abkommen schliesst, dass man da jetzt vielleicht nicht mehr so super findet.

Wenn Sie das glauben, dann haben Sie wahrscheinlich auch geglaubt, dass Uli Hoeness keine Steuern hinterzogen hat, Bill Clinton nichts mit Monica Lewinsky hatte und Herr von und zu Guttenberg sich seine Doktorarbeit ganz alllein ausgedacht hat.

Ich würde sogar weiter gehen und mal ganz provokant die Frage in den Raum stellen, was die deutschen Botschaften in London, Washington und Moskau so auf den Dächern bzw. auf dem Speicher stehen haben und wer da was mithört. Wundern würde es mich nicht, ich fände es fast schade, wenn unsere eigenen Spione ihren Job nicht machen würden.